Was ist Zahnstein beim Hund?
Zahnstein (Calculus dentis) entsteht, wenn sich weicher Zahnbelag (Plaque) durch Einlagerung von Mineralsalzen aus dem Speichel verhärtet. Dieser mineralisierte Belag ist gelblich-braun bis dunkelbraun und lässt sich – anders als frische Plaque – nicht mehr durch einfaches Zähneputzen entfernen.
Wie entsteht Zahnstein?
- Plaque-Bildung: Bakterien, Futterreste und Speichelbestandteile bilden innerhalb weniger Stunden einen weichen Film auf den Zähnen
- Mineralisierung: Innerhalb von 3–5 Tagen beginnen Kalzium und Phosphor aus dem Speichel, die Plaque zu verhärten
- Zahnstein: Nach 2–3 Wochen ist der Belag vollständig mineralisiert und sitzt fest auf dem Zahnschmelz
- Teufelskreis: Die raue Oberfläche des Zahnsteins bietet eine ideale Grundlage für neue Plaque
Wie häufig ist Zahnstein?
Zahnstein ist beim Hund extrem verbreitet:
- Über 80 % aller Hunde über 3 Jahre haben Zahnstein
- Es ist eine der häufigsten Diagnosen in der Kleintierpraxis
- Viele Besitzer bemerken es erst, wenn Mundgeruch oder Zahnprobleme auftreten
Besonders betroffene Rassen
Kleine Rassen sind besonders anfällig:
- Yorkshire Terrier
- Chihuahua
- Malteser
- Zwergpudel
- Dackel
- Cavalier King Charles Spaniel
- Shih Tzu
- Mops und Französische Bulldogge
Warum kleine Rassen? Sie haben oft eng stehende Zähne, weniger Speichelfluss und manche behalten Milchzähne, die Nischen für Plaque bilden.
Warum ist Zahnstein gefährlich?
Zahnstein ist nicht nur ein kosmetisches Problem – er kann zu ernsthaften Gesundheitsfolgen führen:
Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
- Das Zahnfleisch am Rand des Zahnsteins wird gereizt und entzündet sich
- Gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch, das bei Berührung blutet
- Reversibel: Bei rechtzeitiger Behandlung heilt die Gingivitis vollständig aus
Parodontitis
- Wenn die Gingivitis fortschreitet, greift die Entzündung auf den Zahnhalteapparat über
- Knochen und Gewebe um den Zahn bauen sich ab
- Zähne lockern sich und fallen aus
- Irreversibel: Der Knochenabbau kann nicht rückgängig gemacht werden
Mundgeruch (Halitosis)
- Bakterien im Zahnstein produzieren übelriechende Schwefelverbindungen
- Starker Mundgeruch ist oft das erste Zeichen, das Besitzer bemerken
Systemische Gesundheitsfolgen
Bakterien aus dem entzündeten Zahnfleisch gelangen in die Blutbahn und können Organe schädigen:
- Herzklappenentzündung (Endokarditis)
- Niereninfektionen
- Leberprobleme
- Gelenkentzündungen
Zahnpflege ist also nicht nur eine Frage der Mundhygiene – sie betrifft die Gesundheit des gesamten Körpers!
Symptome – woran erkennst du Zahnstein?
Frühe Anzeichen
- Gelblich-bräunlicher Belag an den Zähnen, besonders an den Außenseiten der Oberkiefer-Backenzähne und den Eckzähnen
- Leichter Mundgeruch
- Gerötetes Zahnfleisch am Zahnrand
Fortgeschrittene Anzeichen
- Starker Mundgeruch – faulig, fischig
- Dunkelbrauner bis schwarzer Zahnstein – großflächig
- Zahnfleischbluten
- Zahnfleischrückgang – die Zahnhälse werden sichtbar
- Lockere Zähne
- Speicheln – vermehrter Speichelfluss, eventuell blutig
- Fressunlust oder verändertes Fressverhalten – Hund kaut nur auf einer Seite, lässt Futter fallen, frisst langsamer
- Kopfschütteln oder Pfote am Maul
Zahnstein entfernen – professionelle Zahnreinigung
Ablauf beim Tierarzt
Eine professionelle Zahnreinigung beim Hund erfordert immer eine Vollnarkose. Das hat gute Gründe:
- Der Hund hält nicht freiwillig das Maul auf
- Die Instrumente (Ultraschall) erzeugen Geräusche und Vibrationen, die stressig sind
- Eine gründliche Untersuchung aller Zähne inklusive Zahnfleischtaschen ist nur in Narkose möglich
- Röntgenaufnahmen der Zähne können gemacht werden
Schritt 1: Voruntersuchung und Blutbild
- Vor der Narkose wird ein Blutbild gemacht (besonders bei älteren Hunden)
- Herz und Lunge werden abgehört
Schritt 2: Narkose
- Moderne Inhalationsnarkose ist sehr sicher
- Überwachung von Herzfrequenz, Sauerstoff, Blutdruck
Schritt 3: Zahnreinigung
- Ultraschall-Scaler: Löst den Zahnstein durch hochfrequente Vibrationen
- Subgingivale Reinigung: Besonders wichtig – der Zahnstein unter dem Zahnfleischrand wird entfernt
- Politur: Nach der Reinigung werden die Zähne poliert, um die raue Oberfläche zu glätten (verlangsamt Neubildung)
Schritt 4: Zahnuntersuchung und ggf. Extraktion
- Jeder Zahn wird einzeln untersucht (Sondierung der Zahnfleischtaschen)
- Dentalröntgen: Zeigt Knochenabbau und Zahnwurzelprobleme, die von außen nicht sichtbar sind
- Stark geschädigte oder lockere Zähne werden gezogen
Schritt 5: Aufwachen und Nachsorge
- Der Hund wacht aus der Narkose auf und kann meist am selben Tag nach Hause
- Weichfutter für 1–2 Tage
- Ggf. Antibiotika und Schmerzmittel
Kosten
| Leistung | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Voruntersuchung + Blutbild | 50–100 € |
| Narkose | 80–150 € |
| Zahnreinigung (Ultraschall + Politur) | 100–200 € |
| Dentalröntgen | 50–100 € |
| Zahnextraktion (pro Zahn) | 30–80 € |
| Gesamt (ohne Extraktionen) | ca. 250–500 € |
| Mit Extraktionen | 400–900 €+ |
Die Kosten variieren je nach Klinik, Schweregrad und Anzahl der zu ziehenden Zähne.
