Was ist Fieber beim Hund?
Fieber ist keine Krankheit, sondern eine Abwehrreaktion des Körpers. Wenn das Immunsystem deines Hundes gegen Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Parasiten kämpft, erhöht es die Körpertemperatur. Diese Temperaturerhöhung hilft dabei, die Vermehrung der Erreger zu hemmen und die Immunabwehr zu aktivieren. Fieber ist also zunächst ein sinnvoller Schutzmechanismus – wird es jedoch zu hoch oder hält zu lange an, kann es selbst gefährlich werden.
Normaltemperatur beim Hund
Die normale Körpertemperatur eines Hundes liegt höher als beim Menschen:
| Kategorie | Temperaturbereich |
|---|---|
| Normaltemperatur | 38,0 – 39,0 °C |
| Leicht erhöht | 39,0 – 39,5 °C |
| Fieber | 39,5 – 41,0 °C |
| Hohes Fieber / Notfall | Über 41,0 °C |
| Lebensbedrohlich | Über 42,0 °C |
Wichtig zu wissen: Die Körpertemperatur deines Hundes schwankt im Tagesverlauf leicht. Abends ist sie tendenziell etwas höher als morgens. Auch nach körperlicher Anstrengung, Aufregung oder an heißen Tagen kann die Temperatur kurzfristig ansteigen, ohne dass echtes Fieber vorliegt. Man spricht dann von Hyperthermie – einer Überhitzung von außen.
Fieber vs. Hyperthermie – der Unterschied
| Merkmal | Fieber | Hyperthermie |
|---|---|---|
| Ursache | Immunreaktion (Infektion, Entzündung) | Äußere Einflüsse (Hitze, Anstrengung) |
| Mechanismus | Sollwert im Gehirn wird erhöht | Körper kann Wärme nicht abgeben |
| Behandlung | Ursache bekämpfen | Sofort kühlen |
| Beispiel | Bakterielle Infektion | Hund im heißen Auto |
Hyperthermie – insbesondere der Hitzschlag – ist ein absoluter Notfall! Wenn dein Hund bei Hitze überhitzt, muss er sofort gekühlt werden und zum Tierarzt.
Fieber erkennen – die Anzeichen
Viele Hundebesitzer fragen sich, ob man Fieber auch ohne Thermometer erkennen kann. Es gibt tatsächlich einige Hinweise, aber sie sind nicht zuverlässig genug, um eine Messung zu ersetzen.
Mögliche Anzeichen für Fieber
- Warme Ohren: Die Ohren fühlen sich heiß an – allerdings sind warme Ohren allein kein sicherer Indikator
- Trockene, warme Nase: Der Klassiker, aber unzuverlässig! Eine warme, trockene Nase kann auch andere Ursachen haben
- Glasige Augen: Der Blick wirkt matt und trüb
- Appetitlosigkeit: Der Hund verweigert sein Futter
- Mattigkeit und Schwäche: Der Hund wirkt abgeschlagen, schläft viel, möchte nicht spazieren gehen
- Zittern: Ähnlich wie Schüttelfrost beim Menschen
- Hecheln: Erhöhte Atemfrequenz auch in Ruhe
- Vermehrtes Trinken: Der Körper versucht, die Temperatur über Flüssigkeitsverlust zu regulieren
- Rückzug: Der Hund sucht kühle Plätze auf und möchte seine Ruhe
- Schneller Herzschlag: Fühlbar an der Brust oder Innenseite des Oberschenkels
Der einzige sichere Weg: Fieber messen
All diese Anzeichen können auch andere Ursachen haben. Der einzige zuverlässige Weg, um Fieber festzustellen, ist die rektale Temperaturmessung.
Fieber messen – Schritt für Schritt
Was du brauchst
- Digitales Fieberthermometer (mit flexibler Spitze, für Hunde besonders angenehm)
- Vaseline oder Gleitgel zum Einfetten der Thermometerspitze
- Eine zweite Person zum Festhalten und Beruhigen des Hundes
- Leckerlis zur Belohnung
Anleitung
- Hund beruhigen: Sprich ruhig mit deinem Hund. Lass ihn von einer zweiten Person sanft festhalten.
- Thermometer vorbereiten: Schalte das Thermometer ein und fette die Spitze mit Vaseline oder Gleitgel ein.
- Thermometer einführen: Hebe vorsichtig die Rute an und führe das Thermometer etwa 2-3 cm in den After ein. Bei kleinen Hunden reichen 1-2 cm.
- Warten: Halte das Thermometer ruhig, bis es piept (meist 30-60 Sekunden).
- Ablesen und belohnen: Lies die Temperatur ab und belohne deinen Hund mit einem Leckerli.
Tipp: Gewöhne deinen Hund schon als Welpen ans Fiebermessen – dann ist es im Ernstfall deutlich einfacher. Übe ab und zu auch ohne konkreten Verdacht, damit es Routine wird.
Alternativen zur rektalen Messung?
- Ohr-Thermometer für Hunde: Es gibt spezielle Infrarot-Ohrthermometer für Tiere. Sie sind weniger genau als die rektale Messung, können aber einen Anhaltspunkt geben.
- Stirn-/Kontaktthermometer: Für Hunde nicht geeignet – zu ungenau durch das Fell.
