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Hund – Gesundheit18.2.2026

Hund Allergie – Symptome, Auslöser und Behandlung

Was ist eine Allergie beim Hund?

Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Substanzen – sogenannte Allergene. Statt diese zu ignorieren, stuft das Immunsystem sie als gefährlich ein und startet eine Abwehrreaktion. Das Ergebnis: Juckreiz, Entzündungen, Hautprobleme und Verdauungsstörungen.

Allergien sind beim Hund extrem häufig. Schätzungen zufolge leiden 10-15 % aller Hunde an einer Allergie. Sie gehören zu den häufigsten Gründen für Tierarztbesuche und können die Lebensqualität deines Hundes erheblich beeinträchtigen.

Die drei häufigsten Allergietypen

  1. Flohspeichelallergie (FAD) – die häufigste Allergie beim Hund
  2. Umweltallergie / Atopische Dermatitis – die zweithäufigste
  3. Futtermittelallergie – seltener als oft angenommen

Flohspeichelallergie (Flohallergiedermatis)

Die Flohspeichelallergie ist die häufigste Allergie beim Hund. Dabei reagiert der Hund allergisch auf Proteine im Speichel des Flohs. Schon ein einziger Flohbiss kann massiven Juckreiz auslösen, der tagelang anhält.

Symptome

  • Extremer Juckreiz, besonders am Schwanzansatz, Rücken und Hinterbeinen
  • Haarausfall durch ständiges Kratzen und Beißen
  • Rote, entzündete Haut
  • Hotspots (akute feuchte Dermatitis)
  • Krustenbildung und Schuppenbildung
  • Oft sind keine Flöhe sichtbar – bei allergischen Hunden reicht ein einzelner Floh!

Behandlung

  • Konsequenter Flohschutz – das A und O! Ganzjährig, nicht nur im Sommer
  • Spot-on-Präparate, Tabletten (Bravecto, NexGard, Simparica) oder Halsbänder (Seresto)
  • Umgebungsbehandlung: Flöhe leben nicht auf dem Hund, sondern in der Umgebung! Teppiche saugen, Decken bei 60 °C waschen, Umgebungsspray verwenden
  • Bei akutem Schub: Juckreiz lindernde Medikamente vom Tierarzt

Umweltallergie (Atopische Dermatitis)

Die atopische Dermatitis ist eine genetisch bedingte Veranlagung, auf Umweltallergene übermäßig zu reagieren. Sie ist vergleichbar mit Heuschnupfen und Neurodermitis beim Menschen.

Häufige Allergene

  • Pollen: Gräser, Bäume, Kräuter (saisonal)
  • Hausstaubmilben: Ganzjährig, oft schlimmer im Winter (Heizungsluft)
  • Schimmelpilzsporen: Ganzjährig oder saisonal
  • Lagermilben: Besonders in Trockenfutter und Getreide

Symptome

  • Juckreiz an typischen Stellen: Pfoten, Ohren, Bauch, Achseln, Leisten, Gesicht
  • Pfotenlecken: Rötlich-braune Verfärbung des Fells zwischen den Zehen (Speichelverfärbung)
  • Ohrenentzündungen: Wiederkehrende Otitis externa – eines der häufigsten Zeichen!
  • Hautrötung und Ausschlag
  • Wiederkehrende Hautinfektionen (Bakterien, Hefepilze)
  • Haarausfall an betroffenen Stellen
  • Typisch: Symptome beginnen zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr

Besonders betroffene Rassen

  • West Highland White Terrier
  • Labrador Retriever
  • Golden Retriever
  • Deutscher Schäferhund
  • Französische Bulldogge
  • Boxer
  • Shar-Pei
  • Dalmatiner

Diagnose

  • Ausschlussdiagnose: Zuerst müssen Flohbefall, Futtermittelallergie und andere Hautkrankheiten ausgeschlossen werden
  • Allergietest: Intrakutantest (Goldstandard) oder Bluttest (IgE-Serologie) identifizieren die spezifischen Allergene
  • Die Diagnose dauert oft Monate – Geduld ist gefragt

Behandlung

Akut – Juckreiz lindern:

  • Apoquel (Oclacitinib): Schnell wirksames Anti-Juckreiz-Medikament, Wirkung oft innerhalb von Stunden
  • Cytopoint (Lokivetmab): Monatliche Injektion, monoklonaler Antikörper gegen Juckreiz, sehr gut verträglich
  • Kortison: Wirkt schnell und stark, aber wegen Nebenwirkungen nur kurzfristig empfohlen

Langfristig – Ursache angehen:

