Warum Zecken bei Hunden gefährlich sind
Zecken sind nicht nur lästig – sie gehören zu den gefährlichsten Parasiten für Hunde in Deutschland. Als Überträger verschiedener Krankheitserreger können sie schwerwiegende und manchmal lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen.
Welche Krankheiten übertragen Zecken?
Borreliose (Lyme-Borreliose):
- Häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Deutschland
- Erreger: Borrelia burgdorferi, übertragen durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus)
- Übertragung beginnt erst 16-24 Stunden nach dem Stich – schnelles Entfernen schützt!
- Symptome: Fieber, Appetitlosigkeit, geschwollene Gelenke, Lahmheit, Lethargie
- Kann unbehandelt zu chronischen Gelenkproblemen und Nierenschäden führen
Anaplasmose:
- Ebenfalls durch den Holzbock übertragen
- Symptome: Fieber, Schwäche, Blutungsneigung, Gelenkschmerzen
- Behandelbar mit Antibiotika
Babesiose (Hundemalaria):
- Übertragen durch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus)
- Breitet sich in Deutschland zunehmend aus
- Symptome: Hohes Fieber, dunkler Urin, Anämie, Apathie
- Kann ohne Behandlung tödlich verlaufen!
FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis):
- Durch den Holzbock übertragen
- Bei Hunden seltener als beim Menschen, aber möglich
- Kann zu neurologischen Symptomen führen
Ehrlichiose:
- Durch die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen
- In Deutschland noch selten, in Südeuropa häufig – Reisekrankheit!
- Symptome: Fieber, Nasenbluten, Gewichtsverlust
Zecke richtig entfernen – Schritt-für-Schritt
Was du brauchst
- Zeckenzange (spitze, gerade Zange – z. B. von Trixie oder Tick Twister)
- Zeckenhaken (O'Tom Tick Twister – besonders einfach in der Anwendung)
- Zeckenkarte (Kreditkartenformat, praktisch für unterwegs)
- Optional: Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel
Anleitung
Schritt 1: Ruhig bleiben
Stress überträgt sich auf deinen Hund. Sorge für eine ruhige Situation. Bei unruhigen Hunden hilft eine zweite Person, die den Hund festhält und beruhigt.
Schritt 2: Werkzeug ansetzen
- Zeckenzange: Greife die Zecke so nah wie möglich an der Haut – nicht am Körper der Zecke!
- Zeckenhaken: Schiebe den Haken seitlich unter die Zecke, bis sie in der Gabelung sitzt.
- Zeckenkarte: Schiebe die Karte flach über die Haut unter die Zecke.
Schritt 3: Zecke entfernen
- Langsam und gleichmäßig nach oben ziehen (bei Zange und Karte)
- Beim Zeckenhaken: Leicht drehen und gleichzeitig nach oben ziehen
- Nicht ruckartig reißen! Langsam, kontrollierter Zug
- Nicht quetschen! Druck auf den Zeckenkörper kann Krankheitserreger in die Wunde pressen
Schritt 4: Kontrolle
- Überprüfe, ob die Zecke vollständig entfernt wurde (auch der Kopf/die Mundwerkzeuge)
- Desinfiziere die Bissstelle mit einem Wund-Desinfektionsmittel
- Entsorge die Zecke: Zerdrücke sie zwischen zwei harten Gegenständen, in Alkohol einlegen oder mit Klebeband fixieren. Nicht in den Abfluss oder die Toilette – Zecken überleben das!
Was du NICHT tun solltest
- Kein Öl, Klebstoff, Nagellack oder Alkohol auf die Zecke tropfen! Im Todeskampf gibt die Zecke vermehrt Speichel und damit Krankheitserreger ab.
- Nicht drehen – zumindest nicht bei der Zeckenzange. (Der Zeckenhaken funktioniert mit einer Drehbewegung, das ist in Ordnung.)
- Nicht mit den Fingern herausreißen – zu ungenaues Werkzeug, Quetschgefahr
- Nicht warten, bis die Zecke von selbst abfällt – je länger sie saugt, desto größer das Infektionsrisiko
Was, wenn der Kopf stecken bleibt?
