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Hund – Ernährung18.2.2026

BARF für Hunde – Rohfütterung richtig umsetzen

BARF für Hunde – Biologisch Artgerechte Rohfütterung im Detail

BARF – die Abkürzung steht für „Biologisch Artgerechte Rohfütterung" – ist eine Fütterungsmethode, bei der Hunde mit rohem Fleisch, rohen Knochen, Innereien, Gemüse, Obst und verschiedenen Ergänzungen gefüttert werden. Die Idee dahinter: Das Futter soll sich an der natürlichen Ernährung des Wolfes orientieren und dem Hund eine möglichst naturnahe, unverarbeitete Kost bieten.

BARF hat in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen – und polarisiert gleichzeitig wie kaum ein anderes Thema in der Hundewelt. Befürworter schwören auf glänzendes Fell, gesunde Zähne und vitale Hunde, Kritiker warnen vor Nährstoffmängeln, Bakterien und falscher Zusammenstellung.

In diesem Ratgeber von Haustier-Guru erfährst du alles, was du über BARF wissen musst – objektiv, fundiert und praxisnah.

Was bedeutet BARF genau?

BARF steht für Biologisch Artgerechte Rohfütterung (im Englischen: Bones And Raw Food oder Biologically Appropriate Raw Food). Das Grundprinzip ist einfach: Du bereitest das Futter deines Hundes selbst aus rohen Zutaten zu, anstatt Fertigfutter zu verwenden.

Die Grundkomponenten einer BARF-Ration

Eine ausgewogene BARF-Ration besteht aus:

  • Muskelfleisch (ca. 25–30 %): Rindfleisch, Lamm, Geflügel, Wild, Pferd – die Proteingrundlage
  • Pansen/Blättermagen (ca. 15–20 %): Grüner, ungewaschener Pansen enthält vorverdaute Pflanzenreste, Enzyme und Bakterien
  • Rohe fleischige Knochen (RFK) (ca. 15–20 %): Hühnerhälse, Hühnerflügel, Lammrippen, Kalbsrippen – Kalziumquelle
  • Innereien (ca. 10–15 %): Leber, Niere, Milz, Herz, Lunge – reich an Vitaminen und Mineralstoffen
  • Gemüse (ca. 15–20 %): Karotten, Zucchini, Brokkoli, Fenchel, Kürbis – püriert für bessere Verwertung
  • Obst (ca. 5 %): Äpfel, Beeren, Banane – als Vitaminlieferant
  • Öle und Fette: Lachsöl, Leinöl, Kokosöl – für Omega-3-Fettsäuren
  • Ergänzungen: Seealgenmehl (Jod), Eierschalenpulver (Kalzium), Lebertran (Vitamin D), Bierhefe (B-Vitamine)

Vorteile von BARF

Kontrolle über die Inhaltsstoffe

Der größte Vorteil von BARF ist die vollständige Kontrolle über das, was dein Hund frisst. Du weißt genau, welche Zutaten im Napf landen – keine versteckten Zusatzstoffe, keine fragwürdigen Tiermehlbestandteile, keine unnötigen Füllstoffe.

Individuelle Anpassung

Du kannst die Ration exakt an die Bedürfnisse deines Hundes anpassen:

  • Allergiker: Einzelne Proteinquellen ausschließen oder rotieren
  • Übergewichtige Hunde: Fettgehalt und Kalorienmenge steuern
  • Ältere Hunde: Leicht verdauliche Zutaten und gelenkunterstützende Ergänzungen einbauen
  • Aktive Hunde: Energiegehalt erhöhen

Bessere Zahngesundheit

Das Kauen auf rohen Knochen hat einen natürlichen Zahnreinigungseffekt. Viele BARF-Hunde haben deutlich weniger Zahnstein als konventionell gefütterte Hunde.

Glänzendes Fell und gesunde Haut

Viele Hundebesitzer berichten von deutlichen Verbesserungen des Fells und der Hautgesundheit nach der Umstellung auf BARF. Die natürlichen Fette und hochwertigen Proteine können das Fellbild positiv beeinflussen.

Kleinere, festere Kotmengen

BARF-Futter ist in der Regel besser verdaulich als minderwertige Fertigfutter. Das Ergebnis: Weniger Kot mit fester Konsistenz und geringerem Geruch.

Verbesserte Verdauung

Viele Hunde mit empfindlichem Magen oder chronischen Verdauungsproblemen profitieren von der Umstellung auf BARF. Die natürlichen Enzyme und das Fehlen von Zusatzstoffen können die Verdauung entlasten.

