Tierarztkosten – Was kosten Behandlungen und wie kannst du sparen?
Ein Haustier bringt Freude, Liebe und Gesellschaft – aber auch Kosten. Neben Futter und Zubehör gehören die Tierarztkosten zu den größten regelmäßigen Ausgaben für Haustierbesitzer. Ob Impfung, Kastration, Zahnbehandlung oder Notfall-OP – die Kosten können sich schnell summieren und manchmal unerwartet hoch ausfallen. In diesem Ratgeber erfährst du, wie die Tierarztkosten berechnet werden, was häufige Behandlungen kosten und mit welchen Spartipps du die finanzielle Belastung im Griff behältst.
Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT)
Was ist die GOT?
Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ist die gesetzliche Grundlage für die Abrechnung tierärztlicher Leistungen in Deutschland. Sie legt fest, welche Gebühr für jede einzelne Leistung mindestens und höchstens berechnet werden darf. Die GOT wurde zuletzt zum 22. November 2022 grundlegend reformiert, was zu teilweise deutlichen Preisanpassungen geführt hat.
Wie funktioniert die GOT?
Die GOT arbeitet mit einem Gebührensatz-System:
- Einfacher Satz (1-fach): Der Basispreis für eine Leistung. Dies ist die Untergrenze – kein Tierarzt darf weniger berechnen.
- Zweifacher Satz (2-fach): Das Doppelte des Basispreises. Wird häufig bei erhöhtem Aufwand oder besonderen Umständen berechnet.
- Dreifacher Satz (3-fach): Die Obergrenze für die meisten Leistungen. Wird bei besonders aufwendigen Fällen oder im Notdienst angewandt.
- Vierfacher Satz (4-fach): Gilt für den tierärztlichen Notdienst (nachts, Wochenende, Feiertage) als Obergrenze.
Der Tierarzt wählt den Satz je nach:
- Schwierigkeit des Falls
- Zeitaufwand
- Wert des Tieres
- Örtlichen Verhältnissen
Wichtig zu wissen
- Der Tierarzt ist verpflichtet, nach GOT abzurechnen – Pauschalangebote oder Dumpingpreise sind grundsätzlich nicht erlaubt
- Du hast das Recht auf eine detaillierte Rechnung, die jede einzelne Leistung mit dem angewandten Gebührensatz aufschlüsselt
- Im Notdienst kommt zusätzlich eine Notdienstgebühr von aktuell 50 Euro (netto) hinzu, und die Leistungen können bis zum 4-fachen Satz berechnet werden
Was kosten häufige Behandlungen?
Die folgenden Preise sind Orientierungswerte auf Basis der GOT 2022. Die tatsächlichen Kosten variieren je nach Region, Tierarzt und Einzelfall.
