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katze-pflege18.2.2026

Katze Krallen schneiden – Anleitung und Tipps

Katze Krallen schneiden – Wann, warum und wie

Im Gegensatz zu Hunden, deren Krallen regelmäßig gekürzt werden müssen, schaffen es die meisten Katzen, ihre Krallen selbst in Form zu halten. Durch Kratzen an Kratzbäumen, Baumrinde oder anderen Oberflächen wetzen sie die äußere, abgestorbene Krallenhülle ab und halten die Krallen scharf und auf natürlicher Länge. Doch es gibt Situationen, in denen du als Katzenbesitzer nachhelfen musst. In diesem Ratgeber erfährst du, wann Krallenschneiden bei Katzen nötig ist, wie du es richtig machst und was du bei Problemen tun kannst.

Wann müssen Katzenkrallen geschnitten werden?

Anzeichen für zu lange Krallen

  • Klackern auf glattem Boden: Wenn du die Krallen auf Fliesen oder Parkett hörst, sind sie zu lang. Normalerweise sind die Krallen einer Katze beim Laufen eingezogen.
  • Krallen bleiben hängen: Deine Katze bleibt regelmäßig an Teppichen, Decken oder Kleidung hängen.
  • Einrollen der Krallen: Bei stark vernachlässigten Krallen wachsen sie im Bogen und können sich in die Pfotenballen einrollen. Das ist extrem schmerzhaft und kann zu Infektionen führen.
  • Sichtbare Länge: Wenn die Krallen in Ruheposition über die Pfotenballen hinausragen, sind sie definitiv zu lang.
  • Verändertes Laufverhalten: Deine Katze läuft vorsichtiger oder anders als gewöhnlich.

Risikogruppen für zu lange Krallen

Nicht jede Katze braucht Hilfe beim Krallenkürzen. Besonders betroffen sind:

Wohnungskatzen: Ohne Zugang zu Baumrinde und natürlichem Untergrund nutzen sich die Krallen weniger ab. Auch wenn ein Kratzbaum vorhanden ist, reicht das manchmal nicht aus.

Ältere Katzen: Mit zunehmendem Alter kratzen Katzen weniger aktiv, die Krallen werden dicker und brüchiger und nutzen sich langsamer ab. Bei Seniorkätzchen solltest du die Krallen alle zwei bis drei Wochen kontrollieren.

Kranke oder übergewichtige Katzen: Katzen, die sich wenig bewegen – sei es durch Krankheit, Übergewicht oder Gelenkprobleme – nutzen ihre Krallen kaum ab.

Daumenkrallen (Afterkrallen): Die Krallen an den Daumenzehen der Vorderpfoten haben keinen Bodenkontakt und nutzen sich nie natürlich ab. Sie müssen bei allen Katzen regelmäßig kontrolliert werden, da sie sich besonders leicht einrollen.

Die Anatomie der Katzenkralle

Bevor du zur Krallenschere greifst, musst du die Anatomie der Katzenkralle verstehen. Das ist der wichtigste Punkt, um Verletzungen zu vermeiden.

Der Aufbau

Die Katzenkralle besteht aus zwei Bereichen:

  • Hornhülle: Der äußere, abgestorbene Teil der Kralle. Dieser Bereich hat keine Nerven und keine Blutgefäße. Hier darfst du schneiden – es tut der Katze nicht weh.
  • Leben (Krallenbett/Quick): Der innere Teil der Kralle, der Blutgefäße und Nerven enthält. Dieser Bereich ist bei hellen Krallen als rosafarbener Kern sichtbar. Bei dunklen Krallen ist er schwerer zu erkennen.

Wie erkenne ich das Leben?

Bei hellen, transparenten Krallen: Halte die Kralle gegen das Licht. Du siehst den rosafarbenen Bereich deutlich – das ist das Leben. Schneide mindestens zwei Millimeter davor.

Bei dunklen Krallen: Schneide lieber weniger ab und arbeite dich in kleinen Schritten vor. Im Zweifelsfall lieber zu wenig als zu viel abschneiden.

