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Hund – Gesundheit18.2.2026

Kreuzbandriss beim Hund – Symptome, OP und Kosten

Was ist ein Kreuzbandriss beim Hund?

Der Kreuzbandriss – genauer gesagt der Riss des vorderen Kreuzbands (Ligamentum cruciatum craniale) – ist eine der häufigsten orthopädischen Erkrankungen beim Hund. Während beim Menschen ein Kreuzbandriss meist durch ein plötzliches Trauma (Sportunfall) entsteht, verläuft der Prozess beim Hund in der Regel anders: Das Band degeneriert über Monate bis Jahre hinweg und reißt dann bei einer vergleichsweise geringen Belastung – ein Sprung, eine schnelle Drehbewegung oder wildes Toben.

Aufgabe des Kreuzbands

Das vordere Kreuzband stabilisiert das Kniegelenk, indem es verhindert, dass der Unterschenkelknochen (Tibia) nach vorne rutscht. Wenn das Band reißt, wird das Kniegelenk instabil – der Hund kann das Bein nicht mehr normal belasten und entwickelt schnell eine Arthrose.

Teilriss vs. vollständiger Riss

  • Teilriss (Partialruptur): Einzelne Fasern des Bandes sind gerissen. Der Hund zeigt eine intermittierende Lahmheit, die mal besser, mal schlechter wird. Ein Teilriss wird häufig mit der Zeit zu einem vollständigen Riss.
  • Vollständiger Riss (Totalruptur): Das Band ist komplett durchtrennt. Der Hund belastet das Bein deutlich weniger oder gar nicht mehr.

Symptome

Die Symptome eines Kreuzbandrisses können je nach Schweregrad variieren:

Bei einem akuten (vollständigen) Riss

  • Plötzliche, starke Lahmheit an der Hinterhand – oft während des Spielens oder Laufens
  • Hund belastet das Bein kaum oder gar nicht
  • Schwellung am Kniegelenk (innere Seite)
  • Hund setzt sich schräg hin mit ausgestrecktem Bein (Entlastungshaltung)
  • Schmerzen beim Berühren des Knies

Bei einem chronischen Teilriss

  • Wechselnde Lahmheit: An manchen Tagen fast normal, an anderen deutlich humpelnd
  • Anlaufschmerz: Steifheit nach dem Aufstehen, die sich beim Laufen bessert
  • Muskelschwund (Atrophie) am betroffenen Bein
  • Zunehmende Arthrose im Kniegelenk

Wichtig zu wissen

Bei etwa 40-60 % aller Hunde reißt innerhalb von 1-2 Jahren auch das Kreuzband im anderen Knie! Der Grund: Die zugrunde liegende Degeneration betrifft meist beide Seiten.

Risikofaktoren

  • Übergewicht: Der größte vermeidbare Risikofaktor – Übergewicht belastet die Bänder enorm.
  • Große Rassen: Labrador, Golden Retriever, Rottweiler, Boxer und Neufundländer sind überdurchschnittlich häufig betroffen.
  • Alter: Am häufigsten bei Hunden mittleren Alters (5-8 Jahre), aber auch jüngere Hunde können betroffen sein.
  • Kastrierte Hunde: Studien zeigen ein erhöhtes Risiko bei kastrierten Hunden, möglicherweise durch hormonelle Veränderungen der Bandstruktur.
  • Mangelnde Fitness: Wenig Bewegung schwächt die Muskulatur, die das Knie stabilisiert.

Diagnose beim Tierarzt

Klinische Tests

  • Schubladentest: Der Tierarzt fixiert den Oberschenkel und versucht, den Unterschenkel nach vorne zu schieben. Bei einem Kreuzbandriss lässt sich die Tibia abnormal weit nach vorne verschieben.
  • Tibiakompressionstest: Durch Beugung des Sprunggelenks wird Druck auf die Tibia ausgeübt. Bei einem Kreuzbandriss schiebt sich die Tibia nach vorne.

Wichtig: Bei einem teilweisen Riss oder bei sehr muskulösen/angespannten Hunden können diese Tests falsch-negativ sein. Manchmal ist eine Untersuchung unter leichter Sedierung notwendig.

Bildgebende Verfahren

  • Röntgen: Zeigt zwar nicht das Band selbst, aber typische Anzeichen wie Gelenkerguss, Arthrose und die Stellung der Knochen zueinander.
  • MRT: Kann den Bandschaden direkt darstellen, wird aber beim Hund selten eingesetzt (teuer, Vollnarkose nötig).

