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Katze – Gesundheit18.2.2026

Zahnfleischentzündung bei Katzen – Symptome und Behandlung

Zahnfleischentzündung bei Katzen – häufiger als gedacht

Zahnfleischentzündungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen bei Katzen. Studien zeigen, dass über 70 % aller Katzen ab dem dritten Lebensjahr Anzeichen von Zahnfleischproblemen aufweisen. Das Tückische: Katzen sind Meister darin, Schmerzen zu verbergen. Viele Katzen fressen scheinbar normal weiter, obwohl sie starke Schmerzen im Maul haben. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Zahnfleischprobleme erkennst und was du tun kannst.

Gingivitis vs. Stomatitis – der Unterschied

Gingivitis (Zahnfleischentzündung)

Gingivitis bezeichnet die Entzündung des Zahnfleisches (Gingiva) direkt am Zahnrand. Sie ist die mildere Form und in vielen Fällen reversibel – das heißt, bei rechtzeitiger Behandlung kann sich das Zahnfleisch vollständig erholen.

Stomatitis (Maulhöhlenentzündung)

Stomatitis ist eine schwere, schmerzhafte Entzündung der gesamten Maulschleimhaut – nicht nur des Zahnfleisches, sondern auch der Wangenschleimhaut, des Gaumens und der Zunge. Die Feline Chronic Gingivostomatitis (FCGS) ist eine der schmerzhaftesten Erkrankungen, die Katzen erleiden können.

Ursachen

Plaque und Zahnstein (häufigste Ursache)

Wie beim Menschen beginnt alles mit Plaque – einem bakteriellen Biofilm, der sich auf den Zähnen bildet. Wird der Plaque nicht entfernt, mineralisiert er zu Zahnstein. Die Bakterien im Zahnstein produzieren Giftstoffe, die das Zahnfleisch entzünden.

Feline chronische Gingivostomatitis (FCGS)

Eine besonders schwere Form, bei der das Immunsystem der Katze überreagiert auf die normalen Mundbakterien. Die genaue Ursache ist nicht vollständig verstanden, aber folgende Faktoren spielen eine Rolle:

  • Viren: FIV (Katzen-AIDS), FeLV (Leukose) und Calicivirus sind häufig beteiligt
  • Überschießende Immunreaktion: Das Immunsystem greift das eigene Gewebe an
  • Genetische Veranlagung: Manche Katzen sind anfälliger
  • Rasseprädisposition: Siamkatzen und orientalische Rassen scheinen häufiger betroffen zu sein

FORL (Feline Odontoclastic Resorptive Lesions)

FORL ist eine Zahnerkrankung, bei der die Zahnsubstanz vom Körper selbst abgebaut wird. Extrem schmerzhaft und bei über 50 % aller Katzen über 5 Jahre nachweisbar. FORL geht oft mit schwerer Zahnfleischentzündung einher.

Weitere Ursachen

  • Immunsuppression: FIV, FeLV oder immunsuppressive Medikamente
  • Stoffwechselerkrankungen: Niereninsuffizienz (Urämie reizt die Mundschleimhaut), Diabetes
  • Fremdkörper: Grashälme, Knochensplitter, die sich ins Zahnfleisch bohren
  • Allergien: Futtermittelallergien können sich als Mundschleimhautentzündung äußern
  • Mangelernährung: Besonders Vitamin-C-Mangel (selten bei Katzen, da sie Vitamin C selbst synthetisieren)

Symptome – darauf solltest du achten

Da Katzen Schmerzen extrem gut verbergen, musst du genau hinschauen. Folgende Symptome können auf eine Zahnfleischentzündung hindeuten:

Frühe Symptome (leicht zu übersehen)