Welches Werkzeug ist das richtige?

Krallenschere (Guillotine-Typ)

Eine Schere mit einem Loch, durch das die Kralle gesteckt wird, und einer Klinge, die von einer Seite durchschneidet. Vorteil: Sehr präziser Schnitt. Nachteil: Die Kralle muss exakt platziert werden, was bei unruhigen Katzen schwierig sein kann.

Krallenzange (Zangentyp)

Eine zangenartige Schere mit zwei Klingen, die von beiden Seiten schneiden. Vorteil: Einfacher in der Handhabung, schnelleres Arbeiten. Nachteil: Bei sehr dicken Krallen (ältere Katzen) kann die Kralle splittern, wenn die Zange nicht scharf genug ist.

Nagelknipser (menschlicher)

Für Kätzchen und sehr dünne Krallen kann ein normaler menschlicher Nagelknipser funktionieren. Für ausgewachsene Katzen sind spezielle Krallenscheren besser geeignet.

Krallenschleifer (elektrisch)

Ein kleines, rotierendes Schleifgerät, das die Kralle statt zu schneiden abschleift. Vorteil: Sehr kontrolliert, kaum Verletzungsgefahr. Nachteil: Das Geräusch und die Vibration werden von vielen Katzen nicht toleriert.

Worauf beim Kauf achten?

  • Scharfe Klingen (stumpfe Scheren quetschen statt zu schneiden und können die Kralle splittern lassen)
  • Passende Größe für Katzen (nicht die große Hundekrallenschere verwenden)
  • Rutschfeste Griffe
  • Sicherheitsstopper (manche Zangen haben einen Anschlag, der verhindert, dass man zu viel abschneidet)

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Vorbereitung

  1. Wähle einen ruhigen Zeitpunkt – am besten, wenn deine Katze schläfrig oder entspannt ist (nach dem Fressen, nach einer Spielsession).
  2. Setze dich bequem hin und nimm die Katze auf den Schoß oder lege sie neben dich.
  3. Halte die Krallenschere und ein Leckerli griffbereit.
  4. Stelle sicher, dass du gutes Licht hast, um das Leben in der Kralle zu sehen.
  5. Habe für den Notfall Blutstillpulver (Eisen-III-Chlorid) oder Maisstärke bereit.

Durchführung

  1. Pfote nehmen: Halte die Pfote sanft, aber sicher. Drücke leicht auf das Zehenglied (Ballen oben und unten zusammendrücken), um die Kralle auszufahren.
  2. Kralle begutachten: Identifiziere das Leben (rosafarbener Bereich) und bestimme die Schnittlinie – mindestens zwei Millimeter vor dem Leben.
  3. Schnitt setzen: Schneide die Krallenspitze in einem Winkel von etwa 45 Grad ab. Der Schnitt sollte sauber und glatt sein.
  4. Belohnen: Nach jeder Kralle (oder jeder Pfote) ein Leckerli geben und loben.
  5. Alle Krallen kontrollieren: Vergiss die Daumenkrallen an den Vorderpfoten nicht! Katzen haben an den Vorderpfoten fünf Krallen (inklusive Daumenkralle) und an den Hinterpfoten vier.

Was tun, wenn es blutet?

Wenn du versehentlich das Leben anschneidest, wird die Kralle bluten. Das sieht dramatischer aus als es ist, aber du solltest die Blutung schnell stoppen:

  1. Ruhe bewahren – deine Katze spürt deine Aufregung.
  2. Blutstillpulver oder Maisstärke auf die blutende Stelle drücken und einige Sekunden halten.
  3. Die Blutung stoppt in der Regel innerhalb weniger Minuten.
  4. Wenn die Blutung nach zehn Minuten nicht aufhört, kontaktiere deinen Tierarzt.
  5. Beende die Krallenpflege für heute – deine Katze (und du) brauchen jetzt eine Pause.

Die Katze an das Krallenschneiden gewöhnen

Die meisten Katzen sind zunächst nicht begeistert vom Krallenschneiden. Mit der richtigen Gewöhnung kannst du das Prozedere aber zu einer stressarmen Routine machen.

