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Katze – Gesundheit18.2.2026

Herzerkrankungen bei Katzen – HCM, Symptome und Behandlung

Herzerkrankungen bei Katzen – ein oft unterschätztes Problem

Herzerkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen bei Katzen, werden aber oft erst spät erkannt. Das liegt daran, dass Katzen Meister darin sind, Krankheiten zu verbergen – und Herzerkrankungen im Frühstadium oft keine offensichtlichen Symptome verursachen. Schätzungsweise 10-15 Prozent aller Katzen leiden an einer Herzerkrankung, bei manchen Rassen liegt die Zahl noch deutlich höher. In diesem Ratgeber erfährst du alles über die verschiedenen Herzerkrankungen bei Katzen, wie du erste Anzeichen erkennst und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Die wichtigsten Herzerkrankungen bei Katzen

Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) – die häufigste Herzerkrankung

Die HCM ist mit Abstand die häufigste Herzerkrankung bei Katzen und macht etwa 60-70 Prozent aller felinen Kardiomyopathien aus. Bei der HCM verdickt sich der Herzmuskel (meist die linke Herzkammer) abnormal. Die verdickte Wand macht das Herz steif und unelastisch – es kann sich nicht mehr richtig füllen und pumpt weniger Blut in den Kreislauf.

Betroffene Rassen (genetische Prädisposition):

  • Maine Coon – eine Mutation im MYBPC3-Gen ist bekannt und per Gentest nachweisbar
  • Ragdoll – ebenfalls eine MYBPC3-Mutation identifiziert
  • Britisch Kurzhaar
  • Perser
  • Sphynx
  • Bengal
  • Norwegische Waldkatze

HCM kann aber auch bei Mischlingen und jeder anderen Rasse auftreten – und wird auch bei Katzen ohne genetische Prädisposition diagnostiziert.

Verlauf der HCM:

  • Mildes Stadium: Leichte Verdickung der Herzwand, keine Symptome. Kann nur per Herzultraschall erkannt werden.
  • Moderates Stadium: Deutliche Verdickung, vergrößerter linker Vorhof. Erste Symptome möglich.
  • Schweres Stadium: Herzinsuffizienz mit Lungenwasser (Lungenödem) oder Flüssigkeit um die Lungen (Pleuraerguss). Oder thromboembolische Komplikationen.

Dilatative Kardiomyopathie (DCM)

Bei der DCM weitet sich das Herz aus und der Herzmuskel wird dünn und schlaff. Das Herz kann nicht mehr kraftvoll genug pumpen. DCM war früher bei Katzen häufiger – man entdeckte, dass ein Mangel an der Aminosäure Taurin die Ursache war. Seit kommerzielles Katzenfutter standardmäßig Taurin enthält, ist die ernährungsbedingte DCM selten geworden. Trotzdem kommt DCM immer noch vor, dann meist idiopathisch (ohne erkennbare Ursache).

Restriktive Kardiomyopathie (RCM)

Bei der RCM wird der Herzmuskel steif und unelastisch, ohne sich zu verdicken. Die Füllung des Herzens ist eingeschränkt. RCM ist seltener als HCM und hat oft eine schlechtere Prognose.

Weitere Herzerkrankungen

  • Angeborene Herzfehler: Ventrikelseptumdefekt (Loch in der Herzscheidewand), Klappenfehler oder persistierender Ductus arteriosus. Werden oft bei jungen Katzen diagnostiziert.
  • Hyperthyreose-bedingte Herzveränderungen: Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) belastet das Herz dauerhaft und kann zu einer sekundären HCM führen. Die gute Nachricht: Bei erfolgreicher Behandlung der Schilddrüse können sich die Herzveränderungen zurückbilden.
  • Bluthochdruck-bedingte Herzveränderungen: Chronischer Bluthochdruck (oft bei Nierenerkrankungen oder Schilddrüsenüberfunktion) belastet das Herz und kann zur Verdickung der Herzwand führen.

Symptome von Herzerkrankungen bei Katzen

Das Problem: Katzen zeigen wenig Symptome

Katzen zeigen Herzerkrankungen oft erst, wenn die Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist. Anders als Hunde husten Katzen bei Herzerkrankungen selten. Die Symptome sind oft subtil und unspezifisch.

Frühe Anzeichen (leicht zu übersehen)

  • Verminderte Aktivität: Deine Katze spielt weniger, springt seltener und schläft mehr.
  • Schnellere Ermüdung: Bei Freigängern fällt auf, dass sie weniger weit laufen.
  • Leicht erhöhte Atemfrequenz in Ruhe: Die normale Atemfrequenz einer schlafenden Katze liegt bei 15-30 Atemzügen pro Minute. Eine regelmäßig erhöhte Atemfrequenz über 30/min in Ruhe kann ein frühes Zeichen sein.
  • Appetitveränderungen: Leicht verminderter Appetit.

