Warum ist Zahnpflege beim Hund so wichtig?
Zahnprobleme gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Hunden – und werden oft unterschätzt. Studien zeigen, dass über 80 % aller Hunde ab dem dritten Lebensjahr Anzeichen von Zahnerkrankungen aufweisen. Die Folgen reichen von Zahnstein und Mundgeruch über schmerzhafte Zahnfleischentzündungen bis hin zu Zahnverlust und sogar Organschäden, wenn Bakterien aus dem Maul in den Blutkreislauf gelangen.
Das regelmäßige Zähneputzen ist die effektivste Maßnahme zur Vorbeugung von Zahnproblemen beim Hund – und doch tun es nur wenige Hundebesitzer. Dabei ist es gar nicht so schwer, wenn man den Hund langsam daran gewöhnt.
Was passiert ohne Zahnpflege?
- Plaque (Zahnbelag): Bakterien bilden einen weichen Film auf den Zähnen – schon wenige Stunden nach dem Fressen
- Zahnstein: Der Plaque mineralisiert durch den Speichel und wird zu hartem Zahnstein, der sich nicht mehr durch Putzen entfernen lässt
- Gingivitis (Zahnfleischentzündung): Das Zahnfleisch wird rot, geschwollen und blutet leicht
- Parodontitis: Die Entzündung greift auf den Zahnhalteapparat über – Knochen wird abgebaut
- Zahnlockerung und Zahnverlust: Das Endstadium
- Organschäden: Bakterien aus dem Maul gelangen in den Blutkreislauf und können Herz, Leber und Nieren schädigen
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So gewöhnst du deinen Hund ans Zähneputzen
Der wichtigste Tipp vorweg: Geduld! Gewöhne deinen Hund langsam und positiv ans Zähneputzen. Jeder Schritt sollte mehrere Tage geübt werden, bevor du zum nächsten übergehst. Zwinge deinen Hund niemals – das Zähneputzen soll eine positive Erfahrung sein.
Phase 1: Maul anfassen (Tage 1-5)
- Beginne damit, deinen Hund sanft am Maul zu berühren
- Hebe vorsichtig die Lefze an und berühre die Zähne und das Zahnfleisch mit dem Finger
- Belohne jede Kooperation mit einem Leckerli und Lob
- Übe das mehrmals am Tag für jeweils 30-60 Sekunden
- Ziel: Dein Hund lässt sich entspannt am Maul anfassen
Phase 2: Finger mit Geschmack (Tage 5-10)
- Gib etwas Hundezahnpasta auf deinen Finger (die meisten schmecken nach Hühnchen, Rind oder Leberwurst – Hunde lieben das!)
- Lass deinen Hund die Zahnpasta ablecken
- Massiere dann vorsichtig mit dem Finger (Zahnpasta drauf) über die Außenseiten der Zähne und das Zahnfleisch
- Belohnen, loben, kurz halten
Phase 3: Fingerzahnbürste (Tage 10-15)
- Eine Fingerzahnbürste (Silikon-Aufsatz für den Finger) ist ein guter Übergang zur echten Zahnbürste
- Mit Hundezahnpasta bestreichen
- Sanft über die Außenseiten der Zähne streichen
- Konzentriere dich zunächst auf die oberen Backenzähne – dort bildet sich am meisten Zahnstein
- Kurze Sitzungen (30-60 Sekunden), langsam steigern
Phase 4: Zahnbürste (ab Tag 15)
- Verwende eine spezielle Hundezahnbürste oder eine weiche Kinderzahnbürste
- Hundezahnbürsten haben oft einen abgewinkelten Kopf und weichere Borsten
- Zahnpasta auftragen und systematisch alle Zähne putzen
- Die Außenseiten sind am wichtigsten – die Innenseiten werden durch die Zunge relativ sauber gehalten
- Kreisende Bewegungen entlang des Zahnfleischsaums
Die richtige Putztechnik
- Winkel: Zahnbürste in einem 45°-Winkel zum Zahnfleischsaum ansetzen
- Bewegung: Kleine, kreisende Bewegungen oder von rot (Zahnfleisch) nach weiß (Zahn)
- Fokus: Besonders die Außenseiten der oberen Backenzähne (hier entsteht am meisten Zahnstein)
- Dauer: 2-3 Minuten sind ideal, aber auch 30-60 Sekunden sind besser als nichts
- Häufigkeit: Idealerweise täglich – mindestens aber 3 Mal pro Woche
Das richtige Zubehör
Zahnbürste
- Hundezahnbürste: Spezieller Winkel und Borstenhärte, verschiedene Größen
- Fingerzahnbürste: Ideal für Anfänger und kleine Hunde
- Kinderzahnbürste (weich): Eine gute Alternative
- Elektrische Zahnbürste: Manche Hunde tolerieren sie, andere nicht – Vibration kann anfangs beängstigend sein
Zahnpasta
Immer Hundezahnpasta verwenden – NIEMALS menschliche Zahnpasta!
Menschliche Zahnpasta enthält Fluorid und Xylit, die für Hunde giftig sind. Hunde können nicht ausspucken und verschlucken die Zahnpasta.
