Zurück zum Ratgeber
🧶
Katze – Gesundheit18.2.2026

Haarballen bei Katzen – Ursachen, Vorbeugung und Behandlung

Haarballen bei Katzen – lästig, aber meist harmlos

Fast jeder Katzenbesitzer kennt das Geräusch: Die Katze beginnt zu würgen, der Körper zieht sich rhythmisch zusammen, und schließlich landet ein länglicher, feuchter Klumpen aus verfilztem Haar auf dem Boden – der berüchtigte Haarballen. Medizinisch werden diese Haargebilde als Trichobezoar bezeichnet. In den meisten Fällen sind Haarballen harmlos und gehören zum normalen Katzenleben dazu. Problematisch wird es, wenn sie zu häufig auftreten oder den Magen-Darm-Trakt blockieren.

Wie entstehen Haarballen?

Katzen sind extrem reinliche Tiere und verbringen einen großen Teil des Tages mit der Fellpflege. Die Katzenzunge ist dabei ihr wichtigstes Werkzeug – sie ist mit kleinen, nach hinten gerichteten Widerhaken (Papillen) besetzt, die wie ein Kamm durch das Fell gleiten und lose Haare, Schmutz und Verfilzungen entfernen.

Das Problem: Die Widerhaken auf der Zunge sind so ausgerichtet, dass die Haare nur in Richtung Rachen transportiert werden können. Die Katze kann sie nicht ausspucken und schluckt sie unweigerlich herunter. Normalerweise passieren die Haare den Magen-Darm-Trakt und werden mit dem Kot ausgeschieden. Wenn sich jedoch zu viele Haare im Magen ansammeln, verfilzen sie zu einem Klumpen – dem Haarballen – der dann erbrochen wird.

Warum manche Katzen mehr Haarballen haben

  • Langhaarkatzen: Perser, Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Ragdoll und andere Langhaarrassen verschlucken deutlich mehr Haare
  • Fellwechsel: Im Frühjahr und Herbst verlieren Katzen besonders viel Fell
  • Wohnungskatzen: Heizungsluft und künstliche Beleuchtung können den natürlichen Fellzyklus stören
  • Ältere Katzen: Intensivere Fellpflege und langsamere Verdauung
  • Übermäßiges Putzen: Stress, Langeweile oder Hauterkrankungen können zu exzessiver Fellpflege führen

Wie sehen Haarballen aus?

Obwohl man sich unter einem „Haarballen" eine runde Kugel vorstellt, sehen die meisten Haarballen eher länglich und zylindrisch aus – ähnlich einer kleinen Zigarre. Das liegt daran, dass der Haarballen beim Hochwürgen die Form der Speiseröhre annimmt. Typischerweise:

  • 2-5 cm lang, manchmal auch größer
  • Dunkelbraun bis schwarz (durch Magensäure)
  • Von Schleim und Magensaft umgeben
  • Kompakte, feste Konsistenz

Symptome – woran du Haarballen-Probleme erkennst

Normaler Haarballabgang

  • Gelegentliches Würgen (ein paar Mal pro Monat)
  • Der Haarballen kommt erfolgreich heraus
  • Die Katze ist danach munter und frisst normal
  • Keine weiteren Symptome

Warnsignale für ein Haarballen-Problem

  • Häufiges, erfolgloses Würgen: Die Katze würgt wiederholt, ohne dass etwas herauskommt
  • Appetitlosigkeit: Die Katze frisst weniger oder gar nicht
  • Verstopfung oder Durchfall: Haare im Darm können die Passage stören
  • Aufgeblähter Bauch: Kann auf eine Ansammlung im Magen oder Darm hindeuten
  • Lethargie: Die Katze ist ungewöhnlich ruhig und zieht sich zurück
  • Veränderte Kotqualität: Haare im Kot, trockener oder dünner Stuhl
  • Hustenähnliche Geräusche: Werden oft mit echtem Husten verwechselt

Darmverschluss – seltener Notfall!

In seltenen Fällen kann ein großer Haarballen den Magen-Darm-Trakt blockieren und zu einem lebensbedrohlichen Darmverschluss (Ileus) führen:

  • Anhaltende Appetitlosigkeit
  • Häufiges Erbrechen (auch ohne Haarballen)
  • Aufgeblähter, schmerzhafter Bauch
  • Kein Kotabsatz
  • Zunehmende Schwäche und Apathie

Ein Darmverschluss ist ein absoluter Notfall und erfordert sofortige tierärztliche Behandlung, oft eine Notoperation!

