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Katze – Gesundheit18.2.2026

Diabetes bei Katzen – Symptome, Behandlung und Ernährung

Was ist Diabetes bei Katzen?

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Katzen. Bei Diabetes kann der Körper den Blutzucker (Glukose) nicht mehr richtig regulieren, weil die Bauchspeicheldrüse entweder zu wenig Insulin produziert oder die Körperzellen nicht mehr richtig auf Insulin ansprechen.

Typ-2-Diabetes – die häufigste Form bei Katzen

Anders als beim Hund (der fast immer Typ-1-Diabetes hat) leiden Katzen in 80–95 % der Fälle an Typ-2-Diabetes – sehr ähnlich zum menschlichen Typ-2:

  • Die Bauchspeicheldrüse produziert noch Insulin, aber die Körperzellen reagieren nicht mehr ausreichend darauf (Insulinresistenz)
  • Gleichzeitig erschöpft sich die Insulinproduktion mit der Zeit
  • Eng verknüpft mit Übergewicht, Bewegungsmangel und falscher Ernährung

Die gute Nachricht: Remission möglich!

Bei Katzen ist etwas möglich, das bei Hunden nicht vorkommt: Diabetes-Remission. Mit frühzeitiger, konsequenter Behandlung (Insulin + Ernährungsumstellung) können 30–90 % der Katzen wieder insulinunabhängig werden! Die Bauchspeicheldrüse erholt sich, und die Katze braucht kein Insulin mehr. Das macht eine schnelle Diagnose und Behandlung umso wichtiger.

Wie häufig ist Diabetes bei Katzen?

  • Etwa 0,5–2 % aller Katzen entwickeln Diabetes
  • Kater sind häufiger betroffen als Kätzinnen
  • Meist ältere Katzen (>7 Jahre)
  • Übergewichtige Katzen haben ein 4-fach erhöhtes Risiko

Risikofaktoren

  • Übergewicht – der wichtigste Risikofaktor!
  • Reine Wohnungshaltung – wenig Bewegung
  • Kohlenhydratreiches Futter – billiges Trockenfutter mit viel Getreide
  • Alter – meist ab 7–8 Jahren
  • Geschlecht – kastrierte Kater am häufigsten
  • Rasse – Burma-Katzen haben ein genetisch erhöhtes Risiko
  • Kortisontherapie – langfristige Kortisongabe kann Diabetes auslösen
  • Pankreatitis – Entzündung der Bauchspeicheldrüse

Symptome – wie erkennst du Diabetes bei deiner Katze?

Die klassischen Symptome entwickeln sich schleichend über Wochen bis Monate:

Die „großen Vier"

  1. Polydipsie (vermehrtes Trinken): Deine Katze trinkt deutlich mehr als gewöhnlich. Der Wassernapf muss häufiger aufgefüllt werden.
  2. Polyurie (vermehrtes Urinieren): Größere Urinmengen, das Katzenklo muss häufiger gereinigt werden. Manche Katzen werden unsauber.
  3. Polyphagie (vermehrter Appetit): Die Katze frisst mehr als sonst – trotzdem nimmt sie ab!
  4. Gewichtsverlust: Trotz gutem Appetit verliert die Katze an Gewicht, besonders Muskelmasse.

Weitere Symptome

  • Stumpfes, ungepflegtes Fell – die Katze putzt sich weniger
  • Plantigrader Gang: Die Katze läuft auf den Fersen statt auf den Zehen – ein typisches Zeichen für diabetische Neuropathie (Nervenschädigung durch hohen Blutzucker)
  • Mattigkeit und Rückzug
  • Erbrechen bei fortgeschrittener Erkrankung
  • Aceton-Geruch aus dem Maul (bei diabetischer Ketoazidose – NOTFALL!)

🚨 Diabetische Ketoazidose – NOTFALL!