Zahnreinigung ohne Narkose?
Im Internet werden „narkosefreie Zahnreinigungen" angeboten. Davon raten Tierärzte dringend ab:
- Nur sichtbarer Zahnstein wird entfernt – der gefährliche Belag unter dem Zahnfleischrand bleibt
- Keine gründliche Untersuchung der Zähne möglich
- Stressig und potenziell schmerzhaft für den Hund
- Kosmetisches Ergebnis ohne medizinischen Nutzen
- Falsche Sicherheit: Das Gebiss sieht sauber aus, aber die Parodontitis schreitet unbemerkt fort
Zahnstein vorbeugen
Zähneputzen – die beste Vorbeugung
Tägliches Zähneputzen ist die wirksamste Methode gegen Zahnstein:
- Verwende eine Hundezahnbürste (weiche Borsten) oder einen Fingerling
- Hundezahnpasta (mit Geflügel- oder Leberwurstgeschmack – keine Menschenzahnpasta, da Fluorid giftig ist!)
- Tägliches Putzen ist ideal, mindestens 3× pro Woche bringt schon viel
- Gewöhne deinen Hund schrittweise daran – am besten als Welpe beginnen
Anleitung zum Zähneputzen:
- Lass den Hund an der Zahnpasta lecken (Belohnung!)
- Hebe vorsichtig die Lefzen an und streiche mit dem Finger über die Zähne
- Führe langsam die Zahnbürste ein
- Kleine, kreisende Bewegungen auf den Außenseiten der Zähne
- Besonders die Backenzähne im Oberkiefer reinigen (dort entsteht am meisten Zahnstein)
- Belohnung danach!
Kauartikel und Zahnpflegesnacks
- Kauartikel: Ochsenziemer, Rinderkopfhaut, getrocknete Sehnen – das Kauen reibt Plaque mechanisch ab
- Zahnpflegesnacks: Greenies, Pedigree Dentastix u.a. – können Plaque-Bildung reduzieren (Studien zeigen moderate Wirkung)
- Rohknochen: Kälberknochen oder Rindermarkknochen (keine gekochten Knochen – Splittern!)
- Kong oder Kauspielzeug: Fördert das Kauen
Fütterung
- Trockenfutter: Die mechanische Reibung beim Kauen kann leicht gegen Plaque helfen – aber überbewerten sollte man das nicht
- Spezielles Dental-Futter: Z. B. Royal Canin Dental, Hill's t/d – größere Kroketten, die beim Kauen die Zähne reinigen
- Rohes Fleisch (BARF): Das Kauen auf rohen Fleischstücken und Knochen wirkt wie eine natürliche Zahnreinigung – bei richtige Anwendung
Weitere Hilfsmittel
- Zahnpflegegels: Auf die Zähne auftragen, Enzyme bekämpfen Bakterien (z. B. Orozyme)
- Trinkwasserzusätze: Antibakterielle Zusätze fürs Trinkwasser – einfach, aber weniger effektiv als Zähneputzen
- Zahngel mit Zinkascorbat: Hemmt die Plaquebildung
Wann zum Tierarzt?
- Sichtbarer Zahnstein (gelblich-brauner Belag an den Zähnen)
- Mundgeruch – das häufigste erste Warnsignal
- Gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch
- Zahnfleischbluten
- Hund kaut nur auf einer Seite oder lässt Futter fallen
- Lockere Zähne
- Speicheln oder blutiger Speichel
- Fressunlust oder verändertes Fressverhalten
- Jährliche Zahnkontrolle beim Gesundheitscheck – Zahnprobleme früh erkennen!
Zusammenfassung
Zahnstein ist beim Hund weit verbreitet und kann unbehandelt zu Zahnfleischentzündung, Parodontitis, Zahnverlust und sogar Organschäden führen. Die professionelle Zahnreinigung beim Tierarzt unter Narkose ist die einzige effektive Methode, bestehenden Zahnstein zu entfernen. Die beste Vorbeugung ist regelmäßiges Zähneputzen mit einer Hundezahnpasta – idealerweise täglich. Ergänzend helfen Kauartikel, Zahnpflegesnacks und spezielles Dentalfutter. Investiere in die Zahngesundheit deines Hundes – sein Maul ist das Tor zur Gesundheit des gesamten Körpers.