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Katzengras – Warum Katzen Gras fressen und welches sicher ist
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katze-ernaehrung20.2.2026

Katzengras – Warum Katzen Gras fressen und welches sicher ist

Katzengras – Warum fressen Katzen Gras?

Wenn du eine Katze hast, hast du sie wahrscheinlich schon einmal beim Grasfressen beobachtet – und dich gefragt, warum ein Fleischfresser an Grünzeug knabbert. Das Verhalten ist völlig normal und bei Katzen weit verbreitet. Katzengras gehört zu den wichtigsten Angeboten, die du deiner Wohnungskatze machen kannst. In diesem Ratgeber erfährst du, warum Katzen Gras fressen, welches Katzengras sicher ist und worauf du bei der Auswahl achten solltest.

Warum fressen Katzen Gras?

Das Grasfressen bei Katzen ist ein natürliches Verhalten, das mehrere Funktionen haben kann. Die Wissenschaft hat noch keine endgültige Erklärung, aber es gibt mehrere plausible Theorien:

Theorie 1: Haarballen loswerden

Die bekannteste Erklärung: Katzen fressen Gras, um verschluckte Haare aus dem Magen zu befördern. Beim täglichen Putzen verschluckt eine Katze große Mengen Fell, das sich im Magen zu Haarballen (Trichobezoare) zusammenballt. Die unverdaulichen Grashalme reizen die Magenschleimhaut und lösen einen Brechreiz aus, durch den die Haarballen zusammen mit dem Gras erbrochen werden.

Aber: Nicht alle Katzen erbrechen nach dem Grasfressen, was darauf hindeutet, dass das Erbrechen nicht der einzige Zweck ist.

Theorie 2: Folsäure und Nährstoffe

Gras enthält Folsäure (Vitamin B9), ein Nährstoff, der für die Blutbildung und Zellteilung wichtig ist. Manche Wissenschaftler vermuten, dass Katzen instinktiv Gras fressen, um ihren Folsäurebedarf zu decken – ähnlich wie wildlebende Fleischfresser, die den Mageninhalt ihrer pflanzenfressenden Beute mitverzehren.

Theorie 3: Verdauungshilfe und Ballaststoffe

Gras enthält unverdauliche Fasern, die als Ballaststoffe die Darmbewegung anregen können. Das könnte helfen, verschluckte Haare und unverdauliche Reste durch den Verdauungstrakt zu transportieren – quasi als natürliches Abführmittel bei leichter Verstopfung.

Theorie 4: Parasitenabwehr

Eine neuere wissenschaftliche Theorie besagt, dass das Grasfressen ein evolutionäres Überbleibsel ist: Wildkatzen fressen Gras, um Darmparasiten durch die mechanische Wirkung der Grasfasern aus dem Darm zu befördern. Diese Theorie wird durch Beobachtungen gestützt, dass auch wildlebende Raubkatzen und andere Fleischfresser regelmäßig Gras fressen.

Theorie 5: Einfach lecker

Manchmal ist die einfachste Erklärung die richtige: Vielen Katzen schmeckt Gras einfach. Sie genießen die Textur, den Geschmack und das Kauvergnügen. Das Grasfressen kann auch ein Spiel- und Beschäftigungselement sein, besonders bei Wohnungskatzen.

Warum ist Katzengras wichtig?

Für Wohnungskatzen unverzichtbar

Freigängerkatzen haben Zugang zu verschiedenen Gräsern und Pflanzen und können sich bedienen. Wohnungskatzen haben diese Möglichkeit nicht – und greifen stattdessen häufig zu Zimmerpflanzen, was gefährlich sein kann, da viele beliebte Zimmerpflanzen für Katzen giftig sind (z. B. Lilien, Dieffenbachie, Philodendron, Weihnachtsstern).

Indem du deiner Katze sicheres Katzengras anbietest, erfüllst du ihr natürliches Bedürfnis und schützt gleichzeitig deine Zimmerpflanzen vor Knabberschäden und deine Katze vor Vergiftungen.

