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Katze – Gesundheit18.2.2026

Niereninsuffizienz bei Katzen – CNI Symptome, Stadien und Behandlung

Was ist chronische Niereninsuffizienz bei Katzen?

Die chronische Niereninsuffizienz (CNI) – auch chronische Nierenerkrankung (CKD, Chronic Kidney Disease) genannt – ist eine der häufigsten Erkrankungen bei älteren Katzen. Bei CNI verlieren die Nieren über Monate bis Jahre hinweg schrittweise ihre Funktion. Die Nieren können das Blut nicht mehr ausreichend filtern, Giftstoffe nicht mehr entfernen und den Wasserhaushalt nicht mehr regulieren.

Wie häufig ist CNI?

Die Zahlen sind erschreckend:

  • Jede 3. Katze über 10 Jahre entwickelt CNI
  • Bei Katzen über 15 Jahren steigt die Rate auf bis zu 50 %
  • CNI ist die häufigste Todesursache bei älteren Katzen
  • Alle Rassen können betroffen sein, aber Maine Coon, Perser, Abessinier und Siam scheinen ein erhöhtes Risiko zu haben

Was machen die Nieren?

Die Nieren sind wahre Multitalente mit lebenswichtigen Aufgaben:

  • Filtration: Entfernen von Giftstoffen und Stoffwechselabfallprodukten (Harnstoff, Kreatinin) aus dem Blut
  • Wasserhaushalt: Regulierung der Flüssigkeitsmenge im Körper
  • Elektrolyte: Ausgleich von Natrium, Kalium, Phosphor und Kalzium
  • Blutdruck: Regulierung über das Renin-Angiotensin-System
  • Blutbildung: Produktion von Erythropoetin (EPO) – regt die Bildung roter Blutkörperchen an
  • Säure-Basen-Haushalt: Regulierung des pH-Werts im Blut

Das Tückische an CNI: Die Nieren haben eine enorme Reserve. Erst wenn etwa 70–75 % der Nierenfunktion verloren sind, zeigen sich die ersten messbaren Veränderungen im Blut. Wenn du die ersten Symptome bemerkst, ist die Krankheit oft schon weit fortgeschritten.

Ursachen

In den meisten Fällen ist die genaue Ursache nicht bekannt. Mögliche Auslöser und Risikofaktoren:

  • Alter: Der wichtigste Risikofaktor – die Nierenfunktion lässt mit dem Alter natürlicherweise nach
  • Chronische Entzündungen: Langfristige Niereninfektionen
  • Hoher Blutdruck: Schädigt die feinen Nierengefäße
  • Nierensteine oder Harnsteine: Können den Harnabfluss blockieren
  • Polyzystische Nierenerkrankung (PKD): Genetisch bedingt, besonders bei Persern
  • Gifte: Lilien (extrem nephrotoxisch für Katzen!), Frostschutzmittel, bestimmte Medikamente (NSAID)
  • Infektionskrankheiten: FIP, FIV
  • Diabetes mellitus: Kann die Nieren langfristig schädigen
  • Pyelonephritis: Bakterielle Nierenbeckeninfektion

Symptome

Die Symptome entwickeln sich schleichend und werden oft erst in fortgeschrittenen Stadien bemerkt:

Frühe Symptome (leicht zu übersehen!)

  • Vermehrtes Trinken (Polydipsie): Die Katze trinkt deutlich mehr als gewöhnlich
  • Vermehrtes Urinieren (Polyurie): Größere Urinmengen, das Katzenklo muss häufiger gereinigt werden
  • Leichter Gewichtsverlust: Besonders Muskelmasse schwindet
  • Stumpfes Fell

Fortgeschrittene Symptome

  • Appetitlosigkeit: Die Katze frisst weniger oder gar nicht – Übelkeit durch Urämie (Vergiftung durch Abfallstoffe im Blut)
  • Erbrechen: Häufig und oft schaumig oder gallig
  • Gewichtsverlust: Deutlich und fortschreitend
  • Mundgeruch: Typisch „urinartiger" oder ammoniakartiger Geruch
  • Mundgeschwüre: Schmerzhafte Ulzerationen im Maul
  • Austrocknung (Dehydration): Trockene Schleimhäute, stehende Hautfalte
  • Mattigkeit und Rückzug: Die Katze wird zunehmend inaktiv
  • Blutarmut (Anämie): Blasse Schleimhäute, Schwäche – die Nieren produzieren weniger EPO
  • Verstopfung: Durch Dehydration und Elektrolytstörungen
  • Schwäche der Hinterbeine: Katze läuft mit gesenktem Kopf, plantigrader Gang durch niedrige Kaliumwerte

