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Hund – Gesundheit18.2.2026

Ohrenentzündung beim Hund – Symptome, Ursachen und Behandlung

Was ist eine Ohrenentzündung beim Hund?

Eine Ohrenentzündung – medizinisch Otitis genannt – gehört zu den häufigsten Erkrankungen beim Hund. Etwa 10-20 % aller Hunde werden mindestens einmal im Leben wegen Ohrenproblemen beim Tierarzt vorgestellt. Die Entzündung betrifft den äußeren Gehörgang (Otitis externa), kann aber bei ausbleibender Behandlung auf das Mittelohr (Otitis media) und in seltenen Fällen auf das Innenohr (Otitis interna) übergreifen.

Warum sind Hundeohren so anfällig?

Der Gehörgang des Hundes hat eine L-förmige Struktur – er verläuft zunächst vertikal nach unten und knickt dann horizontal zum Trommelfell ab. Diese Anatomie ist ein Nachteil, denn:

  • Luft zirkuliert schlecht
  • Feuchtigkeit und Ohrenschmalz sammeln sich am Knick
  • Bakterien und Hefepilze finden ein ideales, feuchtwarmes Milieu

Symptome – so erkennst du eine Ohrenentzündung

Frühe Anzeichen

  • Häufiges Kopfschütteln: Eines der ersten und auffälligsten Zeichen
  • Kratzen am Ohr: Der Hund kratzt sich mit der Hinterpfote am Ohr oder reibt das Ohr am Boden/Möbeln
  • Unangenehmer Geruch: Ein süßlich-fauliger oder hefiger Geruch aus dem Ohr
  • Rötung: Die Innenseite der Ohrmuschel und der sichtbare Teil des Gehörgangs sind gerötet
  • Vermehrter Ausfluss: Bräunlich, gelblich oder schwarz – je nach Erreger

Fortgeschrittene Symptome

  • Schmerzhaftigkeit: Der Hund lässt sich nicht mehr am Ohr anfassen, zuckt weg oder schnappt
  • Starke Schwellung: Der Gehörgang ist geschwollen und verengt
  • Kopfschiefhaltung: Der Hund hält den Kopf zur betroffenen Seite geneigt
  • Eiteriger Ausfluss: Gelblich-grüner Eiter deutet auf eine bakterielle Infektion hin
  • Hörminderung: Bei starker Schwellung oder Beteiligung des Mittelohrs

Anzeichen einer Mittelohrentzündung

Wenn die Entzündung das Mittelohr erreicht hat:

  • Starke Schmerzen beim Öffnen des Mauls (Kiefergelenk liegt neben dem Mittelohr)
  • Gleichgewichtsstörungen und Kopfschiefhaltung
  • Nystagmus (rhythmisches Augenzittern)
  • Gesichtsnervenlähmung (herabhängendes Augenlid oder Lefze auf einer Seite)

Ursachen einer Ohrenentzündung

Ohrenentzündungen haben fast immer eine zugrunde liegende Ursache, die identifiziert werden muss. Sonst kommen die Probleme immer wieder.

Primäre Ursachen (lösen die Entzündung aus)

Allergien (häufigste Ursache!):

  • Atopische Dermatitis (Umweltallergien) – die Ohren sind oft die ERSTE Stelle, an der sich eine Allergie zeigt
  • Futtermittelallergien
  • Flohspeichelallergie
  • Bis zu 80 % aller chronischen Ohrenentzündungen haben eine allergische Grundursache

Fremdkörper:

  • Grannen (Grasähren) – besonders im Sommer
  • Kleine Samen oder Pflanzenteile
  • Verursachen akute, einseitige Ohrenentzündungen

Parasiten:

  • Ohrmilben (Otodectes cynotis) – häufig bei Welpen und jungen Hunden
  • Typisch: Dunkler, krümeliger Ausfluss, der an Kaffeesatz erinnert

Andere:

  • Tumoren oder Polypen im Gehörgang
  • Hormonstörungen (Schilddrüsenunterfunktion)
  • Autoimmunerkrankungen

Sekundäre Ursachen (verschlimmern die Entzündung)

  • Bakterien: Staphylokokken, Pseudomonas, Proteus
  • Hefepilze: Malassezia pachydermatis – der häufigste sekundäre Erreger
  • Diese Erreger leben normalerweise in kleiner Zahl im Ohr, vermehren sich aber explosionsartig, wenn das Milieu gestört ist

Begünstigende Faktoren

  • Schlappohren: Golden Retriever, Labrador, Cocker Spaniel, Basset Hound
  • Enger Gehörgang: Shar-Pei, Englische Bulldogge
  • Übermäßige Ohrbehaarung: Pudel, Bichon Frisé
  • Feuchtigkeit im Ohr: Schwimmen, Baden
  • Falsche Ohrenpflege: Wattestäbchen-Gebrauch, zu häufiges Reinigen