Risiken und Nachteile von BARF

Nährstoffmangel bei falscher Zusammenstellung

Das größte Risiko von BARF ist ein Nährstoffmangel oder -überschuss durch falsche Zusammenstellung. Eine BARF-Ration ist nur so gut wie ihre Planung. Ohne fundiertes Wissen über die Nährstoffbedürfnisse des Hundes können Mangelerscheinungen auftreten:

  • Kalziummangel: Zu wenig Knochen oder Kalziumergänzung → Knochenprobleme, besonders bei Welpen
  • Jodmangel: Ohne Seealgenmehl oder andere Jodquellen → Schilddrüsenprobleme
  • Vitamin-D-Mangel: Zu wenig Leber oder Lebertran → Knochenprobleme
  • Zinkmangel: Zu wenig zinkreiche Innereien → Haut- und Fellprobleme
  • Kalzium-Phosphor-Ungleichgewicht: Zu viel Fleisch ohne Knochen → Skelettprobleme

Bakterielle Belastung

Rohes Fleisch kann Bakterien wie Salmonellen, Campylobacter, Listerien oder pathogene E. coli enthalten. Das Risiko betrifft:

  • Den Hund: Zwar haben Hunde einen kürzeren Verdauungstrakt und eine stärkere Magensäure als Menschen, aber sie können trotzdem erkranken.
  • Den Menschen: Durch den Umgang mit rohem Fleisch, Kontakt mit dem Hundespeichel oder dem Kot können Bakterien auf den Menschen übertragen werden. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen, Schwangere und immungeschwächte Personen.

Verstopfung durch Knochen

Zu viele oder falsche Knochen können zu „Knochenkot" führen – extrem hartem, weißem Kot, der nur schwer abgesetzt werden kann. Im schlimmsten Fall droht eine Darmobstruktion.

Kosten und Zeitaufwand

BARF ist zeitaufwendiger als Fertigfutter: Einkaufen, Portionieren, Einfrieren, Auftauen. Auch die Kosten können je nach Fleischqualität höher liegen als bei konventionellem Futter.

Kein Standard

Während Fertigfutter gesetzlichen Vorgaben zur Nährstoffzusammensetzung unterliegt, gibt es für BARF keinen Standard. Die Verantwortung für eine ausgewogene Ernährung liegt komplett bei dir.

BARF richtig umsetzen – der Futterplan

Schritt 1: Futtermenge berechnen

Die tägliche Futtermenge liegt bei 2–3 % des Körpergewichts des erwachsenen Hundes:

  • Wenig aktive Hunde: 2 % des Körpergewichts
  • Normal aktive Hunde: 2,5 %
  • Sehr aktive Hunde, trächtige/säugende Hündinnen: 3 % oder mehr
  • Welpen: 4–6 % des aktuellen Körpergewichts (nicht des Endgewichts!)

Beispiel: Ein 25 kg schwerer, normal aktiver Hund bekommt ca. 625 g Futter pro Tag (25 × 0,025).

Schritt 2: Aufteilung berechnen

Die tägliche Gesamtmenge wird aufgeteilt in:

  • 80 % tierischer Anteil:

- 25–30 % Muskelfleisch

- 15–20 % Pansen/Blättermagen

- 15–20 % rohe fleischige Knochen

- 10–15 % Innereien (davon max. 1/3 Leber)

  • 20 % pflanzlicher Anteil:

- 15 % Gemüse (püriert oder leicht gedünstet)

- 5 % Obst

Schritt 3: Ergänzungen

Zu jeder BARF-Ration gehören Ergänzungen:

  • Lachsöl: 1 ml pro 10 kg Körpergewicht täglich (Omega-3-Fettsäuren)
  • Seealgenmehl: 0,3–0,5 g pro 10 kg (Jodversorgung)
  • Eierschalenpulver: Nur wenn keine Knochen gefüttert werden (1 g pro 500 g Fleisch)
  • Lebertran: 1 ml pro 10 kg 2–3x pro Woche (Vitamin D und A)
  • Bierhefe: 1 g pro 10 kg (B-Vitamine)
  • Hagebuttenpulver: Vitamin C (optional, da Hunde Vitamin C selbst produzieren)

Schritt 4: Abwechslung einbauen

Eine BARF-Ration muss nicht täglich perfekt ausgewogen sein, aber über einen Zeitraum von 1–2 Wochen sollte die Gesamtbilanz stimmen. Wechsle regelmäßig zwischen verschiedenen Fleischsorten, Innereien und Gemüsesorten.

Die Umstellung auf BARF

Schrittweise oder sofort?

Es gibt zwei Ansätze:

  • Sofortige Umstellung: Der Hund bekommt von einem Tag auf den anderen nur noch BARF. Dieser Ansatz funktioniert bei vielen Hunden problemlos.
  • Schrittweise Umstellung: Über 7–14 Tage wird der BARF-Anteil langsam erhöht und der Fertigfutter-Anteil reduziert. Empfehlenswert bei empfindlichen Hunden.

Wichtig bei der Umstellung:

  • Mit einer leicht verdaulichen Fleischsorte beginnen (z. B. Huhn, Pute oder Lamm)
  • Zunächst nur eine Proteinquelle füttern
  • Nach und nach weitere Zutaten einführen
  • Knochen erst füttern, wenn der Hund an die Rohfütterung gewöhnt ist
  • Bei Durchfall oder Erbrechen vorübergehend auf Schonkost umstellen

BARF für besondere Hundegruppen

Welpen

BARF für Welpen ist möglich, aber anspruchsvoll. Das Kalzium-Phosphor-Verhältnis muss stimmen, die Energieversorgung muss dem Wachstum entsprechen und Nährstoffmängel können bei jungen Hunden besonders schnelle und schwere Folgen haben. Eine Beratung durch einen Tierernährungsberater ist dringend empfohlen.

