Hund baden – Wann, wie und womit?
Baden gehört nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen der meisten Hunde – und ehrlich gesagt auch nicht zu denen der meisten Hundebesitzer. Das Badezimmer gleicht danach oft einem Katastrophengebiet, der Hund schüttelt sich im ungünstigsten Moment und irgendwie ist man selbst hinterher nasser als der Vierbeiner. Doch manchmal führt kein Weg daran vorbei: Ob Schlammbad im Park, Begegnung mit einem Stinktier-Ersatz oder hartnäckiger Hundegeruch – gelegentliches Baden ist Teil der Hundepflege. In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du über das richtige Baden deines Hundes wissen musst.
Wie oft sollte man einen Hund baden?
Die goldene Regel lautet: So selten wie möglich, so oft wie nötig. Die Haut des Hundes besitzt eine natürliche Fettschicht (Talg), die das Fell schützt, Feuchtigkeit abweist und die Haut gesund hält. Zu häufiges Baden zerstört diese Schutzschicht und kann zu trockener, schuppiger Haut, Juckreiz und sogar Hautproblemen führen.
Richtwerte nach Felltyp
Kurzhaarige Hunde (Labrador, Boxer, Dalmatiner):
- Alle zwei bis drei Monate oder bei Bedarf
- Kurzes Fell trocknet schnell und lässt sich gut mit einem feuchten Tuch abreiben
- Oft reicht Bürsten, um Schmutz zu entfernen
Langhaarige Hunde (Golden Retriever, Collie, Afghane):
- Alle sechs bis acht Wochen oder bei Bedarf
- Langes Fell verfilzt schneller, wenn es nass und nicht ordentlich getrocknet wird
- Vor dem Baden immer gut durchbürsten, um Verfilzungen zu lösen
Drahthaarige Hunde (Foxterrier, Airedale, Schnauzer):
- Alle zwei bis drei Monate
- Drahtiges Fell hat eine natürliche Schutzfunktion, die durch häufiges Baden geschwächt wird
- Trimmen ist wichtiger als Baden
Hunde mit dichter Unterwolle (Husky, Akita, Samojede):
- Nur zwei- bis dreimal pro Jahr
- Die dichte Unterwolle braucht sehr lange zum Trocknen und neigt bei Feuchtigkeit zu Hautpilz
- Regelmäßiges Bürsten ist wichtiger als Baden
Hunde mit spezieller Haut (Shar-Pei, Bulldogge, Mops):
- Die Hautfalten müssen regelmäßig gereinigt werden, aber ein Vollbad ist nur alle zwei bis drei Monate nötig
- Zwischen den Bädern die Falten täglich mit einem feuchten Tuch reinigen und trocken tupfen
Wann ist ein Bad wirklich nötig?
- Dein Hund hat sich in etwas Stinkendem gewälzt (Lieblingsparfüm vieler Hunde: Aas, Gülle, tote Fische)
- Er ist stark verschmutzt (Schlamm, Ölflecken)
- Der Tierarzt hat ein medizinisches Shampoo verordnet
- Starker Hundegeruch, der durch Bürsten nicht besser wird
- Vor einer Operation oder medizinischen Behandlung (nach Anweisung des Tierarztes)
- Parasiten wie Flöhe (mit speziellem Flohmittel)
Das richtige Shampoo
Warum kein Menschenshampoo?
Hundhaut hat einen anderen pH-Wert als Menschenhaut. Während menschliche Haut einen pH-Wert von etwa 5,5 hat (leicht sauer), liegt der pH-Wert der Hundehaut bei 7,0 bis 7,5 (neutral bis leicht basisch). Menschenshampoos sind für den sauren pH-Wert der menschlichen Haut formuliert und können die Hundehaut reizen, austrocknen und das natürliche Gleichgewicht der Hautflora stören.
Auch Babyshampoo ist keine gute Alternative. Es ist zwar milder als normales Shampoo, hat aber immer noch den falschen pH-Wert für Hundehaut.
Welches Hundeshampoo eignet sich?
