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Parasiten18.2.2026

Wurmkur beim Hund – Wie oft, welche Mittel und Nebenwirkungen

Warum ist die Entwurmung so wichtig?

Würmer sind bei Hunden weit verbreitet – und praktisch jeder Hund kommt im Laufe seines Lebens mit ihnen in Kontakt. Während ein gesunder, erwachsener Hund einen leichten Wurmbefall oft symptomlos toleriert, können Würmer besonders bei Welpen, alten oder immungeschwächten Hunden zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen. Zudem sind einige Hundewürmer auf den Menschen übertragbar (Zoonose) – ein weiterer wichtiger Grund für regelmäßige Entwurmung.

Welche Würmer kommen beim Hund vor?

Spulwürmer (Toxocara canis):

  • Die häufigsten Hundewürmer in Deutschland
  • Welpen infizieren sich oft schon über die Muttermilch oder im Mutterleib
  • Erwachsene Hunde stecken sich über kontaminierten Kot oder befallene Beutetiere an
  • Zoonose-Risiko: Können beim Menschen (besonders Kindern) als Larva migrans wandern und Organe schädigen

Hakenwürmer (Ancylostoma/Uncinaria):

  • Bohren sich durch die Haut oder werden oral aufgenommen
  • Saugen Blut an der Darmwand – können bei starkem Befall zu Blutarmut führen
  • Besonders gefährlich für Welpen

Bandwürmer (Dipylidium, Taenia, Echinococcus):

  • Übertragen durch Flöhe (Gurkenkernbandwurm) oder rohes Fleisch/Beutetiere
  • Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis): Schwere Zoonose – Befall beim Menschen kann lebensbedrohlich sein!
  • Hundebandwurm (Echinococcus granulosus): Ebenfalls auf den Menschen übertragbar

Peitschenwürmer (Trichuris vulpis):

  • Leben im Blinddarm und Dickdarm
  • Verursachen wässrigen, teils blutigen Durchfall
  • Eier sind in der Umwelt extrem widerstandsfähig (jahrelang infektiös)

Herzwürmer (Dirofilaria immitis):

  • In Deutschland noch selten, aber durch den Klimawandel zunehmend
  • Klassische Reisekrankheit aus Südeuropa
  • Übertragen durch Stechmücken
  • Setzen sich in Herz und Lungengefäßen fest – lebensbedrohlich!

Lungenwürmer (Angiostrongylus vasorum):

  • Zunehmend in Deutschland verbreitet
  • Infektionsquelle: Schnecken und Frösche
  • Können Husten, Atemnot und Blutgerinnungsstörungen verursachen

Wie oft muss ich meinen Hund entwurmen?

Die Empfehlung des ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) lautet:

Allgemeine Empfehlung

  • Mindestens 4× im Jahr (alle 3 Monate) für erwachsene Hunde
  • Diese Empfehlung gilt als Mindeststandard

Individuelle Anpassung je nach Risiko

RisikokategorieHäufigkeitBeispiel
Niedriges Risiko1–2× pro Jahr (oder Kotuntersuchung)Reiner Wohnungshund, kein Kontakt zu anderen Tieren
Mittleres Risiko4× pro Jahr (alle 3 Monate)Normaler Haushund mit regelmäßigen Spaziergängen
Hohes RisikoMonatlichJagdhund, Hund frisst Mäuse/Aas, enger Kontakt zu Kindern
WelpenAb 2 Wochen alle 2 Wochen bis 2 Wochen nach dem Absetzen, dann monatlich bis 6 MonateAlle Welpen

Risikofaktoren für häufigere Entwurmung

  • Hund frisst Mäuse, Ratten, Aas oder rohen Fisch
  • Hund hat Kontakt zu Kindern, Senioren oder immungeschwächten Personen
  • Hund wird gebarft (rohes Fleisch)
  • Hund lebt in einem Mehrhundehaushalt
  • Hund hat Flohbefall (Flöhe übertragen Bandwürmer!)
  • Hund war kürzlich in einem Endemiegebiet (Südeuropa – Herzwürmer)

Welche Wurmkuren gibt es?

