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Katze – Gesundheit18.2.2026

Katze Übergewicht – Ursachen, Risiken und Diättipps

Übergewicht bei Katzen – ein wachsendes Problem

Übergewicht ist die häufigste ernährungsbedingte Erkrankung bei Katzen in Deutschland. Studien zeigen, dass 40-50 % aller Hauskatzen übergewichtig oder adipös (fettleibig) sind. Viele Besitzer erkennen das Übergewicht ihrer Katze nicht oder unterschätzen die gesundheitlichen Folgen. Dabei ist Übergewicht ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko, das die Lebenserwartung deiner Katze deutlich verkürzen kann.

Ab wann ist eine Katze zu dick?

Das Idealgewicht variiert je nach Rasse, Körperbau und Geschlecht. Als grobe Orientierung:

  • Europäisch Kurzhaar: 3,5-5 kg
  • Maine Coon: 5-9 kg (Kater bis 12 kg)
  • Siamkatze: 3-5 kg
  • Britisch Kurzhaar: 4-7 kg
  • Perser: 3,5-7 kg

Eine Katze gilt als übergewichtig, wenn sie 10-20 % über ihrem Idealgewicht liegt, und als adipös (fettleibig) ab 20 % über dem Idealgewicht.

Der Body Condition Score (BCS)

Tierärzte verwenden den Body Condition Score auf einer Skala von 1-9, um den Ernährungszustand zu beurteilen:

BCSBewertungMerkmale
1-3UntergewichtigRippen, Wirbelsäule und Beckenknochen sichtbar
4-5IdealgewichtRippen leicht fühlbar, Taille von oben sichtbar, minimale Bauchfettschicht
6-7ÜbergewichtigRippen schwer fühlbar unter Fettschicht, Taille verschwindet, Bauchlinie rund
8-9AdipösRippen nicht mehr fühlbar, deutliche Fettpolster, hängender Bauch, keine Taille

Selbsttest zu Hause:

  1. Rippen-Test: Streichle mit leichtem Druck über den Brustkorb deiner Katze. Bei Idealgewicht fühlst du die Rippen wie Fingerknöchel durch ein dünnes Tuch. Fühlst du nichts – ist die Katze zu dick.
  2. Taille von oben: Schau von oben auf deine stehende Katze. Bei Idealgewicht siehst du eine leichte Einbuchtung hinter den Rippen (Taille).
  3. Bauchlinie von der Seite: Die Bauchlinie sollte leicht nach oben verlaufen. Ein hängender, runder Bauch deutet auf Übergewicht hin.

Ursachen – warum werden Katzen zu dick?

Zu viel Futter

  • Übermäßige Fütterung: Die häufigste Ursache – die Portionen sind schlicht zu groß
  • Ständig verfügbares Futter (Ad-libitum-Fütterung): Manche Katzen können ihre Nahrungsaufnahme nicht selbst regulieren
  • Zu viele Leckerlis: Werden oft nicht in die Gesamtkalorienmenge eingerechnet
  • Tischreste und Menschenessen
  • Futter von Nachbarn: Freigänger werden gerne an mehreren Häusern gefüttert

Zu wenig Bewegung

  • Reine Wohnungskatzen bewegen sich oft deutlich weniger als Freigänger
  • Fehlende Spielanreize: Ohne Beschäftigung schlafen Katzen bis zu 16-18 Stunden am Tag
  • Alter: Ältere Katzen sind weniger aktiv
  • Übergewicht verstärkt sich selbst: Dicke Katzen bewegen sich ungern → nehmen weiter zu

Kastration

Kastration ist ein bedeutender Risikofaktor für Übergewicht:

  • Der Energiebedarf sinkt um ca. 20-30 % nach der Kastration
  • Der Appetit steigt oft an
  • Wenn die Futtermenge nicht angepasst wird, nimmt die Katze schnell zu
  • Lösung: Futtermenge nach der Kastration reduzieren oder auf spezielles „Sterilised"-Futter umstellen

Sonstige Faktoren

  • Rasse: Manche Rassen neigen stärker zu Übergewicht (Britisch Kurzhaar, Maine Coon)
  • Schilddrüsenunterfunktion: Selten bei Katzen, aber möglich
  • Medikamente: Cortison kann zu Gewichtszunahme führen
  • Stress oder Langeweile: Manche Katzen „fressen aus Frust"

Gesundheitsrisiken – warum Übergewicht gefährlich ist

Übergewicht bei Katzen ist nicht nur ein ästhetisches Problem – es ist ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko:

Diabetes mellitus

Übergewichtige Katzen haben ein 4-fach erhöhtes Risiko für Diabetes. Die Fettzellen führen zu Insulinresistenz, der Blutzucker steigt – die Katze entwickelt Typ-2-Diabetes. Die gute Nachricht: Bei Katzen kann Diabetes in vielen Fällen durch Gewichtsabnahme in Remission gehen.