Wenn Diabetes nicht behandelt wird, kann es zur lebensbedrohlichen diabetischen Ketoazidose (DKA) kommen:

  • Starkes Erbrechen
  • Durchfall
  • Totale Appetitlosigkeit
  • Extreme Schwäche, Zusammenbruch
  • Acetongeruch aus dem Maul (süßlich-fruchtig)
  • Sofort in die Tierklinik! Ohne intensive Behandlung tödlich.

Diagnose

Beim Tierarzt

  • Blutzuckermessung: Normalwert bei Katzen: 60–120 mg/dl (3,3–6,6 mmol/l). Bei Diabetes deutlich erhöht.
  • Fructosamin-Wert: Zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 2–3 Wochen – zuverlässiger als eine einzelne Messung, da Katzen bei Stress (Tierarztbesuch!) kurzzeitig erhöhte Werte haben können (Stresshyperglykämie)
  • Urinuntersuchung: Zucker im Urin (Glukosurie) und ggf. Ketone
  • Blutbild und Organwerte: Niere, Leber, Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse
  • Ggf. Ultraschall: Bauchspeicheldrüse und andere Organe beurteilen

Wichtig: Stresshyperglykämie

Katzen können beim Tierarztbesuch allein durch Stress Blutzuckerwerte von 300–400 mg/dl haben! Deshalb ist eine einmalige Blutzuckermessung NICHT ausreichend für die Diagnose. Der Fructosamin-Wert ist der Schlüssel.

Behandlung

1. Insulintherapie

Die meisten Katzen benötigen Insulin-Injektionen:

Geeignete Insuline für Katzen:

  • ProZinc (Protaminzink-Insulin): Speziell für Katzen zugelassen, zweimal täglich
  • Caninsulin (Lente-Insulin): In Deutschland für Hunde und Katzen zugelassen, zweimal täglich
  • Lantus (Glargin) / Levemir (Detemir): Humaninsuline, die off-label bei Katzen eingesetzt werden und oft die höchste Remissionsrate erzielen

Insulin spritzen – so funktioniert es:

  1. Insulin vorsichtig schwenken (nicht schütteln!)
  2. Korrekte Dosis in die Insulinspritze aufziehen
  3. Eine Hautfalte am Nacken oder seitlich bilden
  4. Nadel im 45°-Winkel unter die Haut einführen
  5. Langsam spritzen
  6. Immer zur gleichen Uhrzeit, immer in Verbindung mit einer Mahlzeit

Wichtig: Insulin immer im Kühlschrank aufbewahren. Die Dosis nur nach Anweisung des Tierarztes ändern – eine Überdosierung kann zu gefährlicher Unterzuckerung führen!

2. Ernährungsumstellung – der Schlüssel zur Remission

Die Ernährung ist bei Katzendiabetes genauso wichtig wie das Insulin:

Proteinreich, kohlenhydratarm:

  • Katzen sind obligate Karnivoren (reine Fleischfresser)
  • Ideales Diabetesfutter: >45 % Protein, <10 % Kohlenhydrate (bezogen auf die Trockensubstanz)
  • Trockenfutter reduzieren oder komplett weglassen – die meisten Trockenfutter enthalten 30–50 % Kohlenhydrate!
  • Hochwertiges Nassfutter ohne Getreide und Zucker
  • Spezielle Diabetes-Diäten: Royal Canin Diabetic, Hill's m/d, Purina DM

Fütterungsroutine:

  • Feste Fütterungszeiten, abgestimmt auf die Insulingabe
  • In der Regel 2 Hauptmahlzeiten zeitgleich mit dem Insulin
  • Zwischenmahlzeiten sind bei Katzen möglich (im Gegensatz zu Hunden)

3. Gewichtsmanagement

  • Übergewichtige Katzen langsam abnehmen lassen (nicht mehr als 1–2 % Körpergewicht pro Woche!)
  • Zu schnelles Abnehmen bei Katzen kann eine hepatische Lipidose (Fettleber) auslösen
  • Zielgewicht mit dem Tierarzt besprechen

