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Hund – Gesundheit18.2.2026

Analdrüse beim Hund – Entzündung, Symptome und Behandlung

Was sind Analdrüsen?

Hunde besitzen zwei kleine Drüsen, die seitlich des Afters liegen – auf der Position „4 Uhr" und „8 Uhr", wenn man sich den After als Uhr vorstellt. Diese Analdrüsen (auch Analbeutel oder Perianaldrüsen genannt) produzieren ein stark riechendes, bräunliches Sekret, das über kleine Öffnungen in den Analkanal abgegeben wird.

Wozu dienen die Analdrüsen?

  • Markierung und Identifikation: Das Sekret hat einen individuellen Geruch – eine Art „Fingerabdruck" des Hundes. Deshalb beschnuppern sich Hunde am Hinterteil.
  • Territoriale Markierung: Bei jedem Stuhlgang wird etwas Sekret auf den Kot abgegeben.
  • Abwehrreaktion: Bei Angst oder Schreck können Hunde das Sekret schlagartig entleeren – der extrem unangenehme Geruch dient als Abschreckung.

Wann werden Analdrüsen zum Problem?

Normalerweise entleeren sich die Analdrüsen bei jedem Stuhlgang von selbst – der vorbeigleitende Kot drückt auf die Beutel und presst das Sekret heraus. Bei manchen Hunden funktioniert dieser Mechanismus nicht richtig, und die Drüsen verstopfen.

Symptome von Analdrüsenproblemen

Typische Anzeichen

  • Schlittenfahren (Scooting): Das bekannteste Zeichen! Der Hund rutscht mit dem Po über den Boden, um den Juckreiz und Druck zu lindern.
  • Übermäßiges Lecken am Hinterteil und unter der Rute
  • Beißen oder Knabbern an der Schwanzwurzel
  • Unangenehmer, fischiger Geruch – das Sekret riecht sehr stark und penetrant
  • Plötzliches Aufspringen und Umdrehung zum Hinterteil
  • Schwierigkeiten beim Sitzen – der Hund setzt sich hin und steht sofort wieder auf
  • Schwellung neben dem After (einseitig oder beidseitig)
  • Schmerzen beim Stuhlgang – der Hund presst, maunzt oder vermeidet den Stuhlgang

Stadien der Analdrüsenprobleme

1. Verstopfung (Impaktion):

  • Das Sekret wird zu dickflüssig oder die Öffnung ist verengt
  • Die Drüsen füllen sich an und entleeren sich nicht mehr selbständig
  • Juckreiz, Schlittenfahren, Lecken

2. Entzündung (Sacculitis):

  • Aus der Verstopfung entwickelt sich eine Entzündung
  • Rötung und Schwellung neben dem After
  • Deutliche Schmerzen
  • Das Sekret wird gelb-grünlich oder blutig

3. Abszess:

  • Die Entzündung kapselt sich ein und bildet einen eitergefüllten Abszess
  • Starke Schwellung, warm und schmerzhaft
  • Der Abszess kann aufbrechen und Eiter nach außen entleeren
  • Fieber und Mattigkeit möglich
  • Immer tierärztlich behandeln!

4. Fistelbildung (chronisch):

  • Bei wiederkehrenden Abszessen können sich Fisteln (abnormale Verbindungsgänge) bilden
  • Chronisches Problem, oft schwer zu behandeln

Ursachen – warum verstopfen Analdrüsen?

  • Weicher Stuhl: Der häufigste Grund! Weicher Stuhl oder Durchfall übt nicht genug Druck auf die Drüsen aus, um sie zu entleeren.
  • Übergewicht: Fettanlagerungen im Analbereich verengen die Drüsenöffnungen.
  • Anatomie: Kleine Rassen haben oft enge Drüsengänge (Chihuahua, Dackel, Zwergpudel, Cavalier King Charles Spaniel).
  • Allergien: Futtermittelallergien und Umweltallergien können zu Schwellungen der Analdrüsen führen.
  • Bewegungsmangel: Wenig Bewegung reduziert die natürliche Darmmotilität und den Druck auf die Drüsen.
  • Zu wenig Ballaststoffe im Futter: Führt zu kleinerem, weicherem Stuhl.
  • Genetische Veranlagung: Manche Hunde produzieren dickflüssigeres Sekret.