Behandlung

Hausmittel und Hilfsmittel

Malzpaste (Anti-Hairball-Paste):

  • Das bekannteste Mittel gegen Haarballen
  • Die ölige Paste „schmiert" die Haare im Magen und hilft ihnen, durch den Darm zu gleiten
  • 2-3 Mal pro Woche einen Streifen (ca. 3-5 cm) geben
  • Die meisten Katzen lecken die Paste gerne von der Pfote oder direkt aus der Tube
  • Bekannte Produkte: GimCat Malt-Soft, Beaphar Malt Paste

Katzengras:

  • Stimuliert den Brechreiz und hilft der Katze, Haarballen auszuwürgen
  • Besonders wichtig für Wohnungskatzen, die keinen Zugang zu Gras haben
  • Alternative: Zyperngras oder Weizenkeimgras

Öle:

  • Ein halber Teelöffel Lachsöl oder Leinöl täglich über das Futter
  • Unterstützt die Darmpassage und pflegt gleichzeitig das Fell
  • Nicht überdosieren – kann sonst Durchfall verursachen

Ballaststoffreiches Futter:

  • Ballaststoffe fördern die Darmmotilität und den Transport der Haare
  • Spezielle Anti-Hairball-Futtersorten enthalten erhöhte Ballaststoffanteile
  • Kürbispüree (ungewürzt, ohne Zucker): 1 Teelöffel täglich unter das Futter mischen

Tierärztliche Behandlung

Wenn Hausmittel nicht helfen oder sich ein Problem abzeichnet:

  • Abführmittel: Spezielle, katzenverträgliche Präparate auf tierärztliche Anweisung
  • Infusionstherapie: Bei Dehydration durch Erbrechen
  • Röntgen oder Ultraschall: Zur Darstellung eines möglichen Haarballen-Staus
  • Endoskopie: In manchen Fällen kann ein großer Haarballen endoskopisch entfernt werden
  • Operation: Bei Darmverschluss unvermeidlich

Vorbeugung – das Wichtigste!

Die beste Strategie gegen Haarballen ist Vorbeugung. Mit wenigen Maßnahmen kannst du die Haarballen-Last deiner Katze deutlich reduzieren:

1. Regelmäßiges Bürsten – die effektivste Maßnahme

  • Langhaarkatzen: Täglich bürsten – am besten mit einem Kamm und einer Unterwollbürste (Furminator)
  • Kurzhaarkatzen: 1-2 Mal pro Woche
  • Während des Fellwechsels: Häufiger bürsten
  • Tipp: Beginne mit dem Bürsten schon im Kittenalter, damit sich die Katze daran gewöhnt
  • Jedes Haar, das in der Bürste landet, kann nicht mehr verschluckt werden!

2. Spezialfutter

  • Anti-Hairball-Futter: Enthält erhöhte Ballaststoffanteile und pflanzliche Fasern, die die Darmpassage der Haare fördern
  • Hochwertiges Futter: Gute Ernährung = gesundes Fell = weniger Haarausfall
  • Nassfutter: Höherer Wassergehalt unterstützt die Verdauung

3. Malzpaste regelmäßig

  • 2-3 Mal pro Woche als Prophylaxe
  • Während des Fellwechsels täglich
  • Für Langhaarkatzen ganzjährig empfehlenswert

4. Ausreichend Flüssigkeit

  • Trinkbrunnen: Viele Katzen trinken mehr, wenn das Wasser fließt
  • Mehrere Wasserstellen in der Wohnung
  • Nassfutter statt oder ergänzend zu Trockenfutter
  • Gute Hydration unterstützt die Darmpassage

5. Stressreduktion

  • Übermäßiges Putzen kann ein Zeichen von Stress sein
  • Für ausreichend Beschäftigung und Rückzugsmöglichkeiten sorgen
  • Bei Übergewicht kann die Katze sich schlechter putzen und verschluckt mehr Haare

🚨 Wann zum Tierarzt?

  • Katze würgt häufig und erfolglos (mehrmals am Tag ohne Ergebnis)
  • Appetitlosigkeit über mehr als 24 Stunden
  • Kein Kotabsatz seit mehr als 48 Stunden
  • Aufgeblähter oder schmerzhafter Bauch
  • Blut im Erbrochenen oder Kot
  • Zunehmende Apathie und Schwäche
  • Gewichtsverlust durch chronische Haarballen-Probleme

Zusammenfassung

Haarballen gehören zum Katzenleben dazu und sind in den meisten Fällen harmlos. Mit regelmäßigem Bürsten, Malzpaste, gutem Futter und ausreichend Flüssigkeit kannst du die Häufigkeit deutlich reduzieren. Achte auf Warnsignale wie erfolgloses Würgen, Appetitlosigkeit oder einen aufgeblähten Bauch – in seltenen Fällen können Haarballen zu einem gefährlichen Darmverschluss führen. Besonders Langhaarkatzen profitieren von einer konsequenten Vorbeugung.