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Hund – Gesundheit18.2.2026

Mops – Charakter, Gesundheit und Brachyzephalie-Problematik

Der Mops – Zwischen Charme und Qualzuchtdebatte

Der Mops ist eine der ältesten Hunderassen der Welt und gleichzeitig eine der umstrittensten. Mit seinem flachen Gesicht, den großen Kulleraugen und seinem liebenswerten Wesen hat er weltweit Millionen von Fans. Gleichzeitig leidet kaum eine andere Rasse so stark unter den gesundheitlichen Folgen extremer Zucht. In diesem Ratgeber erfährst du alles über den Charakter des Mopses, seine typischen Gesundheitsprobleme und warum ein Umdenken in der Zucht so dringend nötig ist.

Geschichte und Herkunft

Der Mops stammt ursprünglich aus China, wo er bereits vor über 2.000 Jahren als Begleithund des Kaiserhofs gezüchtet wurde. Im 16. Jahrhundert brachten niederländische Händler die Rasse nach Europa, wo der Mops schnell zum Liebling des Adels wurde. In den Niederlanden rettete ein Mops angeblich dem Prinzen Wilhelm von Oranien das Leben, indem er ihn vor herannahenden Feinden warnte – seitdem galt der Mops als Nationalhund der Oranier.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Aussehen des Mopses dramatisch verändert. Historische Gemälde zeigen Möpse mit deutlich längerer Nase, schlankerer Figur und weniger Falten als die heutigen Vertreter. Die extreme Kurzköpfigkeit, die wir heute kennen, ist ein Ergebnis moderner Zuchtpraktiken – und leider die Ursache vieler Gesundheitsprobleme.

Charakter und Wesen

Unabhängig von der Zuchtproblematik ist der Charakter des Mopses schlichtweg entwaffnend. Es gibt kaum einen Hund, der Menschen so zuverlässig zum Lächeln bringt.

Freundlichkeit und Sanftmut: Der Mops ist von Natur aus freundlich und sanftmütig. Er zeigt so gut wie keine Aggression gegenüber Menschen oder anderen Hunden und ist daher ein idealer Hund für Familien mit Kindern.

Clownhaftes Wesen: Möpse haben ein natürliches Talent dafür, ihre Menschen zum Lachen zu bringen. Sie stellen die verrücktesten Dinge an, ziehen komische Grimassen und scheinen es zu genießen, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.

Anhänglichkeit: Der Mops ist ein wahrer Schatten seines Menschen. Er folgt dir überallhin – ins Bad, in die Küche, ins Bett. Trennungsangst kann ein Thema sein, wenn der Mops nicht behutsam ans Alleinsein gewöhnt wird.

Sturheit: Trotz seiner Freundlichkeit besitzt der Mops einen beachtlichen Dickkopf. Wenn er etwas nicht will, legt er sich hin und rührt sich nicht. Diese charmante Sturheit macht die Erziehung manchmal zur Geduldsprobe.

Geringe Wachsamkeit: Im Gegensatz zu vielen anderen Rassen ist der Mops kein großer Wachhund. Er begrüßt die meisten Besucher freundlich und würde Einbrecher vermutlich eher zum Kuscheln einladen als sie zu vertreiben.

Anpassungsfähigkeit: Der Mops passt sich hervorragend an verschiedene Lebenssituationen an. Er fühlt sich bei Singles, Paaren, Familien und Senioren gleichermaßen wohl. Er braucht weder großen Garten noch stundenlanges Training – was allerdings nicht heißt, dass er gar keine Bewegung braucht.

Die Brachyzephalie-Problematik

Was ist Brachyzephalie?

Brachyzephalie (wörtlich: „Kurzköpfigkeit") bezeichnet eine durch Zucht verkürzte Schädelform. Beim Mops wurde der Oberkiefer im Laufe der Zuchtgeschichte immer kürzer, während die Weichteile (Gaumensegel, Nasenschleimhaut, Zunge) nicht im gleichen Maß mitschrumpften. Das Ergebnis: Zu viel Gewebe in einem zu kleinen Raum.

Das Brachyzephale Obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS)

BOAS ist der Oberbegriff für die Atemwegsprobleme brachyzephaler Rassen und betrifft den Großteil aller Möpse in unterschiedlichem Ausmaß. Die Komponenten:

Stenotische Nares (verengte Nasenlöcher): Die Nasenlöcher vieler Möpse sind so eng, dass kaum Luft hindurchströmen kann. Der Hund muss deutlich mehr Kraft aufwenden, um zu atmen. Erkennbar an den typischen Schnarch- und Schnaubgeräuschen.

