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Hund – Gesundheit18.2.2026

Hüftdysplasie (HD) beim Hund – Symptome, Diagnose und Behandlung

Was ist Hüftdysplasie (HD)?

Hüftdysplasie – abgekürzt HD – ist eine der häufigsten Skeletterkrankungen beim Hund. Es handelt sich um eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks, bei der der Oberschenkelkopf (Femurkopf) nicht optimal in die Hüftpfanne (Acetabulum) passt. Im gesunden Hüftgelenk sitzt der kugelförmige Oberschenkelkopf tief und passgenau in der Hüftpfanne – wie eine Kugel in einer Schale. Bei HD ist die Pfanne zu flach, der Oberschenkelkopf zu locker oder beides, sodass das Gelenk instabil wird.

Diese Instabilität führt zu:

  • Abnormaler Abnutzung des Gelenkknorpels
  • Entzündlichen Prozessen im Gelenk
  • Fortschreitender Arthrose (Gelenkverschleiß)
  • Schmerzen und Bewegungseinschränkung

HD ist genetisch veranlagt, wird aber durch Umweltfaktoren beeinflusst – das heißt, ein Hund kann die genetische Anlage tragen, ohne schwere Symptome zu entwickeln, wenn Ernährung, Bewegung und Körpergewicht optimal gestaltet werden.

Besonders betroffene Rassen

HD kommt bei allen Rassen und Mischlingen vor, ist aber besonders häufig bei:

  • Deutscher Schäferhund
  • Labrador Retriever
  • Golden Retriever
  • Rottweiler
  • Berner Sennenhund
  • Neufundländer
  • Bulldogge
  • Bernhardiner
  • Mastiff-Rassen

Generell sind große und schwere Rassen deutlich häufiger betroffen als kleine.

Ursachen und Risikofaktoren

Genetik (Hauptfaktor)

HD wird polygenetisch vererbt – das bedeutet, viele Gene sind beteiligt, und die Vererbung ist komplex. Selbst aus HD-freien Elterntieren können Welpen mit HD entstehen und umgekehrt. Verantwortungsvolle Züchter lassen ihre Zuchttiere röntgen und verwenden nur Hunde mit guten Hüftergebnissen.

Umweltfaktoren (beeinflussbar!)

  • Zu schnelles Wachstum: Übermäßige Energiezufuhr und Überernährung in der Wachstumsphase beschleunigen das Wachstum und begünstigen HD
  • Übergewicht: Zusätzliches Gewicht belastet die Hüftgelenke enorm – sowohl im Wachstum als auch im Erwachsenenalter
  • Falsche Bewegung in der Wachstumsphase: Zu viel Treppensteigen, Springen oder übermäßige Belastung bei Welpen und Junghunden
  • Glatte Böden: Ständiges Ausrutschen auf Fliesen oder Parkett belastet die Gelenke
  • Kalzium-Überversorgung: Zu viel Kalzium im Welpenfutter kann die Knochenentwicklung stören

Symptome – woran du HD erkennst

Die Symptome variieren je nach Schweregrad der HD und dem Alter des Hundes:

Symptome bei Welpen und Junghunden (4-12 Monate)

  • Bewegungsunlust: Der Welpe mag nicht mehr so viel laufen oder spielen
  • "Bunny Hopping": Der Hund hüpft beim Laufen mit beiden Hinterbeinen gleichzeitig (wie ein Hase)
  • Schwierigkeiten beim Aufstehen nach dem Liegen
  • Steifheit nach Ruhephasen
  • Schmerzempfindlichkeit beim Anfassen der Hüfte
  • Muskelabbau an den Hinterbeinen
  • Wechselnde Lahmheit an der Hinterhand

Symptome beim erwachsenen Hund

  • Anlaufschmerz: Steifheit und Humpeln nach dem Aufstehen, das sich nach einigen Schritten bessert
  • Lahmheit nach Belastung: Nach längeren Spaziergängen oder Toben
  • Watschelnder Gang: Schwankende, breite Hinterbeine
  • Schwierigkeiten beim Treppensteigen oder Springen ins Auto
  • Muskelschwund an der Hinterhand bei gleichzeitiger Verstärkung der Vorderhandmuskulatur (Kompensation)
  • Knackende oder reibende Geräusche im Hüftgelenk
  • Schmerzbedingte Unruhe – der Hund findet keine bequeme Liegeposition
  • Wetterabhängige Beschwerden – oft schlimmer bei kaltem, feuchtem Wetter

Diagnose

Röntgenuntersuchung – der Goldstandard

Die definitive Diagnose erfolgt durch eine Röntgenaufnahme der Hüfte in standardisierter Lagerung (Hund auf dem Rücken, Hinterbeine gestreckt). Für eine korrekte Beurteilung muss der Hund in der Regel sediert oder kurz narkotisiert werden, damit die Muskulatur entspannt ist.

HD-Grade nach FCI (Fédération Cynologique Internationale)

GradBezeichnungBeschreibung
AFrei (normal)Oberschenkelkopf und Pfanne kongruent, tiefer Pfannenrand
BGrenzfallGeringfügige Inkongruenz, noch kein pathologischer Befund
CLeichte HDOberschenkelkopf und Pfanne inkongruent, leichte Arthrose
DMittlere HDDeutliche Inkongruenz, Arthrosezeichen, Pfannenrand abgeflacht
ESchwere HDStarke Inkongruenz, massive Arthrose, deutliche Pfannendachverflachung

Weitere Diagnostik

  • PennHIP-Methode: Misst die Lockerheit (Laxität) des Hüftgelenks – aussagekräftiger als die Standard-Röntgenaufnahme bei jungen Hunden
  • CT oder MRT: In speziellen Fällen für eine genauere Beurteilung
  • Ganganalyse: Objektive Messung der Belastungsverteilung
  • Blutuntersuchung: Zum Ausschluss anderer Ursachen

Ab wann röntgen?

