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Hund – Gesundheit18.2.2026

Hitzschlag beim Hund – Symptome, Erste Hilfe und Vorbeugung

Hitzschlag beim Hund – Ein lebensbedrohlicher Notfall

Ein Hitzschlag (Hyperthermie) gehört zu den gefährlichsten Notfällen beim Hund und kann innerhalb von Minuten zum Tod führen. Anders als Menschen können Hunde nicht schwitzen – sie regulieren ihre Körpertemperatur fast ausschließlich über das Hecheln und zu einem geringen Teil über die Pfotenballen. Wenn dieser Kühlmechanismus versagt – sei es durch zu hohe Außentemperaturen, körperliche Überanstrengung oder fehlende Fluchtmöglichkeiten aus der Hitze – steigt die Körpertemperatur unkontrolliert an und es kommt zur Überhitzung.

Die normale Körpertemperatur eines Hundes liegt bei 38,0 bis 39,0 Grad Celsius. Ab 40 Grad spricht man von Hyperthermie, ab 41 Grad beginnt das Organversagen. Ab 43 Grad ist die Situation nahezu aussichtslos.

Ursachen eines Hitzschlags

Der Klassiker: Hund im Auto

Die mit Abstand häufigste Ursache für einen Hitzschlag ist das Zurücklassen des Hundes im Auto. Was viele Menschen unterschätzen: Selbst bei einer Außentemperatur von nur 20 Grad kann sich ein geschlossenes Auto innerhalb von 30 Minuten auf über 45 Grad aufheizen. Bei 30 Grad Außentemperatur sind es nach 30 Minuten bereits über 55 Grad im Fahrzeuginnenraum.

Ein leicht geöffnetes Fenster ändert an dieser Situation kaum etwas – die Temperatur steigt trotzdem gefährlich schnell an. Auch ein Schattenparkplatz bietet keinen zuverlässigen Schutz, da die Sonne wandert.

Deshalb gilt: Lass deinen Hund niemals allein im Auto – auch nicht „nur kurz", auch nicht bei geöffnetem Fenster, auch nicht im Schatten.

Körperliche Überanstrengung

Der zweithäufigste Auslöser ist übermäßige körperliche Belastung bei warmem Wetter. Hunde, die beim Joggen mitlaufen, intensives Apportierspiel in der Mittagshitze betreiben oder auf langen Wanderungen bei Sommerhitze nicht ausreichend pausieren, können einen belastungsinduzierten Hitzschlag erleiden.

Besonders tückisch: Viele Hunde sind so motiviert, dass sie keine Anzeichen von Erschöpfung zeigen und bis zum Zusammenbruch weitermachen. Du musst als Besitzer die Verantwortung übernehmen und rechtzeitig aufhören.

Fehlende Schattenplätze und Wasser

Hunde, die auf Terrassen, Balkonen oder in Zwingern ohne Schattenspender angebunden oder eingesperrt sind, können sich nicht selbst in Sicherheit bringen. Auch fehlendes Trinkwasser beschleunigt die Überhitzung.

Besonders gefährdete Hunde

Nicht alle Hunde sind gleich anfällig für einen Hitzschlag. Besonders gefährdet sind:

  • Brachyzephale Rassen: Mops, Französische Bulldogge, Boxer, Pekinese – durch die verengten Atemwege ist ihre Fähigkeit zu hecheln stark eingeschränkt
  • Übergewichtige Hunde: Die Fettschicht isoliert den Körper und verhindert die Wärmeabgabe
  • Ältere Hunde: Der Kreislauf ist weniger belastbar
  • Hunde mit dichtem Fell: Husky, Neufundländer, Samojede
  • Hunde mit Herz- oder Atemwegserkrankungen
  • Welpen: Die Temperaturregulation ist noch nicht ausgereift
  • Dunkle Hunde: Dunkles Fell absorbiert mehr Sonnenwärme

Symptome eines Hitzschlags

Ein Hitzschlag entwickelt sich in verschiedenen Stadien. Je früher du die Anzeichen erkennst, desto besser sind die Überlebenschancen deines Hundes.

Frühstadium (Warnzeichen)

  • Starkes, ununterbrochenes Hecheln mit weit herausgestreckter Zunge
  • Unruhe und Suchverhalten (der Hund sucht verzweifelt kühle Plätze)
  • Vermehrter Speichelfluss, oft dickflüssiger, klebriger Speichel
  • Erhöhte Herzfrequenz
  • Gerötete Schleimhäute (Zahnfleisch, Innenseite der Ohren)
  • Leichtes Taumeln

Fortgeschrittenes Stadium (Notfall!)

  • Extrem schnelles, flaches Hecheln oder plötzliches Aufhören des Hechelns (noch gefährlicher!)
  • Dunkelrote bis blau-violette Schleimhäute
  • Taumeln, Koordinationsstörungen, Schwanken
  • Erbrechen, oft mit Blut
  • Durchfall, möglicherweise blutig
  • Glasiger Blick, weit aufgerissene Augen
  • Körpertemperatur über 41 Grad
  • Flache, schnelle Atmung

Lebensgefährliches Stadium

  • Bewusstlosigkeit
  • Krampfanfälle
  • Blasse oder bläuliche Schleimhäute (Sauerstoffmangel)
  • Kein Hecheln mehr (Atemzentrum versagt)
  • Unkontrollierter Urin- und Kotabsatz
  • Multiorganversagen

Erste Hilfe bei Hitzschlag

Wenn du Symptome eines Hitzschlags erkennst, musst du sofort handeln. Jede Minute zählt.

