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impfungen18.2.2026

Hund Impfungen – Pflichtimpfungen, Kosten und Impfplan

Warum sind Impfungen für Hunde wichtig?

Impfungen schützen deinen Hund vor schweren, teils tödlichen Infektionskrankheiten. Noch vor wenigen Jahrzehnten starben tausende Hunde jährlich an Staupe, Parvovirose und anderen Seuchen. Dank konsequenter Impfprogramme sind diese Krankheiten deutlich zurückgegangen – aber nicht verschwunden. Ohne ausreichende Durchimpfungsrate können sie jederzeit wieder aufflammen.

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) unterteilt Hundeimpfungen in:

  • Core-Impfungen (Kernimpfungen): Für jeden Hund empfohlen
  • Non-Core-Impfungen: Je nach Risiko und Lebensumständen

Core-Impfungen – für jeden Hund

1. Staupe (CDV)

Erreger: Canines Staupevirus (verwandt mit dem Masernvirus)

Übertragung: Tröpfcheninfektion, direkter Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen. Auch Wildtiere (Füchse, Marder, Waschbären) übertragen Staupe.

Warum so gefährlich?

  • Hochansteckend mit schwerem Verlauf
  • Greift Atemwege, Verdauungstrakt und Nervensystem an
  • Symptome: Fieber, Nasen- und Augenausfluss, Husten, Durchfall, Erbrechen, im Spätstadium Krämpfe und Lähmungen
  • Sterblichkeitsrate bei unbehandelten Welpen: bis zu 80 %
  • Staupe ist in Deutschland durch Impfprogramme selten geworden, tritt aber immer wieder in Ausbrüchen auf

2. Parvovirose (CPV)

Erreger: Canines Parvovirus – extrem widerstandsfähig, überlebt in der Umwelt monatelang bis Jahre!

Übertragung: Fäkal-oral über kontaminierte Umgebung, Kot, Gegenstände. Der Virus kann an Schuhen in die Wohnung getragen werden.

Warum so gefährlich?

  • Schwerer, blutiger Durchfall und Erbrechen
  • Massive Dehydrierung und Zerstörung des Immunsystems
  • Besonders tödlich für Welpen – Sterblichkeitsrate ohne Behandlung: bis zu 90 %
  • Selbst mit intensiver Behandlung sterben 20-30 % der betroffenen Welpen
  • Extrem widerstandsfähig – normale Desinfektionsmittel wirken nicht

3. Leptospirose

Erreger: Leptospira-Bakterien (verschiedene Serovare)

Übertragung: Über kontaminiertes Wasser (Pfützen, Teiche, Bäche), Wildtierkontakt (besonders Ratten und Mäuse) oder deren Urin.

Warum so gefährlich?

  • Greift Leber und Nieren an – kann zu akutem Organversagen führen
  • Zoonose: Kann auf den Menschen übertragen werden!
  • Symptome: Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall, Gelbsucht, Nierenversagen
  • In milden Fällen unspezifische Symptome, die leicht übersehen werden
  • Risiko steigt in feuchten, warmen Perioden und in der Nähe von Gewässern

4. Hepatitis contagiosa canis (HCC)

Erreger: Canines Adenovirus Typ 1 (CAV-1)

Übertragung: Über Urin, Kot und Speichel infizierter Tiere.

Warum impfen?

  • Schwere Leberentzündung mit Blutgerinnungsstörungen
  • Kann innerhalb weniger Tage tödlich verlaufen
  • Durch Impfung in Deutschland selten geworden, aber nicht ausgerottet
  • Die Impfung erfolgt mit CAV-2, der auch vor Zwingerhusten schützt

Non-Core-Impfungen – je nach Risiko

5. Tollwut

  • Gesetzlich vorgeschrieben für Reisen ins Ausland (EU-Heimtierausweis)
  • Deutschland gilt als tollwutfrei, aber Einzelfälle bei Fledermäusen möglich
  • Viele Hundepensionen und -schulen verlangen einen gültigen Tollwutschutz
  • Tollwut ist unheilbar – für Mensch und Tier tödlich

6. Zwingerhusten (Kennel Cough)

Erreger: Verschiedene Viren (Parainfluenza, Adenovirus) und Bakterien (Bordetella bronchiseptica)

  • Empfohlen für Hunde mit viel Kontakt zu anderen Hunden: Hundepensionen, Hundeschulen, Hundewiesen, Ausstellungen
  • Wie eine starke Erkältung beim Hund – hartnäckiger Husten, Niesen, Nasenausfluss
  • Meist nicht lebensgefährlich, aber langwierig und unangenehm
  • Impfung als Injektion oder intranasal (Nasentropfen)

7. Borreliose

  • Durch Zecken übertragene bakterielle Infektion
  • Die Impfung ist umstritten – schützt nur vor einigen Borreliose-Stämmen
  • Die StIKo Vet empfiehlt sie nicht routinemäßig
  • Besserer Schutz: Konsequenter Zeckenschutz

8. Babesiose

  • Impfstoff nur eingeschränkt verfügbar und nicht routinemäßig empfohlen
  • Konsequenter Zeckenschutz ist effektiver

Der Impfplan – wann wird geimpft?