Ältere Hunde

Ältere Hunde profitieren oft von leicht verdaulichem Fleisch, reduziertem Fettgehalt und gelenkunterstützenden Ergänzungen (Grünlippmuschelpulver, Kollagen). Die Futtermenge muss an die reduzierte Aktivität angepasst werden.

Allergiker

BARF eignet sich hervorragend für Allergiker-Hunde. Durch die Kontrolle über jede einzelne Zutat kannst du eine Ausschlussdiät durchführen und das Allergen identifizieren. Beginne mit einer exotischen Proteinquelle (z. B. Pferd, Känguru, Strauß) und führe nach und nach weitere Zutaten ein.

Hygiene beim BARFen

Rohes Fleisch erfordert strenge Hygiene:

  • Hände gründlich waschen nach dem Kontakt mit rohem Fleisch
  • Arbeitsflächen und Utensilien desinfizieren
  • Fleisch im Kühlschrank oder Gefrierschrank lagern – nie bei Raumtemperatur auftauen lassen
  • Futterreste nach 20–30 Minuten entsorgen
  • Napf nach jeder Mahlzeit heiß reinigen
  • Kinder und immungeschwächte Personen vom rohen Fleisch fernhalten
  • Kot schnell und hygienisch entsorgen – BARF-Hunde können Bakterien ausscheiden

BARF vs. Fertigfutter – was ist besser?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Beide Fütterungsformen haben Vor- und Nachteile:

KriteriumBARFHochwertiges Fertigfutter
Kontrolle über ZutatenSehr hochBegrenzt
NährstoffbalanceEigenverantwortungVom Hersteller berechnet
ZeitaufwandHochGering
KostenVariabel, oft höherBerechenbar
IndividualanpassungSehr gutBegrenzt
BakterienrisikoVorhandenGering
ZahnpflegeGut (durch Knochen)Weniger

Einen umfassenden Überblick über hochwertiges Fertigfutter findest du in unserem Hundefutter-Ratgeber.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich BARF und Fertigfutter mischen?

Ja, das ist möglich. Allerdings solltest du rohes Fleisch und Trockenfutter nicht in einer Mahlzeit mischen, da sie unterschiedliche Verdauungszeiten haben. Gib BARF und Fertigfutter als getrennte Mahlzeiten.

Welches Fleisch darf ich meinem Hund roh füttern?

Grundsätzlich fast alle Fleischsorten: Rind, Lamm, Huhn, Pute, Ente, Wild, Pferd, Kaninchen, Fisch. Nicht roh füttern: Schweinefleisch (Aujeszky-Virus-Risiko)! Schweinefleisch muss immer durchgegart werden.

Wie viele Knochen darf mein Hund fressen?

Rohe fleischige Knochen sollten ca. 15–20 % der Gesamtration ausmachen. Beginne mit weichen Knochen (Hühnerhälse, Hühnerflügel) und beobachte den Kot. Wird er weiß und bröckelig, reduziere die Knochenmenge.

Was darf mein Hund auf keinen Fall fressen?

Bestimmte Lebensmittel sind für Hunde giftig – informiere dich in unserem Ratgeber über giftige Lebensmittel für Hunde. Beim BARFen besonders beachten: kein rohes Schweinefleisch, keine gegarten Knochen (Splittergefahr!), keine Zwiebeln, kein Knoblauch in größeren Mengen.

Brauche ich eine Beratung?

Wenn du mit BARF beginnen möchtest, ist eine Beratung durch einen zertifizierten Tierernährungsberater dringend empfohlen – besonders für Welpen, alte oder kranke Hunde. Eine professionelle Rationsberechnung stellt sicher, dass alle Nährstoffe in der richtigen Menge vorhanden sind.

Zusammenfassung

BARF ist eine artgerechte und gesunde Fütterungsmethode für Hunde – vorausgesetzt, sie wird richtig umgesetzt. Die Vorteile liegen in der vollständigen Kontrolle über die Zutaten, der individuellen Anpassung und der positiven Auswirkung auf Zähne, Fell und Verdauung. Die Risiken – Nährstoffmangel bei falscher Zusammenstellung, bakterielle Belastung und der hohe Zeitaufwand – lassen sich durch fundiertes Wissen, gute Hygiene und gegebenenfalls professionelle Beratung minimieren. Wenn du bereit bist, dich intensiv mit der Ernährung deines Hundes auseinanderzusetzen, kann BARF eine hervorragende Wahl sein. Wenn dir die Zeit oder das Wissen fehlt, ist ein hochwertiges Fertigfutter eine ebenso gute Alternative.