Welpe – Die ersten Tage im neuen Zuhause
Der Tag ist gekommen – dein Welpe zieht ein! Die Aufregung ist groß, die Vorfreude riesig, und vermutlich hast du alles dreimal kontrolliert. Doch so aufgeregt du bist – für deinen Welpen ist dieser Tag noch viel aufregender. Er verlässt seine Mutter, seine Geschwister und alles, was er bisher kannte. Eine neue Umgebung, neue Gerüche, neue Menschen – das ist aufregend und beängstigend zugleich. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du die ersten Tage optimal gestaltest und deinem Welpen einen sicheren, liebevollen Start ins neue Leben gibst.
Vor der Abholung – Letzte Vorbereitungen
Wohnung und Garten
Kontrolliere noch einmal, ob alles welpensicher ist:
- Kabel gesichert oder außer Reichweite
- Giftige Lebensmittel und Medikamente sicher aufbewahrt
- Giftige Pflanzen entfernt
- Mülleimer mit Deckel
- Treppen mit Schutzgitter abgesperrt
- Kleine, verschluckbare Gegenstände aufgeräumt
- Garten auf Löcher im Zaun und giftige Pflanzen geprüft
Die Abholfahrt
- Nimm eine Transportbox oder eine zweite Person mit, die den Welpen auf dem Schoß halten kann
- Lege eine Decke und ein Handtuch in die Box oder auf den Schoß (Welpen werden oft reisekrank)
- Nimm Wasser und einen kleinen Napf mit
- Nimm Kotbeutel und Papiertücher mit
- Frage den Züchter nach etwas Futter und einem vertrauten Tuch mit dem Geruch der Mutter/Geschwister
Der erste Tag
Ankunft zu Hause
Der allerwichtigste Grundsatz: Ruhe bewahren. So aufgeregt du und deine Familie auch seid – für den Welpen ist weniger mehr.
- Bringe ihn zuerst in den Garten oder an die Stelle, wo er künftig sein Geschäft erledigen soll. Nach der Autofahrt muss er wahrscheinlich
- Lobe ihn überschwänglich, wenn er draußen pinkelt – das ist der erste Schritt zur Stubenreinheit
- Trage ihn dann ins Haus und zeige ihm sein „Basiszimmer" – den Raum, in dem sein Körbchen, Wasser und Futter stehen
- Lass ihn in Ruhe schnüffeln und erkunden
- Halte den Kreis klein: Keine Willkommensparty, keine 20 Besucher, keine Nachbarskinder am ersten Tag
Die Erkundung
- Lass den Welpen das Haus schrittweise erkunden – nicht alles auf einmal
- Am ersten Tag reicht das Basiszimmer und der Gartenbereich
- In den folgenden Tagen zeigst du ihm nach und nach weitere Räume
- Beobachte ihn, aber bedränge ihn nicht. Manche Welpen sind sofort neugierig und mutig, andere brauchen etwas Zeit
Fütterung am ersten Tag
- Füttere das gleiche Futter wie der Züchter (frag nach der Marke und nimm etwas mit)
- Biete eine kleine Mahlzeit an – manche Welpen fressen vor Aufregung nicht, das ist normal
- Feste Fütterungszeiten einrichten: 3 bis 4 Mahlzeiten pro Tag für Welpen
- Frisches Wasser immer verfügbar
Stubenreinheit von Anfang an
Stubenreinheit ist eines der ersten Trainingsziele. In den ersten Tagen:
- Bringe den Welpen alle 1 bis 2 Stunden nach draußen, außerdem immer nach dem Schlafen, Fressen, Spielen und Trinken
- Lobe und belohne ihn überschwänglich, wenn er draußen sein Geschäft erledigt
- Schimpfe nie, wenn ein Missgeschick in der Wohnung passiert – das verunsichert nur
- Missgeschicke wortlos aufwischen (mit Enzymreiniger, nicht mit Ammoniak-basierten Mitteln)
- Beobachte ihn genau: Schnüffeln am Boden, im Kreis drehen oder unruhiges Verhalten sind Zeichen, dass er muss
Die erste Nacht
Die erste Nacht ist oft die größte Herausforderung – für den Welpen und für dich. Zum ersten Mal in seinem Leben ist der Welpe ohne seine Geschwister, ohne die Wärme und den Herzschlag seiner Mutter. Es ist völlig normal, dass er weint, fiept oder jault.
Wo soll der Welpe schlafen?
