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Hund – Gesundheit18.2.2026

Labrador Retriever – Charakter, Pflege und rassetypische Krankheiten

Der Labrador Retriever – Deutschlands beliebtester Familienhund

Der Labrador Retriever zählt seit Jahren zu den beliebtesten Hunderassen weltweit – und das aus gutem Grund. Sein freundliches, ausgeglichenes Wesen, seine Intelligenz und seine unerschütterliche Menschenfreundlichkeit machen ihn zum idealen Familien-, Therapie- und Arbeitshund. Ursprünglich stammt der Labrador von der kanadischen Halbinsel Neufundland, wo er als Arbeitshund der Fischer eingesetzt wurde, um Netze und Fische aus dem eiskalten Wasser zu apportieren.

Heute ist der Labrador weit mehr als ein Jagdhund. Er ist Blindenführhund, Rettungshund, Spürhund und vor allem: treuer Familienbegleiter. In diesem umfassenden Ratgeber auf Haustier-Guru erfährst du alles, was du über den Labrador Retriever wissen musst – von seinem Charakter über die richtige Pflege bis hin zu rassetypischen Krankheiten, die du kennen solltest.

Steckbrief: Labrador Retriever auf einen Blick

  • Herkunft: Neufundland (Kanada), weiterentwickelt in Großbritannien
  • FCI-Gruppe: Gruppe 8 – Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde
  • Größe: Rüden 56–57 cm, Hündinnen 54–56 cm
  • Gewicht: Rüden 29–36 kg, Hündinnen 25–32 kg
  • Lebenserwartung: 10–14 Jahre
  • Fellfarben: Schwarz, Gelb (von Creme bis Fuchsrot), Schokobraun
  • Fellbeschaffenheit: Kurz, dicht, wasserabweisendes Doppelfell mit Unterwolle
  • Wesen: Freundlich, intelligent, kontaktfreudig, verspielt, arbeitswillig

Charakter und Wesen des Labradors

Freundlichkeit als Markenzeichen

Der Labrador ist bekannt für seine offene, freundliche Art. Er geht auf Menschen zu, ist selten scheu oder aggressiv und eignet sich hervorragend als Familienhund. Sein Wesen ist ausgeglichen, geduldig und tolerant – Eigenschaften, die ihn besonders geeignet für Familien mit Kindern machen.

Intelligenz und Arbeitswille

Labradore sind ausgesprochen intelligent und lernwillig. Sie lieben es, Aufgaben zu erledigen und geistig gefordert zu werden. Diese Eigenschaft macht sie zu hervorragenden Arbeitshunden in den verschiedensten Bereichen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass ein Labrador ohne ausreichende geistige Beschäftigung schnell unterfordert und unruhig wird.

„Will to please" – der Wille zu gefallen

Ein besonderes Merkmal des Labradors ist sein ausgeprägter „will to please". Er möchte seinem Menschen gefallen und arbeitet bereitwillig mit. Das macht die Erziehung in der Regel unkompliziert – vorausgesetzt, du arbeitest mit positiver Verstärkung und klaren Strukturen.

Wasserliebe und Apportierfreude

Wasser zieht einen Labrador magisch an. Dank seiner wasserabweisenden Unterwolle und seiner Schwimmhäute zwischen den Zehen ist er ein geborener Schwimmer. Apportierspiele im und am Wasser sind für die meisten Labradore das absolute Highlight.

Kein Wachhund

Wer einen Wachhund sucht, ist mit einem Labrador schlecht beraten. Die meisten Labradore würden einen Einbrecher eher schwanzwedelnd begrüßen als ihn zu vertreiben. Ihre Freundlichkeit gegenüber Fremden ist zwar liebenswert, macht sie aber als Schutzhunde ungeeignet.

Haltung und Beschäftigung

Bewegungsbedarf

Der Labrador ist ein aktiver Hund, der täglich ausreichend Bewegung braucht. Mindestens zwei ausgedehnte Spaziergänge pro Tag sind Pflicht, idealerweise ergänzt durch Apportierübungen, Schwimmen oder andere sportliche Aktivitäten. Ein unausgelasteter Labrador neigt dazu, sich selbst zu beschäftigen – und das endet selten gut für deine Möbel oder deinen Garten.

