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Hund – Gesundheit18.2.2026

Hund hechelt stark – Ursachen und wann es gefährlich wird

Warum hechelt mein Hund?

Hecheln ist für Hunde so natürlich wie für uns das Schwitzen – es ist ihr wichtigster Mechanismus zur Temperaturregulierung. Da Hunde kaum Schweißdrüsen besitzen (nur an den Pfotenballen und der Nase), kühlen sie ihren Körper, indem sie über die Zunge und die Mundschleimhäute Feuchtigkeit verdunsten. Dabei kann ein Hund bis zu 300–400 Atemzüge pro Minute machen, verglichen mit 15–30 Atemzügen in Ruhe.

In den meisten Fällen ist Hecheln also völlig normal. Es gibt aber Situationen, in denen übermäßiges Hecheln ein Warnsignal für gesundheitliche Probleme sein kann.

Normales Hecheln – wann ist es harmlos?

Thermoregulation (Abkühlung)

  • Bei Hitze: An warmen Tagen hecheln Hunde vermehrt, um ihre Körpertemperatur zu regulieren
  • Nach körperlicher Anstrengung: Nach dem Toben, Laufen oder Spielen ist Hecheln völlig normal
  • In warmen Innenräumen: Heizungsluft oder ein sonniger Platz am Fenster können Hecheln auslösen

Aufregung und Emotionen

  • Freude: Wenn du nach Hause kommst oder es Futter gibt
  • Erwartung: Vor dem Spaziergang oder im Auto auf dem Weg zum Lieblingspatz
  • Leichter Stress: In neuen Situationen oder bei mildem Unbehagen

Rassebedingt

Einige Rassen hecheln von Natur aus mehr:

  • Brachycephale Rassen (Mops, Französische Bulldogge, Englische Bulldogge, Boxer, Pekinese): Durch die verengten Atemwege müssen sie stärker hecheln
  • Große, schwere Rassen: Bernhardiner, Neufundländer, Mastiff
  • Hunde mit dichtem Fell: Husky, Malamute, Samojede (besonders im Sommer)

Krankhaftes Hecheln – wann wird es bedenklich?

Starkes, anhaltendes Hecheln ohne offensichtlichen Grund kann auf ein gesundheitliches Problem hindeuten. Achte auf diese Warnsignale:

Schmerzen

Hecheln ist eines der häufigsten Schmerzanzeichen beim Hund. Hunde können uns nicht sagen, dass ihnen etwas wehtut – stattdessen hecheln sie, sind unruhig und zeigen subtile Verhaltensänderungen.

Hinweise auf Schmerz-Hecheln:

  • Hecheln in Ruhe, ohne vorherige Anstrengung
  • Begleitet von Unruhe, Positionswechseln, Winseln
  • Hund liegt hin, steht auf, liegt wieder hin
  • Vermeidung bestimmter Bewegungen
  • Berührungsempfindlichkeit
  • Häufig bei Arthrose, Bauchschmerzen, Rückenproblemen oder nach Verletzungen

Hitzschlag – NOTFALL!

Ein Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Er entsteht, wenn der Hund seine Körpertemperatur nicht mehr regulieren kann.

Typische Situationen:

  • Hund im geschlossenen Auto (auch bei vermeintlich „milden" Temperaturen!)
  • Überanstrengung bei Hitze
  • Zu langer Aufenthalt in der Sonne ohne Schattenplatz
  • Brachycephale Rassen sind besonders gefährdet

Symptome:

  • Extremes, lautes Hecheln mit weit herausgestreckter Zunge
  • Dunkelrotes Zahnfleisch
  • Taumeln, Orientierungslosigkeit
  • Erbrechen und/oder Durchfall
  • Kollaps, Bewusstlosigkeit
  • Körpertemperatur über 40 °C

Sofortmaßnahmen:

  1. Hund sofort in den Schatten/kühlen Raum bringen
  2. Kühles (nicht eiskaltes!) Wasser über Pfoten, Bauch und Innenschenkel gießen
  3. Nasse Tücher auf den Körper legen
  4. Wasser zum Trinken anbieten (kleine Mengen)
  5. Sofort zum Tierarzt!

Herz- und Lungenerkrankungen

  • Herzinsuffizienz: Das Herz pumpt nicht mehr effektiv – der Körper versucht, den Sauerstoffmangel durch vermehrtes Hecheln auszugleichen. Besonders bei älteren Hunden.
  • Herzklappenfehler: Häufig bei kleinen Rassen (Cavalier King Charles Spaniel, Dackel)
  • Lungenentzündung: Hecheln + Husten + Fieber
  • Lungenödem: Flüssigkeit in der Lunge – schwere Atemnot
  • Zwerchfellhernie: Bauchorgane drücken in den Brustkorb

Hinweise auf Herz-/Lungenprobleme:

  • Hecheln schon bei geringer Belastung
  • Husten, besonders nachts oder nach dem Aufstehen
  • Bläuliche Zunge oder Zahnfleisch (Zyanose) – NOTFALL!
  • Schnelle Ermüdung bei Spaziergängen
  • Ohnmachtsanfälle

