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Katze – Gesundheit18.2.2026

Asthma bei Katzen – Symptome, Diagnose und Therapie

Was ist felines Asthma?

Felines Asthma (auch als allergische Bronchitis oder chronische Bronchialerkrankung der Katze bezeichnet) ist eine entzündliche Erkrankung der unteren Atemwege. Ähnlich wie beim menschlichen Asthma verengen sich die Bronchien durch Entzündung, Schleimproduktion und Muskelkrämpfe, was zu Atemnot und Husten führt. Felines Asthma betrifft schätzungsweise ein bis fünf Prozent aller Katzen und kann in jedem Alter auftreten, wobei junge und mittelalte Katzen am häufigsten betroffen sind. Siamkatzen scheinen eine Prädisposition zu haben.

Symptome von Asthma bei Katzen

Typische Anzeichen

  • Husten: Das Leitsymptom! Katzen mit Asthma zeigen oft einen trockenen, hackenden Husten. Dabei strecken sie den Hals vor, ducken sich zum Boden und zeigen manchmal ein Würgen am Ende des Hustenanfalls. Der Husten kann leicht mit Würgen bei Haarballen verwechselt werden.
  • Giemen/Pfeifen: Ein hörbares, pfeifendes Atemgeräusch, besonders beim Ausatmen.
  • Erhöhte Atemfrequenz: Die normale Atemfrequenz einer ruhenden Katze liegt bei 20-30 Atemzügen pro Minute. Asthmatische Katzen atmen oft schneller.
  • Erschwerte Ausatmung: Bei Asthma ist besonders die Ausatmung erschwert. Die Katze muss den Bauch sichtbar einsetzen, um die Luft auszupressen (Bauchatmung).
  • Maulatmung: Katzen atmen normalerweise nie durch das Maul! Offene Maulatmung bei einer Katze ist IMMER ein Warnsignal und kann ein Zeichen für einen schweren Asthmaanfall sein.
  • Lethargie und Bewegungsunlust: Betroffene Katzen meiden anstrengende Aktivitäten, spielen weniger und wirken insgesamt ruhiger.
  • Blaue Schleimhäute (Zyanose): Bei einem schweren Asthmaanfall können die Schleimhäute (Zahnfleisch, Zunge) bläulich verfärbt sein – ein absoluter Notfall!

Asthmaanfall vs. Haarballen – der Unterschied

Viele Katzenbesitzer verwechseln Asthmaanfälle mit dem Herauswürgen von Haarballen:

Asthmaanfall:

  • Katze duckt sich flach zum Boden
  • Hals ist gestreckt, Kopf nach vorne
  • Trockener, hackender Husten
  • Kein Erbrechen, nichts wird ausgehustet
  • Pfeifende Atemgeräusche möglich
  • Kann minuten- bis stundenlang andauern

Haarballen:

  • Katze würgt und zeigt Brechbewegungen
  • Typische Würggeräusche
  • Am Ende wird ein Haarballen (oder Futterbrei) erbrochen
  • Episode dauert meist nur wenige Minuten

Schweregrade

Felines Asthma wird in verschiedene Schweregrade eingeteilt:

  • Mild: Gelegentlicher Husten, keine Einschränkung im Alltag.
  • Moderat: Regelmäßiger Husten, leicht erhöhte Atemfrequenz, etwas weniger aktiv.
  • Schwer: Häufige Hustenanfälle, deutliche Atemnot, starke Einschränkung der Aktivität.
  • Lebensbedrohlich (Status asthmaticus): Schwere Atemnot, Maulatmung, blaue Schleimhäute – sofortige tierärztliche Notfallbehandlung nötig!

Ursachen und Auslöser

Die genaue Ursache des felinen Asthmas ist nicht vollständig geklärt. Es handelt sich wahrscheinlich um eine allergisch-entzündliche Reaktion der Atemwege auf eingeatmete Allergene.