  • Mundgeruch (Halitosis): Oft das erste bemerkbare Zeichen – fauliger, unangenehmer Geruch aus dem Maul
  • Rotes Zahnfleisch: Eine dünne rote Linie entlang des Zahnrandes (normalerweise ist das Zahnfleisch rosafarben)
  • Leicht geschwollenes Zahnfleisch
  • Zahnstein: Gelblich-brauner Belag auf den Zähnen, besonders an den Backenzähnen

Fortgeschrittene Symptome

  • Schwieriges oder einseitiges Kauen: Die Katze kaut nur auf einer Seite oder lässt Futter fallen
  • Appetitlosigkeit: Die Katze geht zum Napf, nimmt Futter auf, lässt es aber wieder fallen oder weicht zurück
  • Bevorzugung von Nassfutter: Die Katze verweigert Trockenfutter, weil das Kauen schmerzt
  • Speicheln: Übermäßiger Speichelfluss, manchmal blutig
  • Pfoten am Maul (Pawing): Die Katze reibt sich mit der Pfote über das Maul
  • Kopfschütteln oder Kopfschiefhaltung
  • Zähneknirschen (Bruxismus)
  • Veränderte Fellpflege: Die Katze putzt sich weniger (struppiges Fell) oder das Fell um das Maul ist durch Speichel verklebt
  • Gewichtsverlust durch verminderte Nahrungsaufnahme
  • Verhaltensänderungen: Rückzug, Reizbarkeit, vermehrtes Schlafen

Schwere Symptome (Stomatitis/FCGS)

  • Massiv gerötete, geschwollene und blutende Schleimhaut im gesamten Maul
  • Offene Geschwüre (Ulzerationen) an Zahnfleisch, Gaumen und Wangenschleimhaut
  • Starker Mundgeruch
  • Komplette Nahrungsverweigerung trotz offensichtlichem Hunger
  • Gewichtsverlust und Abmagerung
  • Blutiger Speichel
  • Deutlicher Rückzug und Depression

Diagnose beim Tierarzt

Mauluntersuchung

  • Adspektion: Betrachtung des Zahnfleisches, der Zähne und der Maulschleimhaut
  • Unter Umständen ist eine Sedierung oder Kurznarkose nötig, da viele Katzen bei Maulschmerzen nicht kooperieren

Dentalröntgen

  • Unerlässlich! Zahnprobleme spielen sich oft unterhalb des Zahnfleischsaums ab
  • Zeigt FORL, Knochenabbau, Zahnwurzelentzündungen und andere unsichtbare Probleme
  • Sollte bei jeder professionellen Zahnbehandlung durchgeführt werden

Blutuntersuchung

  • FIV/FeLV-Test: Virusinfektionen als mögliche Ursache
  • Nierenwerte, Blutzucker: Organerkrankungen ausschließen
  • Blutbild: Entzündungswerte

Gewebeprobe (Biopsie)

  • Bei schwerer Stomatitis/FCGS zur genauen Diagnose und zum Ausschluss von Tumoren

Behandlung

Gingivitis (leichte Form)

Professionelle Zahnreinigung:

  • Unter Narkose werden Zahnstein und Plaque entfernt (Ultraschall-Scaling)
  • Politur der Zahnoberflächen
  • Subgingivale Reinigung (unter dem Zahnfleischrand)
  • Oft reicht das bei reiner Gingivitis für eine deutliche Besserung

Häusliche Zahnpflege:

  • Zähneputzen: Die effektivste Maßnahme zur Vorbeugung (mit spezieller Katzenzahnpasta und -zahnbürste)
  • Zahnpflegegele: Chlorhexidin-haltige Gele (z. B. Dentisept) können auf das Zahnfleisch aufgetragen werden
  • Dental-Leckerlis und Spezialfutter: Unterstützend, aber allein nicht ausreichend

Entzündungshemmer:

  • Kurzfristig NSAIDs (z. B. Meloxicam) zur Schmerzlinderung
  • Langfristige NSAID-Gabe bei Katzen nur unter strenger tierärztlicher Kontrolle (Nieren!)