Unterstützung bei Haarballen

Besonders für Langhaarkatzen und Rassen mit dichtem Fell (wie Maine Coon, Norwegische Waldkatze oder Perser) ist Katzengras eine hilfreiche Ergänzung, um Haarballen auf natürliche Weise loszuwerden.

Welches Katzengras ist sicher?

Nicht jedes Gras ist für Katzen geeignet. Hier eine Übersicht über die sichersten und beliebtesten Katzengras-Sorten:

Weizen, Gerste, Hafer und Roggen

Die beliebtesten und am weitesten verbreiteten Katzengras-Sorten:

  • Vorteile: Einfach zu ziehen, schnell wachsend, weiche Halme, gut verträglich
  • Nachteile: Wachsen schnell zu hoch und werden gelb, müssen regelmäßig neu ausgesät werden
  • Besonders empfehlenswert: Weizengras und Gerstengras – weiche, breite Halme mit geringem Verletzungsrisiko

Zyperngras (Cyperus)

Ein dekoratives, grasähnliches Gewächs mit langen, dünnen Blättern:

  • Vorteile: Langlebig, muss nicht nachgesät werden, dekorativ
  • Nachteile: Die schmalen, scharfkantigen Blätter können die Schleimhäute verletzen – nur die breitblättrige Variante (Cyperus alternifolius) verwenden! Das schmalblättrige Zyperngras (Cyperus zumula) hat weichere Halme und ist besser geeignet
  • Wichtig: Beobachte deine Katze genau – manche Katzen kauen die Halme nicht gründlich und verschlucken lange Stücke, die im Rachen stecken bleiben können

Grünlilie (Chlorophytum comosum)

Die Grünlilie ist eine beliebte Zimmerpflanze, an der viele Katzen gerne knabbern:

  • Vorteile: Pflegeleicht, langlebig, ungiftig für Katzen
  • Nachteile: Grünlilien können Schadstoffe aus der Luft in ihren Blättern speichern – stelle sicher, dass die Pflanze nicht in einem stark belasteten Raum steht
  • Als Katzengras-Alternative geeignet, aber nicht als alleinige Lösung

Katzengamander (Teucrium marum)

  • Vorteile: Hat eine ähnliche Wirkung wie Katzenminze und ist für Katzen unbedenklich
  • Nachteile: Schwerer zu bekommen, weniger bekannt

Gras-Mischungen aus dem Tierhandel

Im Tierhandel findest du fertige Katzengras-Sets (oft Weizen- oder Gerstenmischungen in vorbepflanzten Schalen), die sofort einsatzbereit sind. Sie sind eine bequeme Option für Einsteiger.

Welches Gras ist NICHT sicher?

  • Ziergräser aus dem Garten oder Park: Können mit Pestiziden, Düngemitteln oder Hundeurin belastet sein
  • Schmalblättriges Zyperngras: Scharfe Kanten können Verletzungen verursachen
  • Gras mit Ähren: Grannen können sich im Rachen oder Nasenraum festsetzen
  • Unbekannte Wildgräser: Im Zweifelsfall nicht anbieten

Katzengras selber ziehen – Anleitung

Was du brauchst

  • Katzengras-Samen (Weizen, Gerste, Hafer oder eine Mischung)
  • Eine flache Schale oder einen Blumentopf
  • Blumenerde (ungedüngt, torfreduziert) oder Kokossubstrat
  • Wasser
  • Einen hellen Standort (kein direktes Sonnenlicht nötig)

Schritt-für-Schritt

  1. Samen einweichen: Die Samen über Nacht (8 bis 12 Stunden) in Wasser einweichen – das beschleunigt die Keimung
  2. Erde vorbereiten: Die Schale mit 3 bis 5 cm Erde füllen und leicht anfeuchten
  3. Samen verteilen: Die eingeweichten Samen dicht an dicht auf die Erde streuen
  4. Leicht bedecken: Mit einer dünnen Schicht Erde bedecken (ca. 0,5 cm)
  5. Feucht halten: Regelmäßig mit einer Sprühflasche befeuchten – die Erde sollte feucht, aber nicht nass sein
  6. Warten: Nach 3 bis 7 Tagen zeigen sich die ersten Keime
  7. Anbieten: Wenn das Gras eine Höhe von 5 bis 10 cm erreicht hat, kannst du es deiner Katze anbieten

