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Katze – Gesundheit18.2.2026

Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen – Symptome und Behandlung

Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen?

Die Schilddrüsenüberfunktion – medizinisch Hyperthyreose – ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen bei älteren Katzen. Sie betrifft vor allem Katzen ab dem 8. Lebensjahr und ist bei Katzen über 10 Jahren fast schon eine Volkskrankheit. Bei der Hyperthyreose produziert die Schilddrüse zu viel Schilddrüsenhormon (Thyroxin/T4), was den gesamten Stoffwechsel auf Hochtouren bringt.

Die Schilddrüse sitzt als schmetterlingsförmiges Organ am Hals beiderseits der Luftröhre. In etwa 70 % der Fälle sind beide Schilddrüsenlappen betroffen. Die Ursache ist fast immer ein gutartiges Adenom (gutartiger Tumor) des Schilddrüsengewebes. Bösartige Schilddrüsenkarzinome kommen bei Katzen vor, sind aber mit etwa 2-3 % der Fälle selten.

Warum ist das gefährlich?

Der erhöhte Stoffwechsel klingt zunächst harmlos, hat aber schwerwiegende Folgen:

  • Das Herz muss permanent Höchstleistung erbringen → hypertrophe Kardiomyopathie
  • Die Nieren werden übermäßig durchblutet, was bestehende Nierenschäden maskieren kann
  • Der Blutdruck steigt → Schäden an Augen, Nieren und Herz
  • Der Körper baut Muskelmasse und Fettreserven ab → Abmagerung
  • Langfristig kann eine unbehandelte Hyperthyreose zum Tod führen

Symptome – worauf du achten solltest

Die Symptome entwickeln sich oft schleichend. Viele Besitzer schreiben sie dem Alter der Katze zu. Typisch ist ein Gesamtbild aus verschiedenen Anzeichen:

Klassische Symptome

  • Gewichtsverlust trotz gutem oder gesteigertem Appetit: Das Leitsymptom! Die Katze frisst normal oder sogar mehr als früher und nimmt trotzdem stetig ab.
  • Gesteigerter Appetit (Polyphagie): Manche Katzen werden regelrecht verfressen und betteln ständig um Futter.
  • Vermehrtes Trinken und Urinieren: Durch den beschleunigten Stoffwechsel
  • Hyperaktivität und Unruhe: Die Katze ist auffällig aktiv, rastlos und schläft weniger als früher. Ältere Katzen, die plötzlich wieder herumtoben wie Kitten, sind verdächtig.
  • Erbrechen: Häufig, oft durch zu schnelles Fressen großer Mengen
  • Durchfall: Weicher Stuhl oder voluminöser Kot durch die vermehrte Nahrungsaufnahme
  • Stumpfes, ungepflegtes Fell: Die Katze wirkt struppig und vernachlässigt die Fellpflege
  • Verhaltensänderungen: Reizbarkeit, Aggressivität, übermäßiges Miauen (besonders nachts)

Weniger bekannte Symptome

  • Schnelle Herzfrequenz (Tachykardie): Das Herz schlägt über 240 Mal pro Minute (normal: 120-180)
  • Herzgeräusch oder Herzrhythmusstörungen
  • Hechelatmung: Für Katzen untypisch und ein Warnsignal
  • Muskelschwäche: Die Katze kann den Kopf nicht mehr richtig heben (Ventroflexion)
  • Wärmeempfindlichkeit: Die Katze sucht kühle Plätze
  • Erhöhte Krallenwachstumsrate: Krallen werden brüchig und dick

Die „apathische" Hyperthyreose

In etwa 10 % der Fälle zeigen Katzen nicht die typische Hyperaktivität, sondern werden im Gegenteil apathisch, appetitlos und zurückgezogen. Diese Form ist besonders tückisch, weil sie nicht zum klassischen Bild passt und oft spät diagnostiziert wird.

Diagnose

Blutuntersuchung

  • T4 (Gesamt-Thyroxin): Der wichtigste Screening-Wert. Bei Hyperthyreose erhöht (über 4 µg/dl)
  • Freies T4 (fT4): Genauer als Gesamt-T4, aber auch teurer. Sinnvoll, wenn T4 grenzwertig ist.
  • SDMA und Kreatinin: Nierenwerte – wichtig, weil eine Hyperthyreose Nierenschäden maskieren kann
  • Blutbild: Oft erhöhte Leberenzyme (ALT, ALP)
  • Blutdruck: Bluthochdruck ist eine häufige Komplikation

Wichtig: In den Frühstadien kann der T4-Wert noch im Normalbereich liegen (sogenanntes okkultes Hyperthyreose). Bei starkem klinischen Verdacht sollte die Untersuchung nach 2-4 Wochen wiederholt werden.

Weitere Untersuchungen

  • Herzultraschall (Echokardiografie): Beurteilung der Herzmuskelverdickung
  • Blutdruckmessung: Hypertonie?
  • Urinuntersuchung: Hinweis auf Nierenprobleme
  • Schilddrüsenszintigrafie: Goldstandard zur Darstellung des überfunktionierenden Gewebes – oft vor einer Radiojodtherapie

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt vier Therapieoptionen, jede mit Vor- und Nachteilen:

1. Medikamentöse Therapie (Thiamazol/Methimazol)

Die häufigste Behandlungsform in Deutschland.

Wie wirkt es? Thiamazol blockiert die Produktion von Schilddrüsenhormonen, ohne das Drüsengewebe zu zerstören.