Verlängertes weiches Gaumensegel: Das Gaumensegel ist zu lang für den verkürzten Schädel und ragt in den Rachenraum hinein, wo es den Luftstrom behindert. Dies ist die Hauptursache für das charakteristische Schnarchen und Röcheln.

Hypoplastische Trachea (verengte Luftröhre): Die Luftröhre vieler Möpse hat einen deutlich geringeren Durchmesser als bei langschnäuzigen Rassen gleicher Größe.

Evertierte Larynxtaschen: Durch den chronischen Unterdruck beim Einatmen stülpen sich die Kehlkopftaschen nach innen und verengen den Luftweg zusätzlich.

Folgen der Atemprobleme

Die Auswirkungen von BOAS gehen weit über gelegentliches Schnarchen hinaus:

  • Belastungsintoleranz: Betroffene Möpse können schon nach wenigen Minuten Spaziergang stark hecheln und brauchen Pausen. Bei warmem Wetter verschärft sich das Problem dramatisch.
  • Hitzegefahr: Hunde regulieren ihre Temperatur hauptsächlich durch Hecheln. Wenn die Atemwege eingeengt sind, funktioniert diese Kühlung nicht effizient. Möpse sind daher extrem anfällig für einen Hitzschlag – bereits ab 22 Grad Außentemperatur kann es kritisch werden.
  • Schlafapnoe: Viele Möpse leiden an nächtlichen Atemaussetzern. Manche Hunde schlafen im Sitzen oder pressen ihren Kopf gegen eine Wand, um die Atemwege offen zu halten.
  • Sauerstoffmangel: Chronisch eingeschränkte Atmung führt langfristig zu Sauerstoffmangel, der Herz und andere Organe belastet.
  • Magen-Darm-Probleme: Der ständige Unterdruck beim Einatmen kann Magensäure in die Speiseröhre ziehen. Viele brachyzephale Hunde leiden an chronischem Aufstoßen, Erbrechen oder Schluckbeschwerden.

BOAS-Operation

Bei schwer betroffenen Möpsen kann eine sogenannte BOAS-Operation die Lebensqualität deutlich verbessern. Dabei werden:

  • Die Nasenlöcher erweitert
  • Das Gaumensegel gekürzt
  • Evertierte Larynxtaschen entfernt

Die Operation sollte möglichst früh durchgeführt werden, idealerweise zwischen sechs und zwölf Monaten, bevor sekundäre Veränderungen eintreten. Sie ist kein Allheilmittel – ein brachyzephaler Hund wird nie so frei atmen wie ein langschnäuziger – aber sie kann die Symptome erheblich lindern.

Weitere rassetypische Gesundheitsprobleme

Augenprobleme

Die flache Gesichtsform sorgt dafür, dass die Augen des Mopses förmlich aus den Höhlen hervortreten. Das macht sie besonders verletzlich:

  • Hornhautgeschwüre: Durch die exponierte Lage sind die Augen anfällig für Verletzungen. Selbst leichter Kontakt mit Grashalmen oder Ästen kann zu schmerzhaften Hornhautgeschwüren führen.
  • Pigmentkeratitis: Eine Einlagerung von braunem Pigment in die Hornhaut, die das Sehvermögen einschränken kann.
  • Entropium: Das Einrollen der Augenlider führt dazu, dass die Wimpern auf der Hornhaut reiben.
  • Proptosis (Augapfelvorfall): In extremen Fällen kann der Augapfel aus der Augenhöhle heraustreten – ein absoluter Notfall.

Hautprobleme

Die charakteristischen Falten des Mopses sind nicht nur niedlich, sondern auch ein Nährboden für Hautprobleme:

  • Faltenintertrigo: In den tiefen Gesichtsfalten sammeln sich Feuchtigkeit, Bakterien und Hefepilze, die zu chronischen Entzündungen führen.
  • Nasenfaltenekzem: Die prominente Nasenfalte muss täglich gereinigt und trocken gehalten werden.
  • Allergien: Möpse neigen zu Futtermittel- und Umweltallergien, die sich als Juckreiz, Rötung und Haarausfall äußern.

Hemivertebrae (Keilwirbel)

Die typische Korkenzieherrute des Mopses ist das Ergebnis einer genetischen Wirbelfehlbildung. Diese betrifft leider nicht nur den Schwanz, sondern kann auch die Brust- und Lendenwirbelsäule betreffen. Keilwirbel können im schlimmsten Fall das Rückenmark komprimieren und zu neurologischen Ausfällen wie Lähmungen führen.