Geeignete Hundesportarten

  • Apportiertraining / Dummyarbeit: Die Paradedisziplin des Labradors. Dummytraining vereint körperliche Auslastung mit geistiger Arbeit.
  • Mantrailing: Der Labrador hat eine ausgezeichnete Nase und liebt die Suche.
  • Agility: Gut geeignet, solange der Hund nicht übergewichtig ist.
  • Obedience: Perfekt für den lernwilligen Labrador.
  • Wasserarbeit: Schwimmen, Tauchen, Apportieren aus dem Wasser.

Wohnsituation

Ein Labrador kann sowohl in einem Haus mit Garten als auch in einer Wohnung gehalten werden – vorausgesetzt, er bekommt genügend Bewegung und Beschäftigung. Ein Garten ist ein schöner Bonus, ersetzt aber keinesfalls die aktive Beschäftigung. Labradore sind keine Hunde, die sich alleine im Garten selbst beschäftigen und damit zufrieden sind.

Der Labrador und Kinder

Labradore und Kinder – das ist oft eine wunderbare Kombination. Die Geduld und Toleranz des Labradors machen ihn zu einem großartigen Spielkameraden. Dennoch solltest du nie kleine Kinder unbeaufsichtigt mit dem Hund lassen, egal wie gutmütig er ist. Auch ein Labrador hat seine Grenzen.

Ernährung des Labradors

Das ewige Thema: Übergewicht

Der Labrador hat genetisch bedingt ein nahezu unstillbares Hungergefühl. Eine Studie der Universität Cambridge hat gezeigt, dass viele Labradore eine Mutation im POMC-Gen tragen, die das Sättigungsgefühl beeinträchtigt. Das bedeutet: Dein Labrador wird immer so tun, als würde er verhungern – unabhängig davon, wie viel er gerade gefressen hat.

Übergewicht ist die häufigste „Erkrankung" beim Labrador und Auslöser oder Verstärker vieler anderer Probleme: Gelenkerkrankungen, Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes und eine verkürzte Lebenserwartung. Ein schlanker Labrador lebt laut Studien bis zu zwei Jahre länger als ein übergewichtiger.

Tipps gegen Übergewicht

  • Strikte Portionierung: Wiege das Futter ab und halte dich an die empfohlene Menge.
  • Leckerlis einrechnen: Jedes Leckerli wird von der Tagesration abgezogen.
  • Kein Tischfutter: So verlockend die Bettelaugen auch sind – halte konsequent durch.
  • Regelmäßig wiegen: Wiege deinen Hund alle zwei Wochen und führe ein Gewichtstagebuch.
  • Gesunde Snacks: Karotten, Gurken oder Apfelstücke als kalorienarme Alternative.
  • Anti-Schling-Napf: Verlangsamt die Futteraufnahme und sorgt für längere Sättigung.

Hochwertiges Futter wählen

Achte auf ein hochwertiges Hundefutter mit hohem Fleischanteil und geringem Getreideanteil. Ob Nass- oder Trockenfutter, BARF oder gekochte Rationen – die beste Ernährung ist die, die auf deinen individuellen Hund abgestimmt ist. Wenn du unsicher bist, lies unseren Hundefutter-Ratgeber für eine umfassende Orientierung.

Fellpflege beim Labrador

Das Labrador-Fell: robust, aber pflegebedürftig

Der Labrador hat ein dichtes Doppelfell mit wasserabweisender Unterwolle. Das Fell ist robust und schützt hervorragend vor Nässe und Kälte. Allerdings haart der Labrador das ganze Jahr über – und während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst kann die Haarmenge enorm sein.

Pflegetipps

  • Regelmäßiges Bürsten: Mindestens zweimal pro Woche, während des Fellwechsels täglich. Eine Unterwollbürste (Furminator) ist besonders effektiv.
  • Baden: Nur bei Bedarf, maximal alle 6–8 Wochen. Häufiges Baden zerstört den natürlichen Fettfilm des Fells. Verwende immer ein mildes Hundeshampoo.
  • Ohren kontrollieren: Labradore haben Hängeohren, die schlecht belüftet werden. Kontrolliere die Ohren wöchentlich auf Rötungen, Geruch oder Verschmutzung. Informiere dich in unserem Ratgeber über die richtige Ohrenreinigung beim Hund.
  • Krallen schneiden: Kontrolliere regelmäßig die Krallenlänge. Labradore, die viel auf weichem Boden laufen, nutzen ihre Krallen weniger ab.
  • Zähne: Regelmäßige Zahnkontrolle und Zahnpflege beugen Zahnstein und Zahnfleischentzündungen vor.