Deutliche Symptome (Herzinsuffizienz)

  • Atemnot: Schnelle, angestrengte Atmung, auch in Ruhe.
  • Maulatmung: Katzen atmen normalerweise NIE durch das Maul! Offene Maulatmung ist immer ein Alarmsignal.
  • Bauchatmung: Sichtbar angestrengtes Atmen mit Bewegung des Bauches.
  • Husten: Selten bei Katzen, aber möglich.
  • Lethargie: Deine Katze zieht sich zurück, versteckt sich und reagiert kaum.
  • Fressunlust: Katze verweigert das Futter.
  • Gewichtsverlust: Oft schleichend über Wochen bis Monate.

Aortenthrombose (Saddle Thrombus) – der dramatischste Notfall

Eine der gefürchtetsten Komplikationen der HCM ist die Aortenthrombose. Im vergrößerten linken Vorhof bilden sich Blutgerinnsel, die in die Aorta gespült werden und typischerweise an der Aufgabelung in die Hinterbeine steckenbleiben.

Symptome einer Aortenthrombose:

  • Plötzliche Lähmung der Hinterbeine: Die Katze kann sich plötzlich nicht mehr auf den Hinterbeinen halten.
  • Starke Schmerzen: Die Katze schreit, ist extrem unruhig oder völlig apathisch.
  • Kalte Hinterpfoten: Die Pfoten fühlen sich kalt an, da die Durchblutung unterbrochen ist.
  • Blaue oder weiße Zehennagelbetten: Die Krallen der Hinterpfoten werden blass oder bläulich.
  • Kein Puls an den Hinterbeinen: Der Tierarzt kann keinen Puls an den Hinterbeinen tasten.

> Eine Aortenthrombose ist ein absoluter Notfall! Sofort zum Tierarzt oder in die Tierklinik!

Diagnose

Herzultraschall (Echokardiographie) – der Goldstandard

Die Echokardiographie ist die wichtigste Untersuchung zur Diagnose von Herzerkrankungen bei Katzen:

  • Misst die Dicke der Herzwände (bei HCM verdickt, >6 mm)
  • Beurteilt die Größe der Herzkammern und Vorhöfe
  • Zeigt die Herzklappenfunktion
  • Misst die Pumpfunktion
  • Erkennt Flüssigkeit um das Herz (Perikarderguss) oder in der Brusthöhle (Pleuraerguss)
  • Kann Blutgerinnsel im Vorhof sichtbar machen

Die Untersuchung ist schmerzlos und wird im Wachzustand durchgeführt (meist ohne Sedierung).

Weitere Untersuchungen

  • Abhören (Auskultation): Herzgeräusche und Herzrhythmusstörungen können beim Abhören erkannt werden. Aber: Nicht jede Katze mit einer Herzerkrankung hat ein Herzgeräusch, und nicht jedes Herzgeräusch bedeutet eine Herzerkrankung.
  • Blutdruckmessung: Bluthochdruck als Ursache oder begleitende Erkrankung erkennen.
  • Röntgen: Zeigt die Herzgröße, Lungenödem oder Pleuraerguss.
  • EKG: Erkennt Herzrhythmusstörungen.
  • Blutuntersuchung: Schilddrüsenwerte (T4), Nierenwerte, proBNP (ein Herzmarker, der auch als Screeningtest verwendet werden kann), Troponin.
  • Gentest: Für Maine Coon und Ragdoll ist ein Gentest auf die MYBPC3-Mutation verfügbar. Ein negativer Test schließt HCM aber nicht aus, da andere Mutationen existieren können.

Screening: Wann sollte man Katzen untersuchen?

  • Rassen mit Prädisposition: Jährlicher Herzultraschall ab dem 1. Lebensjahr empfohlen.
  • Vor einer Narkose: Besonders bei Risikorassen oder Katzen mit Herzgeräusch.
  • Bei Auftreten von Symptomen: Jede Katze mit Atemnot, verminderter Aktivität oder schneller Ruheatmung.
  • Ältere Katzen: Ab dem 10. Lebensjahr regelmäßig kontrollieren.
  • proBNP-Bluttest: Kann als Screening-Tool verwendet werden – ein normaler Wert macht eine schwere Herzerkrankung unwahrscheinlich.

Behandlung

Medikamentöse Therapie

Die Behandlung hängt vom Typ und Schweregrad der Herzerkrankung ab:

Bei HCM ohne Symptome (mildes Stadium):

  • Ob eine Behandlung nötig ist, wird kontrovers diskutiert.
  • Manche Kardiologen empfehlen bei vergrößertem Vorhof einen Thromboseprophylaxe (Clopidogrel), um Blutgerinnsel zu verhindern.
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind wichtig.