- Mildes Hundeshampoo: Für normale Haut ohne besondere Probleme. Achte auf ein Produkt ohne Parfüm, Farbstoffe und Silikone.
- Hypoallergenes Shampoo: Für Hunde mit empfindlicher Haut oder Allergien. Enthält möglichst wenige Inhaltsstoffe.
- Medizinisches Shampoo: Bei Hautpilz, bakteriellen Infektionen, Seborrhoe oder starkem Juckreiz. Nur nach tierärztlicher Verordnung verwenden.
- Anti-Parasiten-Shampoo: Bei Flohbefall als Ergänzung zur regulären Parasitenbehandlung.
- Entfilzungsshampoo: Für langhaarige Rassen, erleichtert das Kämmen nach dem Bad.
- Welpen-Shampoo: Besonders mild für die empfindliche Welpenhaut.
Hausmittel als Shampoo-Ersatz?
Im Internet kursieren viele Tipps für DIY-Hundeshampoos. Die meisten sind mit Vorsicht zu genießen:
- Natron: Kann als Trockenshampoo aufgetragen und ausgebürstet werden, um Gerüche zu neutralisieren. Nicht als Nassshampoo verwenden.
- Apfelessig (verdünnt): Kann nach dem Shampoonieren als Spülung verwendet werden, um das Fell glänzend zu machen. Verhältnis: ein Teil Essig zu drei Teilen Wasser. Nicht bei offenen Wunden oder gereizter Haut verwenden!
- Kokosöl: Kann nach dem Bad in kleine Mengen ins feuchte Fell einmassiert werden, um trockene Haut zu pflegen. Nicht zu viel verwenden, da es das Fell fettig machen kann.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Hund richtig baden
Vorbereitung
- Bürsten: Bürste deinen Hund vor dem Bad gründlich durch. Verfilzungen werden durch Wasser nur schlimmer und lassen sich nach dem Baden kaum noch lösen.
- Alles bereitlegen: Shampoo, mehrere Handtücher, eventuell ein Anti-Rutsch-Matte für die Badewanne, Leckerlis.
- Wassertemperatur: Lauwarm, etwa 37 bis 38 Grad. Teste die Temperatur an deinem Handgelenk – genau wie bei einem Baby. Zu heißes Wasser verbrennt die empfindliche Hundehaut, zu kaltes Wasser ist unangenehm.
- Ohren schützen: Lege locker Wattebäusche in die Ohrmuscheln, um zu verhindern, dass Wasser in die Gehörgänge fließt. Wasser im Ohr kann Ohrenentzündungen begünstigen.
Das Bad
- Langsam nass machen: Beginne an den Pfoten und arbeite dich langsam nach oben. Vermeide den Kopf zunächst – die meisten Hunde mögen kein Wasser im Gesicht.
- Shampoo einmassieren: Verteile das Shampoo in deinen Händen und massiere es sanft ins Fell. Arbeite es gründlich bis zur Haut ein, besonders an den typischen Stinkzonen: Hals, Brust, Bauch, Rücken und Schwanzansatz.
- Einwirkzeit beachten: Bei medizinischen Shampoos die vom Tierarzt empfohlene Einwirkzeit einhalten. Bei normalen Shampoos reichen zwei bis drei Minuten.
- Kopf waschen: Den Kopf zuletzt und besonders vorsichtig waschen. Verwende wenig Shampoo und achte darauf, dass nichts in Augen, Nase oder Ohren gelangt. Alternativ den Kopf nur mit einem feuchten Waschlappen abwischen.
- Gründlich ausspülen: Spüle das Shampoo restlos aus. Shampooreste im Fell können Juckreiz und Hautreizungen verursachen. Plane doppelt so viel Zeit fürs Spülen ein wie fürs Shampoonieren.
Trocknen
- Schütteln lassen: Gib deinem Hund die Chance, sich erst einmal kräftig zu schütteln – am besten noch in der Badewanne oder Dusche.
- Handtuchtrocknen: Tupfe das Fell mit einem saugfähigen Handtuch trocken. Nicht rubbeln, das kann Verfilzungen verursachen und die Haut reizen.