Grundleistungen
| Behandlung | Preisspanne (ca.) |
|---|---|
| Allgemeine Untersuchung (Hund/Katze) | 25 bis 75 Euro |
| Impfung (inkl. Untersuchung) | 50 bis 120 Euro |
| Wurmkur (Tablette) | 10 bis 30 Euro |
| Entwurmung (Kot-Untersuchung) | 25 bis 50 Euro |
| Zeckenentfernung | 10 bis 25 Euro |
| Mikrochip einsetzen | 35 bis 60 Euro |
| EU-Heimtierausweis | 10 bis 15 Euro |
Operationen beim Hund
| Operation | Preisspanne (ca.) |
|---|---|
| Kastration Rüde | 150 bis 400 Euro |
| Kastration Hündin | 300 bis 700 Euro |
| Zahnsteinentfernung | 120 bis 350 Euro |
| Kreuzband-OP | 1.200 bis 3.500 Euro |
| Magendrehung-OP (Notfall) | 1.500 bis 4.000 Euro |
| Tumor-Entfernung | 400 bis 2.000 Euro |
| Fremdkörper-OP | 800 bis 2.500 Euro |
| Bandscheibenvorfall-OP | 2.000 bis 5.000 Euro |
| Hüftgelenks-OP | 1.500 bis 4.500 Euro |
Operationen bei der Katze
| Operation | Preisspanne (ca.) |
|---|---|
| Kastration Kater | 80 bis 200 Euro |
| Kastration Katze | 150 bis 400 Euro |
| Zahnsteinentfernung | 100 bis 300 Euro |
| Zahnextraktion (pro Zahn) | 20 bis 80 Euro |
| Fremdkörper-OP | 600 bis 2.000 Euro |
| Knochenbruch-OP | 800 bis 2.500 Euro |
Diagnostik
| Untersuchung | Preisspanne (ca.) |
|---|---|
| Blutuntersuchung (großes Blutbild) | 50 bis 120 Euro |
| Röntgenaufnahme | 40 bis 100 Euro (pro Aufnahme) |
| Ultraschall | 50 bis 150 Euro |
| CT (Computertomografie) | 400 bis 1.200 Euro |
| MRT (Magnetresonanztomografie) | 500 bis 1.500 Euro |
| Urinuntersuchung | 20 bis 50 Euro |
| Allergie-Test | 100 bis 300 Euro |
| Herzultraschall | 80 bis 200 Euro |
Notdienst
| Leistung | Kosten |
|---|---|
| Notdienstgebühr (Pflicht) | 50 Euro (netto) |
| Allgemeine Untersuchung im Notdienst | 75 bis 225 Euro |
| Notfall-OP (einfach) | 500 bis 2.000 Euro |
| Notfall-OP (komplex) | 2.000 bis 6.000 Euro |
| Stationäre Aufnahme (pro Tag) | 20 bis 60 Euro |
Jährliche Kosten im Überblick
Hund (durchschnittliche jährliche Kosten)
| Posten | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Grundimmunisierung / Auffrischimpfungen | 50 bis 120 Euro |
| Parasitenschutz (Wurmkur + Zeckenschutz) | 80 bis 200 Euro |
| Jährlicher Gesundheitscheck | 25 bis 75 Euro |
| Summe (ohne Erkrankungen) | 155 bis 395 Euro |
Katze (durchschnittliche jährliche Kosten)
| Posten | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Auffrischimpfungen | 40 bis 100 Euro |
| Parasitenschutz | 50 bis 150 Euro |
| Jährlicher Gesundheitscheck | 25 bis 75 Euro |
| Summe (ohne Erkrankungen) | 115 bis 325 Euro |
Diese Summen decken nur die Routineversorgung ab. Jede Erkrankung oder Verletzung kommt hinzu.
Spartipps für Tierarztkosten
1. Vorsorge statt Nachsorge
Die beste Investition ist Vorsorge:
- Halte Impfungen aktuell – Infektionskrankheiten zu behandeln ist um ein Vielfaches teurer
- Regelmäßige Zahnpflege zu Hause spart teure Zahnbehandlungen unter Narkose
- Parasitenschutz konsequent durchführen – Parasitenerkrankungen behandeln ist aufwendiger als vorbeugen
- Jährliche Gesundheitschecks decken Probleme frühzeitig auf, wenn sie noch günstig zu behandeln sind
2. Gewichtskontrolle
Übergewicht ist einer der größten Kostentreiber in der Tiermedizin. Ein übergewichtiges Tier hat ein deutlich höheres Risiko für:
- Gelenkerkrankungen
- Diabetes
- Herzprobleme
- Krebs
- Lebensverkürzung
Normalgewicht halten kostet nichts – und spart langfristig Tausende Euro.