Pflege-Tipps

  • Regelmäßig gießen: Katzengras braucht gleichmäßige Feuchtigkeit
  • Nachwachsen lassen: Abgefressene Halme wachsen teilweise nach
  • Regelmäßig neu aussäen: Weizen- und Gerstengras wird nach 2 bis 3 Wochen gelb – setze regelmäßig neue Schalen an, damit immer frisches Gras zur Verfügung steht
  • Mehrere Schalen rotieren: Immer eine wachsende und eine zum Fressen bereithalten

Meine Katze erbricht nach dem Grasfressen – ist das normal?

Gelegentliches Erbrechen nach dem Grasfressen ist normal und oft der Zweck des Verhaltens – die Katze befördert Haarballen oder unverdauliche Reste aus dem Magen. Solange deine Katze ansonsten fit ist, gut frisst und aktiv ist, besteht kein Grund zur Sorge.

Wann zum Tierarzt?

  • Häufiges, anhaltendes Erbrechen (mehrmals täglich oder über mehrere Tage)
  • Erbrechen ohne Grasfressen
  • Blut im Erbrochenen
  • Gewichtsverlust oder Appetitlosigkeit
  • Durchfall zusätzlich zum Erbrechen
  • Apathie oder verändertes Verhalten

Meine Katze frisst kein Katzengras – ist das ein Problem?

Nicht alle Katzen fressen Katzengras, und das ist völlig in Ordnung. Manche Katzen haben einfach kein Interesse an Gras. Wenn deine Katze kein Gras frisst und keine Probleme mit Haarballen hat, besteht kein Handlungsbedarf.

Tipps, wenn du das Interesse wecken möchtest:

  • Frisches, junges Gras anbieten – die zarten Triebe sind interessanter als vergilbte Halme
  • Den Standort wechseln – vielleicht mag deine Katze das Gras lieber an einem anderen Ort
  • Verschiedene Sorten ausprobieren – manche Katzen bevorzugen Weizen, andere Gerste oder Hafer
  • Katzenminze neben das Katzengras stellen – die Anziehungskraft kann abfärben

Katzengras vs. Katzenminze

Katzengras und Katzenminze (Nepeta cataria) werden oft verwechselt, sind aber völlig unterschiedlich:

MerkmalKatzengrasKatzenminze
ZweckVerdauungshilfe, HaarballenunterstützungStimulans, Spielanreiz
WirkungPhysisch (Verdauung)Verhaltensändernd (Euphorie)
FressenJa, wird gefressenWird gerieben, gerollt, selten gefressen
PflanzenWeizen, Gerste, ZyperngrasNepeta cataria (Pflanze)
HäufigkeitDauerhaft anbietenGelegentlich als Stimulans

Beide haben ihre Berechtigung und können sich wunderbar ergänzen.

Zusammenfassung

Katzengras ist eine einfache, günstige und wichtige Bereicherung für das Leben deiner Katze – besonders für Wohnungskatzen, die keinen Zugang zu natürlichem Gras haben. Es unterstützt die Verdauung, hilft bei der Haarballenprophylaxe und befriedigt ein natürliches Bedürfnis. Achte auf sichere Sorten wie Weizen-, Gersten- oder Hafergras, ziehe es selbst oder kaufe es fertig im Tierhandel. Lass deiner Katze die Wahl, ob und wie viel sie fressen möchte – und sorge gleichzeitig dafür, dass keine giftigen Zimmerpflanzen in Reichweite stehen. Ein kleiner Topf Katzengras kann einen großen Beitrag zum Wohlbefinden deiner Katze leisten.