Späte Symptome (Endstadium)

  • Starke Urämie – Vergiftungserscheinungen
  • Krämpfe
  • Koma
  • Blindheit durch Bluthochdruck (Netzhautablösung)

IRIS-Stadien – Einteilung der CNI

Die CNI wird nach dem IRIS-System (International Renal Interest Society) in vier Stadien eingeteilt:

StadiumKreatinin (μmol/l)SDMA (μg/dl)SymptomeNierenfunktion verloren
1<140<18Keine oder minimaleca. 65–75 %
2140–25018–35Mild (vermehrtes Trinken)ca. 75–85 %
3251–44036–54Moderat (Übelkeit, Appetitlosigkeit)ca. 85–90 %
4>440>54Schwer (Urämie, Erbrechen, Schwäche)>90 %

SDMA – der bessere Frühmarker

SDMA (symmetrisches Dimethylarginin) ist ein relativ neuer Blutmarker, der Nierenschäden deutlich früher erkennt als Kreatinin:

  • SDMA steigt bereits bei 40 % Funktionsverlust an
  • Kreatinin steigt erst bei 75 % Funktionsverlust
  • SDMA wird weniger durch Muskelmasse beeinflusst (wichtig bei dünnen, alten Katzen)

Diagnose

Blutuntersuchung

  • Kreatinin: Standard-Nierenwert, aber erst spät erhöht
  • SDMA: Frühmarker (s. oben)
  • BUN (Harnstoff): Erhöht bei Niereninsuffizienz, aber auch durch Fütterung beeinflusst
  • Phosphor: Steigt bei fortschreitender CNI an und ist ein wichtiger Prognosefaktor
  • Kalium: Oft erniedrigt bei CNI → Muskelschwäche
  • Blutbild: Anämie (zu wenig rote Blutkörperchen)?
  • Schilddrüsenwert (T4): Schilddrüsenüberfunktion kann Nierenwerte maskieren!

Urinuntersuchung

  • Spezifisches Gewicht: Bei CNI ist der Urin verdünnt (<1,035) – die Nieren können den Urin nicht mehr konzentrieren
  • Protein-Kreatinin-Quotient (UPC): Eiweiß im Urin ist ein Hinweis auf Nierenschädigung
  • Urinkultur: Bei Verdacht auf Harnwegsinfektion

Blutdruckmessung

  • Bluthochdruck (Hypertension) ist eine häufige Komplikation der CNI
  • Kann zu Netzhautablösung und Erblindung führen
  • Sollte regelmäßig kontrolliert werden

Ultraschall

  • Zeigt Größe und Struktur der Nieren
  • Kleine, unregelmäßige Nieren typisch für fortgeschrittene CNI
  • Harnsteine, Zysten oder Tumoren können erkannt werden

Behandlung

Grundsatz: CNI ist nicht heilbar, aber behandelbar!

Das Ziel der Therapie ist, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.

1. Nierendiät – der wichtigste Therapiebaustein

Spezielle Nierendiäten sind wissenschaftlich nachgewiesen der wirksamste Einzelfaktor zur Verlängerung der Überlebenszeit:

Eigenschaften einer Nierendiät:

  • Reduzierter Phosphorgehalt – senkt den Phosphorspiegel und verlangsamt den Nierenschaden
  • Moderater Proteingehalt – hochwertige Proteine, aber nicht übermäßig viel, um die Nieren zu schonen
  • Erhöhter Kaloriengehalt – gegen Gewichtsverlust
  • Supplementiert mit Omega-3-Fettsäuren – entzündungshemmend, nierenschützend
  • Kaliumzusatz – gleicht den häufigen Kaliummangel aus

Bewährte Nierendiäten: Royal Canin Renal, Hill's k/d, Purina NF, Specific CKD

Das Problem: Viele Katzen mögen Nierendiäten anfangs nicht. Tipps:

  • Langsam umstellen (über 1–2 Wochen mischen)
  • Verschiedene Sorten und Konsistenzen anbieten
  • Leicht erwärmen
  • Lieber Nierendiät, die gefressen wird, als keine Nahrungsaufnahme!
  • Im Zweifel: Jedes Futter ist besser als kein Futter

2. Flüssigkeitstherapie

  • Trinkbrunnen und mehrere Wasserstellen – Flüssigkeitsaufnahme steigern
  • Nassfutter statt Trockenfutter – enthält ca. 80 % Wasser
  • Subkutane Infusionen: Bei fortgeschrittener CNI kann der Besitzer zu Hause Flüssigkeit unter die Haut geben (vom Tierarzt angelernt). Viele Katzen tolerieren das gut und es verbessert die Lebensqualität deutlich.