Häufige Auslöser (Trigger)

  • Zigarettenrauch: Einer der stärksten Trigger! Rauche niemals in der Nähe deiner Katze.
  • Staubiges Katzenstreu: Besonders stark staubende Mineralstreu kann Asthmaanfälle auslösen. Eine staubarme Katzenstreu ist für asthmatische Katzen sehr wichtig.
  • Hausstaub und Hausstaubmilben
  • Pollen: Gräser-, Baum- und Blütenpollen.
  • Schimmelpilzsporen
  • Chemische Düfte: Raumsprays, Duftkerzen, Reinigungsmittel, Parfum.
  • Aerosole: Haarspray, Deodorant, Raumluft-Erfrischer.
  • Kaminfeuer und offene Flammen
  • Kalte Luft: Plötzliche Temperaturwechsel können Anfälle triggern.
  • Stress: Kann Asthmaanfälle auslösen oder verschlimmern.

Diagnose

Die Diagnose von felinem Asthma ist nicht immer einfach, da es keine einzelne Untersuchung gibt, die die Diagnose eindeutig bestätigt. Die Diagnose wird durch eine Kombination verschiedener Befunde gestellt:

Röntgenaufnahme des Brustkorbs

Röntgenbilder sind das wichtigste diagnostische Werkzeug. Typische Befunde bei felinem Asthma:

  • Bronchiale Muster: Verdickte Bronchialwände, die als „Tramlines" oder „Donuts" sichtbar werden.
  • Überblähung der Lunge: Durch die Verengung der Atemwege kann die Luft nicht vollständig ausgeatmet werden.
  • Flaches Zwerchfell: Als Zeichen der Überblähung.

Weitere Untersuchungen

  • Blutuntersuchung: Erhöhte eosinophile Granulozyten können auf eine allergische Komponente hindeuten.
  • Bronchoalveoläre Lavage (BAL): Der Goldstandard – unter Narkose wird eine Kochsalzlösung in die Atemwege gespült und wieder abgesaugt. Die gewonnene Flüssigkeit wird auf Entzündungszellen untersucht. Bei Asthma überwiegen eosinophile Granulozyten.
  • CT-Untersuchung: In spezialisierten Kliniken kann eine Computertomographie detaillierte Bilder der Lunge liefern.
  • Kotuntersuchung: Um Lungenwürmer als Ursache für Husten auszuschließen.

Wichtige Differenzialdiagnosen

Andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen müssen ausgeschlossen werden:

  • Herzerkrankungen: Besonders die HCM (Hypertrophe Kardiomyopathie) kann Husten und Atemnot verursachen.
  • Lungenwürmer (Aelurostrongylus abstrusus): Können identische Symptome wie Asthma verursachen.
  • Lungentumoren: Selten, aber bei älteren Katzen auszuschließen.
  • Pneumonie (Lungenentzündung): Meist mit Fieber und schwererer Allgemeinsymptomatik verbunden.
  • Pleuraerguss (Flüssigkeit im Brustfell): Verursacht Atemnot.

Behandlung von felinem Asthma

Felines Asthma ist eine chronische Erkrankung, die nicht geheilt, aber gut kontrolliert werden kann.

Kortikosteroide – die Basis der Therapie

Kortikosteroide (Kortison) sind der Grundpfeiler der Asthmatherapie, da sie die Entzündung in den Atemwegen reduzieren:

Inhalationstherapie (bevorzugt):

  • Die modernste und schonendste Methode.
  • Ein spezieller Inhalator für Katzen (z. B. AeroKat-Chamber) wird mit einem Kortikosteroid-Dosieraerosol (z. B. Fluticason) verwendet.
  • Die Katze atmet das Medikament direkt in die Lunge ein – geringe systemische Nebenwirkungen.
  • Die meisten Katzen gewöhnen sich mit etwas Geduld und Training gut an den Spacer.

Tabletten oder Injektionen:

  • Prednisolon-Tabletten oder Depot-Kortison-Injektionen sind Alternativen, wenn die Inhalation nicht möglich ist.
  • Bei Langzeitanwendung können systemische Nebenwirkungen auftreten: vermehrtes Trinken und Fressen, Gewichtszunahme, Diabetes-Risiko.

Bronchodilatatoren – für die Akuttherapie

Bronchodilatatoren (z. B. Salbutamol/Albuterol) erweitern die verengten Bronchien und lindern akute Atemnot:

  • Werden per Inhalation verabreicht (über den Spacer).
  • Wirken innerhalb weniger Minuten.
  • Sind als Notfallmedikament bei akuten Anfällen gedacht, nicht als Dauermedikation.
  • Ohne gleichzeitige Kortikosteroidtherapie behandeln sie nur das Symptom, nicht die Ursache.

