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Patellaluxation beim Hund – Symptome, Grade und Behandlung
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Hund – Gesundheit25.2.2026

Patellaluxation beim Hund – Symptome, Grade und Behandlung

Was ist eine Patellaluxation beim Hund?

Bei einer Patellaluxation springt die Kniescheibe (Patella) deines Hundes aus ihrer natürlichen Gleitrinne im Oberschenkelknochen heraus. Das passiert entweder nach innen (medial) oder nach außen (lateral). In über 80 Prozent der Fälle luxiert die Kniescheibe nach innen – besonders häufig bei kleinen Rassen.

Die Patellaluxation gehört zu den häufigsten orthopädischen Erkrankungen beim Hund. Etwa 7 Prozent aller Welpen kommen mit einer Veranlagung dafür auf die Welt. Kleine Hunderassen wie Chihuahua, Yorkshire Terrier, Malteser und Zwergpudel sind deutlich häufiger betroffen als große Rassen. Bei großen Hunden tritt die Luxation dagegen häufiger nach außen auf.

Ursachen der Patellaluxation

Die meisten Patellaluxationen sind angeboren oder genetisch bedingt. Die Gleitrinne (Trochlea) im Oberschenkelknochen ist zu flach oder die Beinachse stimmt nicht. Das führt dazu, dass die Kniescheibe nicht stabil in ihrer Rinne gleitet.

Seltener entsteht eine Patellaluxation durch ein Trauma – etwa einen Unfall oder einen Sprung aus großer Höhe. Auch Übergewicht kann die Belastung auf die Kniegelenke erhöhen und eine bestehende Veranlagung verschlimmern.

Die vier Grade der Patellaluxation

Tierärzte teilen die Patellaluxation in vier Schweregrade ein:

Grad I – Gelegentliche Luxation

Die Kniescheibe springt nur selten heraus und gleitet von selbst wieder zurück. Dein Hund zeigt kaum Symptome. Vielleicht hält er ab und zu kurz ein Hinterbein hoch und läuft dann normal weiter. Viele Besitzer bemerken Grad I gar nicht – oft wird er zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt.

Grad II – Häufige Luxation

Die Kniescheibe luxiert regelmäßig, lässt sich aber noch manuell zurückschieben. Dein Hund humpelt deutlicher und zeigt das typische „Hüpfen" – er läuft ein paar Schritte auf drei Beinen, streckt das betroffene Bein kurz durch und läuft dann weiter. Bei Grad II empfehlen die meisten Tierärzte bereits eine Operation.

Grad III – Dauerluxation mit Repositionsmöglichkeit

Die Kniescheibe ist dauerhaft luxiert. Sie lässt sich zwar noch manuell in die Rinne zurückdrücken, springt aber sofort wieder heraus. Dein Hund zeigt eine dauerhafte Lahmheit und eine veränderte Beinstellung. Eine OP ist hier dringend empfohlen.

Grad IV – Fixierte Luxation

Die Kniescheibe ist permanent luxiert und lässt sich nicht mehr zurückschieben. Das Kniegelenk ist stark verformt, dein Hund kann das Bein kaum noch belasten. Ohne Operation leidet er an chronischen Schmerzen und Arthrose.

Symptome: So erkennst du eine Patellaluxation

Die Symptome hängen stark vom Schweregrad ab. Typische Anzeichen sind:

  • Plötzliches Hüpfen auf drei Beinen – dein Hund hält kurz ein Hinterbein hoch, streckt es und läuft dann normal weiter
  • Wechselnde Lahmheit – mal humpelt er, mal nicht
  • Steifer Gang – besonders nach dem Aufstehen oder nach Ruhephasen
  • Knirsch- oder Knackgeräusche im Kniegelenk
  • Vermeidung von Sprüngen – dein Hund springt ungern aufs Sofa oder ins Auto
  • X-Beinstellung bei beiden Hinterbeinen (bei beidseitiger Luxation)
  • Berührungsempfindlichkeit am Knie

Bei vielen kleinen Hunden bleibt die Patellaluxation lange unbemerkt, weil sie das geringe Gewicht gut kompensieren. Achte daher besonders bei Rassen mit Veranlagung auf subtile Anzeichen.

Diagnose beim Tierarzt

Die Diagnose einer Patellaluxation ist für erfahrene Tierärzte recht einfach. Durch gezielte Tastuntersuchung (Palpation) prüft der Tierarzt, ob sich die Kniescheibe aus der Rinne schieben lässt und wie leicht sie zurückgleitet.

Zusätzlich werden häufig Röntgenaufnahmen angefertigt. Sie zeigen:

  • Die Position der Kniescheibe
  • Die Tiefe der Gleitrinne
  • Eventuelle Arthrosezeichen
  • Die Beinachsenstellung

Bei Verdacht auf weitere Gelenkprobleme – etwa einen Kreuzbandriss – kann ein CT oder MRT sinnvoll sein.

Behandlung: Konservativ oder OP?