4. Blutzuckerüberwachung zu Hause

Die häusliche Blutzuckermessung ist der beste Weg, die Therapie zu überwachen:

  • Glucometer: Handelsübliche Blutzuckermessgeräte (z. B. AlphaTRAK für Tiere oder Humangeräte)
  • Blutentnahme: Ein kleiner Tropfen Blut aus dem Ohrand – klingt schwierig, ist aber erlernbar
  • Blutzuckerkurve: Alle 2 Stunden über 12–24 Stunden messen – zeigt, wie das Insulin wirkt
  • Ziel: Blutzucker zwischen 100–300 mg/dl (5,5–16,5 mmol/l) – bei Katzen muss der Zucker nicht perfekt sein, leicht erhöhte Werte sind akzeptabel

Unterzuckerung (Hypoglykämie) – Gefahr!

Zu viel Insulin kann den Blutzucker gefährlich senken:

Symptome:

  • Schwäche, Taumeln
  • Zittern
  • Verwirrtheit, Desorientierung
  • Krampfanfälle
  • Bewusstlosigkeit

Erste Hilfe:

  • Honig oder Zuckersirup auf das Zahnfleisch reiben
  • Kein Insulin spritzen!
  • Sofort zum Tierarzt!

Diabetes-Remission

Das Besondere an Katzendiabetes: Bei frühzeitiger und konsequenter Behandlung kann die Bauchspeicheldrüse sich erholen und wieder ausreichend Insulin produzieren.

Voraussetzungen für eine Remission:

  • Frühe Diagnose und sofortiger Behandlungsbeginn
  • Konsequente kohlenhydratarme Ernährung
  • Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Katzen
  • Gut eingestellte Insulintherapie
  • Kein Kortison mehr (wenn möglich)

Remissionsraten: Mit optimaler Behandlung erreichen 30–90 % der Katzen eine Remission, je nach Studie und Insulintyp. Glargin-Insulin zeigt die höchsten Remissionsraten.

Wichtig: Auch nach einer Remission besteht ein Rückfallrisiko. Die kohlenhydratarme Ernährung sollte lebenslang beibehalten werden, und der Blutzucker sollte regelmäßig kontrolliert werden.

Kosten

LeistungKosten (ca.)
Erstdiagnose (Blut, Urin, Fructosamin)100–200 €
Insulin (pro Flasche, reicht ca. 1–3 Monate)30–60 €
Insulinspritzen (100 Stück)15–25 €
Blutzuckermessgerät20–50 €
Teststreifen (50 Stück)15–30 €
Diabetes-Diätfutter (pro Monat)40–80 €
Kontrolluntersuchungen (alle 3–6 Monate)50–150 €

Vorbeugung

  • Normalgewicht halten – der wichtigste Faktor! Indoor-Katzen regelmäßig wiegen
  • Kohlenhydratarmes Futter – hochwertiges Nassfutter mit hohem Fleischanteil
  • Bewegung fördern – Spielen, Kletterstrukturen, Futterspiele
  • Kein Trockenfutter als Alleinfutter – oder zumindest getreidefreie Varianten
  • Regelmäßige Vorsorge – Blutzucker und Fructosamin ab dem 7. Lebensjahr mitbestimmen lassen

Zusammenfassung

Diabetes bei Katzen ist eine ernstzunehmende, aber gut behandelbare Erkrankung. Die klassischen Symptome – vermehrtes Trinken, häufiges Urinieren, Gewichtsverlust trotz guten Appetits – solltest du nicht ignorieren. Mit frühzeitiger Insulintherapie und konsequenter kohlenhydratarmer Ernährung haben viele Katzen die Chance auf eine Diabetes-Remission. Die tägliche Insulingabe mag anfangs einschüchternd wirken, wird aber schnell zur Routine. Arbeite eng mit deinem Tierarzt zusammen, lerne die Blutzuckermessung zu Hause und nimm die Ernährungsumstellung ernst – so gibst du deiner Katze die besten Chancen.