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Katze – Gesundheit18.2.2026

Katze Blasenentzündung – Symptome, Behandlung und Vorbeugung

Was ist eine Blasenentzündung bei Katzen?

Blasenentzündungen und Harnwegserkrankungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Katzen. Der medizinische Oberbegriff lautet FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease) – also Erkrankungen der unteren Harnwege. Darunter fallen verschiedene Ursachen, die alle ähnliche Symptome verursachen, aber unterschiedlich behandelt werden.

FLUTD – die verschiedenen Formen

Feline Idiopathische Zystitis (FIC) – ca. 55–65 %:

  • Die häufigste Ursache! Eine Blasenentzündung ohne nachweisbare Erreger
  • Vergleichbar mit der interstitiellen Zystitis beim Menschen
  • Stark stressbedingt – die Psyche spielt eine zentrale Rolle
  • Vor allem junge bis mittelalte Katzen (2–6 Jahre) betroffen

Harnsteine (Urolithiasis) – ca. 15–25 %:

  • Kristalle oder Steine in Blase oder Harnwegen
  • Häufigste Steinarten: Struvit und Calciumoxalat
  • Können die Harnröhre blockieren – besonders bei Katern!

Bakterielle Harnwegsinfektion – ca. 1–8 %:

  • Erstaunlich selten bei jungen Katzen!
  • Häufiger bei älteren Katzen (>10 Jahre), besonders bei Diabetes oder Niereninsuffizienz
  • Wird mit Antibiotika behandelt

Harnröhrenverschluss (Obstruktion) – ca. 10–20 % der männlichen Katzen mit FLUTD:

  • Die Harnröhre wird durch Kristalle, Steine oder Schleimpfropfen blockiert
  • ABSOLUTER NOTFALL! Ohne Behandlung innerhalb von 24–48 Stunden tödlich
  • Fast ausschließlich Kater betroffen (engere Harnröhre)

Anatomische Defekte, Tumoren – selten

Symptome einer Blasenentzündung

Die Symptome sind bei allen FLUTD-Formen ähnlich:

Typische Anzeichen

  • Häufiges Aufsuchen des Katzenklos – die Katze geht ständig aufs Klo, setzt aber nur Tropfen ab
  • Langes Sitzen und Pressen auf dem Katzenklo
  • Maunzen oder Schreien beim Urinieren – deutliches Zeichen für Schmerzen
  • Blut im Urin – rosa bis dunkelrot verfärbter Urin
  • Unsauberkeit – die Katze pinkelt neben das Klo, auf den Teppich, ins Bett oder in die Badewanne
  • Übermäßiges Lecken im Genitalbereich
  • Unangenehmer Uringeruch

Warnsignale für einen Harnröhrenverschluss (NOTFALL!)

  • Katze (besonders Kater!) sitzt im Klo und kann gar keinen Urin mehr absetzen
  • Lautes Maunzen und deutliches Unwohlsein
  • Aufgeblähter, harter Bauch
  • Erbrechen und Appetitlosigkeit
  • Apathie – Katze verkriecht sich, reagiert kaum noch
  • Zusammenbruch oder Bewusstlosigkeit

Bei diesen Symptomen sofort zum Tierarzt – Tag und Nacht! Ein Harnröhrenverschluss führt innerhalb weniger Stunden zu Nierenversagen und Herzstillstand durch Kaliumüberschuss.

Ursachen und Risikofaktoren

Warum bekommt meine Katze eine Blasenentzündung?

Stress – der Hauptauslöser bei FIC:

  • Veränderungen im Umfeld (Umzug, Renovierung, neues Möbelstück)
  • Neues Tier oder neuer Mensch im Haushalt
  • Konflikte mit anderen Katzen
  • Veränderung der Routine
  • Zu wenig Rückzugsmöglichkeiten
  • Lärm und Unruhe

Weitere Risikofaktoren:

  • Übergewicht und Bewegungsmangel
  • Reine Trockenfutter-Ernährung – konzentrierter Urin fördert Kristallbildung
  • Zu wenig Trinken – zu wenig Wasseraufnahme führt zu konzentriertem Urin
  • Wenig Katzenklos – Stress durch verschmutzte oder zu wenige Toiletten
  • Reine Wohnungshaltung – weniger Bewegung, mehr Stress
  • Rasse: Perser und Langhaarkatzen scheinen etwas häufiger betroffen

Warum sind Kater stärker gefährdet?

Kater haben eine deutlich engere und längere Harnröhre als Kätzinnen. Deshalb können schon kleine Mengen Kristalle, Steine oder Schleimpfropfen die Harnröhre komplett blockieren. Bei Kätzinnen kommt ein vollständiger Verschluss extrem selten vor.

Diagnose beim Tierarzt

Untersuchungen

  • Urinanalyse: pH-Wert, spezifisches Gewicht, Blut, Kristalle, Bakterien
  • Urinkultur: Bei Verdacht auf bakterielle Infektion (besonders bei älteren Katzen)
  • Ultraschall: Blasenwandverdickung, Harnsteine, Restharn
  • Röntgen: Nachweis von Harnsteinen (nicht alle Steinarten sind sichtbar)
  • Blutuntersuchung: Nierenwerte, Elektrolyte (besonders bei Verdacht auf Verschluss)

Uringewinnung

  • Zystozentese: Goldstandard – der Tierarzt gewinnt Urin direkt aus der Blase mit einer dünnen Nadel durch die Bauchdecke. Klingt dramatisch, ist für die Katze aber wenig schmerzhaft und liefert unverfälschte Ergebnisse.
  • Auffangen: Spezielles nicht-saugfähiges Streu im Katzenklo – die Katze uriniert normal, du sammelst den Urin mit einer Spritze auf.