Gängige Wirkstoffe

Milbemax / Milpro (Milbemycinoxim + Praziquantel):

  • Wirkt gegen Spulwürmer, Hakenwürmer, Peitschenwürmer UND Bandwürmer
  • Auch gegen Herzwurmlarven wirksam (Prävention)
  • Tablette, gut verträglich
  • Verschreibungspflichtig

Drontal (Febantel + Pyrantel + Praziquantel):

  • Breitband-Entwurmung gegen alle gängigen Darmwürmer
  • Tablette, bewährt und weit verbreitet
  • Verschreibungspflichtig

Panacur (Fenbendazol):

  • Wirkt gegen Spulwürmer, Hakenwürmer, Peitschenwürmer und Giardien
  • Paste oder Tablette
  • Keine Wirkung gegen Bandwürmer!
  • Auch für Welpen und trächtige Hündinnen geeignet

Praziquantel (Droncit):

  • Wirkt ausschließlich gegen Bandwürmer
  • Tablette oder Injektion
  • Sinnvoll als Ergänzung, wenn nur Bandwurm-Schutz nötig ist

Advocate (Moxidectin + Imidacloprid):

  • Spot-on-Präparat
  • Wirkt gegen Spulwürmer, Hakenwürmer, Herzwürmer und Lungenwürmer
  • KEINE Wirkung gegen Bandwürmer
  • Gleichzeitig Flohschutz

Wann welches Mittel?

WurmartGeeignetes Mittel
SpulwürmerMilbemax, Drontal, Panacur, Advocate
HakenwürmerMilbemax, Drontal, Panacur, Advocate
BandwürmerMilbemax, Drontal, Praziquantel
PeitschenwürmerMilbemax, Panacur
Herzwürmer (Prävention)Milbemax, Advocate
LungenwürmerAdvocate, Milbemax

Nebenwirkungen der Wurmkur

Wurmkuren sind in der Regel sehr gut verträglich. Dennoch können in seltenen Fällen Nebenwirkungen auftreten:

Häufige, meist harmlose Nebenwirkungen

  • Magen-Darm-Beschwerden: Leichter Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen – klingt in der Regel innerhalb von 24–48 Stunden ab
  • Appetitlosigkeit: Für 1–2 Tage
  • Müdigkeit: Vorübergehende Schlappheit

Seltene Nebenwirkungen

  • Allergische Reaktionen (Hautausschlag, Schwellungen)
  • Speicheln oder Zittern
  • Koordinationsstörungen (sehr selten, vor allem bei MDR1-Hunden – siehe unten)

MDR1-Gendefekt – wichtig bei bestimmten Rassen!

Hunde mit dem MDR1-Gendefekt können auf bestimmte Wirkstoffe (z. B. Ivermectin, in manchen Entwurmungsmitteln enthalten) empfindlich reagieren. Betroffene Rassen:

  • Collie (besonders häufig!)
  • Australian Shepherd
  • Shetland Sheepdog
  • Border Collie
  • Weißer Schäferhund
  • Und weitere Hütehundrassen

Tipp: Ein einfacher Gentest beim Tierarzt oder per Heimtest-Kit gibt Klarheit. Die gängigen Wurmkuren (Milbemax, Drontal, Panacur) sind bei korrekter Dosierung auch für MDR1-Hunde sicher.

Alternative: Kotuntersuchung statt Wurmkur

Wenn du deinen Hund nicht regelmäßig entwurmen möchtest, gibt es eine Alternative: die Kotuntersuchung.