Konservative Behandlung (Grad I)

Bei Grad I ohne klinische Symptome reicht oft eine konservative Therapie:

  • Gewichtskontrolle: Übergewicht belastet die Knie enorm. Halte deinen Hund schlank.
  • Angepasste Bewegung: Regelmäßige, moderate Spaziergänge stärken die Muskulatur rund um das Knie. Vermeide abrupte Sprünge und Wendungen.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen und Unterwasserlaufband können die Kniemuskulatur aufbauen.
  • Gelenknahrungsergänzung: Glucosamin und Chondroitin können den Knorpel unterstützen.
  • Entzündungshemmer: Bei Schmerzschüben kann dein Tierarzt kurzzeitig Schmerzmittel verschreiben.

Operative Behandlung (Grad II–IV)

Ab Grad II ist eine Operation in den meisten Fällen die beste Option. Ohne OP schreitet die Gelenkzerstörung fort und es entwickelt sich eine schmerzhafte Arthrose.

Gängige OP-Methoden:

  1. Trochleakeilvertiefung: Die Gleitrinne wird chirurgisch vertieft, damit die Kniescheibe besser geführt wird.
  2. Versetzung der Tuberositas tibiae: Der Ansatzpunkt des Kniescheibenbandes am Schienbein wird versetzt, um die Zugrichtung zu korrigieren.
  3. Kapselraffung: Die Gelenkkapsel wird gestrafft, um die Kniescheibe in Position zu halten.
  4. Kombination: Bei schweren Fällen werden mehrere Techniken kombiniert.

OP-Kosten

Die Kosten für eine Patellaluxation-OP variieren je nach Schweregrad und Klinik:

GradGeschätzte Kosten
Grad II800–1.500 €
Grad III1.200–2.000 €
Grad IV1.500–2.500 €

Dazu kommen Nachsorge, Röntgenbilder und Physiotherapie. Eine Tierkrankenversicherung kann diese Kosten erheblich abfedern.

Nachsorge nach der OP

Die Nachsorge ist entscheidend für den Erfolg der Operation:

  • Erste 2 Wochen: Strikte Ruhe, nur kurze Leinenspaziergänge zum Lösen. Kein Springen, kein Toben.
  • Woche 3–6: Langsame Steigerung der Spaziergänge. Physiotherapie beginnt.
  • Woche 6–12: Schrittweise Rückkehr zur normalen Aktivität. Schwimmen und Unterwasserlaufband sind ideal.
  • Ab Monat 3: Vollbelastung möglich, weiterhin keine extremen Sprünge.

Die Erfolgsrate bei Grad-II- und Grad-III-Operationen liegt bei über 90 Prozent. Bei Grad IV sinkt sie auf etwa 50–60 Prozent, weshalb eine frühzeitige Operation so wichtig ist.

Kann man einer Patellaluxation vorbeugen?

Da die Erkrankung meist genetisch bedingt ist, lässt sie sich nicht vollständig verhindern. Du kannst aber das Risiko einer Verschlechterung minimieren:

  • Gewicht kontrollieren – schlank bleiben ist der wichtigste Faktor
  • Rutschige Böden vermeiden – Teppiche oder rutschfeste Matten auf Fliesen und Parkett legen
  • Sprünge minimieren – Rampen für Sofa und Auto anbieten
  • Muskulatur stärken – regelmäßige, kontrollierte Bewegung
  • Zuchtauswahl – seriöse Züchter lassen die Elterntiere auf Patellaluxation untersuchen

Häufige Fragen zur Patellaluxation

Ist Patellaluxation schmerzhaft?

Bei Grad I oft nicht. Ab Grad II verursacht die ständige Fehlbelastung aber zunehmend Schmerzen und Arthrose. Hunde zeigen Schmerzen subtil – ein leises Humpeln kann bereits ein Zeichen sein.

Kann eine Patellaluxation von allein heilen?

Nein. Eine Patellaluxation heilt nicht von allein. Ohne Behandlung verschlechtert sich der Zustand mit der Zeit, weil der Knorpel zunehmend geschädigt wird.

Muss jede Patellaluxation operiert werden?

Nein. Grad I ohne Symptome kann konservativ behandelt werden. Ab Grad II empfehlen die meisten Orthopäden eine OP, um langfristige Schäden zu vermeiden.

Kann die Kniescheibe nach einer OP erneut luxieren?

Die Rezidivrate liegt bei etwa 10 Prozent. Bei Grad IV ist das Risiko höher. Eine konsequente Nachsorge mit Physiotherapie senkt das Rückfallrisiko deutlich.

Fazit

Die Patellaluxation ist eine häufige, aber gut behandelbare Erkrankung. Wenn dein Hund humpelt oder regelmäßig ein Hinterbein hochhält, lass ihn zeitnah vom Tierarzt untersuchen. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Chancen auf eine vollständige Genesung – ob konservativ bei Grad I oder chirurgisch ab Grad II.