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Hund – Gesundheit18.2.2026

Verstopfung beim Hund – Ursachen, Hausmittel und Behandlung

Verstopfung beim Hund – wenn der Darm streikt

Verstopfung (Obstipation) beim Hund bedeutet, dass der Kotabsatz erschwert, verzögert oder nicht möglich ist. Der Kot ist hart, trocken und wird nur in kleinen Mengen oder gar nicht abgesetzt. Gelegentliche leichte Verstopfung ist meist harmlos und lässt sich mit Hausmitteln behandeln. Chronische oder schwere Verstopfung kann jedoch ein Zeichen einer ernsthaften Erkrankung sein und erfordert tierärztliche Behandlung.

Was ist normal?

  • Häufigkeit: Die meisten Hunde koten 1-3 Mal am Tag – manche auch nur jeden zweiten Tag
  • Konsistenz: Der Kot sollte fest, aber formbar sein (wie Knetmasse)
  • Farbe: Schokoladenbraun ist die Normalfarbe
  • Absatz: Ohne sichtbare Anstrengung, in wenigen Sekunden

Ab wann ist es Verstopfung?

Von Verstopfung spricht man, wenn:

  • Dein Hund seit 48-72 Stunden nicht gekotet hat
  • Der Kotabsatz sichtbar anstrengend ist (Pressen, Kreiseln, Wimmern)
  • Nur kleine, harte, trockene Kotbröckchen abgesetzt werden
  • Der Hund wiederholt versucht zu koten, ohne Erfolg

Ursachen für Verstopfung

Häufige und meist harmlose Ursachen

  • Zu wenig Flüssigkeit: Besonders bei Hunden, die hauptsächlich Trockenfutter fressen und wenig trinken
  • Ballaststoffmangel: Futter mit zu wenig Ballaststoffen führt zu träger Verdauung
  • Zu wenig Bewegung: Bewegung regt die Darmtätigkeit an – Couch-Potatoes neigen eher zu Verstopfung
  • Knochenfütterung: Ein Klassiker! Zu viele Knochen führen zum berüchtigten „Knochenkot" – steinhart, weiß und kaum absetzbar
  • Fellaufnahme: Exzessives Lecken und Fellfressen kann zu Haarverfilzungen im Darm führen
  • Stress oder Umgebungswechsel: Manche Hunde koten ungern an fremden Orten (Urlaub, Umzug)
  • Medikamente: Bestimmte Schmerzmittel (Opioide), Eisenpräparate oder Antihistaminika können Verstopfung verursachen

Ernsthafte Ursachen

  • Fremdkörper: Verschluckte Gegenstände (Spielzeug, Steine, Stoffe) können den Darm blockieren
  • Vergrößerte Prostata: Bei unkastrierten Rüden kann eine vergrößerte Prostata den Enddarm einengen
  • Perinealhernie: Ein Bruch im Beckenboden, häufig bei unkastrierten Rüden
  • Tumore: Darmtumoren oder Tumoren im Beckenbereich können den Darm verengen
  • Beckenbruch oder -verengung: Alte Verletzungen können die Darmpassage behindern
  • Neurologische Erkrankungen: Bandscheibenvorfall, Cauda-equina-Syndrom – Nervenstörungen beeinflussen die Darmmotilität
  • Analbeutelprobleme: Entzündete oder verstopfte Analbeutel machen den Kotabsatz schmerzhaft – der Hund vermeidet das Koten
  • Megakolon: Abnormale Erweiterung des Dickdarms mit Verlust der normalen Kontraktionsfähigkeit
  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion): Verlangsamt den gesamten Stoffwechsel einschließlich der Verdauung

Symptome erkennen

  • Häufiges Pressen ohne Kotabsatz oder nur kleine, harte Bröckchen
  • Kreiseln und unruhiges Verhalten beim Versuch zu koten
  • Angespannter, eventuell aufgeblähter Bauch
  • Appetitlosigkeit bei länger bestehender Verstopfung
  • Wimmern oder Schmerzäußerung beim Pressen
  • Schleim oder Blut am Kot (durch starkes Pressen)
  • Erbrechen – kann bei schwerem Darmverschluss auftreten
  • Lethargie und allgemeines Unwohlsein

Verwechslungsgefahr: Starkes Pressen kann auch ein Symptom von Durchfall sein (Tenesmus = schmerzhafter Stuhldrang). Beobachte genau, ob der Hund tatsächlich keinen Kot absetzt oder ob nur kleine Mengen flüssigen Kots kommen.

