Fellpflege bei Katzen – Alles, was du wissen musst
Katzen gelten als Selbstversorger in Sachen Fellpflege – und tatsächlich verbringen sie einen beträchtlichen Teil ihres Tages damit, sich zu putzen. Bis zu vier Stunden täglich widmen sich manche Katzen ihrer Körperpflege. Doch die Selbstreinigung hat ihre Grenzen, besonders bei Langhaarkatzen, älteren oder übergewichtigen Tieren. Regelmäßige Unterstützung durch den Menschen ist nicht nur hilfreich, sondern kann auch gesundheitlichen Problemen vorbeugen. In diesem Ratgeber erfährst du alles über die richtige Fellpflege für Katzen mit kurzem und langem Fell.
Warum ist Fellpflege bei Katzen wichtig?
Haarballen vermeiden
Katzen nehmen beim Putzen mit ihrer rauen Zunge große Mengen loser Haare auf und verschlucken sie. Im Magen bilden sich daraus Haarballen (Bezoare), die normalerweise ausgewürgt oder über den Darm ausgeschieden werden. Bei starkem Haarverlust oder mangelnder Pflege können sich jedoch so große Haarballen bilden, dass sie den Magen-Darm-Trakt verstopfen – im schlimmsten Fall ist eine Operation nötig.
Regelmäßiges Bürsten entfernt lose Haare, bevor deine Katze sie verschlucken kann, und reduziert das Haarballenrisiko erheblich.
Verfilzungen verhindern
Besonders bei Langhaarkatzen wie der Perserkatze, der Norwegischen Waldkatze oder der Maine Coon bilden sich ohne regelmäßige Pflege schnell Verfilzungen. Filzplatten ziehen an der Haut, verursachen Schmerzen und bieten ein ideales Klima für Bakterien, Pilze und Parasiten.
Hautgesundheit fördern
Bürsten massiert die Haut, fördert die Durchblutung und verteilt die natürlichen Hautöle im Fell. Das Ergebnis: Ein glänzendes, gesundes Fell und eine gepflegte Haut. Gleichzeitig hast du beim Bürsten die Gelegenheit, Hautveränderungen, Parasiten wie Flöhe oder Ohrmilben frühzeitig zu entdecken.
Bindung stärken
Viele Katzen genießen das Bürsten als Streicheleinheit. Es ist eine gemeinsame Aktivität, die Vertrauen aufbaut und die Bindung zwischen dir und deiner Katze stärkt.
Felltypen bei Katzen
Kurzhaar
Beispielrassen: Europäisch Kurzhaar, Britisch Kurzhaar (BKH), Siamkatze, Abessinier, Russisch Blau
Kurzhaarkatzen haben ein pflegeleichtes Fell, das in der Regel ein bis zwei Zentimeter lang ist. Trotzdem haaren sie – manche Rassen wie die BKH sogar ziemlich stark, weil sie eine dichte Unterwolle besitzen.
Pflegeaufwand: Gering bis mittel – einmal pro Woche bürsten reicht in der Regel aus. Während des Fellwechsels im Frühling und Herbst solltest du häufiger bürsten.
Halblanghaar
Beispielrassen: Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Ragdoll, Sibirische Katze, Türkisch Angora
Halblanghaarkatzen haben Fell von mittlerer Länge (fünf bis zehn Zentimeter) mit mehr oder weniger dichter Unterwolle. Der Pflegeaufwand variiert stark je nach Fellstruktur.
Pflegeaufwand: Mittel – zwei- bis dreimal pro Woche bürsten. Besondere Aufmerksamkeit für Problemzonen wie Bauch, Achseln und hinter den Ohren.
Langhaar
Beispielrassen: Perserkatze, Himalaya, Chinchilla
Langhaarkatzen haben Fell von zehn Zentimetern Länge und mehr, oft mit einer extrem dichten Unterwolle. Ohne tägliche Pflege verfilzt das Fell innerhalb weniger Tage.