Vorteile:

  • Schnell wirksam (Normalisierung der Werte in 1-3 Wochen)
  • Leicht verfügbar und vergleichsweise günstig
  • Reversibel – kann bei Nebenwirkungen abgesetzt werden
  • Zeigt, wie die Nieren bei normalem Schilddrüsenstoffwechsel funktionieren

Nachteile:

  • Lebenslange tägliche Medikamentengabe (Tablette, Flüssigkeit oder transdermales Gel)
  • Nebenwirkungen möglich: Erbrechen, Appetitlosigkeit, Juckreiz im Gesicht, Blutbildveränderungen
  • Regelmäßige Blutkontrollen nötig (anfangs alle 2-4 Wochen, später alle 3-6 Monate)
  • Behandelt die Ursache nicht – das Adenom wächst weiter

Tipp: Wenn deine Katze Tabletten schwer akzeptiert, frag deinen Tierarzt nach transdermalem Gel – es wird auf die Innenseite der Ohrmuschel aufgetragen und über die Haut aufgenommen.

2. Radiojodtherapie (Jod-131)

Wie wirkt es? Radioaktives Jod wird injiziert, reichert sich gezielt im überfunktionierenden Schilddrüsengewebe an und zerstört es. Gesundes Gewebe wird geschont.

Vorteile:

  • Einmalige Behandlung – Heilungsrate über 95 %
  • Keine Narkose nötig
  • Keine tägliche Medikation mehr
  • Behandelt die Ursache

Nachteile:

  • Nur in spezialisierten Kliniken verfügbar
  • Katze muss ca. 1-3 Wochen stationär bleiben (Strahlenschutz)
  • Hohe einmalige Kosten (ca. 1.500-2.500 €)
  • In seltenen Fällen kann eine Schilddrüsenunterfunktion entstehen

Die Radiojodtherapie gilt als Goldstandard und ist langfristig oft die beste und kostengünstigste Option.

3. Chirurgische Entfernung (Thyreoidektomie)

Wie wirkt es? Das vergrößerte Schilddrüsengewebe wird operativ entfernt.

Vorteile:

  • Dauerhaft heilend bei vollständiger Entfernung
  • Einmaliger Eingriff

Nachteile:

  • Narkoserisiko bei älteren Katzen mit Herzproblemen
  • Risiko einer Schädigung der Nebenschilddrüsen → Kalziummangel (Hypokalzämie)
  • Risiko einer Verletzung des Nervus laryngeus recurrens
  • Nicht alle Tierarztpraxen bieten die OP an
  • Bei bilateralem Adenom komplexer

4. Diätetische Therapie (jodreduzierte Diät)

Wie wirkt es? Spezielles Futter mit extrem niedrigem Jodgehalt (Hill's y/d) entzieht der Schilddrüse den Rohstoff für die Hormonproduktion.

Vorteile:

  • Keine Medikamente, keine OP
  • Einfach in der Handhabung

Nachteile:

  • Die Katze darf ausschließlich dieses Futter fressen – kein Leckerli, kein Futter von draußen
  • In Mehrkatzenhaushalten kaum umsetzbar
  • Nicht alle Katzen akzeptieren das Futter
  • Wirksamkeit geringer als bei den anderen Methoden
  • Adenom wächst weiter

Der versteckte Zusammenhang: Hyperthyreose und Nieren

Ein entscheidender Punkt, den jeder Besitzer einer hyperthyreoten Katze kennen muss: Die Schilddrüsenüberfunktion maskiert häufig eine bestehende Niereninsuffizienz. Der erhöhte Stoffwechsel steigert die Durchblutung der Nieren, wodurch die Nierenwerte (Kreatinin, SDMA) besser erscheinen, als sie tatsächlich sind.

Sobald die Hyperthyreose behandelt wird, normalisiert sich die Nierendurchblutung – und plötzlich steigen die Nierenwerte an. Das bedeutet nicht, dass die Behandlung geschadet hat, sondern dass der wahre Nierenstatus sichtbar wird.

Deshalb:

  • Vor einer definitiven Therapie (Radiojod oder OP) immer erst mit Thiamazol „austesten", wie die Nieren reagieren
  • Nierenwerte engmaschig kontrollieren (2-4 Wochen nach Therapiebeginn)
  • Bei deutlicher Nierenverschlechterung: Dosis anpassen oder Nierenschutztherapie einleiten

Prognose

Die Prognose ist bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung gut:

  • Mit Radiojodtherapie: Über 95 % Heilung, normale Lebenserwartung
  • Mit medikamentöser Therapie: Gute Symptomkontrolle, aber lebenslange Behandlung
  • Unbehandelt: Schwere Herzschäden, Nierenversagen und deutlich verkürzte Lebenserwartung

Die meisten Katzen erholen sich unter Therapie hervorragend: Sie nehmen wieder zu, werden ruhiger und das Fell verbessert sich.

Vorsorge

  • Jährliche Blutuntersuchung ab dem 7.-8. Lebensjahr (T4, Nierenwerte)
  • Gewicht regelmäßig kontrollieren – unerklärter Gewichtsverlust ist immer abklärungsbedürftig
  • Verhaltensänderungen ernst nehmen – nächtliches Schreien, Unruhe oder Aggressivität bei älteren Katzen können auf eine Hyperthyreose hindeuten

Zusammenfassung

Die Schilddrüsenüberfunktion ist bei älteren Katzen sehr verbreitet und gut behandelbar. Das Leitsymptom – Gewichtsverlust trotz gutem Appetit – sollte dich hellhörig machen. Je früher die Diagnose, desto besser die Prognose. Die Radiojodtherapie gilt als Goldstandard, aber auch die medikamentöse Therapie mit Thiamazol ermöglicht vielen Katzen ein langes Leben mit guter Lebensqualität. Vergiss nicht, die Nierenfunktion engmaschig zu überwachen – die Hyperthyreose kann Nierenprobleme verbergen.