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Hund – Gesundheit18.2.2026

Hund Magendrehung – Symptome, Notfall und Vorbeugung

Was ist eine Magendrehung?

Die Magendrehung – medizinisch Dilatatio et Volvulus ventriculi (GDV) – ist einer der gefährlichsten Notfälle in der Tiermedizin. Dabei dreht sich der Magen um seine eigene Achse, wodurch sowohl der Mageneingang (Kardia) als auch der Magenausgang (Pylorus) abgeschnürt werden. Gas, Futter und Flüssigkeit können weder nach oben noch nach unten entweichen – der Magen bläht sich immer weiter auf.

Ohne sofortige tierärztliche Behandlung verläuft eine Magendrehung innerhalb weniger Stunden tödlich. Die Sterblichkeitsrate liegt selbst mit Behandlung bei 15-33 % – je schneller die OP erfolgt, desto besser die Überlebenschancen.

Was passiert bei einer Magendrehung?

  1. Aufgasung: Der Magen füllt sich mit Gas (durch Gärung des Futters)
  2. Drehung: Der aufgeblähte Magen dreht sich um 90-360° um seine Längsachse
  3. Abschnürung: Blutgefäße werden abgeklemmt – die Blutversorgung des Magens und der Milz wird unterbrochen
  4. Druckaufbau: Der immer größer werdende Magen drückt auf die Hohlvene und das Zwerchfell
  5. Kreislaufschock: Durch den Druck auf die Hohlvene fließt das Blut nicht mehr zum Herzen zurück – der Blutdruck fällt rapide
  6. Organversagen: Ohne Behandlung versagen Organe, das Magengewebe stirbt ab, der Hund stirbt

Symptome – so erkennst du eine Magendrehung

Die Symptome entwickeln sich schnell und dramatisch. Je mehr Symptome auftreten, desto dringender ist die Lage.

Frühe Anzeichen (erste 30-60 Minuten)

  • Unruhe: Der Hund kann nicht liegen bleiben, steht immer wieder auf, läuft hin und her
  • Vergebliche Brechversuche: Der Hund würgt und versucht zu erbrechen, aber es kommt nichts oder nur Schaum heraus – DAS WICHTIGSTE WARNSIGNAL!
  • Speicheln: Übermäßiger Speichelfluss
  • Aufgeblähter Bauch: Der Bauch wirkt aufgebläht, besonders auf der linken Seite
  • Bauchschmerzen: Der Hund krümmt sich, nimmt die „Gebetsstellung" ein (Vorderbeine gesenkt, Hinterbeine gestreckt)
  • Angespannter Bauch: Fühlt sich hart und gespannt an, der Hund reagiert schmerzempfindlich

Fortgeschrittene Anzeichen (nach 1-2 Stunden)

  • Stark aufgeblähter Bauch – wie eine Trommel
  • Hecheln und Atemnot – der Magen drückt auf das Zwerchfell
  • Blasses Zahnfleisch – Zeichen des Kreislaufschocks
  • Schneller, schwacher Puls
  • Schwäche – der Hund kann kaum noch stehen
  • Zusammenbrechen

Der „Trommelbauch"-Test

Klopfe vorsichtig mit dem Finger auf die linke Bauchseite deines Hundes (hinter den Rippen). Bei einer Magendrehung klingt es hohl und trommelartig – wie wenn du auf einen aufgeblasenen Luftballon klopfst.

⚠️ NOTFALL – was du sofort tun musst

Eine Magendrehung ist IMMER ein Notfall. Jede Minute zählt!

Schritt 1: Sofort zum Tierarzt/in die Tierklinik

  • Ruf vorher an, damit sich das Team auf den Notfall vorbereiten kann
  • Wenn dein Tierarzt geschlossen hat: Nächste Tierklinik mit 24-Stunden-Notdienst aufsuchen
  • Lass dich fahren, wenn möglich – du musst dich um deinen Hund kümmern

Schritt 2: Nichts füttern oder tränken

Gib deinem Hund nichts zu fressen oder zu trinken.

Schritt 3: Hund beruhigen

  • Sprich ruhig auf deinen Hund ein
  • Vermeide unnötige Belastung – der Hund soll so wenig wie möglich laufen

Was du NICHT tun solltest

  • Nicht abwarten und hoffen, dass es besser wird – es wird NICHT besser!
  • Keine Hausmittel versuchen
  • Nicht versuchen, den Magen selbst zu entlasten (Schlauch einführen o. Ä.)
  • Nicht mit dem Hund spazieren gehen – schont den Kreislauf

Behandlung beim Tierarzt

Stabilisierung (Notfallmaßnahmen)

  1. Infusionstherapie: Aggressive Flüssigkeitsgabe über die Vene, um den Kreislaufschock zu bekämpfen
  2. Magenentlastung: Entgasung des Magens mit einer Magensonde oder durch eine Nadel durch die Bauchdecke
  3. Schmerzmittel und Herz-Kreislauf-Medikamente

Operation (zwingend erforderlich!)