Rassetypische Krankheiten beim Labrador Retriever

Wie jede Rasse neigt der Labrador zu bestimmten Erkrankungen, die genetisch bedingt sind. Das bedeutet nicht, dass jeder Labrador krank wird, aber du solltest die Risiken kennen, um frühzeitig reagieren zu können.

Hüftgelenksdysplasie (HD)

Die Hüftgelenksdysplasie gehört zu den häufigsten Erkrankungen beim Labrador. Dabei handelt es sich um eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks, bei der der Oberschenkelkopf nicht richtig in die Hüftpfanne passt. Dies führt zu Schmerzen, Lahmheit und früher Arthrose.

Symptome:

  • Humpeln oder steifer Gang, besonders nach dem Aufstehen
  • Schmerzen bei bestimmten Bewegungen
  • Verminderte Aktivität
  • „Hasensprung" beim Laufen (beide Hinterbeine gleichzeitig)

Vorbeugung und Therapie:

  • Beim Züchter auf HD-freie Elterntiere achten (HD-Röntgen)
  • Übergewicht konsequent vermeiden
  • Gelenkschonende Bewegung (Schwimmen ist ideal)
  • Bei Bedarf Schmerzmittel, Physiotherapie oder operative Eingriffe

Ellbogendysplasie (ED)

Ähnlich wie die HD betrifft die Ellbogendysplasie die Vordergliedmaßen. Sie ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Fehlentwicklungen im Ellbogengelenk und führt ebenfalls zu Schmerzen und Arthrose.

Symptome:

  • Lahmheit an den Vorderbeinen
  • Steifer Gang
  • Schmerzäußerungen bei Belastung
  • Vermeidung von Treppen oder Springen

Osteochondrosis dissecans (OCD)

Bei der OCD lösen sich Knorpelfragmente von der Gelenkfläche ab und verursachen Schmerzen und Entzündungen. Betroffen sind häufig Schulter-, Ellbogen- oder Kniegelenke. Die Erkrankung tritt meist bei jungen Hunden zwischen 4 und 8 Monaten auf.

Progressive Retinaatrophie (PRA)

Die PRA ist eine erbliche Augenerkrankung, bei der die Netzhaut (Retina) fortschreitend degeneriert. Betroffene Hunde erblinden schrittweise – zunächst verschlechtert sich die Sicht bei Dämmerung, später auch bei Tageslicht. Für die beim Labrador relevante Form (prcd-PRA) gibt es einen Gentest, den verantwortungsvolle Züchter durchführen.

Exercise-Induced Collapse (EIC)

EIC ist eine erbliche Erkrankung, die vor allem junge, sportliche Labradore betrifft. Nach intensiver Belastung kommt es zu einem plötzlichen Kollaps mit Muskelschwäche, schwankendem Gang und im schlimmsten Fall Zusammenbruch. Die Episoden dauern meist 5–25 Minuten und bilden sich von selbst zurück. Auch für EIC gibt es einen Gentest.

Symptome:

  • Schwankender Gang nach intensiver Belastung
  • Schwäche der Hinterhand
  • Kollaps nach 5–15 Minuten intensiver Aktivität
  • In schweren Fällen kompletter Zusammenbruch

Fettgeschwulst (Lipom)

Labradore neigen besonders im Alter zu gutartigen Fettgewebstumoren, sogenannten Lipomen. Diese weichen, verschiebbaren Knoten unter der Haut sind in der Regel harmlos, sollten aber vom Tierarzt untersucht werden, um bösartige Tumore auszuschließen.

Magendrehung (Gastric Dilatation-Volvulus)

Auch wenn die Magendrehung eher bei größeren, tiefbrüstigen Rassen auftritt, sind Labradore nicht immun dagegen. Eine Magendrehung ist ein absoluter Notfall und erfordert sofortige tierärztliche Behandlung.

Ohrenentzündungen

Durch ihre Schlappohren sind Labradore besonders anfällig für Ohrenentzündungen (Otitis externa). Die warme, feuchte Umgebung unter den Hängeohren ist ein idealer Nährboden für Bakterien und Hefen. Regelmäßige Kontrolle und Reinigung sind daher besonders wichtig.

Allergien und Hautprobleme

Labradore neigen zu Futtermittelallergien und Umweltallergien (Atopie). Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötungen, Ohrenprobleme und übermäßiges Pfotenlecken. Eine konsequente Diagnostik und Futterumstellung sind oft nötig.