Hundezahnpasta:
- Ist zum Verschlucken sicher
- Schmeckt nach Fleisch, Leber oder Geflügel (motivierend für den Hund!)
- Enthält oft Enzyme, die die Plaquebildung hemmen
- Kommt ohne Fluorid und Schäumungsmittel aus
Ergänzende Zahnpflegemaßnahmen
Zähneputzen ist die Basis, aber es gibt weitere sinnvolle Ergänzungen:
Kauartikel und Dentalsnacks
- Dentasticks und Dental-Kaustangen: Speziell entwickelt, um Plaque mechanisch zu entfernen
- Kauknochen aus Rinderhaut oder Büffelhaut: Fördert das Kauen und reinigt die Zähne
- Getrocknete Sehnen, Pansen oder Kopfhaut: Natürliche Kauartikel
- Hirschgeweih oder Kaffeeholz: Sehr langlebig, aber hart – nicht für jeden Hund geeignet (Frakturgefahr bei Zähnen!)
Vorsicht bei:
- Gekochten Knochen (splittern!)
- Zu harten Kauartikeln (Zahnfrakturen möglich)
- Hufkäse oder Geweihstücken bei aggressiven Kauern
Futterzusätze und Mundspülungen
- Zahnpflege-Zusatz fürs Trinkwasser: Enzyme und Wirkstoffe, die die Plaquebildung hemmen
- Algenprodukte (z. B. Ascophyllum nodosum): Können über das Futter gegeben werden und sollen die Speichelzusammensetzung verändern, sodass Zahnstein leichter abbricht
- Probiotika für die Maulhöhle: Neuere Ansätze zur Beeinflussung der Mundflora
Trockenfutter vs. Nassfutter
Ein verbreiteter Mythos ist, dass Trockenfutter die Zähne reinigt. Die Realität:
- Trockenfutter bietet einen minimalen mechanischen Abrieb, aber reicht nicht als alleinige Zahnpflege
- Manche Hunde schlucken die Kroketten ohne zu kauen
- Spezielle Dental-Trockenfuttersorten mit größeren Kroketten und spezieller Textur sind effektiver
Zahnprobleme erkennen
Kontrolliere regelmäßig das Maul deines Hundes und achte auf:
- Mundgeruch: Schlechter Atem ist oft das erste Zeichen von Zahnproblemen
- Gelblich-brauner Belag: Zahnstein, besonders an den oberen Backenzähnen
- Rotes, geschwollenes Zahnfleisch: Gingivitis
- Zahnfleischbluten: Beim Kauen oder bei Berührung
- Lockere Zähne
- Schwierigkeiten beim Fressen: Einseitiges Kauen, fallen lassen von Futter
- Speicheln: Vermehrter Speichelfluss
- Schwellung am Kiefer oder unter dem Auge: Kann auf einen Zahnwurzelabszess hindeuten
- Pawing (Pfoten am Maul): Der Hund reibt sich mit der Pfote am Maul
Professionelle Zahnreinigung beim Tierarzt
Wenn sich bereits Zahnstein gebildet hat, hilft Putzen allein nicht mehr. Zahnstein kann nur durch eine professionelle Zahnreinigung unter Narkose entfernt werden:
- Ultraschall-Zahnsteinentfernung: Der Zahnstein wird mit Ultraschall abgetragen
- Politur: Die Zahnoberfläche wird poliert, damit sich neuer Belag weniger leicht festsetzen kann
- Subgingivale Reinigung: Reinigung unter dem Zahnfleischrand – der wichtigste Schritt!
- Extraktion: Schwer geschädigte Zähne werden entfernt
Eine Zahnreinigung ohne Narkose (die manche Anbieter bewerben) ist nicht sinnvoll – sie reinigt nur die sichtbare Oberfläche, nicht unter dem Zahnfleisch, wo die eigentlichen Probleme sitzen.
Besondere Risikogruppen
Kleine Rassen
Kleine Hunderassen (Chihuahua, Yorkshire Terrier, Malteser, Dackel) haben ein deutlich höheres Risiko für Zahnprobleme:
- Engstehende Zähne bieten mehr Angriffsfläche für Plaque
- Oft fehlendes oder fehlgestelltes Gebiss
- Zahnstein bildet sich schneller
- Regelmäßige Zahnpflege ist hier besonders wichtig!
Brachyzephale Rassen
Kurzköpfige Rassen (Mops, Französische Bulldogge) haben oft:
- Fehlstellungen der Zähne durch den verkürzten Kiefer
- Überzählige oder gedrehte Zähne
- Engstellen, in denen sich Futter und Plaque sammeln
Zusammenfassung
Zahnpflege beim Hund ist genauso wichtig wie beim Menschen – und wird viel zu oft vernachlässigt. Tägliches Zähneputzen mit einer Hundezahnbürste und Hundezahnpasta ist die effektivste Vorbeugung gegen Zahnstein, Zahnfleischentzündungen und deren Folgen. Gewöhne deinen Hund langsam und positiv daran – mit Geduld und Leckerlis als Belohnung. Ergänze das Putzen durch geeignete Kauartikel und lass die Zähne regelmäßig vom Tierarzt kontrollieren. Dein Hund wird es dir mit frischem Atem und einem gesunden Gebiss danken.