Der Cavalier King Charles Spaniel – Sanfter Begleiter mit großem Herz
Der Cavalier King Charles Spaniel (CKCS) ist ein kleiner Hund mit einem riesigen Herzen – im übertragenen und leider auch im medizinischen Sinne. Kaum eine andere Rasse vereint so viel Sanftmut, Anhänglichkeit und Anpassungsfähigkeit. Der Cavalier ist gleichermaßen geeignet für aktive Familien, ältere Menschen und alle, die einen liebevollen, unkomplizierten Begleiter suchen. Doch so wunderbar sein Wesen ist, so ernst sind die gesundheitlichen Herausforderungen, die diese Rasse mit sich bringt. In diesem Ratgeber erfährst du alles über den Charakter des Cavaliers, seine Haltung und vor allem über seine Herzgesundheit.
Steckbrief des Cavalier King Charles Spaniels
- Herkunft: Großbritannien
- FCI-Gruppe: Gruppe 9 – Gesellschafts- und Begleithunde
- Größe: 30 bis 33 cm Schulterhöhe
- Gewicht: 5 bis 8 kg
- Lebenserwartung: 9 bis 14 Jahre (abhängig von der Herzgesundheit)
- Fell: Mittellang, seidig, leicht gewellt, mit Befederung an Ohren, Brust, Beinen und Rute
- Farben: Blenheim (kastanienbraun-weiß), Tricolor (schwarz-weiß-braun), Black and Tan (schwarz-braun), Ruby (kastanienbraun)
- Wesen: Sanft, anhänglich, fröhlich, anpassungsfähig, kinderfreundlich, gesellig
Charakter und Wesen des Cavalier King Charles Spaniels
Sanftmut und Anhänglichkeit
Der Cavalier ist der Inbegriff eines Begleithundes. Er lebt für die Nähe zu seinen Menschen und ist am glücklichsten, wenn er auf dem Schoß liegen, neben dir auf dem Sofa kuscheln oder dir durchs Haus folgen kann. Diese extreme Anhänglichkeit macht ihn zu einem wundervollen Therapiehund, bedeutet aber auch, dass er schlecht allein bleiben kann. Trennungsangst ist bei Cavalieren ein häufiges Problem.
Familienfreundlichkeit
Cavaliere sind ausgesprochen kinderfreundlich und geduldig. Sie spielen gerne mit Kindern, ohne dabei rau oder wild zu werden. Ihre Sanftmut macht sie auch für Familien mit kleinen Kindern geeignet – vorausgesetzt, die Kinder lernen, den kleinen Hund nicht zu grob zu behandeln.
Verträglichkeit
Der Cavalier versteht sich in der Regel hervorragend mit anderen Hunden und sogar mit Katzen. Sein geringer Jagdtrieb und sein friedliches Wesen machen das Zusammenleben mit anderen Tieren unkompliziert. In einem Mehrpersonen- oder Mehrtierhaushalt fühlt er sich meist pudelwohl.
Anpassungsfähigkeit
Ob Stadtwohnung oder Landhaus, aktive Familie oder ruhiger Alltag – der Cavalier passt sich an. Er geht gerne spazieren und spielt, ist aber auch zufrieden mit kürzeren Runden und viel Kuschelzeit. Das macht ihn zu einer der wenigen Rassen, die sowohl für aktive als auch für ruhigere Halter geeignet sind.
Haltung und Erziehung
Bewegungsbedarf
Der Cavalier ist kein Hochleistungssportler, braucht aber dennoch tägliche Bewegung:
- Mindestens 1 bis 1,5 Stunden Spaziergang pro Tag, aufgeteilt in zwei bis drei Runden
- Spielen im Garten oder in der Wohnung
- Nasenarbeit und Suchspiele: Der Cavalier hat eine gute Nase und Spaß am Suchen
- Moderate Aktivitäten: Er kann durchaus bei leichteren Wanderungen oder gemäßigtem Hundesport mitmachen
Vorsicht bei Hitze: Durch seine kurze Nase (brachyzephale Tendenz bei manchen Zuchtlinien) und sein dichtes Fell verträgt der Cavalier Hitze schlecht. Vermeide anstrengende Aktivitäten bei hohen Temperaturen und achte auf Anzeichen eines Hitzschlags.
