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Hund – Gesundheit18.2.2026

Diabetes beim Hund – Symptome, Insulin und Ernährung

Was ist Diabetes mellitus beim Hund?

Diabetes mellitus – umgangssprachlich Zuckerkrankheit – ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen beim Hund. Der Körper kann den Blutzucker nicht mehr ausreichend regulieren, weil die Bauchspeicheldrüse nicht genügend Insulin produziert oder das Insulin nicht richtig wirkt. Unbehandelt führt Diabetes zu schwerwiegenden Komplikationen, doch mit der richtigen Behandlung können diabetische Hunde ein gutes und langes Leben führen. In diesem Ratgeber erfährst du alles Wichtige über Symptome, Diagnose, Insulintherapie und die richtige Ernährung für deinen Hund.

Diabetes-Typen beim Hund

Typ-1-Diabetes (insulinabhängig)

Der häufigste Diabetes-Typ beim Hund. Die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse werden zerstört – entweder durch eine Autoimmunreaktion oder durch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung. Der Hund kann kein eigenes Insulin mehr produzieren und ist lebenslang auf Insulininjektionen angewiesen.

Typ-2-Diabetes (insulinresistent)

Selten beim Hund (im Gegensatz zur Katze, bei der Typ 2 überwiegt). Die Körperzellen reagieren nicht mehr ausreichend auf Insulin. Kommt gelegentlich bei stark übergewichtigen Hunden vor.

Welche Hunde sind besonders gefährdet?

  • Alter: Diabetes tritt am häufigsten bei Hunden im mittleren bis höheren Alter auf (7-10 Jahre).
  • Geschlecht: Unkastrierte Hündinnen sind aufgrund hormoneller Einflüsse (Progesteron) etwa doppelt so häufig betroffen wie Rüden.
  • Rassen: Australian Terrier, Samojede, Miniaturschnauzer, Zwergpudel, Bichon Frisé, Spitz, Beagle und Fox Terrier zeigen eine erhöhte Veranlagung.
  • Übergewicht: Erhöht das Risiko, kann aber bei Hunden seltener allein Diabetes auslösen als beim Menschen.
  • Pankreatitis: Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündungen können die Betazellen dauerhaft schädigen.
  • Medikamente: Langzeit-Kortisontherapie kann Diabetes begünstigen.
  • Cushing-Syndrom: Das Überangebot an Kortisol wirkt dem Insulin entgegen.

Symptome von Diabetes beim Hund

Die vier klassischen Symptome

  1. Vermehrtes Trinken (Polydipsie): Dein Hund trinkt deutlich mehr als gewöhnlich. Der Wassernapf ist ständig leer.
  2. Vermehrtes Wasserlassen (Polyurie): Durch das viele Trinken muss dein Hund häufiger und in größeren Mengen Wasser lassen. Manche Hunde werden unsauber.
  3. Vermehrtes Fressen (Polyphagie): Obwohl dein Hund ausreichend oder sogar mehr frisst, scheint er ständig hungrig zu sein.
  4. Gewichtsverlust: Trotz normalem oder gesteigertem Appetit nimmt dein Hund ab. Der Körper kann die Glukose nicht verwerten und greift auf Fett- und Muskelreserven zurück.

Weitere Symptome

  • Mattigkeit und Antriebslosigkeit: Dein Hund ist weniger aktiv und hat weniger Energie.
  • Stumpfes Fell: Das Fell verliert seinen Glanz und wird struppig.
  • Wiederkehrende Harnwegsinfektionen: Zucker im Urin bietet Bakterien einen idealen Nährboden, was zu häufigen Blasenentzündungen führen kann.
  • Schlechte Wundheilung: Verletzungen heilen langsamer.
  • Lebervergrößerung: Durch Fetteinlagerungen in der Leber.

Diabetische Ketoazidose – der Notfall!

Unbehandelt oder bei entgleistem Diabetes kann eine lebensbedrohliche Komplikation auftreten – die diabetische Ketoazidose (DKA):

  • Erbrechen und Durchfall
  • Starke Schwäche und Apathie
  • Azetongeruch aus dem Maul (süßlich-fruchtig)
  • Austrocknung
  • Im schlimmsten Fall Bewusstlosigkeit und Koma

> Die diabetische Ketoazidose ist ein absoluter Notfall! Sofort zum Tierarzt oder in die Tierklinik!