Keine Panik! Wenn ein kleiner dunkler Punkt in der Haut zurückbleibt, handelt es sich meist um die Mundwerkzeuge (Hypostom) – nicht den gesamten Kopf. Diese Reste werden vom Körper in der Regel innerhalb weniger Tage von selbst abgestoßen, ähnlich einem Splitter.
Was du tun solltest:
- Bissstelle desinfizieren
- Beobachten: Wenn sich die Stelle entzündet (Rötung, Schwellung, Eiterbildung), geh zum Tierarzt
- Nicht herumstochern oder aufkratzen
Nach dem Zeckenstich: Darauf achten
Auch nach erfolgreicher Entfernung solltest du die Bissstelle und deinen Hund in den folgenden Wochen beobachten:
- Rötung um die Bissstelle: Eine kleine Rötung direkt nach dem Stich ist normal und verschwindet in 1-2 Tagen. Eine sich ausbreitende, ringförmige Rötung (Wanderröte) kann auf Borreliose hindeuten – beim Hund allerdings selten sichtbar.
- Fieber: Wenn dein Hund in den 2-3 Wochen nach dem Stich Fieber bekommt, lass ihn untersuchen.
- Lahmheit oder Gelenkschwellung: Kann ein Hinweis auf Borreliose sein.
- Apathie und Appetitlosigkeit: Allgemeine Krankheitsanzeichen ernst nehmen.
- Dunkler Urin: Alarmzeichen für Babesiose!
Zecken vorbeugen – der beste Schutz
Zeckenschutzmittel
Es gibt verschiedene wirksame Produkte zur Zeckenvorbeugung:
Tabletten (systemisch):
- Bravecto (Fluralaner): Wirkt 12 Wochen
- NexGard / Simparica / Credelio: Monatliche Gabe
- Sehr zuverlässig, wird nicht abgewaschen
- Verschreibungspflichtig
Spot-on-Präparate:
- Frontline (Fipronil): Klassiker, rezeptfrei
- Advantix (Imidacloprid + Permethrin): Wirkt auch abschreckend (repellierend)
- Monatliche Anwendung im Nacken
Zeckenhalsbänder:
- Seresto: Wirkt bis zu 8 Monate
- Scalibor: Wirkt etwa 6 Monate
- Repellierende Wirkung
Wichtig: Spot-on-Präparate und Halsbänder mit Permethrin sind tödlich für Katzen! Wenn du auch Katzen hast, verwende permetrinfreie Produkte oder systemische Tabletten.
Zusätzliche Maßnahmen
- Nach jedem Spaziergang absuchen: Besonders Ohren, Hals, Achseln, Leisten, Zehenzwischenräume und Bauch
- Hohes Gras meiden: Zecken sitzen bevorzugt in der Vegetation bis ca. 1,5 m Höhe
- Garten pflegen: Rasen kurz halten, Laub entfernen
- Zeckenzeit kennen: In Deutschland von März bis November aktiv, bei milden Wintern ganzjährig
Wann ist Zeckensaison?
Die Zeckenaktivität beginnt in Deutschland ab etwa 7-8 °C Außentemperatur:
| Monat | Zeckenrisiko |
|---|---|
| Januar – Februar | Gering (außer bei Warmperioden) |
| März – Mai | Steigend bis hoch (erste Aktivitätsspitze) |
| Juni – August | Hoch |
| September – November | Hoch (zweite Aktivitätsspitze im Herbst) |
| Dezember | Gering |
Zusammenfassung
Zecken sind in Deutschland ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko für Hunde. Die wichtigste Maßnahme ist schnelles Entfernen: Je kürzer die Saugzeit, desto geringer das Infektionsrisiko. Verwende geeignetes Werkzeug, zieh die Zecke langsam und gleichmäßig heraus und beobachte die Bissstelle danach. Ein wirksamer Zeckenschutz (Tabletten, Spot-on oder Halsband) ist für jeden Hund empfehlenswert – besonders in der Zeckensaison.