Erziehung
Die Erziehung des Cavaliers ist in der Regel unkompliziert:
- Er ist kooperativ und möchte gefallen
- Positive Verstärkung funktioniert hervorragend
- Er ist sensibel – laute Stimmen und harte Methoden verunsichern ihn
- Frühzeitige Sozialisierung ist wichtig, damit er nicht ängstlich wird
- Das Alleinsein sollte von Anfang an behutsam geübt werden
Ernährung
Der Cavalier neigt zu Übergewicht, was seine ohnehin belasteten Gelenke und sein Herz zusätzlich strapaziert. Achte auf:
- Bedarfsgerechte Fütterung mit hochwertigem Hundefutter
- Leckerlis von der Tagesration abziehen
- Regelmäßiges Wiegen
- Kein Futter vom Tisch – der Cavalier bettelt meisterhaft mit seinen großen Augen
Rassetypische Erkrankungen und Herzgesundheit
Mitralklappenerkrankung (MVD – Mitral Valve Disease)
Die Mitralklappenerkrankung ist das zentrale Gesundheitsthema beim Cavalier King Charles Spaniel. Sie ist die häufigste Todesursache der Rasse und betrifft einen erschreckend hohen Anteil aller Cavaliere:
- Rund 50 Prozent aller Cavaliere haben bis zum Alter von 5 Jahren ein nachweisbares Herzgeräusch
- Mit 10 Jahren sind nahezu alle Cavaliere betroffen
Was passiert bei MVD?
Die Mitralklappe, die zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer liegt, degeneriert und schließt nicht mehr richtig. Blut fließt bei jedem Herzschlag zurück in den Vorhof (Regurgitation), was zu einer fortschreitenden Herzinsuffizienz führt. Das Herz vergrößert sich, um die Fehlleistung zu kompensieren, was den Zustand langfristig verschlechtert.
Symptome:
- Herzgeräusch (nur vom Tierarzt hörbar, oft der erste Hinweis)
- Husten, besonders nachts oder nach Anstrengung
- Verminderte Belastbarkeit
- Schnellere Atmung in Ruhe
- Gewichtsverlust
- Im fortgeschrittenen Stadium: Flüssigkeitsansammlungen (Lungenödem, Aszites)
Diagnose:
- Abhören (Auskultation) beim regelmäßigen Tierarztbesuch
- Herzultraschall (Echokardiografie) – die wichtigste Untersuchung
- Röntgen des Brustkorbs
- EKG bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen
Behandlung:
Die MVD ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Die Therapie richtet sich nach dem Stadium:
- Frühes Stadium (nur Herzgeräusch, keine Symptome): Regelmäßige Kontrollen, ggf. ACE-Hemmer
- Fortgeschrittenes Stadium (vergrößertes Herz): Pimobendan, ACE-Hemmer, ggf. Diuretika
- Herzversagen (Symptome vorhanden): Kombination aus Pimobendan, ACE-Hemmer, Diuretika und ggf. weiteren Medikamenten
Vorsorge:
- Jährliche Herzuntersuchung ab dem ersten Lebensjahr, idealerweise mit Ultraschall
- Seriöse Züchter lassen ihre Zuchttiere kardiologisch untersuchen und züchten nur mit herzgesunden Hunden über einem bestimmten Alter
- Halte deinen Cavalier schlank – Übergewicht belastet das Herz zusätzlich
Syringomyelie und Chiari-like Malformation (CM/SM)
Syringomyelie ist eine schwere neurologische Erkrankung, die beim Cavalier überdurchschnittlich häufig vorkommt. Die Ursache ist eine Chiari-like Malformation – der Schädel ist zu klein für das Gehirn, wodurch die Hirnstrukturen das Hinterhauptsloch blockieren und den normalen Fluss der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit behindern. Es bilden sich flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Syrinxe) im Rückenmark.