Pflegeaufwand: Hoch – tägliches Bürsten ist Pflicht. Viele Perserkatzenbesitzer lassen ihr Tier regelmäßig professionell pflegen oder scheren das Fell im Sommer auf eine handliche Länge.
Lockiges Fell
Beispielrassen: Devon Rex, Cornish Rex, Selkirk Rex
Rexkatzen haben lockiges oder gewelltes Fell, das besonders fein und empfindlich ist. Es verfilzt kaum, bricht aber leicht.
Pflegeaufwand: Gering – sanftes Bürsten mit einer weichen Bürste ein- bis zweimal pro Woche. Zu starkes Bürsten kann das Fell beschädigen.
Haarlos
Beispielrassen: Sphynx, Don Sphynx, Peterbald
Haarlose Katzen brauchen keine Fellpflege im eigentlichen Sinne, dafür aber intensive Hautpflege. Ohne Fell sammelt sich der natürliche Talg auf der Haut und muss regelmäßig abgewischt oder abgebadet werden.
Die richtigen Bürsten und Werkzeuge
Metallkamm
Ein metallener Kamm mit abwechselnd engen und weiten Zinken ist das vielseitigste Pflegeutensil. Er eignet sich für alle Felltypen und ist besonders nützlich, um Verfilzungen aufzuspüren – wo der Kamm hängen bleibt, sitzt ein Knoten.
Slicker Brush (Zupfbürste)
Eine Bürste mit feinen, leicht gebogenen Metallstiften auf einem gepolsterten Kopf. Ideal für:
- Entfernen loser Unterwolle
- Lösen leichter Verfilzungen
- Glätten von mittel- und langem Fell
Achte darauf, nicht zu fest aufzudrücken, um die empfindliche Katzenhaut nicht zu verletzen.
Gumminoppenbürste
Eine sanfte Bürste mit Gumminoppen, die lose Haare aufnimmt und gleichzeitig die Haut massiert. Perfekt für:
- Kurzhaarkatzen
- Empfindliche Katzen, die andere Bürsten nicht mögen
- Die erste Gewöhnung an die Fellpflege
Entfilzungskamm
Ein spezieller Kamm mit rotierenden oder klingenartigen Zinken, der Verfilzungen aufschneidet, ohne das umliegende Fell zu beschädigen. Für Langhaarkatzen unverzichtbar.
Furminator / Deshedding-Tool
Ein populäres Werkzeug zur Entfernung loser Unterwolle. Bei Katzen mit dichter Unterwolle (BKH, Maine Coon) sehr effektiv, aber mit Vorsicht anzuwenden – zu häufiger Einsatz kann das Deckhaar beschädigen. Maximal einmal pro Woche verwenden.
Weiche Naturborstenbürste
Zum Abschluss der Pflege verteilt eine weiche Bürste die natürlichen Öle im Fell und sorgt für Glanz. Besonders geeignet für Kurzhaarkatzen.
Die richtige Bürstentechnik
Grundregeln
- Immer in Wuchsrichtung bürsten – gegen den Strich ist für die meisten Katzen unangenehm und kann das Fell beschädigen.
- Sanft beginnen – starte mit leichtem Druck und steigere nur bei Bedarf.
- Schichtweise arbeiten – besonders bei Langhaarkatzen: erst das Deckhaar, dann vorsichtig die tieferen Schichten.
- Problemzonen nicht vergessen – hinter den Ohren, unter den Achseln, am Bauch, zwischen den Hinterbeinen und am Schwanzansatz bilden sich am häufigsten Verfilzungen.
- Kurze Einheiten – lieber fünf Minuten täglich als eine Stunde einmal im Monat. Die meisten Katzen verlieren nach 10 bis 15 Minuten die Geduld.