Es gibt verschiedene Ansätze, und du musst entscheiden, was für euch funktioniert:
Option 1: Schlafzimmer (empfohlen für die ersten Wochen)
- Stelle eine Box oder ein Körbchen neben dein Bett
- Der Welpe hört und riecht dich – das gibt Sicherheit
- Du merkst, wenn er raus muss (nachts alle 3 bis 4 Stunden)
- Nach einigen Wochen kannst du den Schlafplatz schrittweise verlagern
Option 2: Eigener Raum (mit Vorbereitung)
- Richte den Raum gemütlich ein mit Körbchen, Wasser und einem getragenen T-Shirt von dir
- Wärmflasche (nicht zu heiß, gut eingewickelt) simuliert die Körperwärme der Geschwister
- Tickende Uhr unter der Decke ahmt den Herzschlag nach
- Sei bereit, in den ersten Nächten mehrfach aufzustehen
Tipps für ruhigere Nächte
- Vertrautes mitnehmen: Das Tuch mit dem Geruch der Mutter/Geschwister vom Züchter
- Letzte Mahlzeit nicht zu spät: 2 bis 3 Stunden vor dem Schlafengehen
- Letztes Pipi: Direkt vor dem Schlafen noch einmal raus
- Ruhe am Abend: Die letzte Stunde vor dem Schlafen ruhig gestalten, keine wilden Spiele
- Wenn er weint: Kurz beruhigen (Hand ans Körbchen, leise sprechen), aber nicht ständig hochnehmen – sonst lernt er, dass Weinen Aufmerksamkeit bringt
Die ersten Wochen
Routine etablieren
Welpen lieben Routine – sie gibt Sicherheit:
- Feste Fütterungszeiten (3 bis 4 Mal täglich)
- Regelmäßige Gassi-Zeiten (nach dem Aufwachen, nach dem Fressen, nach dem Spielen, vor dem Schlafen)
- Feste Ruhezeiten: Welpen brauchen 18 bis 20 Stunden Schlaf pro Tag! Zwinge ihn zur Ruhe, wenn er nicht von allein abschaltet
- Tägliche Spielzeiten: Kurz und knackig, 5 bis 10 Minuten mehrmals täglich
Sozialisierung
Die Sozialisierungsphase (bis zur 16. Lebenswoche) ist das wichtigste Zeitfenster im Leben deines Hundes. Alles, was der Welpe in dieser Phase positiv kennenlernt, wird er sein Leben lang als normal empfinden.
Zeige ihm (behutsam und positiv):
- Verschiedene Menschen (Kinder, Ältere, Menschen mit Hüten, Brillen, Regenschirmen)
- Andere Hunde (nur geimpfte, freundliche Hunde!)
- Verschiedene Untergründe (Gras, Schotter, Gitterroste, Holz)
- Alltagsgeräusche (Staubsauger, Waschmaschine, Klingel, Verkehr)
- Verschiedene Umgebungen (Stadt, Wald, Geschäfte, Café)
- Autofahren
- Tierarztpraxis (nur zum Leckerlis holen – positive Verknüpfung!)
Alleinbleiben üben
Übe von Anfang an, den Welpen kurz allein zu lassen:
- Beginne mit 1 bis 2 Minuten in einem anderen Raum
- Steigere die Dauer ganz langsam über Wochen
- Verlasse den Raum ohne große Verabschiedung und komme ohne große Begrüßung zurück
- Gib ihm ein Kauspielzeug oder einen gefüllten Kong zur Beschäftigung
Tierarztbesuch
Vereinbare in der ersten Woche einen Tierarzt-Kennenlerntermin:
- Allgemeine Gesundheitskontrolle
- Impfplan besprechen
- Parasitenschutz planen
- Den Welpen positiv mit der Praxis verknüpfen (Leckerlis vom Praxisteam!)
Hundeschule
Eine gute Welpenschule ist Gold wert:
- Kontrolliertes Spiel mit gleichaltrigen Welpen
- Erste Erziehungsgrundlagen
- Sozialisierung unter fachkundiger Anleitung
- Tipps und Unterstützung für frischgebackene Hundehalter
Typische Herausforderungen der ersten Tage
„Er frisst nicht"
Manche Welpen fressen in den ersten 24 bis 48 Stunden kaum – die Aufregung ist zu groß. Das ist normal, solange der Welpe trinkt und ansonsten munter ist. Biete das Futter zu festen Zeiten an und räume es nach 15 Minuten wieder weg.
„Er weint die ganze Nacht"
Die ersten 2 bis 3 Nächte können anstrengend sein. Das ist normal und kein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Bleibe geduldig, biete Nähe an und halte die oben beschriebene Routine ein. Es wird besser – versprochen.
„Er beißt in alles"
Welpen erkunden die Welt mit dem Maul. Beißen in Hände, Schuhe und Möbel ist normal, muss aber umgelenkt werden. Biete Kauartikel und Spielzeug als Alternative an und unterbreche das Spiel kurz, wenn der Welpe in deine Hand beißt (kurzes „Au!" und Spielpause).
„Er hat Durchfall"
Leichter Durchfall in den ersten Tagen kann stressbedingt sein. Solange der Welpe fit und munter ist, füttere Schonkost (gekochtes Hühnchen mit Reis) und beobachte. Bei blutigem Durchfall, Erbrechen, Apathie oder anhaltendem Durchfall sofort zum Tierarzt.
Zusammenfassung
Die ersten Tage mit deinem Welpen sind aufregend, wunderbar und manchmal auch anstrengend. Gib deinem kleinen Neuankömmling Zeit, schenke ihm Ruhe und Sicherheit, und baue von Anfang an eine liebevolle, konsequente Routine auf. Die Mühe der ersten Wochen zahlt sich ein Leben lang aus – du legst jetzt das Fundament für eine wunderbare Mensch-Hund-Beziehung. Genieße jeden Moment, denn die Welpenzeit vergeht schneller, als du denkst.