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Hund – Gesundheit18.2.2026

Arthrose beim Hund – Symptome, Behandlung und Schmerzlinderung

Was ist Arthrose?

Arthrose (Osteoarthrose) ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der der Gelenkknorpel nach und nach abgebaut wird. Der Knorpel dient als Schutzschicht zwischen den Knochen – wird er dünner oder verschwindet ganz, reiben die Knochenoberflächen direkt aufeinander. Das verursacht Schmerzen, Entzündungen und eine zunehmende Versteifung des Gelenks.

Arthrose ist nicht heilbar – der verlorene Knorpel wächst nicht nach. Die Behandlung zielt darauf ab, das Fortschreiten zu verlangsamen, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität deines Hundes zu erhalten.

Wie häufig ist Arthrose?

Die Zahlen sind erschreckend hoch:

  • Rund 20 % aller Hunde über einem Jahr haben Arthrose
  • Bei Hunden über 7 Jahren ist es jeder zweite
  • Bei großen Rassen noch häufiger
  • Arthrose ist die häufigste Ursache für chronische Schmerzen beim Hund

Welche Gelenke sind betroffen?

Grundsätzlich kann jedes Gelenk betroffen sein, am häufigsten:

  • Hüftgelenk (besonders bei HD)
  • Ellbogengelenk (besonders bei ED)
  • Kniegelenk (oft nach Kreuzbandriss)
  • Schultergelenk
  • Wirbelsäule (Spondylose)
  • Sprunggelenk

Ursachen

Primäre Arthrose

Entsteht durch normalen Verschleiß im Alter – die Knorpelqualität nimmt mit der Zeit ab.

Sekundäre Arthrose (häufiger!)

Entwickelt sich als Folge anderer Erkrankungen oder Fehlbelastungen:

  • Hüftdysplasie (HD): Die Fehlstellung des Gelenks führt zu ungleichmäßiger Belastung und beschleunigtem Knorpelabrieb.
  • Ellbogendysplasie (ED): Entwicklungsstörung mit früher Arthrosebildung.
  • Kreuzbandriss: Instabilität des Kniegelenks beschleunigt den Knorpelabbau.
  • Knochenbrüche mit Gelenkbeteiligung: Auch nach guter Heilung bleibt oft ein erhöhtes Arthroserisiko.
  • OCD: Knorpelschäden im Wachstum.
  • Übergewicht: Jedes Kilo zu viel belastet die Gelenke – Übergewicht ist der größte vermeidbare Risikofaktor!
  • Übermäßige Belastung: Zu viel Sport oder einseitige Belastung im Wachstum.

Symptome – wie erkennst du Arthrose?

Hunde sind Meister darin, Schmerzen zu verbergen. Arthrose entwickelt sich schleichend, und viele Besitzer merken erst spät, dass ihr Hund leidet. Achte auf diese Anzeichen:

Frühe Anzeichen

  • Anlaufschmerz: Dein Hund ist nach dem Aufstehen steif und läuft sich erst ein. Die Steifheit bessert sich nach einigen Minuten Bewegung.
  • Geringere Aktivität: Dein Hund läuft ungern lange Strecken, springt nicht mehr ins Auto oder aufs Sofa.
  • Verändertes Aufstehen: Dein Hund braucht mehrere Versuche, um aufzustehen, oder stemmt sich deutlich hoch.
  • Weniger Spieltrieb: Ein Hund, der früher gerne gespielt hat und jetzt nicht mehr mag.

Fortgeschrittene Symptome

  • Deutliches Humpeln oder Lahmheit
  • Schwellung an Gelenken (fühlbar als Verdickung)
  • Muskelabbau (Atrophie) an der betroffenen Gliedmaße
  • Knacken oder Knirschen im Gelenk (Krepitation)
  • Berührungsempfindlichkeit – Hund zuckt weg oder schnappt, wenn das betroffene Gelenk berührt wird
  • Veränderter Gang (steifer, kürzere Schritte)
  • Probleme beim Treppensteigen
  • Wetterfühligkeit – schlechter bei Kälte und Nässe

Verhaltensänderungen durch Schmerz

  • Vermehrtes Schlafen oder Rückzug
  • Gereiztheit oder Aggressivität (Schmerzreaktion)
  • Appetitlosigkeit
  • Unsauberkeit (Schmerzen beim Hinhocken)
  • Vermehrtes Lecken an Gelenken