Lebenserwartung und Gesundheitsvorsorge

Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Labradors liegt bei 10–14 Jahren, wobei schokobraune Labradore laut einer Studie der Universität Sydney tendenziell eine kürzere Lebenserwartung haben und häufiger an Haut- und Ohrenproblemen leiden.

So hältst du deinen Labrador gesund

  • Jährliche Tierarztkontrollen mit Blutbild und Gelenkcheck ab dem 7. Lebensjahr
  • Konsequentes Gewichtsmanagement – der wichtigste einzelne Faktor für die Gesundheit
  • Regelmäßige Impfungen und Parasitenprophylaxe
  • Zahnkontrolle und -pflege zur Vorbeugung von Zahnstein
  • Gelenkschonende Aufzucht bei Welpen – kein Treppensteigen, kein Springen in den ersten 12 Monaten
  • Gentests vor der Zucht (HD, ED, PRA, EIC, HNPK)

Labrador Retriever: Show-Linie vs. Arbeitslinie

Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den beiden Zuchtlinien des Labradors:

Show-Linie (English Type):

  • Breiterer Kopf, kräftiger Körperbau
  • Ruhigeres Temperament
  • Oft besser als reiner Familienhund geeignet
  • Neigt stärker zu Übergewicht

Arbeitslinie (Field Trial Type):

  • Schlanker, athletischer Körperbau
  • Höheres Energielevel
  • Stärkerer Arbeitstrieb
  • Braucht mehr geistige und körperliche Auslastung

Beide Linien sind wunderbare Hunde – die Wahl hängt von deinem Lebensstil und deinen Erwartungen ab.

Den richtigen Züchter finden

Wenn du dich für einen Labrador-Welpen entscheidest, ist die Wahl des Züchters entscheidend für die Gesundheit und das Wesen deines zukünftigen Hundes.

Worauf du achten solltest:

  • Mitgliedschaft in einem VDH- oder FCI-anerkannten Zuchtverein (z. B. Labrador Club Deutschland)
  • HD- und ED-Röntgen der Elterntiere mit Auswertung
  • Gentests für PRA, EIC, HNPK und weitere rasserelevante Erkrankungen
  • Augenuntersuchung der Elterntiere
  • Transparente Haltungsbedingungen – du solltest die Welpen und die Mutterhündin besuchen können
  • Sozialisierung der Welpen – Kontakt mit verschiedenen Umweltreizen
  • Abgabe frühestens mit 8 Wochen, geimpft, gechipt und entwurmt

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Labrador ein Anfängerhund?

Ja, der Labrador gilt zu Recht als einer der besten Anfängerhunde. Sein freundliches Wesen, seine Lernbereitschaft und seine Toleranz machen ihn auch für unerfahrene Hundehalter gut geeignet. Allerdings solltest du seinen Bewegungs- und Beschäftigungsbedarf nicht unterschätzen.

Wie viel Auslauf braucht ein Labrador?

Ein erwachsener Labrador braucht mindestens 1,5 bis 2 Stunden Bewegung pro Tag, verteilt auf mehrere Spaziergänge. Zusätzlich solltest du geistige Auslastung durch Dummytraining, Suchspiele oder andere Beschäftigung bieten.

Wann ist ein Labrador ausgewachsen?

Labradore sind körperlich mit etwa 12–18 Monaten ausgewachsen, die geistige Reife erreichen sie aber oft erst mit 2–3 Jahren. Die typische „Labrador-Jugend" kann etwas länger dauern.

Kann man einen Labrador in der Wohnung halten?

Ja, ein Labrador kann in einer Wohnung gehalten werden, wenn er ausreichend Bewegung und Beschäftigung bekommt. Die Wohnungsgröße ist weniger wichtig als die tägliche Auslastung.

Zusammenfassung

Der Labrador Retriever ist ein vielseitiger, freundlicher und intelligenter Hund, der sich hervorragend als Familienhund eignet. Seine größten gesundheitlichen Risiken sind Übergewicht, Gelenkerkrankungen (HD, ED) und Augenprobleme (PRA). Mit einer verantwortungsvollen Zuchtauswahl, konsequentem Gewichtsmanagement, ausreichend Bewegung und regelmäßigen Tierarztkontrollen kannst du deinem Labrador ein langes, gesundes und glückliches Leben ermöglichen. Achte auf die Wahl eines seriösen Züchters, der Gesundheitstests durchführt, und vergiss nie: Ein schlanker Labrador ist ein gesunder Labrador.