  • Frühzeitige Beurteilung: Ab ca. 16-20 Wochen können erfahrene Tierärzte erste Hinweise erkennen
  • Offizielle HD-Auswertung: Erst ab 12-18 Monaten möglich (je nach Rasse und Zuchtverband)
  • PennHIP: Bereits ab 16 Wochen durchführbar

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach Alter, Schweregrad und Symptomatik:

Konservative Therapie (ohne Operation)

Die konservative Therapie ist die Basis und wird bei leichter bis mittlerer HD sowie bei älteren Hunden angewendet:

Gewichtsmanagement – die wichtigste Maßnahme!

  • Übergewicht ist der größte beeinflussbare Risikofaktor
  • Jedes Kilogramm zu viel belastet die kranken Gelenke enorm
  • Schlanke Hunde mit HD leben nachweislich schmerzfreier und länger
  • Idealgewicht: Rippen mit leichtem Druck fühlbar, Taille von oben sichtbar

Angepasste Bewegung:

  • Regelmäßige, moderate Bewegung – gleichmäßiges Laufen auf weichen Böden
  • Schwimmen ist ideal – belastet die Gelenke minimal und stärkt die Muskulatur
  • Toben, abruptes Stoppen und Springen vermeiden
  • Lieber mehrere kurze Spaziergänge als ein langer

Physiotherapie:

  • Unterwasserlaufband
  • Manuelle Therapie
  • Gezielte Muskelaufbauübungen
  • Wärme- oder Kältetherapie
  • Elektrostimulation

Schmerzmittel und Entzündungshemmer:

  • NSAID (z. B. Meloxicam, Carprofen) nach tierärztlicher Verordnung
  • Langzeitanwendung unter regelmäßiger Kontrolle von Blut- und Nierenwerten
  • Metamizol als Alternative

Nahrungsergänzungsmittel:

  • Glucosamin und Chondroitinsulfat: Unterstützen den Gelenkknorpel
  • Omega-3-Fettsäuren (Fischöl): Wirken entzündungshemmend
  • Grünlippmuschel: Enthält Glykosaminoglykane und Omega-3-Fettsäuren
  • MSM (Methylsulfonylmethan): Kann Schmerzen und Entzündungen lindern

Operative Therapie

Bei schwerer HD oder wenn die konservative Therapie nicht ausreicht, gibt es verschiedene chirurgische Optionen:

Juvenile Pubic Symphysiodese (JPS) – für Welpen:

  • Durchführbar bei Welpen ab 12-20 Wochen
  • Verödung der Schambeinfuge, die das Becken nachreifen lässt
  • Minimalinvasiv und präventiv
  • Nur sinnvoll bei früher Diagnose

Triple Pelvic Osteotomy (TPO) / DPO – für Junghunde:

  • Umstellung des Beckens, um die Pfannenüberdachung zu verbessern
  • Geeignet für Hunde unter 10-12 Monaten ohne signifikante Arthrose
  • Gute Ergebnisse bei richtiger Indikation

Femurkopfresektion (FHNE):

  • Entfernung des Oberschenkelkopfes
  • Der Körper bildet ein „Falschgelenk" aus Narbengewebe
  • Vor allem bei kleinen und leichten Hunden (unter 20 kg) gute Ergebnisse
  • Kostengünstiger als ein künstliches Hüftgelenk

Totalendoprothese (TEP) – künstliches Hüftgelenk:

  • Der Goldstandard bei schwerer HD
  • Oberschenkelkopf und Pfanne werden durch künstliche Implantate ersetzt
  • Ausgezeichnete Ergebnisse – die meisten Hunde können wieder normal laufen
  • Hohe Kosten (ca. 3.000-6.000 € pro Hüfte)
  • Nur in spezialisierten Kliniken

Vorbeugung

HD lässt sich nicht vollständig verhindern (genetische Komponente), aber die Schwere kann beeinflusst werden:

Bei der Rassewahl

  • Züchter wählen, die HD-Screening durchführen und die Ergebnisse offenlegen
  • Auf Zuchttauglichkeitsprüfung achten (HD A oder B bei den Elterntieren)

Beim Welpen und Junghund

  • Kontrolliertes Wachstum: Welpenfutter für große Rassen mit angepasstem Kalzium- und Energiegehalt
  • Nicht überfüttern! Schlanke Welpen haben nachweislich weniger HD-Probleme
  • Bewegung dosieren: Faustregel: 5 Minuten pro Lebensmonat pro Spaziergang
  • Treppensteigen vermeiden bis zum Abschluss des Wachstums
  • Rutschfeste Böden: Teppiche oder Läufer auf glatten Böden

Lebenslang

  • Idealgewicht halten – der wichtigste Faktor!
  • Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung
  • Gelenkunterstützende Nahrungsergänzung
  • Orthopädisches Hundebett für druckfreies Liegen

Zusammenfassung

Hüftdysplasie ist eine häufige, genetisch bedingte Erkrankung, die vor allem große Hunderassen betrifft. Die Symptome reichen von leichter Steifheit bis hin zu schwerer Lahmheit. Die Diagnose erfolgt durch Röntgen, und die Behandlung umfasst Gewichtsmanagement, angepasste Bewegung, Schmerztherapie, Physiotherapie und in schweren Fällen eine Operation. Der wichtigste Faktor, den du als Besitzer beeinflussen kannst, ist das Gewicht deines Hundes – schlank bedeutet weniger Schmerzen und mehr Lebensqualität.