Warum hat mein Hund Durchfall?
Durchfall ist eines der häufigsten Symptome beim Hund und in den meisten Fällen harmlos. Der Darm reagiert auf eine Reizung, indem er den Inhalt beschleunigt ausscheidet – ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers. Dennoch solltest du die Ursache im Auge behalten, denn manchmal steckt mehr dahinter.
Häufige und meist harmlose Ursachen
- Futterumstellung: Ein plötzlicher Wechsel des Futters überfordert den Magen-Darm-Trakt. Neues Futter sollte immer über 7-10 Tage eingeschlichen werden.
- Futterunverträglichkeit: Manche Hunde vertragen bestimmte Proteinquellen oder Getreidearten nicht.
- Zu viele Leckerlis oder Tischreste: Fettiges Essen, Käse oder ungewohntes Futter vom Tisch ist eine sehr häufige Ursache.
- Stress und Aufregung: Ein Umzug, neue Tiere im Haushalt, Silvesterangst oder eine Autofahrt können bei empfindlichen Hunden Durchfall auslösen.
- Grasfressen: Manche Hunde bekommen durch übermäßiges Grasfressen leichten Durchfall.
- Zu kaltes Wasser: Besonders im Sommer trinken manche Hunde zu viel eiskaltes Wasser auf einmal.
Ernstzunehmende Ursachen
- Parasitenbefall: Giardien, Würmer oder Kokzidien sind häufige Auslöser für wiederkehrenden Durchfall.
- Bakterielle Infektionen: Salmonellen, Campylobacter oder Clostridien können schwere Durchfälle auslösen.
- Virusinfektionen: Parvovirose (besonders bei ungeimpften Welpen) verursacht blutigen, lebensbedrohlichen Durchfall.
- Bauchspeicheldrüsenentzündung: Häufig nach fettreichem Futter, begleitet von Erbrechen und Bauchschmerzen.
- Entzündliche Darmerkrankung (IBD): Chronischer Durchfall mit wechselhafter Intensität.
- Vergiftung: Bestimmte Lebensmittel (Schokolade, Xylit, Weintrauben), Pflanzen oder Chemikalien.
- Darmtumoren: Bei älteren Hunden sollte bei chronischem Durchfall auch an Tumore gedacht werden.
Akuter vs. chronischer Durchfall
Es ist wichtig zu unterscheiden, ob es sich um akuten oder chronischen Durchfall handelt:
Akuter Durchfall
- Tritt plötzlich auf und dauert in der Regel 1-3 Tage
- Häufig durch Futter, Stress oder leichte Infektionen ausgelöst
- Meist selbstlimitierend mit Schonkost und Ruhe behandelbar
Chronischer Durchfall
- Hält länger als 2 Wochen an oder tritt immer wieder auf
- Deutet auf eine zugrunde liegende Erkrankung hin
- Erfordert eine tierärztliche Diagnostik (Kotuntersuchung, Blutbild, ggf. Ultraschall)
Was tun bei Durchfall? – Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Futterentzug
- Erwachsene Hunde: 12-24 Stunden kein Futter geben, damit sich der Darm beruhigen kann
- Welpen und kleine Rassen: Maximal 6-12 Stunden fasten – Welpen dehydrieren schneller!
- Wasser weiterhin anbieten, am besten in kleinen Mengen
Schritt 2: Schonkost einführen
Nach dem Fasten startest du mit leichter Schonkost:
- Gekochtes Hühnchen mit Reis (ungewürzt, ohne Haut)
- Hüttenkäse oder Magerquark
- Kartoffelbrei (ohne Milch und Butter)
- Kleine Portionen, 4-5 Mal am Tag
- 3-5 Tage Schonkost, dann langsam auf normales Futter umstellen
Schritt 3: Bewährte Hausmittel
- Morosche Karottensuppe: Das wichtigste Hausmittel! 500 g Karotten in 1 Liter Wasser mindestens 90 Minuten kochen, pürieren, wieder auf 1 Liter auffüllen, eine Prise Salz. Die langen Kochzeiten erzeugen Oligosaccharide, die verhindern, dass sich Bakterien an die Darmwand heften.