Behandlung beim Tierarzt

Diagnostik

  1. Otoskopie: Untersuchung des Gehörgangs mit dem Otoskop – der Tierarzt beurteilt Rötung, Schwellung, Ausfluss und Trommelfell
  2. Zytologie (Abstrich): Ohrabstrich wird unter dem Mikroskop untersucht – zeigt Bakterien, Hefepilze, Entzündungszellen
  3. Bakterienkultur: Bei schweren oder wiederkehrenden Infektionen – welche Bakterien sind beteiligt und welche Antibiotika wirken?
  4. Ggf. Röntgen/CT: Bei Verdacht auf Mittelohrentzündung oder Tumoren

Therapie

Ohrspülung beim Tierarzt:

  • Gründliche Reinigung des Gehörgangs unter Sedierung
  • Entfernung von Ausfluss, Krusten und Fremdkörpern
  • Schafft die Voraussetzung, damit die Medikamente wirken können

Ohrentropfen (topische Therapie):

  • Kombinationspräparate enthalten meist: Antibiotikum + Antimykotikum (gegen Pilze) + Kortison (gegen Entzündung und Juckreiz)
  • Beispiele: Surolan, Otomax, Posatex, Osurnia
  • Anwendung: Meist 1-2 Mal täglich für 7-14 Tage
  • Wichtig: Die Therapie IMMER bis zum Ende durchführen, auch wenn es besser aussieht!

Systemische Therapie (bei schweren Fällen):

  • Antibiotika als Tabletten
  • Entzündungshemmer/Schmerzmittel
  • Bei Mittelohrentzündung oft notwendig

Ursachenbehandlung:

  • Allergiemanagement (bei allergischer Otitis)
  • Schilddrüsenbehandlung (bei Hypothyreose)
  • Fremdkörperentfernung (sofort beim Tierarzt)

Kosten

LeistungKosten (ca.)
Untersuchung + Otoskopie40 – 80 €
Zytologie (Abstrich)20 – 40 €
Ohrentropfen15 – 40 €
Ohrspülung (mit Sedierung)80 – 200 €
Bakterienkultur + Antibiogramm50 – 100 €

Was du zu Hause tun kannst

Während der Behandlung

  • Medikamente konsequent geben – keine Dosis auslassen, nicht vorzeitig absetzen
  • Ohrentropfen richtig anwenden: Ohrmuschel hochklappen, Tropfen in den Gehörgang geben, Ohrmuschelbasis sanft massieren, Hund schütteln lassen
  • Halskrause bei starkem Kratzen, um weitere Verletzungen zu verhindern
  • Kontrolltermine einhalten – der Tierarzt muss den Heilungsverlauf überprüfen

Hausmittel – mit Vorsicht!

Bei einer bestehenden Ohrenentzündung ist die tierärztliche Behandlung immer erste Wahl. Hausmittel können unterstützend eingesetzt werden:

  • Keine Hausmittel in den Gehörgang bei unbekanntem Trommelfellstatus – wenn das Trommelfell gerissen ist, können Flüssigkeiten ins Mittelohr gelangen!
  • Kühle Umschläge um die Ohrmuschel können den Juckreiz lindern
  • Kamillentee (lauwarm) zum vorsichtigen Reinigen der Ohrmuschel (nicht in den Gehörgang!)

Chronische Ohrenentzündung

Wenn die Ohrenentzündung immer wiederkommt, liegt fast immer eine unbehandelte Grundursache vor – meistens eine Allergie. Chronische Otitis kann zu:

  • Verdickung und Vernarbung des Gehörgangs
  • Verengung bis zum vollständigen Verschluss
  • Ständigen Schmerzen und Taubheit führen

In schweren chronischen Fällen kann eine Gehörgangsoperation (TECA) nötig sein, bei der der gesamte Gehörgang chirurgisch entfernt wird. Das klingt drastisch, befreit den Hund aber von chronischen Schmerzen.

Vorbeugung

  1. Regelmäßige Ohrkontrolle: Mindestens wöchentlich die Ohren ansehen und riechen
  2. Ohren nach dem Schwimmen trocknen: Spezielle Ohrentrocknungslösung verwenden
  3. Richtige Ohrenpflege: Speziellen Ohrenreiniger verwenden, keine Wattestäbchen
  4. Allergiemanagement: Wenn dein Hund Allergiker ist, ist konsequente Allergiebehandlung der beste Schutz
  5. Regelmäßiger Zeckenschutz: Auch Zecken können sich im Ohr festsetzen

Zusammenfassung

Ohrenentzündungen beim Hund sind häufig und schmerzhaft. Die wichtigsten Warnsignale sind Kopfschütteln, Kratzen am Ohr, unangenehmer Geruch und Ausfluss. Geh frühzeitig zum Tierarzt – eine unbehandelte Ohrenentzündung kann chronisch werden und zu schweren Folgeschäden führen. Die häufigste Ursache sind Allergien, deshalb ist es wichtig, nicht nur das Ohr zu behandeln, sondern auch die Grundursache zu finden.