Behandlung

Feline Idiopathische Zystitis (FIC)

Die FIC ist stressbedingt und heilt in vielen Fällen innerhalb von 5–7 Tagen von selbst ab. Trotzdem ist eine Behandlung wichtig, um Schmerzen zu lindern und Rückfälle zu verhindern.

Akut:

  • Schmerzmittel: Buprenorphin oder Meloxicam lindern die Schmerzen
  • Krampflösende Medikamente: Prazosin kann die Harnröhre entspannen
  • Feliway (Pheromon-Verdampfer): Synthetische Wohlfühlpheromone, die stresslindernd wirken

Langfristig – MEMO (Multimodale Umweltoptimierung):

  • Stressreduktion – der wichtigste Faktor!

- Genug Rückzugsorte und erhöhte Plätze

- Genug Katzenklos (Anzahl der Katzen + 1)

- Saubere Katzenklos (mindestens 1× täglich reinigen)

- Ruhiger Futterplatz und Katzenklo-Standort

- Feliway-Verdampfer

- Regelmäßige Spielzeiten und Beschäftigung

  • Mehr Flüssigkeit: Nassfutter, Trinkbrunnen, mehrere Wasserstellen
  • Ernährung umstellen: Spezielle Harnwegs-Diäten (z. B. Royal Canin Urinary, Hill's c/d Stress)

Harnsteine

  • Struvit-Steine: Können oft durch spezielle Diät aufgelöst werden (Ansäuerung des Urins)
  • Calciumoxalat-Steine: Müssen chirurgisch entfernt werden – sie lösen sich nicht auf
  • Diätfutter zur Vorbeugung neuer Steine
  • Mehr Flüssigkeit – verdünnter Urin = weniger Kristallbildung

Harnröhrenverschluss (Notfall!)

  • Katheterisierung: Unter Narkose wird ein Harnkatheter gelegt, um die Blockade zu lösen
  • Infusionstherapie: Elektrolyte und Nierenwerte stabilisieren
  • Überwachung: Oft 2–3 Tage stationär
  • Bei wiederkehrenden Verschlüssen: Perineale Urethrostomie – chirurgische Erweiterung der Harnröhrenöffnung

Bakterielle Infektion

  • Antibiotikum nach Urinkultur und Antibiogramm
  • Dauer: 7–14 Tage
  • Kontrolle: Urinuntersuchung nach Therapieende

Vorbeugung – das kannst du tun

Flüssigkeitsaufnahme steigern

  • Nassfutter füttern – enthält ca. 80 % Wasser vs. 10 % bei Trockenfutter
  • Trinkbrunnen – viele Katzen trinken deutlich mehr, wenn das Wasser fließt
  • Mehrere Wassernäpfe an verschiedenen Stellen
  • Warmes Wasser unter das Futter mischen
  • Ungewürzte Hühnerbrühe als Getränk anbieten

Stress reduzieren

  • Genug Rückzugsmöglichkeiten und erhöhte Plätze
  • Feliway-Verdampfer in der Wohnung
  • Regelmäßige Routine beibehalten
  • Konflikte zwischen Katzen minimieren
  • Spielen und Beschäftigung – mindestens 15–20 Minuten täglich
  • Veränderungen langsam einführen

Katzenklo-Management

  • Genug Katzenklos: Regel: Anzahl Katzen + 1
  • Täglich reinigen – mindestens einmal, besser zweimal
  • Richtige Streu: Die meisten Katzen bevorzugen feines, klumpendes Streu
  • Ruhiger Standort – nicht neben der Waschmaschine oder in Durchgangsbereichen
  • Keine Haubentoilette, wenn die Katze sie nicht mag
  • Groß genug: Mindestens 1,5× Körperlänge der Katze

Ernährung

  • Spezial-Diäten: Harnwegs-Diätfutter kann bei wiederkehrenden Problemen sinnvoll sein
  • Kein reines Trockenfutter – oder zumindest mit viel Wasser anreichern
  • Regelmäßige Fütterungszeiten

Zusammenfassung

Blasenprobleme bei Katzen sind häufig und werden meist durch Stress ausgelöst (Feline Idiopathische Zystitis). Die wichtigsten Maßnahmen sind Stressreduktion, ausreichende Flüssigkeitsaufnahme und optimales Katzenklo-Management. Bei Katern besteht die Gefahr eines Harnröhrenverschlusses – wenn dein Kater im Klo sitzt und keinen Urin absetzen kann, ist das ein absoluter Notfall. Achte auf die typischen Symptome wie häufige Klobesuche, Blut im Urin und Unsauberkeit und geh bei Verdacht zum Tierarzt. Mit den richtigen Vorbeugemaßnahmen lässt sich das Rückfallrisiko deutlich senken.