3. Tierkrankenversicherung
Eine Tierkrankenversicherung kann bei schweren Erkrankungen oder Unfällen vor finanzieller Überlastung schützen. Vergleiche sorgfältig und achte auf:
- Erstattungshöhe und Selbstbeteiligung
- Wartezeiten
- Ausschlüsse und Deckungssummen
- Erstattung nach GOT-Satz
4. Rücklagen bilden
Wenn du keine Versicherung abschließen möchtest, lege monatlich einen festen Betrag (mindestens 30 bis 50 Euro) auf ein separates „Tierkonto" zurück. So bist du bei unerwarteten Kosten zumindest teilweise abgesichert.
5. Preise vergleichen – aber richtig
Tierärzte berechnen unterschiedliche GOT-Sätze. Ein Vergleich lohnt sich, aber:
- Wähle den Tierarzt nicht nur nach dem Preis, sondern auch nach Kompetenz und Vertrauen
- Lange Anfahrtswege kosten ebenfalls (Benzin, Stress für das Tier)
- Spezialkliniken sind teurer, bieten aber bei komplexen Fällen bessere Diagnostik und Behandlung
- Tierkliniken an Universitäten (Tiho Hannover, LMU München, FU Berlin, JLU Gießen, Uni Leipzig) können eine Option sein – oft moderatere Preise bei Spezialbehandlungen
6. Zweitmeinung einholen
Bei teuren Behandlungen oder empfohlenen Operationen lohnt es sich, eine Zweitmeinung einzuholen. Manche Erkrankungen können konservativ (ohne OP) behandelt werden.
7. Ratenzahlung ansprechen
Viele Tierarztpraxen bieten Ratenzahlung an, besonders bei größeren Beträgen. Frage offen danach – es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von verantwortungsvollem Umgang mit der Situation.
8. Rechnung prüfen
Prüfe die Tierarztrechnung auf:
- Korrekte Leistungsbeschreibung
- Angewandter GOT-Satz (1-fach, 2-fach, 3-fach)
- Einzelauflistung aller Posten
- Korrekte Medikamentenberechnung
Bei Unklarheiten scheue dich nicht, beim Tierarzt nachzufragen.
Notdienst – Warum es so teuer ist
Die Notdienstgebühr und die erhöhten Sätze im Notdienst sorgen regelmäßig für Überraschungen. Doch der Hintergrund ist nachvollziehbar:
- Tierärzte im Notdienst arbeiten nachts, an Wochenenden und Feiertagen
- Personal, Praxisräume und Geräte müssen rund um die Uhr bereitgehalten werden
- Die GOT-Reform 2022 hat die Notdienstgebühr bewusst eingeführt, um den tierärztlichen Notdienst wirtschaftlich tragbar zu halten
Tipp: Nicht jeder Fall ist ein Notfall. Wenn du unsicher bist, ob dein Tier sofort behandelt werden muss oder bis zur regulären Sprechstunde warten kann, ruf vorher in der Notdienstpraxis an und schildere die Symptome. Das spart im Zweifel die Notdienstgebühr.
Wann du nicht sparen solltest
Bei allem Sparsinn gibt es Situationen, in denen jeder Euro gut investiert ist:
- Akute Notfälle: Vergiftungen, Magendrehung, schwere Verletzungen, Atemnot
- Starke Schmerzen: Dein Tier leidet – schnelle Hilfe hat Priorität
- Chronische Erkrankungen: Diabetes, Niereninsuffizienz, Herzerkrankungen brauchen kontinuierliche Betreuung
- Vorsorgeuntersuchungen: Die Investition, die sich langfristig am meisten auszahlt
Zusammenfassung
Tierarztkosten sind ein wesentlicher Teil der Tierhaltung und können je nach Situation erheblich sein. Die GOT bildet den gesetzlichen Rahmen und sorgt für Transparenz – nutze dein Recht auf eine detaillierte Rechnung. Investiere in Vorsorge, halte dein Tier schlank und fit, bilde Rücklagen und prüfe eine Tierkrankenversicherung. So bist du für den normalen Alltag und für unerwartete Situationen gerüstet, ohne dass die Tierarztrechnung zur finanziellen Krise wird.