- Heilerde: Bindet Giftstoffe im Darm. Einen gestrichenen Teelöffel ins Trinkwasser oder über die Schonkost geben.
- Flohsamenschalen: Binden überschüssiges Wasser im Darm und festigen den Stuhl. Einen halben bis ganzen Teelöffel mit viel Wasser unter die Schonkost mischen.
- Probiotika: Spezielle Hundeprobiotika (z. B. mit Enterococcus faecium) unterstützen die Darmflora bei der Regeneration.
- Fencheltee oder Kamillentee: Lauwarm anbieten – wirkt beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt.
Schritt 4: Flüssigkeitszufuhr sicherstellen
Durchfall entzieht dem Körper Wasser und Elektrolyte. Achte darauf, dass dein Hund ausreichend trinkt:
- Frisches Wasser ständig bereitstellen
- Bei längerem Durchfall: Elektrolytlösung aus der Tierhandlung oder Apotheke
- Selbstgemachte Elektrolytlösung: 1 Liter Wasser + 1 TL Salz + 2 EL Traubenzucker (Glucose)
🚨 Wann zum Tierarzt?
Suche umgehend einen Tierarzt auf, wenn:
- Blut im Stuhl (rot oder schwarz-teerartig)
- Durchfall länger als 48 Stunden anhält
- Dein Hund kein Wasser mehr bei sich behält
- Gleichzeitig Erbrechen und Durchfall auftreten (Dehydrierungsgefahr!)
- Dein Hund apathisch ist, nicht aufstehen will
- Es sich um einen Welpen, alten oder chronisch kranken Hund handelt
- Du eine Vergiftung vermutest
- Fieber vorliegt (über 39,5 °C)
- Der Durchfall regelmäßig wiederkehrt
Besonders bei Welpen ist Durchfall immer ernst zu nehmen – sie dehydrieren sehr schnell und eine Parvovirose-Infektion kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden.
Durchfall nach Farbe bewerten
Die Farbe des Durchfalls kann Hinweise auf die Ursache geben:
| Farbe | Mögliche Ursache |
|---|---|
| Gelb-bräunlich | Häufig harmlos (Futterunverträglichkeit, Stress) |
| Grünlich | Grasfressen, Gallenflüssigkeit, schnelle Darmpassage |
| Schwarz (teerartig) | Blutung im oberen Magen-Darm-Trakt – Tierarzt! |
| Rot / blutig | Blutung im unteren Darm – Tierarzt! |
| Grau / fettig | Probleme mit Bauchspeicheldrüse oder Leber |
| Wässrig / schleimig | Infektion, Parasiten, starke Reizung |
Vorbeugung – Durchfall vermeiden
Mit diesen Maßnahmen kannst du das Risiko für Durchfall bei deinem Hund deutlich senken:
- Futterumstellungen langsam durchführen – neues Futter über 7-10 Tage einschleichen
- Keine Tischreste füttern – besonders kein fettiges, gewürztes oder süßes Essen
- Regelmäßig entwurmen – alle 3-4 Monate oder nach Kotuntersuchung
- Giftige Lebensmittel sichern – Schokolade, Xylit, Zwiebeln, Weintrauben
- Sauberes Wasser bereitstellen – kein Trinken aus Pfützen oder stehenden Gewässern (Giardien-Risiko!)
- Leckerlis dosiert geben – nicht mehr als 10 % der Tagesration
- Stressabbau – Routine, Ruhephasen und bei Bedarf Training
Zusammenfassung
Durchfall beim Hund ist häufig und meist harmlos. Mit Futterentzug, Schonkost und bewährten Hausmitteln wie der Moroschen Karottensuppe bekommst du die meisten Fälle in den Griff. Achte dabei immer auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Wenn der Durchfall länger als zwei Tage anhält, Blut enthält oder dein Hund weitere Symptome zeigt, geh unbedingt zum Tierarzt.