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Katze – Gesundheit18.2.2026

Katze humpelt – Ursachen und wann zum Tierarzt

Warum humpelt meine Katze?

Katzen sind Meisterinnen darin, Schmerzen zu verbergen – ein Überbleibsel aus der Wildnis, wo ein verletztes Tier leichte Beute wäre. Wenn deine Katze sichtbar humpelt, bedeutet das, dass die Schmerzen oder die Einschränkung bereits erheblich sind. Lahmheit bei Katzen sollte daher immer ernst genommen werden.

Plötzliches Humpeln – häufige Ursachen

Verletzungen:

  • Pfotenverletzung: Dorn, Splitter, Glasscherbe in der Pfote oder zwischen den Ballen
  • Bissverletzung: Revierkämpfe mit anderen Katzen – Bisswunden sind oft klein, infizieren sich aber leicht und bilden Abszesse
  • Sturz oder Sprung: Katzen landen meist auf den Pfoten, aber Fehllandungen, Stürze aus großer Höhe oder Sprünge auf ungünstige Oberflächen können zu Verstauchungen oder Brüchen führen
  • Krallenverletzung: Eingerissene, abgebrochene oder eingewachsene Krallen
  • Insektenstich: Biene, Wespe oder Hummel in die Pfote

Unfälle:

  • Autounfall: Freigänger sind besonders gefährdet – Knochenbrüche, Beckenbrüche, innere Verletzungen
  • Einklemmen: Schwanz oder Pfote in der Tür oder Kippfenster eingeklemmt
  • Kippfensterfalle: Katzen rutschen in gekippten Fenstern fest und verletzen sich schwer (Quetschung der inneren Organe, Nervenschäden an den Hinterbeinen)

Schleichend zunehmendes Humpeln

Arthrose:

  • Betrifft viel mehr Katzen als oft angenommen – Studien zeigen, dass bis zu 90 % aller Katzen über 12 Jahre radiologische Anzeichen von Arthrose haben
  • Zeigt sich bei Katzen anders als beim Hund: Weniger offensichtliches Humpeln, mehr Veränderungen im Verhalten
  • Typische Zeichen: Springt nicht mehr so hoch, klettert ungern, steifer Gang nach dem Aufstehen

Patellaluxation:

  • Die Kniescheibe springt aus der Führung
  • Katze hebt das Bein kurz an, schüttelt es und läuft dann weiter
  • Häufiger bei bestimmten Rassen (Devon Rex, Abessinier)

Hüftdysplasie:

  • Auch bei Katzen möglich, besonders bei großen Rassen (Maine Coon, Perser, Britisch Kurzhaar)

Tumore:

  • Knochentumore (Osteosarkom) – seltener als beim Hund, aber möglich
  • Weichteiltumore an der Gliedmaße

Nervenschäden:

  • Bandscheibenprobleme
  • Thrombose der Aorta (Aortenthrombose/Sattelthrombus) – akuter Notfall!

⚠️ Notfall: Aortenthrombose (Sattelthrombus)

Ein besonders gefährlicher Zustand bei Katzen, oft in Verbindung mit einer Herzerkrankung (HCM):

Symptome:

  • Plötzliche Lähmung der Hinterbeine – die Katze kann die Hinterbeine nicht mehr bewegen
  • Starke Schmerzen – die Katze schreit
  • Kalte Hinterpfoten – fehlende Durchblutung
  • Blaue/lila Zehenballen und Krallen an den Hinterbeinen

Dies ist ein NOTFALL! Sofort zum Tierarzt oder in die Tierklinik! Die Prognose hängt davon ab, wie schnell behandelt wird.

Was du selbst tun kannst

Erste Schritte

  1. Beobachten: Welches Bein ist betroffen? Wann humpelt die Katze besonders? Ist sie gestürzt oder gab es einen Vorfall?
  2. Pfoten kontrollieren: Vorsichtig die Pfoten untersuchen – Fremdkörper, Verletzungen, Schwellungen, eingewachsene Krallen
  3. Gelenke vorsichtig abtasten: Gibt es warme, geschwollene Stellen? Reagiert die Katze schmerzhaft?
  4. Allgemeinzustand einschätzen: Frisst die Katze? Ist sie aktiv oder zieht sie sich zurück?

Sofortmaßnahmen

  • Ruhe und Schonung: Wenn möglich, die Katze in einen ruhigen Raum setzen und den Zugang nach draußen sperren
  • Kein Klettern und Springen: Lieblingshochplätze vorübergehend unzugänglich machen oder Stufen/Rampen anbieten
  • Kleine Verletzungen versorgen: Fremdkörper (Dorn, Splitter) vorsichtig mit Pinzette entfernen, Wunde desinfizieren
  • Kühlen bei akuter Schwellung: Kühlpack (in Tuch gewickelt) für 10 Minuten auf die Stelle legen – wenn die Katze es zulässt

Was du NICHT tun solltest

  • Keine menschlichen Schmerzmittel geben! Ibuprofen und Paracetamol sind für Katzen hochgiftig und können tödlich sein! Bereits eine Tablette Paracetamol kann eine Katze töten.
  • Nicht am Bein ziehen oder kräftig manipulieren
  • Die Katze nicht zum Laufen oder Springen zwingen
  • Nicht zu lange warten und beobachten, wenn die Katze starke Schmerzen zeigt

🚨 Wann sofort zum Tierarzt?