  • Hyposensibilisierung (Allergen-Immuntherapie): Die einzige ursächliche Behandlung! Über Monate werden dem Hund steigende Dosen des Allergens injiziert, um das Immunsystem daran zu gewöhnen. Erfolgsrate: 60-70 %. Dauer: Mindestens 12 Monate
  • Hautpflege: Regelmäßiges Baden mit medizinischen Shampoos, Pfoten nach dem Spaziergang abwaschen
  • Milbenreduzierung: Bei Hausstaubmilbenallergie – Bett regelmäßig waschen, milbendichte Bezüge
  • Omega-3-Fettsäuren: Unterstützen die Hautbarriere

Futtermittelallergie

Futtermittelallergien sind seltener als oft angenommen – nur etwa 10-15 % der allergischen Hunde haben eine echte Futtermittelallergie. Sie wird oft mit Futtermittelunverträglichkeiten (ohne Immunbeteiligung) verwechselt.

Häufige Allergene im Futter

  • Rindfleisch (häufigste Ursache)
  • Huhn
  • Milchprodukte
  • Weizen und Getreide
  • Soja
  • Lamm
  • Ei

Symptome

  • Juckreiz: Ganzjährig, unabhängig von der Jahreszeit
  • Ohrenprobleme: Wiederkehrende Ohrenentzündungen
  • Magen-Darm-Symptome: Durchfall, Erbrechen, Blähungen, weicher Stuhl
  • Hautprobleme: Rötungen, Ausschlag, besonders an Pfoten, Ohren und Bauch
  • Symptome sind nicht saisonabhängig – das unterscheidet sie von Umweltallergien

Diagnose: Die Ausschlussdiät

Der einzige zuverlässige Weg, eine Futtermittelallergie zu diagnostizieren, ist die Ausschlussdiät (Eliminationsdiät):

  1. 8-12 Wochen ausschließlich eine Proteinquelle und eine Kohlenhydratquelle füttern, die der Hund noch nie hatte (z. B. Pferd + Süßkartoffel, Känguru + Kartoffel)
  2. Keine Leckerlis, keine Tischreste, keine Kauartikel – wirklich NICHTS anderes!
  3. Alternativ: Hydrolysiertes Futter (die Proteine sind so stark zerkleinert, dass das Immunsystem sie nicht erkennt)
  4. Wenn sich die Symptome bessern: Provokationstest – altes Futter wieder anbieten. Kehren die Symptome zurück, ist die Allergie bestätigt

Wichtig: Bluttests auf Futtermittelallergien sind nicht zuverlässig und führen oft zu falschen Ergebnissen. Nur die Ausschlussdiät liefert eine sichere Diagnose.

Behandlung

  • Vermeidung des Allergens – die einzige wirksame Langzeittherapie
  • Spezielles Allergiefutter mit einer einzigen Proteinquelle oder hydrolysiertem Protein
  • Konsequent bleiben – auch bei Leckerlis und Kauartikeln!

Kontaktallergie

Selten, aber möglich: Manche Hunde reagieren allergisch auf Substanzen, mit denen ihre Haut direkt in Kontakt kommt.

Mögliche Auslöser:

  • Reinigungsmittel und Bodenreiniger
  • Waschmittel (Hundedecken)
  • Bestimmte Pflanzen
  • Plastik (Futternapf – besser Edelstahl oder Keramik verwenden)
  • Kontakt mit bestimmten Materialien

Symptome: Rötung und Juckreiz an den Kontaktstellen (Bauch, Pfoten, Schnauze).

Wann zum Tierarzt?

Geh zum Tierarzt, wenn:

  • Dein Hund sich ständig kratzt, leckt oder beißt
  • Wiederkehrende Ohrenentzündungen auftreten
  • Haarausfall oder offene Stellen entstehen
  • Hotspots auftreten
  • Dein Hund regelmäßig Magen-Darm-Probleme hat
  • Die Symptome die Lebensqualität deines Hundes beeinträchtigen
  • Du den Verdacht auf eine Allergie hast

Wichtig: Geduld mitbringen!

Die Allergiediagnose und -behandlung beim Hund ist ein langwieriger Prozess. Ausschlussdiäten dauern Wochen bis Monate, Hyposensibilisierungen brauchen mindestens ein Jahr, und oft müssen mehrere Therapien kombiniert werden. Aber: Mit der richtigen Behandlung können die meisten allergischen Hunde ein gutes, weitgehend symptomfreies Leben führen.

Zusammenfassung

Allergien beim Hund sind häufig und zeigen sich vor allem durch Juckreiz und Hautprobleme. Die drei Haupttypen sind Flohspeichelallergie, Umweltallergie und Futtermittelallergie. Die Diagnose erfordert Geduld und eine systematische Vorgehensweise. Konsequenter Flohschutz, eine gezielte Ausschlussdiät und bei Bedarf Medikamente wie Apoquel oder Cytopoint können die Lebensqualität deines Hundes enorm verbessern.