Warum ist Ohrenpflege beim Hund wichtig?
Die regelmäßige Ohrenpflege gehört zu den wichtigsten Pflegeaufgaben beim Hund – und wird von vielen Besitzern unterschätzt oder falsch durchgeführt. Gesunde Ohren sind entscheidend für das Wohlbefinden deines Hundes, denn Ohrprobleme verursachen starke Schmerzen und Juckreiz. Eine konsequente Ohrenpflege kann viele Probleme verhindern, bevor sie entstehen.
Warum bekommen Hunde Ohrenprobleme?
Der Gehörgang des Hundes hat eine L-Form – er verläuft zunächst vertikal nach unten und knickt dann horizontal zum Trommelfell ab. Diese anatomische Besonderheit sorgt dafür, dass Luft schlecht zirkulieren kann und Feuchtigkeit im Ohr gefangen wird. Das schafft ein ideales Milieu für Bakterien und Hefepilze.
Besonders anfällig sind:
- Schlappohrhunde: Golden Retriever, Labrador, Cocker Spaniel, Basset Hound – die herabhängenden Ohren verschließen den Gehörgang und verhindern die Luftzirkulation
- Hunde mit engem Gehörgang: Shar-Pei, Bulldog
- Hunde mit starker Ohrbehaarung: Pudel, Malteser, Bichon Frisé – Haare im Gehörgang halten Feuchtigkeit und Ohrenschmalz fest
- Hunde mit Allergien: Atopische Dermatitis führt häufig zu wiederkehrenden Ohrenentzündungen
- Schwimmfreudige Hunde: Wasser im Ohr ist ein häufiger Auslöser für Infektionen
Wann und wie oft Ohren reinigen?
Regelmäßige Kontrolle
Schau dir die Ohren deines Hundes mindestens einmal pro Woche an. Hebe die Ohrmuschel an und prüfe:
- Ist die Innenseite rosa und sauber?
- Riecht das Ohr neutral?
- Gibt es Rötungen, Schwellungen oder Ausfluss?
- Ist übermäßig viel Ohrenschmalz vorhanden?
Wie oft reinigen?
| Hundetyp | Empfehlung |
|---|---|
| Gesunde Stehohren | Nur bei Bedarf (wenn sichtbar verschmutzt) |
| Schlappohrhunde | Alle 1-2 Wochen |
| Allergiker | 1-2 Mal pro Woche (nach Absprache mit Tierarzt) |
| Nach dem Schwimmen | Jedes Mal danach |
| Hunde mit Ohrentzündungs-Neigung | Nach Anweisung des Tierarztes |
Goldene Regel: Reinige die Ohren nur, wenn es nötig ist! Zu häufiges Reinigen kann die empfindliche Haut im Gehörgang reizen und das natürliche Gleichgewicht stören.
Schritt-für-Schritt: Ohren richtig reinigen
Was du brauchst
- Ohrenreiniger für Hunde (speziell für Hunde, KEIN menschlicher Ohrenreiniger!)
- Wattepads oder weiche Tücher (KEINE Wattestäbchen!)
- Leckerlis zur Belohnung
- Optional: Handtuch (der Hund wird sich schütteln!)
Geeignete Ohrenreiniger
Verwende nur speziell für Hunde entwickelte Ohrenreiniger:
- Ohrenreiniger mit milden Inhaltsstoffen (z. B. Epiotic, Otoclean, Surolan Ohrreiniger)
- pH-Wert angepasst an das Hundeohr
- Keine selbstgemischten Lösungen, kein Essig, kein Wasserstoffperoxid!
Anleitung
Schritt 1: Vorbereitung
- Sorge für eine ruhige, entspannte Atmosphäre
- Setze dich neben deinen Hund oder lass ihn von einer zweiten Person sanft festhalten
- Halte den Ohrenreiniger und Wattepads bereit
- Zeige deinem Hund den Ohrenreiniger und lass ihn daran schnuppern
Schritt 2: Ohrmuschel hochklappen
- Klappe die Ohrmuschel vorsichtig nach oben, sodass du den Gehörgang sehen kannst
- Bei Stehohr-Hunden: Ohr leicht zur Seite halten
Schritt 3: Ohrenreiniger einträufeln
- Träufle den Ohrenreiniger in den Gehörgang – die meisten Produkte haben eine praktische Tropferspitze
- Fülle den Gehörgang, bis die Flüssigkeit leicht am Rand sichtbar ist
- Keine Angst, du kannst das Trommelfell nicht erreichen, solange du nur die Flasche und nicht etwa ein Stäbchen einführst
Schritt 4: Ohrgrund massieren
- Das ist der wichtigste Schritt! Massiere die Ohrmuschelbasis (den knorpeligen Bereich unter dem Ohr) ca. 20-30 Sekunden sanft
- Du solltest ein „quatschendes" Geräusch hören – das bedeutet, dass der Reiniger im Gehörgang verteilt wird und den Schmutz löst
- Die meisten Hunde genießen die Massage
Schritt 5: Schütteln lassen
- Lass deinen Hund den Kopf schütteln – er wird es automatisch tun!