3. Phosphatbinder

Wenn der Phosphorspiegel trotz Nierendiät erhöht bleibt:

  • Aluminiumhydroxid, Calciumcarbonat oder Lanthancarbonat werden über das Futter gegeben
  • Sie binden Phosphor im Darm und verhindern die Aufnahme
  • Wichtig für die Verlangsamung der Krankheit

4. Blutdruckmedikamente

  • Amlodipin: Mittel der Wahl bei Katzen mit Bluthochdruck
  • Senkt den Blutdruck und schützt die Nieren und Augen
  • Benazepril/Telmisartan: ACE-Hemmer bzw. ARB – schützen die Nieren bei Proteinurie (Eiweiß im Urin)

5. Weitere Therapie

  • Kaliumsupplementation: Bei niedrigem Kalium (häufig!) – oral als Pulver oder Gel
  • Anti-Emetika: Maropitant bei Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitanreger: Mirtazapin oder Capromorelin bei chronischer Appetitlosigkeit
  • Erythropoetin (EPO): Bei schwerer Anämie – stimuliert die Bildung roter Blutkörperchen
  • Vitamin B: Wird über die geschädigten Nieren vermehrt ausgeschieden

Prognose und Lebenserwartung

Die Prognose hängt stark vom Stadium bei Diagnose und der Behandlungstreue ab:

StadiumMittlere Überlebenszeit (mit Therapie)
Stadium 1–2Über 3 Jahre, oft viel länger
Stadium 3Ca. 1–2 Jahre
Stadium 4Wochen bis wenige Monate

Entscheidende Faktoren für die Prognose:

  • Stadium bei Diagnose (je früher, desto besser)
  • Phosphorspiegel (niedriger = besser)
  • Proteinurie (weniger Eiweiß im Urin = besser)
  • Blutdruck (normaler Blutdruck = besser)
  • Ob die Katze die Nierendiät akzeptiert
  • Allgemeinzustand und Lebensqualität

Vorsorge – Früherkennung rettet Leben!

Da CNI-Symptome erst spät sichtbar werden, ist regelmäßige Vorsorge der Schlüssel:

  • Ab dem 7. Lebensjahr: Jährliche Blutuntersuchung (Kreatinin, SDMA, Phosphor, Blutbild) und Urinuntersuchung
  • Ab dem 10. Lebensjahr: Halbjährliche Kontrollen
  • Bei bekannter CNI: Alle 3–6 Monate Kontrolluntersuchungen
  • Blutdruckmessung bei jeder Kontrolle

Früherkennung im Stadium 1 oder 2 kann die Lebenserwartung deiner Katze um Jahre verlängern!

Lebensqualität im Alltag

  • Mehrere Wasserstellen und Trinkbrunnen aufstellen
  • Nassfutter bevorzugen – zusätzliches Wasser unter das Futter mischen
  • Stress vermeiden – ruhige Umgebung, feste Routine
  • Wärme anbieten – CNI-Katzen frieren oft
  • Regelmäßige Tierarztbesuche – Therapie anpassen
  • Appetit beobachten – bei Fressunlust sofort handeln
  • Lebensqualität ehrlich einschätzen – wenn die Katze dauerhaft leidet und keine Lebensfreude mehr zeigt, ist ein offenes Gespräch mit dem Tierarzt über die Zukunft wichtig

Zusammenfassung

Chronische Niereninsuffizienz ist eine der häufigsten und schwerwiegendsten Erkrankungen bei älteren Katzen. Die frühen Symptome – vermehrtes Trinken und Urinieren – sind leicht zu übersehen, deshalb ist die regelmäßige Blutuntersuchung ab dem 7. Lebensjahr so wichtig. Mit der richtigen Behandlung – Nierendiät, Flüssigkeitstherapie, Phosphatbinder und Blutdruckmanagement – können viele Katzen noch Jahre mit guter Lebensqualität leben. Je früher die Diagnose, desto besser die Prognose. Arbeite eng mit deinem Tierarzt zusammen und gib nicht auf – die Behandlung kann die Lebensqualität deiner Katze deutlich verbessern.