Mops-Enzephalitis (PDE)

Die Pug Dog Encephalitis ist eine spezifische, stets tödlich verlaufende Gehirnentzündung, die ausschließlich beim Mops vorkommt. Symptome sind Krampfanfälle, Kreislaufen, Verhaltensänderungen und fortschreitender Verfall. Die Ursache ist wahrscheinlich autoimmun, und es gibt bisher keine Heilung. Es existiert ein Gentest, der das Risiko abschätzen kann.

Übergewicht

Möpse lieben Fressen und bewegen sich aufgrund ihrer Atemprobleme wenig – eine ungünstige Kombination. Übergewicht verschlimmert sämtliche gesundheitlichen Probleme: Die Atmung wird noch schwerer, Gelenke werden belastet und das Risiko für Diabetes steigt. Kontrolliere das Gewicht deines Mopses regelmäßig und passe die Futtermenge streng an.

Pflege und Haltung

Tägliche Pflege

  • Falten reinigen: Reinige die Gesichtsfalten deines Mopses täglich mit einem feuchten Tuch und trockne sie anschließend gründlich ab. Achte besonders auf die Nasenfalte.
  • Augen kontrollieren: Überprüfe die Augen täglich auf Rötungen, Tränenfluss oder Trübungen.
  • Ohren reinigen: Die Ohren sollten wöchentlich kontrolliert und bei Bedarf vorsichtig gereinigt werden.
  • Fellpflege: Das kurze Fell ist pflegeleicht, haart aber überraschend stark. Tägliches Bürsten reduziert den Haarfall.

Bewegung

Ein gesunder Mops braucht tägliche Spaziergänge von insgesamt 30 bis 45 Minuten, aufgeteilt auf mehrere kurze Runden. Vermeide Anstrengung bei Temperaturen über 22 Grad und gehe im Sommer nur in den kühlen Morgen- und Abendstunden. Achte immer auf Anzeichen von Überhitzung: starkes Hecheln, blaue Zunge, Taumeln.

Temperaturmanagement

Da Möpse ihre Körpertemperatur schlecht regulieren können, musst du besondere Vorkehrungen treffen:

  • Im Sommer: Kühle Räume, Kühlmatten, Planschbecken, Spaziergänge nur bei kühlen Temperaturen
  • Im Winter: Kurze Spaziergänge, Mantel bei Temperaturen unter 5 Grad
  • Im Auto: Nie allein im Auto lassen, auch nicht bei vermeintlich milden Temperaturen

Die Zukunft des Mopses – Retromops und Umdenken

In den letzten Jahren hat ein Umdenken in der Mopszucht begonnen. Immer mehr Züchter setzen auf den sogenannten Retromops oder Altdeutschen Mops, bei dem durch gezielte Einkreuzung anderer Rassen (häufig Parson Russell Terrier oder Pinscher) eine längere Nase und eine gesündere Körperform angestrebt werden.

Ein Retromops hat:

  • Eine deutlich längere Nase (mindestens ein Drittel der Schädellänge)
  • Freiere Atemwege
  • Weniger übertriebene Falten
  • Einen sportlicheren Körperbau
  • Weniger hervorstehende Augen

In einigen Ländern wie den Niederlanden und Norwegen sind bereits strikte Zuchtvorschriften oder sogar Zuchtverbote für extrem brachyzephale Möpse in Kraft. In Deutschland gibt es bisher nur freiwillige Eignungstests.

Zusammenfassung

Der Mops ist ein wunderbar liebenswürdiger, treuer und humorvoller Begleiter. Sein Charakter ist nahezu einzigartig in der Hundewelt – kein Wunder, dass er so viele Fans hat. Doch die gesundheitlichen Probleme, die mit der extremen Kurzköpfigkeit einhergehen, dürfen nicht verharmlost werden. Wenn du dich für einen Mops entscheidest, suche einen Züchter, der nachweislich auf Gesundheit züchtet, oder entscheide dich bewusst für einen Retromops mit längerer Nase. Sei dir der besonderen Pflegebedürfnisse bewusst, plane regelmäßige tierärztliche Kontrollen ein und informiere dich über die Kosten möglicher Operationen. Mit der richtigen Fürsorge und einem gesundheitsbewussten Ansatz kann ein Mops ein wunderbarer Begleiter sein, der dein Leben mit Freude und Lachen bereichert.