Kitten eingewöhnen – So gelingt der Start ins neue Leben
Ein Kitten zieht bei dir ein – wie aufregend! Die kleinen Samtpfoten erobern im Handumdrehen jedes Herz mit ihrem Spieltrieb, ihrer Neugier und ihren tollpatschigen Abenteuern. Doch für das Kitten selbst ist der Umzug eine große Veränderung: Es verlässt seine Mutter, seine Geschwister und alles Vertraute. Damit die Eingewöhnung sanft und stressfrei gelingt, braucht es Vorbereitung, Geduld und Einfühlungsvermögen. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du die ersten Wochen mit deinem Kitten optimal gestaltest.
Vor dem Einzug – Vorbereitungen
Das Basiszimmer einrichten
Das wichtigste Prinzip: Nicht die ganze Wohnung auf einmal! Richte ein Zimmer als „Basiszimmer" ein, in dem dein Kitten alles findet, was es braucht:
- Katzentoilette: In einer ruhigen Ecke, nicht neben dem Futter. Für Kitten eine Toilette mit niedrigem Rand
- Futter- und Wassernapf: Getrennt voneinander, nicht neben der Toilette
- Schlafplatz: Kuscheliges Körbchen, Höhle oder weiche Decke
- Kratzbaum oder Kratzbrett: Auch Kitten brauchen Kratzmöglichkeiten
- Versteckmöglichkeiten: Kartons, Höhlen oder Tunnel – Kitten brauchen sichere Rückzugsorte
- Spielzeug: Bälle, Federspielzeug, raschelnde Mäuse
Wohnung katzensicher machen
Kitten sind neugierig, klein und flink – eine gefährliche Kombination:
- Kippfenster sichern – absolute Todesfalle für Katzen!
- Balkon mit Katzennetz sichern
- Giftige Pflanzen entfernen (Lilien, Efeu, Philodendron und viele mehr)
- Kleine Gegenstände wegräumen (Haargummis, Nähnadeln, Plastikteile – werden verschluckt!)
- Waschmaschine und Trockner immer kontrollieren, bevor du sie einschaltest
- Plastiktüten wegräumen (Erstickungsgefahr)
- Kabel sichern oder verstecken
- Lücken hinter Möbeln und Geräten abdecken – Kitten quetschen sich überall durch
Was du vom Züchter/Tierheim mitbringen solltest
- Etwas Streu aus der bisherigen Toilette (vertrauter Geruch!)
- Ein Tuch oder Spielzeug mit dem Geruch der Mutter/Geschwister
- Dasselbe Futter, das das Kitten bisher bekommen hat
- Impfpass und Gesundheitsunterlagen
Der erste Tag
Die Ankunft
- Transportbox: Verwende eine stabile Transportbox mit weicher Einlage. Decke sie während der Fahrt mit einem Tuch ab, damit das Kitten sich sicher fühlt
- Im Basiszimmer ankommen lassen: Stelle die offene Transportbox ins Basiszimmer und lass das Kitten von allein herauskommen. Nicht herausziehen!
- Ruhe: Kein Besuch, keine Party, keine laute Musik. Nur du (oder die engste Familie) seid da
- Beobachten, nicht bedrängen: Setze dich ruhig in den Raum und lass das Kitten zu dir kommen, wenn es bereit ist
Erste Stunden
Manche Kitten erkunden sofort neugierig ihre Umgebung – andere verstecken sich erst einmal. Beides ist normal.
- Versteckt sich das Kitten, lass ihm Zeit. Locke es nicht mit Gewalt hervor
- Biete Futter und Wasser an
- Zeige ihm die Katzentoilette – setze es einmal vorsichtig hinein, damit es weiß, wo sie steht
- Sprich leise und ruhig
- Wenn es zu dir kommt, streichle es sanft und biete Spielzeug an
Fütterung am ersten Tag
- Füttere dasselbe Futter wie Züchter oder Tierheim (Futterumstellung + Umzugsstress = Durchfall-Garantie)
- Kitten brauchen 3 bis 4 kleine Mahlzeiten pro Tag
- Hochwertiges Katzenfutter mit hohem Fleischanteil
- Wenn das Kitten nicht frisst: Normal bei Aufregung. Biete nach ein paar Stunden erneut an
- Frisches Wasser immer verfügbar – ein Trinkbrunnen wird oft besser angenommen
Die erste Nacht
Wo soll das Kitten schlafen?