Diagnose

Beim Tierarzt

Die Diagnose wird durch folgende Untersuchungen gestellt:

  • Blutzucker (Glukose): Ein dauerhaft erhöhter Nüchternblutzucker (über 200 mg/dl) ist der Hauptbefund.
  • Fructosamin: Spiegelt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten zwei bis drei Wochen wider. Hilfreich, da der Blutzucker einzeln durch Stress beim Tierarzt erhöht sein kann.
  • Urinuntersuchung: Glukose im Urin (Glukosurie) bestätigt die Diagnose. Zusätzlich wird auf Ketonkörper (Hinweis auf Ketoazidose) und Bakterien (Harnwegsinfektion) getestet.
  • Blutbild und Organprofil: Zum Ausschluss von Begleiterkrankungen (Pankreatitis, Cushing, Lebererkrankungen).

Abgrenzung zu anderen Erkrankungen

Vermehrtes Trinken und Wasserlassen kommen auch bei anderen Erkrankungen vor:

  • Cushing-Syndrom
  • Niereninsuffizienz
  • Gebärmuttervereiterung (Pyometra) bei unkastrierten Hündinnen
  • Schilddrüsenüberfunktion (selten beim Hund)

Insulintherapie – die Grundlage der Behandlung

Die meisten diabetischen Hunde benötigen lebenslang Insulininjektionen. Das klingt zunächst beängstigend, wird aber für die meisten Besitzer schnell zur Routine.

Insulinsorten für Hunde

  • Caninsulin (Vetinsulin): Das einzige speziell für Hunde zugelassene Insulin. Enthält eine Mischung aus schnell und langsam wirksamem Schweineinsulin. Wird in der Regel zweimal täglich injiziert.
  • Andere Insuline: In manchen Fällen verschreibt der Tierarzt humane Insulinpräparate wie Lantus (Glargin) oder ProZinc.

So funktioniert die Insulinspritze

  1. Insulin aus dem Kühlschrank nehmen und sanft rollen (nicht schütteln!).
  2. Die verordnete Dosis aufziehen – dein Tierarzt zeigt dir die korrekte Handhabung.
  3. Eine Hautfalte bilden – am besten seitlich am Brustkorb oder Nacken.
  4. Die Nadel im 45-Grad-Winkel einstechen und das Insulin unter die Haut spritzen.
  5. Injektionsstellen wechseln – um Hautveränderungen zu vermeiden.

Die meisten Hunde tolerieren die Spritze sehr gut – die Nadeln sind extrem dünn und die Injektion ist kaum zu spüren.

Dosierung und Einstellung

  • Die richtige Insulindosis muss individuell ermittelt werden.
  • Zu Beginn wird eine Startdosis festgelegt, die schrittweise angepasst wird.
  • Blutzucker-Tagesprofil (Glukosekurve): Im Abstand einiger Wochen wird beim Tierarzt ein Tagesprofil erstellt. Dabei wird der Blutzucker alle zwei Stunden über den Tag gemessen, um zu sehen, wie das Insulin wirkt.
  • Heimmonitoring: Viele Tierärzte empfehlen, den Blutzucker auch zu Hause zu messen (Ohrvene oder Lefze mit einem Blutzuckermessgerät).
  • Fructosaminwert: Wird regelmäßig kontrolliert und gibt Aufschluss über die Langzeit-Blutzuckereinstellung.

Hypoglykämie – die gefährlichste Komplikation

Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) kann auftreten, wenn zu viel Insulin verabreicht wurde oder der Hund nicht gefressen hat:

Symptome:

  • Zittern und Schwäche
  • Taumeln und Orientierungslosigkeit
  • Muskelkrämpfe
  • Bewusstlosigkeit und Krämpfe

Sofortmaßnahmen:

  • Sofort Zucker geben: Honig oder Zuckerlösung auf das Zahnfleisch streichen (auch wenn der Hund bewusstlos ist – NICHTS in den Rachen geben!).
  • Sofort zum Tierarzt!

> Wichtig: Gib die Insulinspritze niemals, wenn dein Hund nicht gefressen hat! Bei Unsicherheit lieber keine oder eine halbe Dosis geben und den Tierarzt kontaktieren.