Gelenkprobleme

  • Arthrose durch Überbelastung der Gelenke
  • Lahmheit und Bewegungsunlust
  • Schwierigkeiten beim Springen und Klettern

Harnwegserkrankungen

  • Erhöhtes Risiko für Blasenentzündungen und Harnsteine
  • Dickere Katzen trinken oft zu wenig und bewegen sich weniger

Hepatische Lipidose (Fettleber)

Eine lebensbedrohliche Erkrankung, die paradoxerweise entsteht, wenn übergewichtige Katzen plötzlich zu schnell abnehmen oder aufhören zu fressen. Der Körper mobilisiert Fettreserven so schnell, dass die Leber überfordert wird.

Weitere Risiken

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Atembeschwerden
  • Hautprobleme (die Katze kann sich nicht mehr überall putzen)
  • Verkürzte Lebenserwartung (um durchschnittlich 2-3 Jahre!)
  • Narkoserisiko erhöht
  • Schwieriges Abtasten bei Untersuchungen

So nimmt deine Katze gesund ab

Schritt 1: Tierarzt aufsuchen

Bevor du mit einer Diät beginnst:

  • Gesundheitscheck: Schilddrüse, Diabetes und andere Erkrankungen ausschließen
  • Zielgewicht festlegen: Der Tierarzt bestimmt das realistische Idealgewicht
  • Diätplan besprechen: Individuelle Empfehlung für Kalorienmenge und Futter

Schritt 2: Die richtige Futtermenge berechnen

  • Aktuelle Futtermenge ermitteln: Wiege eine Woche lang genau ab, was deine Katze tatsächlich frisst (inklusive Leckerlis!)
  • Kalorien reduzieren: Reduziere die tägliche Kalorienmenge um 15-20 % gegenüber dem Erhaltungsbedarf des Zielgewichts
  • Langsame Gewichtsabnahme: Katzen sollten pro Woche maximal 1-2 % ihres Körpergewichts abnehmen
  • NIEMALS Nulldiät! Katzen, die plötzlich nicht mehr fressen, können eine tödliche Fettleber entwickeln!

Schritt 3: Das richtige Futter

  • Spezielles Diätfutter: Kalorienreduziert, aber mit allen nötigen Nährstoffen (z. B. Royal Canin Satiety, Hill's Metabolic)
  • Hoher Proteinanteil: Proteinreiches Futter sättigt besser und erhält die Muskelmasse
  • Nassfutter: Sättigender als Trockenfutter bei weniger Kalorien (hoher Wasseranteil)
  • Ballaststoffe: Fördern das Sättigungsgefühl

Schritt 4: Fütterungsmanagement

  • Abgemessene Portionen: Futter immer abwiegen, nicht schätzen!
  • Feste Fütterungszeiten: 3-4 kleine Mahlzeiten am Tag statt ständig verfügbarem Futter
  • Leckerlis reduzieren: Maximal 10 % der täglichen Kalorien – und diese von der Futterration abziehen
  • Futterspielzeug: Fummelbretter, Futterlabyrinthe oder Snackbälle – die Katze muss sich das Futter „erarbeiten"
  • Mehrkatzenhaushalte: Getrennt füttern, damit die Diätkatze nicht beim Nachbarn nascht

Schritt 5: Mehr Bewegung

  • Interaktives Spielen: Mindestens 15-20 Minuten am Tag mit Federangel, Laserpointer oder Spielmäusen
  • Klettermöglichkeiten: Kratzbäume, Wandregale, Aussichtsplätze in verschiedenen Höhen
  • Futtersuche: Futter an verschiedenen Stellen in der Wohnung verstecken
  • Neue Reize: Kartons, Papiertüten, wechselndes Spielzeug
  • Catwalks und Laufwege: Möglichkeiten schaffen, sich in der Wohnung zu bewegen

Fortschritt kontrollieren

  • Wöchentlich wiegen: Immer zur gleichen Zeit und auf derselben Waage
  • Ziel: 1-2 % Gewichtsverlust pro Woche
  • Gewichtstagebuch führen
  • Regelmäßige Tierarztkontrollen (alle 2-4 Wochen während der Diät)

Häufige Fehler bei der Katzendiät

  • Zu schnelle Gewichtsabnahme: Gefahr der Fettleber! Maximal 1-2 % pro Woche
  • Alle Katzen gleich füttern: In Mehrkatzenhaushalten muss individuell gefüttert werden
  • Leckerlis vergessen: Auch kleine Snacks haben Kalorien!
  • Nur Futter reduzieren, nicht die Qualität ändern: Weniger vom gleichen Futter kann zu Nährstoffmangel führen – besser spezielles Diätfutter verwenden
  • Mitleid: Die Katze bettelt – konsequent bleiben ist das Wichtigste!
  • Kein Sport: Ohne Bewegung dauert die Diät ewig und die Katze verliert Muskelmasse statt Fett

Zusammenfassung

Übergewicht bei Katzen ist weit verbreitet und ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko – von Diabetes über Gelenkprobleme bis zur verkürzten Lebenserwartung. Überprüfe regelmäßig den Body Condition Score deiner Katze und handle frühzeitig. Eine gesunde Gewichtsabnahme basiert auf kalorienreduziertem, proteinreichem Futter, festen Fütterungszeiten, mehr Bewegung und Geduld. Wichtig: Katzen dürfen nie hungern – eine zu schnelle Gewichtsabnahme kann eine tödliche Fettleber auslösen. Arbeite am besten mit deinem Tierarzt zusammen, um einen sicheren Diätplan zu erstellen.