Am besten im Basiszimmer. Hier kennt es sich schon aus und fühlt sich am sichersten. Richte eine gemütliche Schlafmöglichkeit ein:
- Weiches Körbchen oder Kuschelhöhle
- Das mitgebrachte Tuch mit dem Geruch der Mutter
- Wärmflasche (lauwarm, gut eingewickelt) gegen das fehlende Geschwisterwärme-Gefühl
- Leises Radio oder tickende Uhr können beruhigend wirken
Wenn das Kitten weint
Es ist völlig normal, dass ein Kitten in der ersten Nacht miaut, weint oder jault. Es vermisst seine Familie. Was du tun kannst:
- Kurz beruhigend sprechen oder die Hand an die Tür halten
- Nicht ständig hingehen und wieder weggehen – das verstärkt die Unruhe
- Das Kitten zu dir ins Bett nehmen ist eine Option, birgt aber Risiken (herunterfallen, erdrückt werden bei sehr kleinen Kitten)
- Die meisten Kitten beruhigen sich nach 2 bis 3 Nächten
Die ersten Wochen
Wohnung schrittweise erkunden lassen
Nach 2 bis 3 Tagen im Basiszimmer, wenn das Kitten dort sicher und entspannt wirkt, öffne die Tür zu weiteren Räumen:
- Immer nur einen Raum auf einmal
- Lass die Tür zum Basiszimmer offen – das ist sein sicherer Hafen
- Beobachte, ob es überfordert wirkt (kauert sich zusammen, faucht, zieht sich zurück)
- Nach 1 bis 2 Wochen hat es die gesamte Wohnung erkundet
Katzentoilette und Sauberkeit
Kitten sind in der Regel von der Mutter an die Katzentoilette gewöhnt. Falls es Probleme gibt:
- Setze das Kitten nach dem Fressen, Schlafen und Spielen sanft in die Toilette
- Vertraute Streu verwenden (gleiche Sorte wie beim Züchter/Tierheim)
- Die Toilette immer sauber halten – Kitten sind pingelig
- Keine Missgeschicke bestrafen – nur wortlos aufwischen
- Bei anhaltender Unsauberkeit den Tierarzt aufsuchen
Fütterung in den ersten Wochen
- 3 bis 4 Mahlzeiten täglich für Kitten bis 6 Monate
- 2 bis 3 Mahlzeiten ab 6 Monaten
- Nach 2 bis 3 Wochen kannst du das Futter langsam umstellen, falls gewünscht (über 7 bis 10 Tage schrittweise mischen)
- Durchfall bei Futterumstellung ist häufig – Tempo drosseln!
- Kein Milch geben – die meisten Katzen sind laktoseintolerant
Sozialisierung
Die Sozialisierungsphase bei Katzen dauert bis etwa zur 14. Lebenswoche. Nutze diese Zeit, um dein Kitten behutsam an verschiedene Dinge zu gewöhnen:
- Verschiedene Menschen (Männer, Frauen, Kinder, Brillenträger)
- Alltagsgeräusche (Staubsauger, Föhn, Klingel – zunächst auf Distanz und leise)
- Sanftes Handling: Pfoten anfassen, Ohren kontrollieren, Maul öffnen – Vorbereitung auf Tierarztbesuche und Krallenpflege
- Transportbox: Als Kuschelhöhle anbieten, nicht nur für den Tierarzt
- Andere Tiere (wenn vorhanden): Langsame, kontrollierte Einführung
Tierarztbesuch
In der ersten Woche einen Kennenlerntermin vereinbaren:
- Allgemeine Gesundheitskontrolle
- Impfplan besprechen und starten
- Entwurmung planen
- Kastrationstermin vorplanen
- Kitten positiv mit der Praxis verknüpfen (Leckerlis!)