Stomatitis/FCGS (schwere Form)

Die Behandlung der felinen chronischen Gingivostomatitis ist oft eine große Herausforderung:

Medikamentöse Therapie:

  • Schmerzmittel: Langfristige Schmerztherapie (Buprenorphin, Meloxicam unter Kontrolle)
  • Antibiotika: Bei akuter bakterieller Überlagerung (Clindamycin, Amoxicillin-Clavulansäure)
  • Immunmodulatoren: Interferon-omega oder Ciclosporin können das überschießende Immunsystem regulieren
  • Cortison: Kann kurzfristig Linderung bringen, ist aber langfristig keine Lösung (Nebenwirkungen, Diabetesrisiko)

Zahnextraktion – oft der effektivste Weg:

Bei schwerer FCGS ist die Teil- oder Ganzmundextraktion (Entfernung aller oder fast aller Zähne) oft die einzige Therapie, die langfristig Besserung bringt:

  • Prämolaren und Molaren entfernen: In vielen Fällen reicht die Extraktion der Backenzähne
  • Ganzmundextraktion: In schweren Fällen alle Zähne entfernen
  • Erfolgsrate: Ca. 60-80 % der Katzen zeigen nach der Extraktion eine deutliche bis vollständige Besserung
  • Ohne Zähne leben: Katzen kommen erstaunlich gut ohne Zähne zurecht! Sie fressen weiterhin Nass- und sogar Trockenfutter (das Zahnfleisch wird fest genug)

Das mag für Besitzer zunächst erschreckend klingen, aber: Eine schmerzfreie Katze ohne Zähne hat eine unvergleichlich bessere Lebensqualität als eine Katze mit chronischen, quälenden Mundschmerzen.

FORL-Behandlung

  • Betroffene Zähne müssen extrahiert werden – es gibt keine andere wirksame Behandlung
  • FORL-Zähne sind extrem schmerzhaft
  • Regelmäßiges Dentalröntgen zur Früherkennung

Vorbeugung

  • Zahnpflege von klein auf: Katzen schon als Kitten ans Zähneputzen gewöhnen
  • Regelmäßige Maulkontrolle: Zahnfleisch sollte rosa und nicht geschwollen sein
  • Jährliche Zahnkontrolle beim Tierarzt: Mindestens einmal jährlich das Maul professionell untersuchen lassen
  • Hochwertiges Futter: Gute Ernährung fördert die Mundgesundheit
  • Dental-Leckerlis: Als Ergänzung, nicht als Ersatz für Zahnpflege
  • FIV/FeLV-Status kennen: Regelmäßig testen lassen
  • Auf Symptome achten: Mundgeruch, verändertes Fressverhalten und vermehrtes Speicheln ernst nehmen

🚨 Wann zum Tierarzt?

  • Mundgeruch – das häufigste und am leichtesten erkennbare Warnsignal
  • Rotes, geschwollenes Zahnfleisch
  • Verändertes Fressverhalten (frisst weniger, wählerischer, lässt Futter fallen)
  • Speicheln (besonders wenn blutig)
  • Gewichtsverlust
  • Katze lässt sich nicht am Kopf anfassen oder reagiert aggressiv bei Berührung des Mauls
  • Pfoten am Maul

Zusammenfassung

Zahnfleischentzündungen bei Katzen sind extrem häufig und werden oft zu spät erkannt, weil Katzen Schmerzen verbergen. Mundgeruch ist das wichtigste Warnsignal. Leichte Gingivitis ist durch professionelle Zahnreinigung und häusliche Zahnpflege gut behandelbar. Schwere Stomatitis (FCGS) erfordert oft die Extraktion der Zähne – was sich drastisch anhört, aber vielen Katzen ein schmerzfreies Leben ermöglicht. Regelmäßige Zahnkontrollen beim Tierarzt und frühzeitiges Handeln bei Mundgeruch oder verändertem Fressverhalten sind der Schlüssel zur Vorbeugung und Früherkennung.