Kurzhaarkatzen bürsten
- Mit einer Gumminoppenbürste oder einem Pflegehandschuh über den ganzen Körper streichen
- Mit einem Metallkamm durch das Fell fahren, um verbliebene lose Haare zu entfernen
- Optional: Mit einer Naturborstenbürste für Glanz sorgen
- Dauer: 5 bis 10 Minuten, einmal pro Woche
Langhaarkatzen bürsten
- Mit einem groben Kamm das Fell vorsichtig entwirren, von den Spitzen zur Basis arbeitend
- Mit einer Slicker Brush lose Unterwolle entfernen, besonders an Bauch, Achseln und Hinterbeinen
- Problemzonen mit dem Entfilzungskamm bearbeiten
- Mit einem feinen Kamm nacharbeiten
- Optional: Entfilzungsspray verwenden, wenn das Fell besonders verknotet ist
- Dauer: 15 bis 20 Minuten, mindestens jeden zweiten Tag
Verfilzungen: Erkennen und behandeln
Leichte Verfilzungen
Kleine Knoten, die sich mit den Fingern oder einem groben Kamm lösen lassen. Halte das Fell oberhalb des Knotens fest, damit du nicht an der Haut ziehst, und arbeite den Knoten vorsichtig von den Spitzen zur Basis auf.
Mittlere Verfilzungen
Festere Knoten, die mit dem Kamm allein nicht mehr zu lösen sind. Verwende einen Entfilzungskamm oder Entfilzungsspray. Schneide den Knoten notfalls mit einer Entfilzungsschere vorsichtig auf (längs, nicht quer!).
Schwere Verfilzungen (Filzplatten)
Große, flächige Verfilzungen, die direkt auf der Haut aufliegen. Diese sind schmerzhaft für die Katze und müssen professionell entfernt werden – bitte nicht selbst herumschneiden, da die Haut unter Filzplatten extrem dünn und verletzlich ist. Ein Tierarzt oder professioneller Katzenfriseur kann die Filzplatten sicher mit einer Schermaschine entfernen.
Den Fellwechsel unterstützen
Zweimal im Jahr, im Frühling und Herbst, wechseln Katzen ihr Fell. In dieser Zeit haaren sie besonders stark und brauchen intensivere Pflege.
So unterstützt du den Fellwechsel:
- Häufiger bürsten: Während des Fellwechsels täglich bürsten, auch bei Kurzhaarkatzen
- Malzpaste: Spezielle Malzpaste hilft, verschluckte Haare durch den Darm zu transportieren und beugt Haarballen vor
- Katzengras: Biete deiner Katze Katzengras an – es hilft beim Auswürgen von Haarballen
- Ernährung: Hochwertiges Futter mit Omega-3-Fettsäuren unterstützt ein gesundes Fell. Lachsöl kann als Ergänzung ins Futter gegeben werden
- Flüssigkeit: Ausreichend Trinken unterstützt den Hautstoffwechsel
Wann zum Tierarzt?
Veränderungen im Fell können auf gesundheitliche Probleme hinweisen. Suche deinen Tierarzt auf, wenn:
- Deine Katze plötzlich deutlich mehr haart als sonst
- Kahle Stellen im Fell auftreten
- Das Fell stumpf, struppig oder fettig wirkt
- Deine Katze sich übermäßig putzt und dabei Fell ausreißt
- Rötungen, Schuppen, Krusten oder Wunden auf der Haut sichtbar sind
- Deine Katze sich auffällig häufig kratzt
- Parasiten (Flöhe, Milben) sichtbar sind
- Deine Katze Haarballen nicht mehr auswürgen kann und erbricht oder verstopft ist
Mögliche Ursachen für Fellprobleme sind unter anderem Nährstoffmangel, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, Allergien, Parasiten oder Stress.
Zusammenfassung
Fellpflege bei Katzen ist mehr als ein kosmetisches Ritual – sie ist ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit und zum Wohlbefinden deiner Katze. Passe die Pflege an den Felltyp deiner Katze an: Kurzhaarkatzen kommen mit wöchentlichem Bürsten aus, Langhaarkatzen brauchen tägliche Aufmerksamkeit. Investiere in die richtigen Werkzeuge, gewöhne deine Katze positiv an die Pflege und nutze die Bürstensitzung als Gesundheitscheck und Bonding-Zeit. So bleibt das Fell deiner Katze glänzend und gesund – und deine Möbel zumindest etwas weniger behaart.