Desensibilisierung in Schritten

Woche 1-2: Berühre regelmäßig die Pfoten deiner Katze – beim Kuscheln, beim Streicheln, beim Spielen. Belohne jede tolerierte Berührung mit einem Leckerli.

Woche 3-4: Nimm die Pfote sanft in die Hand und drücke die Krallen aus. Nur kurz halten, dann loslassen und belohnen.

Woche 5-6: Führe die Krallenschere an die Pfote, ohne zu schneiden. Lass die Katze das Werkzeug beschnuppern. Das Klickgeräusch der Schere üben (an einer trockenen Nudel klicken, während die Katze in der Nähe ist).

Woche 7+: Erste Kralle schneiden, belohnen, aufhören. Am nächsten Tag die nächste Kralle. Langsam steigern.

Tipps für schwierige Katzen

  • Zwei-Personen-Technik: Eine Person hält die Katze sanft, die andere schneidet. Die haltende Person kann die Katze mit Leckerlis ablenken.
  • Schlafende Katze nutzen: Manche Besitzer schneiden die Krallen, während die Katze tief schläft. Das funktioniert bei ruhigen Katzen erstaunlich gut.
  • Handtuch-Methode (Burrito): Wickle die Katze locker in ein Handtuch, sodass nur eine Pfote herausschaut. Das gibt vielen Katzen ein Gefühl von Sicherheit.
  • Auf mehrere Sitzungen aufteilen: Du musst nicht alle Krallen auf einmal schneiden. Eine Pfote pro Tag ist völlig in Ordnung.
  • Feliway oder Baldrian: Ein Feliway-Spray auf die Decke oder etwas Baldrian kann beruhigend wirken.

Wie oft Krallen schneiden?

  • Wohnungskatzen: Alle zwei bis vier Wochen kontrollieren und bei Bedarf kürzen
  • Freigänger: Selten bis nie nötig, aber regelmäßig kontrollieren (besonders die Daumenkrallen)
  • Senioren: Alle zwei bis drei Wochen, da die Krallen schneller wachsen und sich weniger abnutzen
  • Daumenkrallen: Bei allen Katzen alle drei bis vier Wochen kontrollieren

Häufige Fehler

  • Zu viel abschneiden: Lieber öfter wenig abschneiden als einmal zu viel
  • Stumpfe Schere verwenden: Quetscht die Kralle und kann Splitterung verursachen
  • Katze zwingen: Führt zu Angst und Aggression – lieber die Sitzung abbrechen und beim nächsten Mal weitermachen
  • Hinterkrallen vergessen: Auch die Hinterkrallen müssen kontrolliert werden, auch wenn sie langsamer wachsen
  • Daumenkrallen übersehen: Die häufigste eingewachsene Kralle bei Katzen

Wann zum Tierarzt?

  • Eingewachsene Krallen (in den Ballen eingerollt)
  • Gebrochene oder abgerissene Krallen
  • Entzündung des Krallenbetts
  • Starke Veränderungen der Krallenstruktur (brüchig, verfärbt, verdickt)
  • Wenn du selbst unsicher bist – lass dir die Technik beim Tierarzt einmal zeigen

Zusammenfassung

Krallenschneiden bei Katzen ist nicht immer nötig, aber manchmal unverzichtbar – besonders bei Wohnungskatzen, Senioren und kranken Tieren. Lerne die Anatomie der Kralle kennen, verwende scharfes Werkzeug und arbeite ruhig und geduldig. Gewöhne deine Katze langsam an das Prozedere und mache es zu einem positiven Erlebnis mit Belohnungen. Im Zweifelsfall lass dir die Technik von deinem Tierarzt zeigen. Regelmäßige Kontrollen – alle zwei bis vier Wochen – stellen sicher, dass die Krallen deiner Katze immer in gutem Zustand sind und schmerzhafte Probleme wie eingewachsene Krallen gar nicht erst entstehen.