Ernährung bei Diabetes

Die richtige Ernährung ist neben der Insulintherapie der zweite Grundpfeiler der Diabetesbehandlung:

Grundprinzipien

  • Feste Fütterungszeiten: Immer zur gleichen Zeit füttern, abgestimmt auf die Insulingabe. In der Regel zweimal täglich, jeweils kurz vor der Insulinspritze.
  • Konstante Futtermenge und -zusammensetzung: Keine ständigen Futterwechsel! Der Blutzucker soll möglichst gleichmäßig verlaufen.
  • Hoher Fasergehalt: Ballaststoffreiche Diäten verlangsamen die Glukoseaufnahme aus dem Darm und führen zu gleichmäßigeren Blutzuckerspiegeln.
  • Komplexe Kohlenhydrate: Statt schnell verwertbarem Zucker sollte die Energieversorgung über komplexe Kohlenhydrate und hochwertige Proteine erfolgen.
  • Moderater Fettgehalt: Besonders bei Hunden mit Pankreatitis-Vorgeschichte wichtig.
  • Keine Leckerlis mit Zucker: Verzichte auf zuckerhaltige Snacks. Als Leckerlis eignen sich kleine Stücke mageres Fleisch, Karottenstücke oder spezielle Diät-Leckerlis.

Spezielles Diabetiker-Futter

Viele Futtermittelhersteller bieten spezielle Diabetikerdiäten an, die auf die Bedürfnisse diabetischer Hunde abgestimmt sind. Besprich mit deinem Tierarzt, welches Futter am besten geeignet ist.

Gewichtsmanagement

  • Übergewichtige Hunde: Eine kontrollierte Gewichtsreduktion kann die Insulinempfindlichkeit verbessern.
  • Untergewichtige Hunde: Müssen durch die Insulintherapie und angepasste Ernährung wieder auf ihr Normalgewicht gebracht werden.

Kastration bei unkastrierten Hündinnen

Unkastrierte Hündinnen mit Diabetes sollten möglichst zeitnah kastriert werden. Das Hormon Progesteron, das während des Läufigkeitszyklus und einer Trächtigkeit ansteigt, wirkt dem Insulin entgegen (Insulinresistenz). Eine Kastration kann die Diabeteseinstellung deutlich vereinfachen und führt in manchen Fällen sogar dazu, dass der Insulinbedarf sinkt.

Diabetische Katarakt – eine häufige Komplikation

Etwa 80 Prozent der diabetischen Hunde entwickeln innerhalb eines Jahres eine Linsentrübung (Katarakt). Zucker lagert sich in der Linse ein und zieht Wasser nach, was zur Quellung und Eintrübung führt. Der Hund erblindet auf dem betroffenen Auge.

  • Anzeichen: Weiße oder bläuliche Trübung der Augen, Orientierungsprobleme.
  • Behandlung: Eine Operation (Phakoemulsifikation) kann das Sehvermögen wiederherstellen. Je früher operiert wird, desto besser die Erfolgsaussichten.
  • Vorbeugung: Eine gute Blutzuckereinstellung kann die Kataraktentwicklung verlangsamen, aber leider nicht immer verhindern.

Lebensqualität und Prognose

Mit konsequenter Behandlung können diabetische Hunde eine gute Lebensqualität und eine normale Lebenserwartung haben. Der Alltag mit einem diabetischen Hund erfordert jedoch Disziplin und Regelmäßigkeit:

  • Feste Routine: Fütterungszeiten und Insulinspritzen immer zur gleichen Zeit.
  • Regelmäßige Tierarztbesuche: Zur Kontrolle der Blutzuckereinstellung (anfangs häufiger, später alle 3-6 Monate).
  • Bewegung: Regelmäßige, moderate Bewegung hilft bei der Blutzuckerregulation. Vermeide extreme Anstrengungen.
  • Geduld: Die richtige Einstellung kann einige Wochen dauern. Lass dich nicht entmutigen!

🚨 Wann sofort zum Tierarzt?

  • Bei Symptomen einer Unterzuckerung (Zittern, Taumeln, Krämpfe)
  • Bei Symptomen einer Ketoazidose (Erbrechen, starke Schwäche, Azetongeruch)
  • Wenn dein Hund nicht frisst und du unsicher bist, ob du Insulin geben sollst
  • Bei stark vermehrtem Trinken und Wasserlassen trotz Behandlung
  • Bei plötzlicher Eintrübung der Augen
  • Bei Verschlechterung des Allgemeinzustands

Zusammenfassung

Diabetes mellitus beim Hund ist eine ernsthafte, aber gut behandelbare Erkrankung. Die meisten Hunde benötigen lebenslange Insulininjektionen und eine angepasste Ernährung. Feste Fütterungs- und Spritzzeiten, regelmäßige Blutzuckerkontrollen und eine ballaststoffreiche Diät sind der Schlüssel zu einer guten Einstellung. Mit Geduld und Konsequenz können diabetische Hunde ein erfülltes und langes Leben führen. Achte auf die Warnsignale einer Unter- oder Überzuckerung und scheue dich nicht, bei Unsicherheiten deinen Tierarzt zu kontaktieren – lieber einmal zu oft als einmal zu wenig.