Bei Herzinsuffizienz:

  • Furosemid (Diuretikum): Entwässerungsmittel, das überschüssige Flüssigkeit aus der Lunge oder dem Brustfell entfernt. Die wichtigste Akutmaßnahme bei Lungenwasser.
  • ACE-Hemmer (z. B. Benazepril): Entlasten das Herz, indem sie die Blutgefäße erweitern.
  • Pimobendan: Stärkt die Pumpkraft des Herzens und erweitert die Blutgefäße. Wird bei bestimmten Herzerkrankungen eingesetzt, bei HCM mit Vorbehalt.
  • Atenolol (Betablocker): Verlangsamt die Herzfrequenz und verbessert die Füllung des Herzens. Wird bei HCM mit erhöhter Herzfrequenz eingesetzt.
  • Clopidogrel: Hemmt die Blutplättchenaggregation und reduziert das Risiko einer Thrombose (die gefürchtete Aortenthrombose).
  • Diltiazem (Kalziumkanalblocker): Alternative zu Betablockern bei HCM.

Bei Aortenthrombose:

  • Schmerztherapie (extrem wichtig!)
  • Thromboseprophylaxe
  • Herzmedikamente
  • Prognose ist vorsichtig: Etwa 30-40 Prozent überleben, aber Rezidive sind häufig.

Monitoring zu Hause

Du kannst viel zur Überwachung beitragen:

Ruheatmungsfrequenz (Sleeping Respiratory Rate, SRR):

  • Zähle die Atemzüge deiner schlafenden Katze über 15 Sekunden und multipliziere mit 4.
  • Normal: unter 30 Atemzüge pro Minute.
  • Über 30-40/min in Ruhe: Hinweis auf Flüssigkeit in der Lunge – Tierarzt kontaktieren!
  • Notiere die Werte regelmäßig, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Prognose

Die Prognose hängt stark vom Typ und Stadium der Herzerkrankung ab:

  • Milde HCM ohne Symptome: Viele Katzen leben Jahre bis Jahrzehnte ohne Probleme. Manche entwickeln nie Symptome.
  • HCM mit vergrößertem Vorhof: Erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz und Thrombose. Mediane Überlebenszeit nach Diagnose: 1-5 Jahre.
  • Herzinsuffizienz (Lungenödem/Pleuraerguss): Mediane Überlebenszeit: 3-18 Monate mit Behandlung.
  • Aortenthrombose: Vorsichtige Prognose. Hohe Mortalität, aber manche Katzen erholen sich.

Vorbeugung

  • Regelmäßige Herzultraschalle bei Risikorassen: Maine Coon, Ragdoll, BKH und andere.
  • Gentest: Bei Maine Coon und Ragdoll den MYBPC3-Gentest durchführen lassen, besonders vor der Zucht.
  • Taurin-reiche Ernährung: Hochwertiges Katzenfutter enthält ausreichend Taurin. Selbstgekochtes Futter muss mit Taurin supplementiert werden!
  • Schilddrüse und Nieren im Blick: Regelmäßige Blutuntersuchungen bei älteren Katzen, um Schilddrüsenüberfunktion und Nierenerkrankungen frühzeitig zu erkennen.
  • Ruheatmungsfrequenz beobachten: Gewöhne dir an, gelegentlich die Atemfrequenz deiner schlafenden Katze zu zählen.

🚨 Wann sofort zum Tierarzt?

  • Bei plötzlicher Atemnot oder Maulatmung
  • Bei plötzlicher Lähmung der Hinterbeine (Aortenthrombose!)
  • Bei starken Schmerzen und Schreien
  • Wenn die Ruheatmungsfrequenz über 40/min ansteigt
  • Bei blauen Schleimhäuten (Zahnfleisch, Zunge)
  • Bei plötzlicher Schwäche oder Kollaps
  • Bei anhaltendem Husten

Zusammenfassung

Herzerkrankungen bei Katzen, allen voran die Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM), sind häufig und werden oft zu spät erkannt. Regelmäßige Herzultraschalluntersuchungen – besonders bei Risikorassen – sind der Schlüssel zur Früherkennung. Die Ruheatmungsfrequenz zu Hause zu messen ist eine einfache, aber wertvolle Methode zur Überwachung. Plötzliche Atemnot, Maulatmung oder Lähmung der Hinterbeine sind absolute Notfälle, die sofortige tierärztliche Hilfe erfordern. Mit der richtigen medikamentösen Behandlung und regelmäßiger Überwachung können viele herzkranke Katzen noch eine gute Lebensqualität und Lebenszeit haben.