Hausmittel gegen Verstopfung

Bei leichter Verstopfung (Hund ist munter, frisst normal, keine Schmerzen) kannst du folgende Hausmittel ausprobieren:

1. Mehr Flüssigkeit

  • Wasser zum Futter geben: Trockenfutter einweichen oder eine Brühe (ungewürzt, ohne Zwiebeln) über das Futter gießen
  • Nassfutter statt Trockenfutter: Enthält ca. 80 % Wasser
  • Mehrere Wasserstellen bereitstellen
  • Trinkbrunnen: Manche Hunde trinken mehr, wenn das Wasser fließt

2. Ballaststoffe erhöhen

  • Kürbis (gekocht, ungewürzt): DAS Hausmittel gegen Verstopfung beim Hund! 1-3 Esslöffel (je nach Hundegröße) unter das Futter mischen. Kürbis enthält viele lösliche Ballaststoffe und bindet gleichzeitig Wasser im Darm.
  • Flohsamenschalen: 1/2 bis 1 Teelöffel (je nach Größe) mit viel Wasser unter das Futter. Quellen im Darm auf und regen die Darmbewegung an. Wichtig: Immer ausreichend Wasser dazu, sonst wirken sie gegenteilig!
  • Leinsamen (geschrotet): 1 Teelöffel pro 10 kg Körpergewicht, mit Wasser einweichen
  • Karotten (gekocht): Ballaststoffreich und gut verträglich
  • Kleie (Weizen- oder Haferkleie): 1 Teelöffel pro 10 kg unter das Futter

3. Öle und Fette

  • Lachsöl oder Olivenöl: 1 Teelöffel pro 10 kg Körpergewicht über das Futter – „schmiert" den Darm
  • Kokosöl: Ähnliche Wirkung, von den meisten Hunden gerne gefressen
  • Nicht überdosieren, da zu viel Fett Durchfall oder Bauchspeicheldrüsenproblemen auslösen kann

4. Bewegung

  • Ausgedehnte Spaziergänge: Bewegung ist der beste natürliche Darmstimulator
  • Ruhiges Joggen oder Traben ist besonders effektiv
  • Oft reicht schon ein langer Spaziergang, um den Darm in Schwung zu bringen

5. Bauchmassage

  • Massiere den Bauch deines Hundes sanft im Uhrzeigersinn
  • Fördert die Darmbewegung (Peristaltik)
  • Nur bei entspanntem Hund und wenn er es genießt – nie bei schmerzhaftem Bauch!

Was du NICHT tun solltest

  • Keine menschlichen Abführmittel geben! Viele sind für Hunde giftig oder zu stark dosiert
  • Kein Rizinusöl – kann zu schweren Krämpfen führen
  • Keine Einläufe ohne tierärztliche Anweisung
  • Nicht am Kot herumziehen, wenn er aus dem After herausragt (bei Fremdkörpern wie Schnüren oder Fäden kann das schwere Verletzungen verursachen!)

🚨 Wann zum Tierarzt?

  • Dein Hund hat seit mehr als 48-72 Stunden keinen Kot abgesetzt
  • Starkes Pressen mit Schmerzäußerung (Wimmern, Schreien)
  • Aufgeblähter, harter Bauch
  • Erbrechen zusammen mit Verstopfung (Darmverschluss-Verdacht!)
  • Blut am Kot oder After
  • Hund frisst nicht und wirkt matt
  • Fremdkörperverdacht (Hund hat etwas verschluckt)
  • Wiederkehrende Verstopfung – die Ursache muss abgeklärt werden
  • Knochenkot sitzt fest und kommt nicht raus

Was macht der Tierarzt?

Diagnostik

  • Abtasten des Bauchs: Harter Kot im Dickdarm fühlbar
  • Rektale Untersuchung: Beurteilung des Enddarms, Prostata (bei Rüden), Analbeutel
  • Röntgen: Zeigt Kotansammlungen, Fremdkörper, Tumore oder Beckenverengungen
  • Ultraschall: Weitere Beurteilung der Bauchorgane
  • Blutuntersuchung: Schilddrüsenwerte, Elektrolyte, Organwerte

Behandlung

  • Einlauf (Klistier): Flüssigkeit wird in den Enddarm eingeführt, um den Kot aufzuweichen
  • Manuelle Ausräumung: Unter Sedierung wird der verhärtete Kot vorsichtig entfernt
  • Infusionstherapie: Bei Dehydration
  • Medikamentöse Abführmittel: Lactulose (Osmotisches Abführmittel) oder Macrogol
  • Prokinetika: Medikamente, die die Darmbewegung anregen
  • Operation: Bei Fremdkörper, Tumor oder Perinealhernie

Vorbeugung

  • Ausreichend Wasser: Besonders bei Trockenfutter-Fütterung
  • Ballaststoffreiches Futter: Hochwertiges Futter mit ausreichend Ballaststoffen
  • Regelmäßige Bewegung: Tägliche Spaziergänge halten den Darm in Schwung
  • Knochen dosiert füttern: Maximal 1-2 Mal pro Woche, nie große Mengen auf einmal
  • Fremdkörperaufnahme verhindern: Achte darauf, was dein Hund aufnimmt
  • Regelmäßig wiegen: Übergewicht begünstigt Verstopfung
  • Ältere Rüden kastrieren lassen: Reduziert das Risiko einer Prostatavergößerung

Zusammenfassung

Gelegentliche leichte Verstopfung beim Hund ist häufig und meist harmlos. Mit mehr Flüssigkeit, Ballaststoffen (besonders Kürbis!), Bewegung und etwas Öl im Futter bekommst du die meisten Fälle in den Griff. Vermeide menschliche Abführmittel und zu viele Knochen. Wenn die Verstopfung länger als 2-3 Tage anhält, dein Hund Schmerzen hat oder weitere Symptome wie Erbrechen oder Appetitlosigkeit zeigt, geh zum Tierarzt. Chronische Verstopfung sollte immer tierärztlich abgeklärt werden, um ernsthafte Ursachen auszuschließen.