Warum humpelt mein Hund?
Wenn dein Hund plötzlich humpelt oder lahmt, ist das verständlicherweise besorgniserregend. Lahmheit ist eines der häufigsten orthopädischen Symptome beim Hund und kann viele verschiedene Ursachen haben – von einem harmlosen Dorn in der Pfote bis hin zu ernsthaften Gelenkerkrankungen. In diesem Ratgeber erfährst du, worauf du achten musst und wann der Gang zum Tierarzt notwendig ist.
Plötzliches (akutes) Humpeln
Plötzliches Humpeln hat oft eine klar erkennbare Ursache:
- Fremdkörper in der Pfote: Dornen, Splitter, Glasscherben oder kleine Steine zwischen den Ballen
- Krallenverletzung: Eingerissene, abgebrochene oder zu lange Krallen
- Verstauchung oder Zerrung: Durch wildes Toben, einen Fehltritt oder Sprung
- Insektenstich: Bienenstich oder Wespenstich in die Pfote
- Schnittwunde: Verletzung durch scharfe Gegenstände auf dem Weg
- Muskelkater: Nach ungewöhnlich intensiver Bewegung
- Pfotenballen-Verletzung: Risse, Verbrennungen (heißer Asphalt im Sommer!) oder Erfrierungen
Schleichend zunehmendes Humpeln
Wenn das Humpeln über Tage oder Wochen zunimmt, steckt oft ein chronisches Problem dahinter:
- Arthrose: Die häufigste Ursache bei älteren Hunden. Gelenkverschleiß führt zu Schmerzen und Steifheit.
- Hüftdysplasie (HD): Angeborene Fehlbildung des Hüftgelenks, besonders bei großen Rassen.
- Ellbogendysplasie (ED): Entwicklungsstörung des Ellbogengelenks, häufig bei Labrador, Golden Retriever und Schäferhund.
- Kreuzbandriss: Eine der häufigsten orthopädischen Verletzungen beim Hund.
- Patellaluxation: Die Kniescheibe springt aus ihrer Führung – besonders bei kleinen Rassen.
- Spondylose: Verknöcherungen an der Wirbelsäule, die auf Nerven drücken können.
- Bandscheibenvorfall: Druck auf Rückenmarksnerven verursacht Lahmheit und Schmerzen.
- OCD (Osteochondrosis dissecans): Knorpelschaden im Gelenk, vor allem bei jungen Hunden großer Rassen.
- Knochentumore: Bei älteren Hunden kann Lahmheit leider auch auf einen Tumor hinweisen.
Hund humpelt vorne – mögliche Ursachen
Lahmheit an der Vordergliedmaße kann verschiedene Ursachen haben:
Pfote und Zehen
- Fremdkörper, Schnittwunden, Krallenverletzungen
- Zwischenzehenentzündung
Handgelenk und Unterarm
- Verstauchung oder Fraktur
- Sehnenentzündung
Ellbogengelenk
- Ellbogendysplasie (ED)
- Arthrose
- OCD
Schulter
- Bizepssehnentendinitis
- Instabilität des Schultergelenks
- Arthrose
Tipp: Wenn dein Hund vorne humpelt, beobachte genau, wann die Lahmheit am schlimmsten ist. Ist sie direkt nach dem Aufstehen am stärksten (Anlaufschmerz), deutet das eher auf Arthrose hin. Wird sie bei Belastung schlimmer, könnte eine Sehnen- oder Bandverletzung vorliegen.
Hund humpelt hinten – mögliche Ursachen
Lahmheit an der Hintergliedmaße hat oft andere Auslöser:
Pfote und Sprunggelenk
- Fremdkörper, Verletzungen
- Achillessehnenriss (selten)
Kniegelenk
- Kreuzbandriss: Einer der häufigsten Gründe für Hinterhandslahmheit, besonders bei mittelgroßen bis großen Rassen.
- Patellaluxation: Die Kniescheibe springt heraus – der Hund hebt das Bein kurz an und läuft dann plötzlich wieder normal.