So funktioniert es

  • Sammle über 3 aufeinanderfolgende Tage Kotproben deines Hundes
  • Bringe die Sammelprobe zum Tierarzt oder sende sie an ein Labor
  • Das Labor untersucht den Kot auf Wurmeier und -larven
  • Nur wenn Würmer nachgewiesen werden, wird entwurmt

Vorteile

  • Keine unnötige Medikamentengabe
  • Gezielte Behandlung bei Befall
  • Beruhigung für Besitzer, die Medikamente vermeiden wollen

Nachteile

  • Zeitfenster: Zwischen Untersuchungen kann der Hund Würmer aufnehmen und ausscheiden – das Infektionsrisiko für andere Tiere und Menschen besteht in der Zwischenzeit
  • Falsch-negative Ergebnisse: Nicht alle Wurmstadien sind im Kot nachweisbar – ein negatives Ergebnis ist keine 100%ige Garantie
  • Kosten: Regelmäßige Kotuntersuchungen können teurer sein als eine Wurmkur
  • Nicht für alle Würmer geeignet: Herzwürmer und Lungenwürmer werden im Kot nicht zuverlässig nachgewiesen

Empfehlung des ESCCAP

Kotuntersuchungen sollten mindestens genauso häufig durchgeführt werden wie die empfohlene Entwurmung – also mindestens 4× im Jahr. Nur so ist die Überwachung vergleichbar sicher.

Kosten

LeistungKosten (ca.)
Wurmkur-Tablette (einmalig)5–15 €
4× jährliche Entwurmung20–60 €
Kotuntersuchung (Sammelprobe)20–35 €
4× jährliche Kotuntersuchung80–140 €

Entwurmung bei Welpen

Welpen sind besonders gefährdet, da sie sich oft schon vor der Geburt (über die Plazenta) oder durch die Muttermilch mit Spulwürmern infizieren.

Entwurmungsschema für Welpen

  1. Ab der 2. Lebenswoche: Erste Entwurmung mit Fenbendazol (Panacur)
  2. Alle 2 Wochen bis 2 Wochen nach dem Absetzen von der Mutter
  3. Danach monatlich bis zum Alter von 6 Monaten
  4. Ab 6 Monaten: Übergang zum individuellen Erwachsenen-Schema

Muttertier

Die Mutterhündin sollte zeitgleich mit den Welpen entwurmt werden, um eine Reinfektion über die Milch zu verhindern.

Natürliche Entwurmung – was bringt das?

Im Internet kursieren viele „natürliche" Entwurmungsmittel. Hier die Fakten:

  • Kokosöl, Möhren, Kürbiskerne, Kräutermischungen: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für eine zuverlässige entwurmende Wirkung. Sie können die Darmgesundheit unterstützen, aber eine Wurminfektion nicht zuverlässig beseitigen.
  • Schwarzkümmelöl: Wird oft empfohlen, hat aber in Studien keine nachgewiesene Wirkung gegen Hundewürmer.
  • Fazit: Natürliche Mittel können das Darmmilieu unterstützen, ersetzen aber keine tiermedizinisch zugelassene Wurmkur. Bei einem nachgewiesenen Wurmbefall ist eine medikamentöse Behandlung nötig.

Vorbeugung

  • Hundekot sofort aufsammeln – auch im eigenen Garten
  • Kein Trinken aus PfützenGiardien und Wurmeier können sich im stehenden Wasser befinden
  • Konsequenter Flohschutz – Flöhe übertragen Bandwürmer
  • Kein rohes Fleisch ohne vorheriges Einfrieren (-20 °C für 7 Tage tötet Bandwurmfinnen ab)
  • Mäuse- und Aasfresser häufiger entwurmen
  • Kinder-Hygiene: Hände waschen nach Hundekontakt, besonders vor dem Essen

Zusammenfassung

Die regelmäßige Entwurmung oder Kotuntersuchung gehört zur Gesundheitsvorsorge jedes Hundes. Wie oft du entwurmen solltest, hängt vom individuellen Risiko deines Hundes ab – mindestens viermal im Jahr empfiehlt der ESCCAP. Moderne Wurmkuren sind gut verträglich und wirken zuverlässig. Alternativ kannst du regelmäßige Kotuntersuchungen durchführen lassen und nur bei nachgewiesenem Befall entwurmen. Beachte besonders bei Welpen das engmaschige Entwurmungsschema und vergiss nicht: Würmer sind auch ein Gesundheitsrisiko für den Menschen – regelmäßige Vorsorge schützt die ganze Familie.