Die OP ist die einzige Möglichkeit, eine Magendrehung zu behandeln:

  1. Magen zurückdrehen und Gas/Flüssigkeit ablassen
  2. Magengewebe beurteilen: Abgestorbenes Gewebe muss entfernt werden
  3. Milz kontrollieren: In vielen Fällen ist die Milz mitbetroffen und muss teilweise oder ganz entfernt werden
  4. Gastropexie: Der Magen wird an der Bauchwand festgenäht, um eine erneute Drehung zu verhindern – der wichtigste Schritt!

Kosten

Die Kosten für die Notfall-OP sind erheblich:

LeistungKosten (ca.)
Notfallversorgung + Stabilisierung200 – 500 €
OP + Narkose1.500 – 3.000 €
Stationärer Aufenthalt (2-5 Tage)500 – 1.500 €
Nachsorge + Medikamente200 – 500 €
Gesamt2.500 – 5.000 €

Die Kosten können bei Komplikationen (Milzentfernung, abgestorbenes Magengewebe) deutlich höher liegen.

Prognose

  • Bei schneller Behandlung (innerhalb von 1-2 Stunden): Überlebensrate ca. 80-85 %
  • Bei verzögerter Behandlung: Überlebensrate sinkt drastisch
  • Wenn Magengewebe bereits abgestorben ist: 50 % oder weniger
  • Nach erfolgreicher OP mit Gastropexie ist eine erneute Magendrehung sehr selten

Risikofaktoren – welche Hunde sind besonders gefährdet?

Rassen

Große, tiefbrüstige Rassen sind deutlich häufiger betroffen:

  • Höchstes Risiko: Deutsche Dogge (Lebensrisiko ca. 40 %!), Weimaraner, Irischer Setter, Gordon Setter, Bernhardiner
  • Hohes Risiko: Deutscher Schäferhund, Standardpudel, Boxer, Dobermann, Rottweiler, Berner Sennenhund
  • Mittleres Risiko: Labrador, Golden Retriever, Collie

Kleine Rassen können theoretisch auch eine Magendrehung erleiden, es ist aber extrem selten.

Weitere Risikofaktoren

  • Alter: Risiko steigt mit dem Alter (häufiger bei Hunden über 5 Jahren)
  • Eine große Mahlzeit pro Tag: Statt mehrerer kleinerer
  • Schnelles Fressen: Schlingen erhöht das Risiko
  • Toben nach dem Fressen: Aktivität direkt nach der Mahlzeit
  • Stress und Angst: Nervöse, ängstliche Hunde haben ein höheres Risiko
  • Verwandtschaft: Wenn ein Verwandter ersten Grades eine Magendrehung hatte
  • Erhöhter Futternapf: Entgegen früherer Empfehlungen zeigen Studien, dass ein erhöhter Napf das Risiko bei großen Rassen sogar erhöhen kann!

Vorbeugung

Fütterungsmanagement

  1. Mehrere kleine Mahlzeiten: 2-3 Mahlzeiten pro Tag statt einer großen
  2. Langsam fressen lassen: Anti-Schling-Napf verwenden, Futter im Raum verteilen
  3. Kein Toben nach dem Fressen: Mindestens 1-2 Stunden Ruhe nach der Mahlzeit
  4. Kein exzessives Trinken nach dem Fressen
  5. Futternapf nicht erhöhen bei großen Rassen
  6. Trockenfutter einweichen: Manche Experten empfehlen, Trockenfutter vor dem Füttern in Wasser einzuweichen, um die Gasbildung im Magen zu reduzieren

Prophylaktische Gastropexie

Bei Hochrisikorassen empfehlen viele Tierärzte eine prophylaktische Gastropexie – die vorbeugende Fixierung des Magens an der Bauchwand. Dieser Eingriff kann:

  • Bei einer ohnehin geplanten Operation (z. B. Kastration) mitgemacht werden
  • Auch laparoskopisch (minimalinvasiv) durchgeführt werden
  • Das Risiko einer Magendrehung um über 95 % reduzieren

Besprich mit deinem Tierarzt, ob eine prophylaktische Gastropexie für deinen Hund sinnvoll ist – besonders bei Deutschen Doggen und anderen Hochrisikorassen.

Stressreduktion

  • Ruhige Fütterungsumgebung
  • Getrennt füttern bei mehreren Hunden (kein Futterneid)
  • Stressabbau bei ängstlichen Hunden

Zusammenfassung

Die Magendrehung ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der vor allem große, tiefbrüstige Hunderassen betrifft. Die wichtigsten Warnsignale sind ein aufgeblähter Bauch, erfolglose Brechversuche und zunehmende Unruhe. Bei Verdacht musst du sofort zum Tierarzt oder in die Tierklinik – jede Minute zählt. Mit schneller chirurgischer Behandlung stehen die Überlebenschancen gut. Beuge vor, indem du mehrere kleine Mahlzeiten fütterst, einen Anti-Schling-Napf verwendest und nach dem Fressen für Ruhe sorgst. Bei Hochrisikorassen ist eine prophylaktische Gastropexie eine Überlegung wert.