- Halte ein Handtuch bereit, denn der gelöste Schmutz fliegt mit dem Reiniger raus
- Das Schütteln ist wichtig, weil es den gelösten Schmutz aus der Tiefe des Gehörgangs herausbefördert
Schritt 6: Ohrmuschel reinigen
- Wische die Innenseite der Ohrmuschel und den sichtbaren Teil des Gehörgangs mit einem Wattepad vorsichtig aus
- Entferne allen sichtbaren Schmutz und überschüssigen Reiniger
- Gehe nur so tief, wie dein Finger reicht – niemals tiefer!
Schritt 7: Loben und belohnen!
- Gib deinem Hund ein Leckerli und lobe ihn ausgiebig
- So verbindet er die Ohrenpflege mit etwas Positivem
Wiederhole bei Bedarf
Wenn die Ohren sehr verschmutzt sind, wiederhole den Vorgang nach ein paar Minuten. Bei normaler Verschmutzung reicht ein Durchgang.
Häufige Fehler bei der Ohrenpflege
Fehler 1: Wattestäbchen verwenden ❌
Niemals Wattestäbchen in den Gehörgang einführen! Du kannst:
- Den Schmutz tiefer in den Gehörgang schieben statt ihn herauszuholen
- Das Trommelfell verletzen
- Die empfindliche Haut im Gehörgang reizen
Wattestäbchen dürfen nur für die sichtbare Ohrmuschel verwendet werden – aber Wattepads sind auch dafür die bessere Wahl.
Fehler 2: Wasser ins Ohr bekommen ❌
Beim Baden oder Schwimmen gelangt oft Wasser in die Ohren. Wasser, das im Gehörgang bleibt, ist ein Hauptauslöser für Ohrentzündungen.
So vermeidest du es:
- Beim Baden Watte in die Ohren stecken
- Nach dem Schwimmen die Ohren mit einem speziellen Ohrenreiniger trocknen
- Gehörgang nach dem Schwimmen sanft mit einem Tuch abtupfen
Fehler 3: Zu häufig reinigen ❌
Übermäßiges Reinigen stört die natürliche Ohrflora und kann die Haut im Gehörgang reizen, was Infektionen eher fördert als verhindert.
Fehler 4: Falsche Reinigungsmittel ❌
- Kein Essig (zu aggressiv, reizt die Haut)
- Kein Wasserstoffperoxid (schädigt die Haut)
- Kein Alkohol (brennt, trocknet die Haut aus)
- Keine menschlichen Ohrentropfen (andere Zusammensetzung)
- Keine Seife oder Shampoo
Fehler 5: Haare im Ohr abreißen ❌
Bei manchen Rassen (Pudel, Malteser) wachsen Haare im Gehörgang. Früher wurde empfohlen, diese herauszuzupfen. Heute weiß man: Das Zupfen verursacht Mikroverletzungen und kann Entzündungen begünstigen. Besprich mit deinem Tierarzt, ob und wie Ohrhaare entfernt werden sollten.
Anzeichen für Ohrenprobleme
Geh zum Tierarzt, wenn du folgendes bemerkst:
- Starker Geruch aus dem Ohr (süßlich, hefig oder faulig)
- Bräunlicher oder gelblich-grüner Ausfluss
- Rötung und Schwellung im Gehörgang
- Dein Hund schüttelt häufig den Kopf
- Dein Hund kratzt sich am Ohr oder reibt es am Boden
- Schmerzempfindlichkeit – Hund lässt sich nicht am Ohr anfassen
- Kopfschiefhaltung
- Gleichgewichtsstörungen (bei fortgeschrittenen Infektionen)
Diese Symptome können auf eine Ohrenentzündung (Otitis) hindeuten, die tierärztlich behandelt werden muss. Reinige in diesem Fall die Ohren nicht selbstständig, sondern lass den Tierarzt zuerst eine Diagnose stellen.
Den Hund an die Ohrenpflege gewöhnen
Beginne am besten schon im Welpenalter mit der Gewöhnung:
- Ohren berühren: Streichle regelmäßig die Ohren deines Hundes, klappe sie hoch, schaue hinein – und belohne ihn dafür
- Langsam steigern: Erst nur ansehen, dann berühren, dann mit einem Tuch wischen, dann Reiniger verwenden
- Immer belohnen: Leckerlis, Lob und Streicheleinheiten nach jeder Ohreninspektion
- Positive Verknüpfung: Nie schimpfen oder den Hund festhalten/zwingen
- Routine schaffen: Immer am gleichen Ort, nach dem Spaziergang oder vor dem Abendessen
Zusammenfassung
Die regelmäßige Ohrenpflege ist besonders für Schlappohrhunde, Allergiker und schwimmfreudige Hunde wichtig. Verwende ausschließlich spezielle Ohrenreiniger für Hunde, massiere den Reiniger sanft ein und wische die Ohrmuschel mit Wattepads aus. Verwende niemals Wattestäbchen im Gehörgang! Bei Anzeichen einer Ohrenentzündung – Geruch, Ausfluss, Schmerzen oder ständiges Kopfschütteln – geh zum Tierarzt, statt selbst zu behandeln.