Zurück zum Ratgeber
😾
Katze – Gesundheit18.2.2026

Katze frisst nicht – Ursachen und was du tun kannst

Warum frisst meine Katze nicht?

Wenn eine Katze plötzlich nicht mehr frisst, ist das immer ein Grund zur Aufmerksamkeit. Katzen sind zwar bekannt dafür, bei Futter wählerisch zu sein, aber eine echte Appetitlosigkeit – medizinisch Anorexie oder Inappetenz genannt – kann ein Warnsignal für gesundheitliche Probleme sein. Besonders wichtig: Katzen dürfen nicht länger als 24-48 Stunden komplett fasten, da sonst die Gefahr einer lebensbedrohlichen Fettleber (hepatische Lipidose) besteht.

Wie lange darf eine Katze nicht fressen?

DauerEinschätzung
Bis 12 StundenMeist harmlos – beobachten
12-24 StundenAufmerksamkeit geboten, Ursache suchen
24-48 StundenTierarztbesuch empfohlen
Über 48 StundenDringend zum Tierarzt! Gefahr der Fettleber

Besonders gefährdet sind übergewichtige Katzen: Bei ihnen kann die hepatische Lipidose schon nach 2-3 Tagen Nahrungsverweigerung einsetzen.

Häufige Ursachen – warum Katzen das Fressen verweigern

Gesundheitliche Ursachen

Zahnprobleme (sehr häufig!):

  • FORL (Feline odontoklastische resorptive Läsionen) – schmerzhafte Zahndefekte, die bei über 50 % aller Katzen ab dem 5. Lebensjahr auftreten
  • Zahnstein und Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
  • Gebrochene Zähne
  • Stomatitis (schwere Entzündung der Mundschleimhaut)
  • Die Katze zeigt Interesse am Futter, dreht dann aber weg oder frisst nur zögerlich

Erkrankungen der inneren Organe:

  • Chronische Niereninsuffizienz (CNI): Häufigste Ursache bei älteren Katzen – Übelkeit durch Urämie
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Paradoxerweise kann trotz gesteigertem Appetit in manchen Fällen auch Appetitlosigkeit auftreten
  • Diabetes mellitus: Wechselnder Appetit, vermehrtes Trinken und Urinieren
  • Lebererkrankungen: Beeinträchtigen den Stoffwechsel und verursachen Übelkeit
  • Pankreatitis: Entzündung der Bauchspeicheldrüse – oft schleichend und schwer zu erkennen

Magen-Darm-Probleme:

  • Erbrechen und Übelkeit
  • Durchfall und Bauchschmerzen
  • Fremdkörper: Verschluckte Fäden, Haargummis oder Spielzeug
  • Entzündliche Darmerkrankung (IBD)
  • Verstopfung: Besonders bei älteren und wenig aktiven Katzen

Infektionen:

  • Katzenschnupfen: Katzen, die nicht riechen können, fressen nicht
  • Katzenseuche (Panleukopenie): Schwere Viruserkrankung mit Appetitlosigkeit
  • FIV oder FeLV: Immunschwäche-Erkrankungen

Schmerzen:

  • Katzen, die Schmerzen haben, fressen oft weniger
  • Besonders bei Gelenkproblemen, Harnwegsinfektionen oder nach Verletzungen
  • Katzen verbergen Schmerzen sehr gut – Appetitlosigkeit kann das einzige Zeichen sein

Psychische und umweltbedingte Ursachen

Stress:

  • Umzug oder Veränderung der Wohnungssituation
  • Neues Tier im Haushalt
  • Neues Familienmitglied
  • Besuch oder laute Geräusche
  • Veränderung des Tagesablaufs
  • Abwesenheit der Bezugsperson

Futterumstellung:

  • Katzen sind Gewohnheitstiere – ein plötzlicher Futterwechsel wird oft abgelehnt
  • Manche Katzen fixieren sich auf bestimmte Geschmacksrichtungen oder Konsistenzen

Futternapf und Umgebung:

  • Schmutziger Napf (Katzen sind reinlich!)
  • Napf steht zu nah am Katzenklo
  • Futterplatz ist unruhig oder zugig
  • Plastiknapf kann den Geschmack verändern – besser Keramik oder Edelstahl
  • Futter zu kalt (direkt aus dem Kühlschrank)

Hitze:

  • Im Sommer fressen viele Katzen weniger – ähnlich wie Menschen bei Hitze
  • Kein Grund zur Sorge, solange die Katze sonst fit wirkt

Was du tun kannst

Futter attraktiver machen

  1. Futter leicht erwärmen: Auf Raumtemperatur oder lauwarm – das verstärkt den Geruch und die Katze kann es besser riechen
  2. Besonders schmackhaftes Futter anbieten:

- Thunfisch (in eigenem Saft, nicht in Öl – nur als kurzfristige Appetitanregung)

- Hühnerbrühe (ungewürzt, selbstgemacht)

- Baby-Fleischgläschen (nur Fleisch, ohne Gewürze oder Zwiebeln)

- Gekochtes Hühnchen in kleinen Stücken

  1. Verschiedene Konsistenzen testen: Manche Katzen bevorzugen Paté, andere Stückchen in Soße
  2. Kleine Mengen, häufig anbieten: 5-6 kleine Portionen pro Tag statt 2 große
  3. Vom Finger füttern: Manche Katzen lassen sich so zum Fressen motivieren
  4. Futter verteilen: Auf einem flachen Teller ausbreiten statt im tiefen Napf – manche Katzen mögen es nicht, wenn die Schnurrhaare am Napfrand anstoßen (Whisker Stress)

Umgebung optimieren

  • Sauberer Napf bei jeder Mahlzeit
  • Ruhiger Futterplatz – weg vom Katzenklo und von Durchgangswegen
  • Keramik- oder Edelstahlnapf statt Plastik
  • Stress reduzieren: Bei Veränderungen Feliway-Verdampfer einsetzen
  • Bei mehreren Katzen: Getrennte Futterstellen – manche Katzen fressen nicht, wenn eine dominante Katze in der Nähe ist

Hausmittel

  • Hühnerbrühe: Selbst kochen (Hühnerknochen mit Wasser auskochen, kein Salz, keine Gewürze), lauwarm anbieten – sehr appetitanregend
  • Thunfischsaft: Den Saft von einer Dose Thunfisch über das normale Futter geben
  • Bierhefe: Eine Prise Bierhefe über das Futter – manche Katzen lieben den Geschmack
  • Katzengras: Frisches Katzengras kann den Appetit anregen

🚨 Wann zum Tierarzt?

Geh zum Tierarzt, wenn:

  • Die Katze länger als 24 Stunden nichts frisst
  • Die Katze übergewichtig ist und nicht frisst (erhöhtes Fettleber-Risiko!)
  • Zusätzliche Symptome auftreten: Erbrechen, Durchfall, Lethargie, vermehrtes Trinken
  • Die Katze Mundgeruch hat oder beim Fressen kaut und wieder ausspuckt (Zahnproblem!)
  • Die Katze Gewicht verliert
  • Die Katze apathisch wirkt und sich versteckt
  • Es sich um ein Kitten handelt (kleiner Körper, schnelle Dehydrierung)
  • Du keine offensichtliche Ursache findest

Was macht der Tierarzt?

  • Allgemeinuntersuchung: Zähne, Mundschleimhaut, Bauch abtasten, Lymphknoten, Temperatur
  • Blutuntersuchung: Nierenwerte, Leberwerte, Schilddrüse, Blutzucker, Entzündungswerte
  • Urinuntersuchung: Nierenfunktion, Diabetes
  • Ultraschall/Röntgen: Bei Verdacht auf Fremdkörper, Tumoren oder Organveränderungen
  • Zahnuntersuchung unter Narkose: Bei Verdacht auf FORL oder andere Zahnprobleme

Hepatische Lipidose – die Gefahr des Nichtfressens

Die hepatische Lipidose (Fettleber) ist eine potenziell tödliche Erkrankung, die entsteht, wenn eine Katze – besonders eine übergewichtige – zu lange nichts frisst. Der Körper mobilisiert Fettreserven als Energiequelle, aber die Katzenleber kann diese Fettmengen nicht verarbeiten. Das Fett lagert sich in den Leberzellen ein und die Leber versagt.

Symptome:

  • Gelbfärbung der Ohren, Augen und Schleimhäute (Ikterus/Gelbsucht)
  • Starke Apathie
  • Erbrechen
  • Gewichtsverlust

Behandlung: Intensive tierärztliche Behandlung mit Infusionen und einer Ernährungssonde. Bei rechtzeitiger Therapie ist die Prognose gut, aber die Behandlung dauert oft Wochen.

Zusammenfassung

Wenn deine Katze nicht frisst, solltest du die Ursache ernst nehmen und aktiv werden. Prüfe zuerst einfache Faktoren wie Futtertemperatur, Napfsauberkeit und Stressquellen. Mach das Futter attraktiver, indem du es erwärmst oder besonders schmackhafte Alternativen anbietest. Wenn die Katze länger als 24 Stunden nichts frisst oder zusätzliche Symptome zeigt, geh unbedingt zum Tierarzt. Denke daran: Katzen dürfen nicht lange fasten – die Gefahr einer Fettleber ist real und ernst.