Hormonelle Erkrankungen

Cushing-Syndrom (Hyperadrenokortizismus):

  • Eine der häufigsten Ursachen für „unerklärliches" Hecheln beim älteren Hund
  • Die Nebennieren produzieren zu viel Cortisol
  • Typische Symptome: Starkes Hecheln + vermehrtes Trinken und Urinieren + vermehrter Hunger + dünnes Fell + Hängebauch
  • Gut behandelbar, wenn diagnostiziert

Schilddrüsenüberfunktion:

  • Selten beim Hund (häufiger bei Katzen), aber möglich

Angst und Stress

  • Gewitterangst: Viele Hunde hecheln bei Gewitter oder Feuerwerk heftig
  • Trennungsangst: Hecheln während der Abwesenheit des Besitzers
  • Geräuschempfindlichkeit: Bauarbeiten, laute Musik, unbekannte Geräusche
  • Tierarztbesuch: Stresshecheln in der Praxis

Begleitsymptome bei Angsthecheln:

  • Zittern
  • Speicheln
  • Rückzug oder Klammern
  • Hecheln mit angelegten Ohren und eingezogener Rute

Weitere Ursachen

  • Vergiftung: Hecheln + Erbrechen + Unruhe + Speicheln
  • Fieber: Der Körper versucht, die erhöhte Temperatur durch Hecheln zu senken
  • Blutarmut (Anämie): Weniger rote Blutkörperchen = weniger Sauerstofftransport = kompensatorisches Hecheln
  • Übergewicht: Mehr Körpermasse muss versorgt und gekühlt werden
  • Aufgeblähter Magen / Magendrehung: Hecheln + aufgeblähter Bauch + Unruhe = NOTFALL!
  • Medikamente: Kortison (Prednisolon) verursacht als Nebenwirkung vermehrtes Hecheln, Trinken und Urinieren
  • Larynxparalyse (Kehlkopflähmung): Besonders bei älteren Labradoren und großen Rassen – lautes, raues Hecheln, Atemnot

Hund hechelt nachts – besondere Aufmerksamkeit

Wenn dein Hund nachts im Ruhezustand hechelt, ohne dass es warm ist oder er sich angestrengt hat, solltest du genauer hinschauen:

Mögliche Ursachen:

  • Schmerzen (Arthrose, Bauchschmerzen)
  • Herzerkrankung
  • Cushing-Syndrom
  • Angst oder Unruhe
  • Fieber
  • Medikamenten-Nebenwirkung

Nächtliches Hecheln ist oft ein Frühsymptom, das Besitzer als Erstes bemerken. Ein Tierarztbesuch ist ratsam.

🚨 Wann sofort zum Tierarzt?

  • Bläuliche Zunge oder Schleimhäute – Sauerstoffmangel, NOTFALL!
  • Extremes Hecheln mit Kollaps oder Bewusstlosigkeit
  • Hecheln + aufgeblähter Bauch + Unruhe (Magendrehung!)
  • Verdacht auf Hitzschlag (Hund war in warmem Auto/praller Sonne)
  • Verdacht auf Vergiftung
  • Hecheln + starker Husten + Fieber (Lungenentzündung)
  • Anhaltendes Hecheln in Ruhe über Stunden ohne erkennbare Ursache
  • Hecheln + extreme Schwäche – Hund will nicht aufstehen

Was du zu Hause tun kannst

Bei Hecheln durch Hitze

  • Schattenplatz und kühle Umgebung anbieten
  • Frisches, kühles Wasser bereitstellen
  • Kühlmatte oder nasses Handtuch zum Drauflegen
  • Spaziergänge in die kühlen Morgen- und Abendstunden verlegen
  • Nie den Hund im Auto lassen – auch nicht „nur kurz"!

Bei Hecheln durch Stress

  • Ruhigen Rückzugsort anbieten
  • Thundershirt bei Gewitterangst
  • Beruhigende Musik oder Geräuschkulisse
  • Bei chronischer Angst: professionelles Verhaltenstraining

Bei Hecheln nach Anstrengung

  • Ausreichend Pausen während der Aktivität
  • Wasser mitführen auf Spaziergängen
  • Intensität an Wetter und Fitness des Hundes anpassen
  • Langsames Abkühlen statt abruptes Stoppen

Zusammenfassung

Hecheln ist für Hunde der wichtigste Mechanismus zur Temperaturregulierung und in den meisten Fällen völlig normal. Achte aber auf Hecheln, das ohne offensichtlichen Grund auftritt – besonders in Ruhe, nachts oder in Kombination mit anderen Symptomen. Schmerzen, Herzprobleme, Cushing-Syndrom und Hitzschlag gehören zu den wichtigsten Ursachen für krankhaftes Hecheln. Im Zweifelsfall ist ein Tierarztbesuch immer die richtige Entscheidung, denn dein Hund kann dir nicht sagen, was ihm fehlt.