Was ist Hautpilz beim Hund?
Hautpilz – medizinisch Dermatophytose – ist eine Pilzinfektion der Haut, der Haare und manchmal der Krallen beim Hund. Im Volksmund wird die Erkrankung auch als Ringelflechte bezeichnet, weil die typischen Hautveränderungen oft eine kreisrunde Form annehmen. Es handelt sich dabei allerdings nicht um einen Wurm oder eine „Flechte", sondern um eine reine Pilzinfektion.
Die häufigsten Erreger beim Hund sind:
- Microsporum canis: Der häufigste Dermatophyt bei Hund und Katze (ca. 70 % der Fälle)
- Microsporum gypseum: Ein Bodenpilz – Hunde stecken sich beim Graben an
- Trichophyton mentagrophytes: Kommt von Nagetieren, seltener beim Hund
Diese Pilze ernähren sich von Keratin – dem Protein, aus dem Haare, Haut und Krallen bestehen. Sie dringen in die Haarfollikel und die obere Hautschicht ein und zerstören dort das Gewebe, was zu den typischen Symptomen führt.
Ist Hautpilz beim Hund gefährlich?
Hautpilz ist in der Regel nicht lebensbedrohlich, aber:
- Er ist hochgradig ansteckend – auch für Menschen und andere Haustiere (Zoonose!)
- Ohne Behandlung breitet er sich aus und kann großflächige Hautschäden verursachen
- Er kann bei immungeschwächten Hunden schwer verlaufen
- Die Behandlung dauert oft Wochen bis Monate
- Kontaminierte Umgebungen sind ohne gründliche Reinigung eine ständige Reinfektionsquelle
Wie steckt sich ein Hund an?
Dermatophyten werden über verschiedene Wege übertragen:
- Direkter Kontakt mit infizierten Tieren (Hunde, Katzen, Nagetiere, Igel)
- Kontaminierte Gegenstände: Bürsten, Decken, Spielzeug, Transportboxen, Halsbänder
- Kontaminierte Umgebung: Pilzsporen sind extrem widerstandsfähig und können in der Umgebung bis zu 18 Monate überleben!
- Kontaminierter Boden: Besonders Microsporum gypseum kommt im Erdreich vor
Risikofaktoren
- Welpen und Junghunde: Unreifes Immunsystem
- Immungeschwächte Hunde: Durch Krankheit, Medikamente (Cortison, Chemotherapie) oder Stress
- Hunde in Mehrhaltung: Tierheime, Hundepensionen, Zuchtbetriebe
- Vorgeschädigte Haut: Kleine Verletzungen, Feuchtigkeit, Parasiten
- Bestimmte Rassen: Yorkshire Terrier und Jack Russell Terrier scheinen anfälliger zu sein
Symptome – woran du Hautpilz erkennst
Das klassische Bild eines Hautpilzes beim Hund ist relativ charakteristisch, kann aber auch leicht mit anderen Hauterkrankungen verwechselt werden.
Typische Symptome
- Kreisrunde kahle Stellen (das Leitsymptom!): Scharf begrenzte, runde bis ovale Bereiche mit Haarausfall
- Schuppige, krustige Haut im betroffenen Bereich
- Graue oder rötliche Verfärbung der Haut
- Abgebrochene Haare: Die Haare brechen kurz über der Hautoberfläche ab und hinterlassen Stoppeln
- Juckreiz: Variabel – manche Hunde kratzen sich stark, andere kaum
- Verdickte, raue Haut (bei chronischem Verlauf)
- Krustenbildung und leichte Entzündung
Typische betroffene Stellen
- Kopf (Ohren, Schnauze, Augenbereich)
- Pfoten und Beine
- Schwanzansatz
- Grundsätzlich kann jede Körperstelle betroffen sein
Krallenbefall (Onychomykose)
In manchen Fällen befällt der Pilz auch die Krallen:
- Brüchige, verformte Krallen
- Verfärbungen (gelblich, bräunlich)
- Lockere oder abfallende Krallen
- Schwer zu behandeln und langwierig
Asymptomatische Träger
Besonders tückisch: Manche Hunde (und vor allem Katzen!) tragen den Pilz ohne sichtbare Symptome und verbreiten die Sporen trotzdem in der Umgebung. In Mehrhundehaushalten kann das die Bekämpfung erheblich erschweren.
Diagnose
Wood-Lampe (UV-Licht)
- Microsporum canis fluoresziert unter UV-Licht (Wood-Lampe) apfelgrün
- Schnell und schmerzlos, aber: Nur etwa 50 % der M.-canis-Stämme zeigen diese Fluoreszenz
- Andere Pilzarten fluoreszieren nicht
- Ein negativer Wood-Lampen-Test schließt Hautpilz NICHT aus!