- Föhnen (optional): Viele Hunde akzeptieren einen Föhn auf niedriger Stufe. Halte mindestens 30 Zentimeter Abstand und verwende nur lauwarme Luft. Teste die Temperatur regelmäßig an deiner Hand. Drahthaarige Rassen sollten möglichst nicht geföhnt werden, da die Hitze die Haarstruktur verändert.
- Nicht raus lassen: Lass deinen frisch gebadeten Hund nicht sofort in den Garten – er wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit genüsslich im nächsten Dreck wälzen. Warte, bis er vollständig trocken ist.
Hund an das Baden gewöhnen
Bei Welpen
Die beste Zeit, einen Hund ans Baden zu gewöhnen, ist die Welpenzeit. Aber überstürze nichts:
- Schritt 1: Lass den Welpen die leere Badewanne oder Duschwanne erkunden. Leckerlis hineinlegen, loben.
- Schritt 2: Lass wenig lauwarmes Wasser ein, gerade genug, um die Pfoten zu bedecken. Loben, Leckerlis.
- Schritt 3: Langsam den Körper mit einem Becher oder der Handbrause nass machen. Ruhig sprechen, loben.
- Schritt 4: Erst nach mehreren positiven Erfahrungen Shampoo verwenden.
Bei erwachsenen Hunden mit Badeangst
Wenn dein erwachsener Hund Angst vorm Baden hat:
- Zwinge ihn niemals ins Wasser – das verstärkt die Angst
- Arbeite in kleinen Schritten und belohne jeden Fortschritt
- Verwende eine Anti-Rutsch-Matte – viele Hunde haben Angst vor dem glatten Untergrund
- Ein Leckstick mit Erdnussbutter an der Badewannenwand kann Wunder wirken
- Übe zunächst mit dem Gartenschlauch draußen, wenn das weniger beängstigend ist
- Manche Hunde bevorzugen eine flache Hundewanne im Garten gegenüber der beengenden Badewanne
Alternativen zum Vollbad
Nicht immer ist ein komplettes Bad nötig. Diese Alternativen können Zeit und Nerven sparen:
- Feuchte Hundetücher: Fertige Reinigungstücher für Hunde eignen sich für eine schnelle Reinigung nach dem Spaziergang.
- Trockenshampoo für Hunde: Pulver oder Spray, das ins Fell eingearbeitet und ausgebürstet wird. Gut für geruchsempfindliche Phasen zwischen den Bädern.
- Pfoten waschen: Oft reicht es, nur die Pfoten in einer flachen Schüssel zu waschen, statt den ganzen Hund zu baden.
- Teilbad: Nur den verschmutzten Bereich waschen, zum Beispiel den Bauch nach einem Schlammbad.
Häufige Fehler beim Hundebaden
- Zu häufiges Baden: Zerstört die natürliche Schutzschicht der Haut
- Falsches Shampoo: Menschenshampoo, Spülmittel oder Seife sind tabu
- Zu heißes Wasser: Hundehaut ist empfindlicher als Menschenhaut
- Unzureichendes Ausspülen: Shampooreste verursachen Juckreiz und Schuppen
- Nicht gründlich trocknen: Feuchtigkeit in dichtem Fell kann zu Hotspots und Hautpilz führen
- Ohren nicht schützen: Wasser im Gehörgang führt häufig zu Ohrenentzündungen
- Nach dem Bad rauslassen: Der frisch gewaschene Hund wird sich garantiert im nächsten Dreck wälzen
Zusammenfassung
Das Baden deines Hundes ist keine Raketenwissenschaft, erfordert aber einige Grundkenntnisse. Bade deinen Hund nur, wenn es wirklich nötig ist, verwende immer ein auf Hundehaut abgestimmtes Shampoo und achte darauf, gründlich auszuspülen und den Hund vollständig zu trocknen. Gewöhne Welpen früh und positiv ans Baden, und habe Geduld mit erwachsenen Hunden, die das Wasser scheuen. Mit der richtigen Herangehensweise kann das Hundebad zu einer entspannten Routine werden – oder zumindest zu einer, bei der nur eine moderate Menge Wasser außerhalb der Wanne landet.