Inhalationstherapie – so funktioniert es

Die Inhalationstherapie ist die Goldstandard-Behandlung für felines Asthma:

  1. Spacer besorgen: Ein spezieller Katzen-Spacer (AeroKat oder vergleichbar) mit passender Maske.
  2. Gewöhnung: Gewöhne deine Katze langsam an die Maske – zunächst nur anhalten, dann mit Leckerli belohnen. Viele Katzen akzeptieren den Spacer innerhalb weniger Tage.
  3. Anwendung: Dosieraerosol am Spacer befestigen, einen Sprühstoß auslösen, Maske über Nase und Maul der Katze halten, 7-10 Atemzüge abwarten.
  4. Häufigkeit: Meist zweimal täglich, je nach Schweregrad.

Umgebungsmanagement

Reduziere die Auslöser so weit wie möglich:

  • Rauchfrei leben: Nicht in der Wohnung rauchen!
  • Staubarme Katzenstreu verwenden: Auf klumpende Streu mit niedriger Staubentwicklung umstellen.
  • Regelmäßig lüften: Für gute Luftzirkulation sorgen, ohne Zugluft.
  • Auf Duftstoffe verzichten: Keine Raumsprays, Duftkerzen, stark riechende Reinigungsmittel.
  • Luftfilter verwenden: Ein HEPA-Luftfilter kann die Allergenbelastung reduzieren.
  • Regelmäßig staubsaugen und wischen: Um Staub und Allergene zu minimieren.

Notfall: Schwerer Asthmaanfall

Ein schwerer Asthmaanfall ist ein lebensbedrohlicher Notfall:

Anzeichen:

  • Schwere Atemnot mit sichtbarer Anstrengung
  • Maulatmung (offenes Maul)
  • Blaue Zunge oder blaues Zahnfleisch
  • Katze liegt seitlich und ringt nach Luft

Was du tun solltest:

  • Ruhe bewahren – Stress verschlimmert den Anfall
  • Sofort den Notfall-Bronchodilatator geben (falls vorhanden)
  • Sofort zum Tierarzt oder in die Tierklinik – nicht abwarten!
  • Transportbox ruhig und stressfrei gestalten – Decke über die Box, ruhig fahren

Prognose

Mit der richtigen Behandlung können die meisten Katzen mit Asthma ein gutes und langes Leben führen. Die Erkrankung erfordert jedoch eine lebenslange Therapie und regelmäßige tierärztliche Kontrollen. Die Prognose hängt vom Schweregrad ab:

  • Mildes bis moderates Asthma: Gute bis sehr gute Prognose bei konsequenter Therapie.
  • Schweres Asthma: Kontrolle möglich, aber intensivere Therapie und häufigere Kontrollen nötig.
  • Status asthmaticus: Kann lebensbedrohlich sein, erholt sich aber bei schneller Behandlung meist gut.

🚨 Wann sofort zum Tierarzt?

  • Bei Maulatmung (offenes Maul) – IMMER ein Notfall bei Katzen!
  • Bei blauen Schleimhäuten (Zyanose)
  • Bei schwerer Atemnot mit sichtbarer Anstrengung
  • Bei erstmalig auftretendem Husten – zur Abklärung
  • Wenn die Symptome trotz Behandlung zunehmen
  • Bei Fieber in Kombination mit Husten (Verdacht auf Lungenentzündung)
  • Wenn deine Katze nicht mehr frisst und apathisch wird

Zusammenfassung

Felines Asthma ist eine chronische entzündliche Atemwegserkrankung, die ähnlich wie menschliches Asthma verläuft. Husten, erschwerte Atmung und im schlimmsten Fall schwere Atemnot sind die Leitsymptome. Die Inhalationstherapie mit Kortikosteroiden über einen speziellen Katzen-Spacer ist die modernste und schonendste Behandlung. Zusätzlich sollten Auslöser in der Umgebung minimiert werden – Rauchfreiheit, staubarme Katzenstreu und der Verzicht auf Duftstoffe sind besonders wichtig. Mit konsequenter Therapie und Umgebungsmanagement können die meisten asthmatischen Katzen ein gutes Leben führen. Maulatmung und blaue Schleimhäute sind immer ein Notfall – fahre dann sofort zum Tierarzt!