Schritt 1: Aus der Hitze bringen

Bringe den Hund sofort an einen kühlen, schattigen Ort. Wenn möglich, in einen klimatisierten Raum oder vor einen Ventilator. Ist der Hund im Auto eingeschlossen und der Besitzer nicht auffindbar, bist du in vielen Bundesländern berechtigt, die Scheibe einzuschlagen – dokumentiere die Situation vorher mit Fotos und rufe die Polizei.

Schritt 2: Langsam abkühlen

Wichtig: Kein eiskaltes Wasser verwenden! Eiskaltes Wasser verengt die Blutgefäße der Haut und verhindert die Wärmeabgabe – das Gegenteil von dem, was du erreichen willst.

So kühlst du richtig:

  • Verwende lauwarmes bis kühles (nicht kaltes!) Wasser
  • Beginne an den Pfoten und Beinen und arbeite dich langsam zum Körper vor
  • Nasse Handtücher auf den Bauch, die Innenschenkel und den Nacken legen
  • Handtücher alle paar Minuten erneuern, da sie die Wärme aufnehmen und dann isolierend wirken
  • Die Pfotenballen befeuchten (dort kann der Hund Wärme abgeben)
  • Einen Ventilator auf den nassen Hund richten, wenn verfügbar

Schritt 3: Wasser anbieten

Biete dem Hund frisches, kühles Wasser in kleinen Mengen an. Zwinge ihn aber nicht zum Trinken. Einem bewusstlosen Hund niemals Wasser einflößen – Erstickungsgefahr!

Schritt 4: Tierarzt – sofort!

Ein Hitzschlag ist immer ein tierärztlicher Notfall, auch wenn sich der Hund scheinbar erholt. Die inneren Schäden – Nieren-, Leber- und Organversagen, Blutgerinnungsstörungen – zeigen sich oft erst Stunden später. Rufe die nächste Tierklinik an, damit sie sich vorbereiten können, und fahre sofort los.

Während der Fahrt: Fenster öffnen oder Klimaanlage auf kühl stellen, den Hund weiter mit feuchten Tüchern kühlen.

Vorbeugung – So schützt du deinen Hund

Im Sommer

  • Spaziergänge verlegen: Gehe nur in den kühlen Morgen- und Abendstunden (vor 8 Uhr und nach 20 Uhr). Meide die Mittagshitze konsequent.
  • Asphalt-Test: Lege deinen Handrücken fünf Sekunden auf den Asphalt. Wenn es zu heiß für deine Hand ist, ist es zu heiß für Hundepfoten. Verbrennungen der Pfotenballen sind im Sommer häufig.
  • Immer Wasser mitführen: Eine faltbare Trinkflasche oder ein Reisenapf sollte bei jedem Spaziergang dabei sein.
  • Schattenplätze: Stelle sicher, dass dein Hund jederzeit Zugang zu Schatten und frischem Wasser hat.
  • Kühlmatten und Planschbecken: Kühlmatten für Hunde aktivieren sich durch das Körpergewicht und bieten eine kühle Liegefläche. Viele Hunde lieben auch ein flaches Planschbecken im Garten.
  • Abkühlung im Wasser: Wenn dein Hund gerne schwimmt, biete ihm Bademöglichkeiten an – See, Bach oder Planschbecken.
  • Fell nicht scheren: Besonders bei Doppelfell-Rassen: Das Fell schützt auch vor Hitze und Sonnenbrand. Stattdessen die lose Unterwolle entfernen.

Im Auto

  • Hund nie im Auto lassen! Auch nicht für fünf Minuten.
  • Klimaanlage: Nutze die Klimaanlage beim Fahren und stelle sicher, dass auch der hintere Bereich gekühlt wird.
  • Sonnenschutz: Sonnenschutzfolien für die Scheiben und ein Sonnenschutz für die Windschutzscheibe beim Parken.
  • Wasserversorgung: Immer eine Wasserflasche und einen Napf im Auto haben.

Sport und Training

  • Kein intensives Training bei Temperaturen über 25 Grad
  • Schwimmen statt Laufen: Eine hervorragende Alternative für die sportliche Auslastung im Sommer
  • Nasenarbeit statt Bewegung: Suchspiele und Schnüffeltraining sind körperlich weniger belastend, aber geistig auslastend
  • Auf den Hund hören: Wenn dein Hund sich in den Schatten legt und nicht mehr weitergehen will, respektiere das

Zusammenfassung

Ein Hitzschlag beim Hund ist ein absoluter Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Erkenne die Frühsymptome – starkes Hecheln, Unruhe, gerötete Schleimhäute – und handle sofort: Aus der Hitze bringen, langsam mit lauwarmem Wasser abkühlen und unverzüglich zum Tierarzt fahren. Die beste Strategie ist jedoch die Vorbeugung: Vermeide Hitze, verlege Aktivitäten in die kühlen Tageszeiten und lass deinen Hund niemals im Auto. Mit dem richtigen Wissen und etwas Voraussicht kannst du deinen Hund sicher durch den Sommer bringen.