- Meniskusschaden
Hüftgelenk
- Hüftdysplasie (HD)
- Arthrose
- Hüftkopfnekrose (Legg-Calvé-Perthes, bei kleinen Rassen)
Rücken und Wirbelsäule
- Bandscheibenvorfall
- Spondylose
- Cauda-equina-Syndrom
Was du selbst tun kannst
Erste Schritte
- Ruhe bewahren und beobachten: Welches Bein ist betroffen? Wann tritt die Lahmheit auf? Wird sie besser oder schlechter?
- Pfoten kontrollieren: Untersuche vorsichtig alle vier Pfoten auf Fremdkörper, Verletzungen, Schwellungen oder Rötungen. Schau auch zwischen den Zehen und an den Krallen.
- Gelenke vorsichtig abtasten: Gibt es warme, geschwollene Stellen? Reagiert der Hund an bestimmten Stellen schmerzempfindlich?
Sofortmaßnahmen
- Schonung: Keine langen Spaziergänge, kein Toben, kein Treppensteigen. Kurze Leinenspaziergänge zum Lösen reichen.
- Kühlen bei akuter Verletzung: Bei Schwellungen oder direkt nach einer Verstauchung hilft ein Kühlpack (in ein Tuch gewickelt) für 10-15 Minuten.
- Wärme bei chronischen Beschwerden: Bei Arthrose oder Muskelverspannungen kann ein Wärmekissen gut tun.
- Pfote reinigen: Bei Fremdkörpern: Dorn oder Splitter vorsichtig mit einer Pinzette entfernen, Wunde desinfizieren.
Was du NICHT tun solltest
- Keine menschlichen Schmerzmittel geben! Ibuprofen, Paracetamol und Aspirin sind für Hunde giftig und können zu Magenblutungen, Nieren- oder Leberschäden führen.
- Nicht am Bein zerren oder manipulieren
- Den Hund nicht zum Laufen zwingen
🚨 Wann sofort zum Tierarzt?
Geh umgehend zum Tierarzt, wenn:
- Der Hund das Bein gar nicht mehr belastet
- Das Bein unnatürlich absteht oder verdreht ist (Verdacht auf Bruch)
- Eine offene Wunde oder starke Blutung vorliegt
- Starke Schwellung an einem Gelenk
- Der Hund vor Schmerzen winselt oder zittert
- Die Lahmheit sich nach 48 Stunden Ruhe nicht bessert
- Der Hund nicht mehr aufstehen kann oder die Hinterhand nachgibt
- Fieber oder Appetitlosigkeit hinzukommen
- Du den Verdacht auf einen Kreuzbandriss hast (plötzliche Lahmheit hinten, oft beim Spielen)
Diagnose beim Tierarzt
Der Tierarzt wird eine systematische Lahmheitsuntersuchung durchführen:
- Ganganalyse: Beobachtung des Hundes in Schritt und Trab
- Orthopädische Untersuchung: Abtasten aller Gelenke, Prüfung der Beweglichkeit
- Neurologische Untersuchung: Reflexe, Propriozeption (Stellungswahrnehmung der Pfoten)
- Röntgen: Darstellung von Knochen und Gelenken
- Ggf. weitere Bildgebung: CT, MRT oder Ultraschall bei unklaren Befunden
- Blutuntersuchung: Zum Ausschluss von Infektionen oder Entzündungen
Behandlungsmöglichkeiten
Je nach Diagnose gibt es verschiedene Therapieansätze:
- Schmerzmittel und Entzündungshemmer: NSAID (z. B. Meloxicam, Carprofen)
- Physiotherapie: Massage, Unterwasserlaufband, Bewegungsübungen
- Gewichtsmanagement: Übergewicht belastet die Gelenke enorm
- Nahrungsergänzung: Glucosamin, Chondroitin, Omega-3-Fettsäuren
- Operation: Bei Kreuzbandriss, schwerer HD/ED, Patellaluxation oder Frakturen
- Akupunktur: Kann bei chronischen Schmerzen unterstützend wirken
Zusammenfassung
Wenn dein Hund humpelt, kontrolliere zuerst die Pfoten auf Fremdkörper und offensichtliche Verletzungen. Gönne deinem Hund Ruhe und beobachte den Verlauf. Bessert sich die Lahmheit nicht innerhalb von 1-2 Tagen, ist ein Tierarztbesuch nötig. Bei starker Lahmheit, Schwellungen, offenen Wunden oder Verdacht auf einen Knochenbruch geh sofort zum Tierarzt.