Geh umgehend zum Tierarzt, wenn:

  • Die Katze das Bein gar nicht belastet
  • Das Bein unnatürlich absteht oder verdreht ist (Verdacht auf Bruch)
  • Plötzliche Lähmung der Hinterbeine mit Schmerzen (Verdacht auf Aortenthrombose – NOTFALL!)
  • Offene Wunde oder starke Blutung
  • Starke Schwellung oder heißes Gelenk
  • Bisswunde mit Eiterbildung oder Fieber
  • Die Katze nicht frisst oder erbricht
  • Das Humpeln sich nach 48 Stunden nicht bessert
  • Die Katze einen Unfall hatte (Sturz, Auto, Kippfenster)

Diagnose beim Tierarzt

  • Klinische Untersuchung: Abtasten aller Gelenke und Knochen, Beweglichkeitsprüfung
  • Röntgen: Darstellung von Knochenbrüchen, Arthrose, Tumoren
  • Ultraschall: Bei Weichteilverletzungen oder Abszessen
  • Blutuntersuchung: Entzündungswerte, bei Verdacht auf Aortenthrombose Herzmarker
  • Herzultraschall: Bei Verdacht auf Aortenthrombose (Herzerkrankung als Grundursache)

Behandlung

Je nach Diagnose:

  • Schmerzmittel: Meloxicam (speziell für Katzen zugelassen), Buprenorphin
  • Antibiotika: Bei Bisswunden und Abszessen
  • Operation: Bei Knochenbrüchen, Patellaluxation, Tumoren
  • Abszesspaltung: Bisswunden-Abszesse müssen chirurgisch eröffnet und gespült werden
  • Arthrosetherapie: Schmerzmanagement, Gewichtskontrolle, Solensia (monoklonaler Antikörper gegen Schmerz – monatliche Injektion, speziell für Katzen)
  • Physiotherapie: Auch bei Katzen möglich und sinnvoll

Arthrose bei Katzen – das unterschätzte Problem

Arthrose bei Katzen zeigt sich anders als bei Hunden. Katzen humpeln seltener offensichtlich, sondern verändern ihr Verhalten:

  • Springen nicht mehr auf hohe Plätze (Fensterbank, Schrank)
  • Katzenklo mit hohem Rand wird gemieden – die Katze wird unsauber
  • Weniger aktiv und verspielt
  • Steifes Aufstehen nach langem Liegen
  • Fellpflege lässt nach – besonders am Rücken, den die Katze nicht mehr erreicht
  • Weniger Berührung gewünscht an bestimmten Stellen

Behandlung bei Katzen-Arthrose:

  • Solensia (Frunevetmab): Monatliche Injektion – speziell für Katzen zugelassener Schmerzantikörper, sehr gut verträglich
  • Meloxicam: In niedriger Dosierung, unter tierärztlicher Kontrolle (Nierenwerte!)
  • Gewichtsmanagement: Übergewicht belastet die Gelenke enorm
  • Umgebungsanpassung: Niedrigere Schlafplätze, Katzenklo mit niedrigem Einstieg, Rampen oder Stufen zu Lieblingsplätzen
  • Wärme: Beheizte Katzenbetten oder Wärmematten
  • Omega-3-Fettsäuren: Entzündungshemmend (Fischöl)

Vorbeugung

  • Kippfenster sichern: Kippfensterschutz-Gitter anbringen – rettet Leben!
  • Gewicht im Normalbereich halten
  • Regelmäßige Krallenpflege: Besonders bei Wohnungskatzen und älteren Katzen
  • Impfungen und Parasitenprophylaxe aktuell halten (reduziert Infektionsrisiko bei Freigängern)
  • Sichere Umgebung: Balkon sichern, giftige Pflanzen entfernen
  • Regelmäßige Tierarztbesuche: Arthrose frühzeitig erkennen

Zusammenfassung

Wenn deine Katze humpelt, kontrolliere zuerst die Pfoten auf Fremdkörper und offensichtliche Verletzungen. Gönne deiner Katze Ruhe und beobachte den Verlauf. Bei starker Lahmheit, Schwellungen, offenen Wunden oder plötzlicher Hinterhandlähmung geh sofort zum Tierarzt. Gib deiner Katze niemals menschliche Schmerzmittel – Paracetamol und Ibuprofen sind für Katzen lebensbedrohlich giftig. Denke bei älteren Katzen auch an Arthrose als häufige Ursache für schleichende Veränderungen in der Beweglichkeit.