Ursachen für Fieber beim Hund
Fieber kann viele verschiedene Ursachen haben:
Infektionen (häufigste Ursache)
- Bakterielle Infektionen: Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen, Abszesse, Lungenentzündung, Gebärmutterentzündung (Pyometra)
- Virale Infektionen: Staupe, Parvovirose, Zwingerhusten
- Parasitäre Infektionen: Babesiose (durch Zecken), Leishmaniose
- Pilzinfektionen: Selten, aber möglich
Entzündungen
- Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
- Entzündliche Darmerkrankung (IBD)
- Meningitis (Hirnhautentzündung)
- Immunvermittelte Erkrankungen (Autoimmunerkrankungen)
Weitere Ursachen
- Nach Impfungen: Leichtes Fieber für 1-2 Tage nach einer Impfung ist normal und kein Grund zur Sorge
- Vergiftungen: Verschiedene Toxine können Fieber auslösen
- Tumoren: Bestimmte Krebserkrankungen verursachen chronisches, leichtes Fieber
- Medikamente: Selten, aber manche Medikamente können als Nebenwirkung Fieber auslösen
- Fieber unbekannter Ursache (FUO): In manchen Fällen lässt sich trotz umfangreicher Diagnostik keine Ursache finden
Wann tritt Fieber häufig auf?
- Nach Bissverletzungen oder infizierten Wunden
- Bei Zeckenbissen (Borreliose, Babesiose, Anaplasmose)
- Bei Harnwegsinfektionen (besonders bei Hündinnen)
- Nach Operationen
- Bei ungeimpften Hunden (Infektionskrankheiten)
Was tun, wenn der Hund Fieber hat?
Bei leichtem Fieber (39,5 – 40,5 °C)
- Ruhe: Lass deinen Hund sich ausruhen, kein Spaziergang in der Sonne
- Wasser: Stelle frisches, kühles Wasser bereit und animiere zum Trinken
- Kühle Umgebung: Sorge für einen kühlen Liegeplatz
- Feuchte Tücher: Lege kühle (nicht eiskalte!) feuchte Tücher auf die Pfotenballen, Innenschenkel und Ohren
- Beobachten: Miss die Temperatur alle 2-3 Stunden nach
Hausmittel zur Fiebersenkung
- Feuchte Wadenwickel: Feuchte Tücher um die Pfoten wickeln – das Verdunsten kühlt den Körper
- Kühle Liegefläche: Kühlmatte für Hunde oder ein feuchtes Handtuch zum Drauflegen
- Kühles Wasser anbieten: Kleine Mengen, nicht eiskalt
- Hühnerbrühe (ungewürzt, lauwarm): Enthält Flüssigkeit und Elektrolyte und wird von den meisten Hunden gerne getrunken
Was du NICHT tun solltest
- Keine menschlichen Medikamente geben! Ibuprofen, Paracetamol und Aspirin sind für Hunde giftig!
- Kein Eisbad: Zu schnelle Abkühlung kann gefährlich sein und Schüttelfrost verstärken
- Nicht in die Sonne legen: Auch wenn der Hund zittert – Wärme erhöht die Temperatur weiter
- Nicht zu viel Stress: Lass den Hund in Ruhe, kein Training oder Spiel
🚨 Wann sofort zum Tierarzt?
Geh umgehend zum Tierarzt, wenn:
- Die Temperatur über 41 °C steigt
- Das Fieber länger als 24-48 Stunden anhält
- Dein Hund nicht trinkt oder alles erbricht
- Zusätzliche Symptome: Starke Apathie, blutiger Durchfall, Krämpfe, Atemnot
- Dein Hund ein Welpe oder Senior ist
- Du eine Vergiftung vermutest
- Der Hund kürzlich eine Zecke hatte und jetzt Fieber entwickelt
- Bei unkastrierten Hündinnen mit Fieber und Ausfluss (Verdacht auf Pyometra – Notfall!)
Was macht der Tierarzt?
- Gründliche Untersuchung: Abtasten, Abhören, Fiebermessen
- Blutuntersuchung: Entzündungswerte, Organfunktion, Blutbild
- Urinuntersuchung: Ausschluss einer Harnwegsinfektion
- Ggf. Röntgen/Ultraschall: Suche nach Entzündungsherden
- Fiebersenkende Medikamente: NSAID wie Meloxicam oder Metamizol (nur vom Tierarzt!)
- Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen
- Infusionstherapie: Bei Dehydrierung
Fieber bei Welpen
Bei Welpen ist Fieber immer ernst zu nehmen, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Welpen dehydrieren schneller und können schwerwiegend erkranken. Hier gilt: Lieber einmal zu viel zum Tierarzt als einmal zu wenig.
Ausnahme: Leichtes Fieber (bis 39,5 °C) nach einer Impfung ist bei Welpen normal und klingt innerhalb von 1-2 Tagen ab. Wenn das Fieber höher steigt oder länger anhält, kontaktiere deinen Tierarzt.
Vorbeugung
- Impfungen aktuell halten: Schützt vor fiebrigen Infektionskrankheiten
- Regelmäßiger Zeckenschutz: Borreliose und Babesiose verursachen oft hohes Fieber
- Wunden versorgen: Auch kleine Verletzungen reinigen und desinfizieren, um Infektionen zu vermeiden
- Hitzschlag vermeiden: Hund nie im geschlossenen Auto lassen, bei Hitze Spaziergänge in die kühlen Morgen- und Abendstunden verlegen
- Regelmäßige Vorsorge: Jährliche Gesundheitschecks beim Tierarzt
Zusammenfassung
Fieber beim Hund ist ein wichtiges Warnsignal, das du ernst nehmen solltest. Die einzige zuverlässige Methode zur Feststellung ist die rektale Temperaturmessung. Bei leichtem Fieber kannst du deinen Hund mit kühlen Tüchern, Ruhe und viel Wasser unterstützen. Bei Temperaturen über 41 °C, anhaltendem Fieber oder zusätzlichen Symptomen ist der Tierarztbesuch unumgänglich. Gib deinem Hund niemals menschliche Medikamente – das kann lebensgefährlich sein.