Symptome:
- „Luftkratzen" – der Hund kratzt sich in der Nähe des Halses oder Ohrs, ohne die Haut zu berühren
- Schmerzempfindlichkeit am Kopf und Nacken
- Yelpen oder Schreien ohne erkennbaren Anlass
- Verändertes Gangbild
- Berührungsempfindlichkeit
Diagnose: Nur durch MRT möglich.
Behandlung: Medikamentös (Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente, ggf. Gabapentin) oder in schweren Fällen chirurgisch.
Episodic Falling Syndrome (EFS)
EFS ist eine erbliche Muskelerkrankung, bei der die Muskeln bei Aufregung, Anstrengung oder Stress verkrampfen und der Hund „wie ein Baumstamm" umfällt. Der Hund ist bei Bewusstsein und erholt sich nach dem Anfall schnell wieder. Ein Gentest ist verfügbar.
Trockenes Auge (Keratoconjunctivitis sicca) und Curly Coat Syndrome
Diese erbliche Kombination tritt nur beim Cavalier auf: Welpen werden mit rauem, gelocktem Fell und trockener, schuppiger Haut geboren und entwickeln sehr trockene Augen. Ein Gentest identifiziert Träger.
Patellaluxation
Bei der Patellaluxation rutscht die Kniescheibe aus ihrer normalen Position. Kleine Rassen wie der Cavalier sind häufig betroffen. Symptome sind zeitweiliges Hüpfen oder Hinken auf einem Hinterbein. In schweren Fällen ist eine Operation nötig.
Ohrenprobleme
Die langen, dicht behaarten Ohren des Cavaliers begünstigen Ohrenentzündungen. Regelmäßige Ohrenreinigung und Kontrolle sind essenziell.
Pflege des Cavalier King Charles Spaniels
Fellpflege
Das seidige Fell des Cavaliers braucht regelmäßige Pflege:
- Zwei- bis dreimal wöchentlich gründlich bürsten – besonders die Befederung an Ohren, Brust und Beinen neigt zum Verfilzen
- Hinter den Ohren besonders aufmerksam bürsten – dort verfilzt das Fell am schnellsten
- Nicht scheren – das Fell des Cavaliers sollte in seiner natürlichen Form belassen werden
- Baden bei Bedarf mit einem milden Hundeshampoo
Ohren-, Augen- und Zahnpflege
- Ohren: Wöchentlich kontrollieren und bei Bedarf reinigen
- Augen: Täglich auf Tränenfluss und Rötungen kontrollieren
- Zähne: Regelmäßig putzen, um Zahnstein vorzubeugen
Einen gesunden Cavalier finden
Die Wahl des Züchters ist beim Cavalier besonders wichtig:
- Herzuntersuchung der Elterntiere: Beide Eltern sollten kardiologisch untersucht und herzgesund sein – idealerweise über dem Durchschnittsalter der Rasse
- MRT der Elterntiere: Seriöse Züchter lassen auf CM/SM untersuchen
- Gentests: EFS, Curly Coat Syndrome und weitere relevante Tests
- Transparenz: Ein guter Züchter zeigt dir alle Untersuchungsergebnisse und spricht offen über die Gesundheitsprobleme der Rasse
- Vorsicht vor Schnäppchen: Extrem günstige Cavalier-Welpen stammen oft aus Vermehrerzuchten ohne Gesundheitsvorsorge
Zusammenfassung
Der Cavalier King Charles Spaniel ist ein wunderbarer Begleithund mit einem sanften, liebevollen Charakter, der fast jeden Menschen begeistert. Gleichzeitig ist er eine Rasse mit ernsten gesundheitlichen Herausforderungen – allen voran die Mitralklappenerkrankung und die Syringomyelie. Wenn du dich für einen Cavalier entscheidest, wähle einen verantwortungsvollen Züchter, der Herzgesundheit und Gentests ernst nimmt. Investiere in regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, halte deinen Cavalier schlank und aktiv und schenke ihm die Nähe und Zuneigung, die er braucht. Mit guter Fürsorge und medizinischer Begleitung kann dein Cavalier ein langes, glückliches Leben an deiner Seite führen.