Spielen und Beschäftigung
Kitten haben einen enormen Spieltrieb und brauchen tägliche Spieleinheiten:
- Mehrmals täglich 10 bis 15 Minuten aktives Spielen mit Federangel, Laserpointer (immer mit greifbarem Abschluss!) oder raschelnden Spielzeugen
- Intelligenzspielzeug und Fummelbretter für die geistige Auslastung
- Klettermöglichkeiten: Kratzbaum, Wandbretter, erhöhte Liegeplätze
- Keine Hände und Füße als Spielzeug! Sonst lernt das Kitten, in Hände zu beißen – und das wird bei einer erwachsenen Katze schmerzhaft
Schlafbedürfnis respektieren
Kitten schlafen bis zu 20 Stunden am Tag. Respektiere die Schlafphasen:
- Wecke das Kitten nicht zum Spielen auf
- Richte mehrere ruhige Schlafplätze ein
- Kinder sollten lernen, ein schlafendes Kitten in Ruhe zu lassen
Kitten und andere Haustiere
Zweite Katze
Wenn du bereits eine Katze hast, geht die Einführung langsam:
- Geruchsaustausch: Tausche Decken zwischen den Tieren aus
- Getrennte Räume: Das Kitten bleibt zunächst im Basiszimmer
- Gegenseitiges Beschnuppern unter der Tür
- Erstes Treffen unter Aufsicht: Kurz und kontrolliert
- Rückzugsmöglichkeiten für beide Tiere sicherstellen
- Getrennte Ressourcen: Eigene Toiletten, Näpfe und Schlafplätze
Geduld ist der Schlüssel – manche Katzen brauchen Wochen, bis sie den Neuankömmling akzeptieren. Lies auch unseren Ratgeber zu Stress bei Katzen.
Hund und Kitten
- Hund an der Leine halten beim ersten Treffen
- Dem Kitten Fluchtwege und erhöhte Rückzugsorte bieten
- Nie unbeaufsichtigt lassen, bis du sicher bist, dass beide sich verstehen
- Positive Verknüpfung: Beide Tiere beim Zusammensein mit Leckerlis belohnen
Typische Herausforderungen
„Das Kitten versteckt sich nur"
Manche Kitten sind schüchtern und brauchen mehr Zeit. Gib ihnen die Ruhe, die sie brauchen. Setze dich ruhig in den Raum, lies ein Buch und lass das Kitten in seinem Tempo Vertrauen fassen. Das kann Stunden oder auch Tage dauern.
„Das Kitten kratzt an Möbeln"
Biete attraktive Kratzmöglichkeiten an (Kratzbaum, Kratzbretter, Sisalmatten) und lenke das Kitten dort hin. Sprühe Katzenminze auf die Kratzstellen, um sie interessanter zu machen.
„Das Kitten beißt und kratzt beim Spielen"
Spiele nie mit bloßen Händen! Lenke die Jagdlust immer auf Spielzeug um. Wenn das Kitten in deine Hand beißt, sage kurz „Au!", ziehe die Hand weg und beende das Spiel für 1 bis 2 Minuten.
„Das Kitten hat Durchfall"
Leichter Durchfall in den ersten Tagen ist häufig – Umzugsstress und neue Eindrücke belasten den Magen-Darm-Trakt. Füttere das gewohnte Futter und beobachte. Bei anhaltendem Durchfall, Blut im Stuhl oder wenn das Kitten nicht frisst und apathisch wirkt, sofort zum Tierarzt.
Zusammenfassung
Die Eingewöhnung eines Kittens erfordert Geduld, Ruhe und eine gute Vorbereitung. Richte ein Basiszimmer ein, lass dein Kitten in seinem Tempo ankommen und eröffne die Wohnung schrittweise. Nutze die Sozialisierungsphase für positive Erfahrungen und baue eine vertrauensvolle Beziehung auf. Die ersten Wochen mögen manchmal chaotisch sein – zwischen Kratzbaum-Stunts, umgeworfenen Wassernäpfen und nächtlichen Spielattacken. Aber genau das macht die Kittenzeit so unvergleichlich schön. Genieße jeden Moment, denn auch Kitten werden schneller groß, als man denkt.