Behandlungsmöglichkeiten

Operative Behandlung (empfohlen)

Für die meisten Hunde – insbesondere für mittlere bis große Rassen – ist die Operation die beste Behandlungsoption. Es gibt verschiedene OP-Methoden:

TPLO (Tibial Plateau Leveling Osteotomy):

  • Aktuell die am häufigsten durchgeführte und am besten untersuchte Methode
  • Der Winkel des Tibiaplateaus wird verändert, sodass das Kreuzband nicht mehr benötigt wird
  • Hervorragende Langzeitergebnisse
  • Kosten: 1.500 – 3.000 €

TTA (Tibial Tuberosity Advancement):

  • Alternative zur TPLO mit ähnlich guten Ergebnissen
  • Der Ansatz des Kniescheibenbandes wird nach vorne versetzt
  • Technisch etwas weniger aufwändig als TPLO
  • Kosten: 1.200 – 2.500 €

Extrakapsulare Stabilisierung (Fadenzügel-Technik):

  • Ein Kunststofffaden ersetzt die Funktion des Kreuzbands
  • Wird vor allem bei kleinen Hunden (unter 15 kg) eingesetzt
  • Einfacherer Eingriff, günstiger
  • Kosten: 800 – 1.500 €

Konservative Behandlung (ohne OP)

Eine konservative Behandlung kann in bestimmten Fällen erwogen werden:

  • Sehr kleine Hunde (unter 10 kg) – sie können teilweise durch Narbenbildung eine gewisse Stabilität wiedererlangen
  • Hunde mit hohem OP-Risiko (schwere Begleiterkrankungen, sehr alt)
  • Wenn der Besitzer eine OP ablehnt

Konservative Maßnahmen:

  • Strikte Ruhe für 6-8 Wochen
  • Entzündungshemmende Medikamente (NSAID)
  • Physiotherapie
  • Gewichtsreduktion
  • Knieorthese (Bandage)

Wichtig: Die konservative Behandlung stoppt nicht die Arthroseentwicklung und führt bei mittleren bis großen Hunden meistens zu einem unbefriedigenden Ergebnis mit dauerhafter Lahmheit und Muskelschwund.

Kosten im Überblick

LeistungKosten (ca.)
Erstuntersuchung + Röntgen150 – 350 €
TPLO-Operation1.500 – 3.000 €
TTA-Operation1.200 – 2.500 €
Fadenzügel-OP800 – 1.500 €
Nachsorge + Kontrollen200 – 500 €
Physiotherapie (10 Sitzungen)300 – 600 €
Gesamt (TPLO)ca. 2.500 – 4.500 €

Die Kosten variieren je nach Klinik, Region und Schwere des Falls. Eine Tierkrankenversicherung kann hier viel helfen – vorausgesetzt, sie wurde vor der Diagnose abgeschlossen.

Rehabilitation nach der OP

Die Nachsorge ist mindestens so wichtig wie die Operation selbst:

Woche 1-2: Strikte Ruhe

  • Boxenruhe oder stark eingeschränkter Bewegungsraum
  • Nur an der kurzen Leine rausgehen zum Lösen
  • Kühlen der OP-Stelle (Kühlpack in Handtuch gewickelt)
  • Medikamente wie vom Tierarzt verordnet

Woche 3-6: Langsame Steigerung

  • Kurze Leinenspaziergänge (5-15 Minuten), langsam steigern
  • Kein Rennen, Springen oder Treppensteigen
  • Physiotherapie beginnen (Unterwasserlaufband, passive Bewegungsübungen)

Woche 7-12: Aufbauphase

  • Spaziergänge verlängern (20-30 Minuten)
  • Weiterhin an der Leine
  • Gezielte Muskelaufbauübungen

Ab Woche 12: Normalisierung

  • Langsame Rückkehr zur normalen Aktivität
  • Freilauf ab ca. 3-4 Monaten nach OP (nach Rücksprache mit dem Tierarzt)
  • Volle Belastbarkeit nach ca. 6 Monaten

Vorbeugung

Einen Kreuzbandriss kann man nicht sicher verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken:

  • Gewicht im Normalbereich halten – der wichtigste Faktor!
  • Regelmäßige, moderate Bewegung – Muskelkraft stabilisiert die Gelenke
  • Aufwärmen vor intensiver Aktivität – nicht direkt aus dem Schlaf ins wilde Spiel
  • Extrembelastungen vermeiden – Stöckchen werfen mit abruptem Abstoppen ist hochriskant
  • Nahrungsergänzung: Omega-3-Fettsäuren und Glucosamin/Chondroitin unterstützen die Gelenkgesundheit

Zusammenfassung

Der Kreuzbandriss ist beim Hund eine häufige Diagnose, die fast immer operativ behandelt werden sollte – besonders bei mittleren und großen Rassen. Die TPLO-Methode gilt als Goldstandard mit sehr guten Langzeitergebnissen. Die Kosten sind nicht unerheblich (2.500-4.500 € inklusive Nachsorge), aber die Investition lohnt sich: Mit der richtigen Behandlung und konsequenter Rehabilitation kann dein Hund wieder ein aktives, schmerzfreies Leben führen.