Grundimmunisierung für Welpen

AlterImpfung
8 WochenStaupe, Parvovirose, Leptospirose, HCC (+ ggf. Zwingerhusten)
12 WochenStaupe, Parvovirose, Leptospirose, HCC + Tollwut (+ ggf. Zwingerhusten)
16 WochenStaupe, Parvovirose (+ Leptospirose je nach Impfstoff)
15 MonateAuffrischung aller Impfungen

Warum mehrere Impfungen?

In den ersten Lebenswochen schützen die Antikörper der Mutter (maternale Antikörper) den Welpen. Diese können aber auch den Impfstoff neutralisieren. Da der Zeitpunkt, an dem die mütterlichen Antikörper absinken, von Welpe zu Welpe variiert, wird mehrfach geimpft.

Auffrischungsimpfungen für erwachsene Hunde

ImpfungAuffrischung
StaupeAlle 3 Jahre
ParvoviroseAlle 3 Jahre
HCCAlle 3 Jahre
LeptospiroseJährlich (Schutz hält nur ca. 12 Monate)
TollwutAlle 1-3 Jahre (je nach Impfstoff)
ZwingerhustenJährlich (wenn empfohlen)

Impfung bei erwachsenen, nicht geimpften Hunden

Auch erwachsene Hunde können jederzeit grundimmunisiert werden:

  • 2 Impfungen im Abstand von 3-4 Wochen
  • Danach reguläre Auffrischung

Kosten der Hundeimpfung

ImpfungKosten (ca.)
SHPPi + L (Kombiimpfung)40 – 70 €
Tollwut25 – 50 €
Zwingerhusten (intranasal)30 – 50 €
Allgemeinuntersuchung15 – 30 €
Grundimmunisierung Welpe (3-4 Termine)150 – 250 €
Jährliche Auffrischung50 – 100 €

Die Kosten variieren je nach Praxis, Region und ob zusätzliche Impfungen gewünscht werden.

Nebenwirkungen

Impfungen sind sehr sicher. Mögliche Nebenwirkungen:

Häufig und harmlos

  • Müdigkeit und reduzierter Appetit für 1-2 Tage
  • Leichte Schwellung an der Impfstelle
  • Leichtes Fieber für 1-2 Tage

Selten

  • Allergische Reaktion: Schwellung im Gesicht, Juckreiz, Atemnot – sofort zum Tierarzt!
  • Schmerzen an der Impfstelle
  • Magen-Darm-Beschwerden

Sehr selten

  • Schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie)
  • Autoimmunreaktionen

Tipp: Plane den Impftermin so, dass du deinen Hund danach einige Stunden beobachten kannst. Die meisten allergischen Reaktionen treten innerhalb der ersten 30-60 Minuten auf.

Häufige Fragen

Mein Hund ist nicht mehr geimpft – muss ich von vorne anfangen?

Nicht unbedingt. Studien zeigen, dass einmal grundimmunisierte Hunde auch nach jahrelanger Impfpause oft noch einen gewissen Schutz haben. Dein Tierarzt wird in der Regel eine einzelne Auffrischungsimpfung empfehlen (statt einer vollständigen Grundimmunisierung). Nur Leptospirose und Zwingerhusten benötigen eine erneute Grundimmunisierung.

Kann man zu viel impfen?

Die Impfempfehlungen wurden in den letzten Jahren deutlich angepasst. Staupe, Parvovirose und HCC müssen nur noch alle 3 Jahre aufgefrischt werden. Eine Titerbestimmung (Bluttest auf Antikörper) kann zeigen, ob noch ein ausreichender Schutz besteht – eine sinnvolle Alternative zur routinemäßigen Auffrischung.

Ab wann darf mein Welpe nach draußen?

Theoretisch erst nach der zweiten Impfung mit 12 Wochen, da der Impfschutz vorher noch nicht vollständig ist. In der Praxis ist die Sozialisierungsphase (bis zur 16. Woche) aber so wichtig, dass die meisten Tierärzte und Hundetrainer empfehlen, den Welpen in kontrollierten Umgebungen (Welpengruppe, eigener Garten, Wohnungen von Freunden mit geimpften Hunden) Kontakt zu haben – und nur auf stark frequentierten Hundewiesen und unbekannten Gebieten vorsichtig zu sein.

Zusammenfassung

Impfungen sind der wichtigste Schutz für deinen Hund vor lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten. Die Core-Impfungen gegen Staupe, Parvovirose, Leptospirose und HCC werden für jeden Hund empfohlen. Für Reisen ins Ausland ist die Tollwutimpfung vorgeschrieben. Die Grundimmunisierung startet im Welpenalter mit 8 Wochen und wird in der Folge regelmäßig aufgefrischt. Die Kosten sind überschaubar und stehen in keinem Verhältnis zu den oft lebensbedrohlichen und teuer zu behandelnden Erkrankungen, vor denen sie schützen.