Diagnose

Der Tierarzt diagnostiziert Arthrose durch:

  1. Klinische Untersuchung: Abtasten der Gelenke, Beweglichkeit prüfen, Schmerzreaktion testen
  2. Ganganalyse: Beurteilung des Bewegungsablaufs
  3. Röntgen: Zeigt typische Veränderungen – Osteophyten (Knochenzubildungen), verschmälerter Gelenkspalt, Sklerose
  4. Ggf. CT oder MRT: Bei unklaren Fällen oder zur OP-Planung

Behandlung

Die Arthrose-Behandlung basiert auf mehreren Säulen, die idealerweise kombiniert werden:

1. Schmerzmanagement

NSAID (nicht-steroidale Entzündungshemmer):

  • Meloxicam, Carprofen, Firocoxib, Robenacoxib
  • Wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend
  • Langzeitgabe möglich unter regelmäßiger Laborkontrolle (Nieren, Leber)

Neuere Schmerztherapien:

  • Librela (Bedinvetmab): Monoklonaler Antikörper, der den Nervenwachstumsfaktor (NGF) blockiert – monatliche Injektion, sehr gut verträglich, revolutionärer Ansatz in der Arthrosetherapie
  • Galliprant (Grapiprant): Selektiver Prostaglandinrezeptor-Antagonist, magenschonender als klassische NSAID
  • Tramadol oder Gabapentin: Bei schweren Schmerzen als Zusatzmedikation

2. Gewichtsmanagement

Der wichtigste und wirksamste Faktor! Studien zeigen, dass allein eine Gewichtsreduktion von 10 % die Lahmheit signifikant verbessern kann. Jedes Kilogramm weniger entlastet die Gelenke.

  • Gewicht regelmäßig kontrollieren
  • Futterration anpassen (Tierarzt beraten lassen)
  • Leckerlis reduzieren oder durch Gemüse ersetzen (Gurkenstücke, Karottensticks)
  • Light-Futter oder spezielles Gelenkfutter verwenden

3. Bewegung – aber richtig!

Bewegung ist wichtig – aber die richtige Art und das richtige Maß:

Empfohlen:

  • Regelmäßige, moderate Spaziergänge (lieber mehrere kurze als ein langer)
  • Schwimmen oder Unterwasserlaufband (gelenkschonend, Muskelaufbau)
  • Gleichmäßiges Laufen auf weichem Untergrund

Vermeiden:

  • Plötzliches Losrennen und Abstoppen
  • Ballspielen mit abrupten Richtungswechseln
  • Springen (ins Auto, vom Sofa)
  • Lange Wanderungen ohne Pausen
  • Treppensteigen (wenn möglich reduzieren)

4. Physiotherapie

  • Unterwasserlaufband – Goldstandard der Hundephysiotherapie
  • Massage und passive Gelenkmobilisation
  • Lasertherapie
  • Wärmebehandlung
  • Gezielte Muskelaufbauübungen

5. Nahrungsergänzung

  • Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA): Wirken entzündungshemmend. Am besten aus Fischöl oder Algenöl.
  • Glucosamin und Chondroitin: Unterstützen den Knorpelstoffwechsel. Wissenschaftliche Evidenz mäßig, aber nebenwirkungsfrei.
  • Grünlippmuschel: Enthält natürliche Omega-3-Fettsäuren und Glykosaminoglykane.
  • MSM (Methylsulfonylmethan): Schwefelverbindung mit entzündungshemmenden Eigenschaften.
  • Kurkuma (Curcumin): Natürlicher Entzündungshemmer – mit einer Prise schwarzem Pfeffer und etwas Öl für bessere Aufnahme.

6. Umgebung anpassen

  • Orthopädisches Hundebett: Memory-Foam-Matratzen entlasten die Gelenke
  • Rampen: Für den Einstieg ins Auto oder aufs Sofa
  • Rutschfeste Unterlagen: Teppiche oder Matten auf glatten Böden
  • Erhöhter Futternapf: Entlastet Nacken und Vorderbeine
  • Warmer Schlafplatz: Kälte verschlimmert Arthrose

Zusammenfassung

Arthrose ist beim Hund weit verbreitet und nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar. Die Kombination aus Schmerzmedikamenten, Gewichtsmanagement, angepasster Bewegung und Physiotherapie kann die Lebensqualität deines Hundes enorm verbessern. Achte auf frühe Anzeichen wie Anlaufschmerz und verminderte Aktivität – je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Prognose.