Pilzkultur (Dermatophytenkultur)
- Der Goldstandard der Diagnostik
- Haare und Schuppen vom Rand der betroffenen Stelle werden auf ein spezielles Nährmedium (DTM = Dermatophyte Test Medium) aufgebracht
- Ergebnis: Nach 7-21 Tagen – Pilzwachstum und Farbumschlag des Nährmediums
- Genaue Identifikation des Erregers möglich
Mikroskopische Untersuchung (Trichogramm)
- Haare werden unter dem Mikroskop auf Pilzsporen und -hyphen untersucht
- Schnelleres Ergebnis als die Kultur
- Erfordert Erfahrung, falsch-negative Ergebnisse möglich
PCR-Test
- Modernste Methode, weist Pilz-DNA nach
- Schnell und sehr empfindlich
- Kann auch bei asymptomatischen Trägern positiv sein
Behandlung
Die Behandlung von Hautpilz erfordert Geduld und Konsequenz – sie dauert oft 6-12 Wochen und umfasst immer drei Säulen: lokale Therapie, systemische Therapie und Umgebungsbehandlung.
1. Lokale Therapie (topisch)
- Antimykotische Waschungen: Enilconazol (Imaverol) oder Miconazol/Chlorhexidin-Shampoo
- Den ganzen Hund waschen (nicht nur die betroffenen Stellen!) – Pilzsporen sitzen überall im Fell
- 2 Mal pro Woche über die gesamte Behandlungsdauer
- Einwirkzeit beachten (je nach Produkt 5-10 Minuten)
- Lokale Cremes/Salben: Clotrimazol oder Miconazol – nur als Ergänzung, nicht als alleinige Therapie
2. Systemische Therapie (Tabletten)
Bei ausgedehntem Befall, Krallenbefall oder wenn die lokale Therapie allein nicht ausreicht:
- Itraconazol: Mittel der Wahl, gute Wirksamkeit und Verträglichkeit. Wird oft als Pulstherapie gegeben (1 Woche Gabe, 1 Woche Pause).
- Terbinafin: Gut wirksam, weniger Wechselwirkungen als Itraconazol
- Griseofulvin: Älteres Medikament, heute seltener verwendet wegen Nebenwirkungen
Wichtig: Die systemische Therapie muss mindestens 2 Wochen über die klinische Heilung hinaus fortgesetzt werden! Die Behandlung wird erst beendet, wenn zwei negative Pilzkulturen im Abstand von 2-4 Wochen vorliegen.
3. Umgebungsbehandlung – UNVERZICHTBAR!
Pilzsporen überleben in der Umgebung bis zu 18 Monate. Ohne gründliche Umgebungsreinigung ist eine Heilung kaum möglich:
Täglich:
- Staubsaugen aller Böden und Polstermöbel (Staubsaugerbeutel danach entsorgen)
- Glatte Böden mit Chlorlösung (1:10 Bleiche verdünnt) oder Enilconazol-Lösung wischen
Regelmäßig:
- Decken, Kissenbezüge und Textilien bei mindestens 60 °C waschen (besser 90 °C, wenn möglich)
- Bürsten, Kämme und Spielzeug in Desinfektionslösung einlegen oder entsorgen
- Transportbox, Halsband, Geschirr reinigen und desinfizieren
Besonders hartnäckig:
- Teppiche, Polster und Kratzbäume (bei Katzen) sind besonders schwer zu reinigen
- Im Zweifelsfall stark kontaminierte Textilien entsorgen
- HEPA-Filter im Staubsauger verwenden
Ansteckungsgefahr für Menschen
Hautpilz beim Hund ist eine Zoonose – er kann auf Menschen übertragen werden! Besonders gefährdet sind:
- Kinder
- Ältere Menschen
- Immungeschwächte Personen
Beim Menschen zeigt sich die Infektion typischerweise als rote, ringförmige, juckende Hautveränderung – klassische Ringelflechte. Bevorzugte Stellen: Arme, Gesicht, Brust (dort, wo Kontakt mit dem Tier war).
Schutzmaßnahmen
- Hände gründlich waschen nach Kontakt mit dem infizierten Hund
- Handschuhe tragen beim Eincremen oder Waschen
- Schlafzimmer für den infizierten Hund sperren
- Kinder besonders aufklären (kein Kuscheln mit dem Gesicht)
- Bei Hautveränderungen beim Menschen: sofort zum Hautarzt!
Andere Haustiere im Haushalt
Alle Tiere im Haushalt (Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen) sollten:
- Tierärztlich untersucht werden (auch ohne Symptome → asymptomatische Träger!)
- Ggf. prophylaktisch mitbehandelt werden
- Pilzkulturen angelegt bekommen
Verlauf und Prognose
- Behandlungsdauer: Typischerweise 6-12 Wochen
- Haarwachstum: Die kahlen Stellen beginnen nach 2-4 Wochen wieder zu behaaren
- Heilung bestätigen: Erst durch zwei negative Pilzkulturen – nicht nur durch das Verschwinden der Symptome!
- Prognose: Bei konsequenter Behandlung sehr gut. Ohne Behandlung: chronischer Verlauf mit zunehmender Ausbreitung.
Zusammenfassung
Hautpilz beim Hund ist eine ansteckende, aber gut behandelbare Pilzinfektion. Kreisrunde kahle Stellen mit schuppiger Haut sind das typische Symptom. Die Behandlung umfasst lokale Waschungen, systemische Medikamente und eine gründliche Umgebungsreinigung – alle drei Säulen sind unverzichtbar. Die Behandlung dauert mehrere Wochen und sollte erst nach negativen Kontrollkulturen beendet werden. Beachte die Ansteckungsgefahr für Menschen und andere Haustiere und halte strenge Hygienemaßnahmen ein.