Besonders betroffene Rassen

  • Chihuahua
  • Dackel (Teckel)
  • Zwergpudel und Toy Pudel
  • Cocker Spaniel
  • Cavalier King Charles Spaniel
  • Beagle
  • Basset Hound
  • Französische Bulldogge

Behandlung

Analdrüsen ausdrücken

Bei einer Verstopfung müssen die Analdrüsen manuell entleert werden. Das kann der Tierarzt oder eine erfahrene Tierarzthelferin machen.

Äußere Methode:

  • Mit Daumen und Zeigefinger wird von außen sanfter Druck auf die Drüsen (links und rechts des Afters) ausgeübt
  • Das Sekret wird nach außen gedrückt
  • Weniger gründlich, aber einfacher

Innere Methode (beim Tierarzt):

  • Ein Finger wird rektal eingeführt und drückt die Drüse von innen gegen den Daumen von außen
  • Gründlicher, die Drüse wird vollständig entleert
  • Besser geeignet bei dickflüssigem Sekret

Wie oft? Manche Hunde brauchen eine Entleerung alle 4–6 Wochen, andere nur selten. Die Häufigkeit variiert stark.

Wichtig: Zu häufiges Ausdrücken ohne Notwendigkeit kann die Drüsen reizen und das Problem verschlimmern! Drücke die Analdrüsen nur aus, wenn Symptome vorliegen.

Selbst ausdrücken – ja oder nein?

Viele Hundebesitzer fragen, ob sie die Analdrüsen selbst ausdrücken können. Grundsätzlich ist die äußere Methode erlernbar, aber:

  • Beim ersten Mal immer vom Tierarzt zeigen lassen
  • Falsche Technik kann die Drüsen verletzen oder reizen
  • Warnung: Das Sekret riecht extrem unangenehm – am besten draußen oder in der Badewanne machen
  • Bei Entzündung oder Abszess NICHT selbst ausdrücken – zum Tierarzt!

Behandlung bei Entzündung

  • Ausdrücken und Spülen: Der Tierarzt entleert die Drüsen und spült sie ggf. mit einer antiseptischen Lösung
  • Antibiotika: Bei bakterieller Infektion (Salbe lokal oder Tabletten systemisch)
  • Schmerzmittel: Entzündungshemmende Medikamente
  • Warme Kompressen: Zu Hause kannst du einen warmen, feuchten Waschlappen auf die betroffene Stelle halten (10 Minuten, 2–3× täglich)

Behandlung bei Abszess

  • Eröffnen und Drainage: Der Abszess wird unter Sedierung geöffnet und gespült
  • Antibiotika: Systemisch (Tabletten) über 7–14 Tage
  • Schmerzmittel
  • Halskrause: Damit der Hund nicht leckt
  • Tägliche Wundpflege

Chirurgische Entfernung (Analbeutektomie)

Bei chronisch wiederkehrenden Problemen kann eine operative Entfernung beider Analdrüsen erwogen werden:

  • Indikation: Wiederkehrende Verstopfungen, Entzündungen oder Abszesse trotz aller Maßnahmen
  • Risiken: Mögliche Stuhlinkontinenz (selten bei erfahrenem Chirurgen), Wundinfektionen
  • Erfolgsrate: Sehr hoch – die Probleme sind nach Entfernung dauerhaft gelöst
  • Kosten: Ca. 300–800 €

Vorbeugung

  • Ballaststoffreiche Ernährung: Festerer Stuhl drückt beim Stuhlgang besser auf die Drüsen und entleert sie natürlich. Flohsamenschalen (1 TL pro 10 kg Körpergewicht) oder Kürbispüree unter das Futter mischen.
  • Gewichtsmanagement: Übergewicht begünstigen – halte deinen Hund schlank
  • Regelmäßige Bewegung: Fördert die Darmtätigkeit
  • Allergien behandeln: Wenn Allergien die Ursache sind, muss die Grunderkrankung behandelt werden
  • Regelmäßige Kontrolle: Bei Hunden mit bekannter Neigung die Drüsen regelmäßig vom Tierarzt kontrollieren lassen

Wann zum Tierarzt?

  • Dein Hund rutscht wiederholt auf dem Po oder leckt exzessiv am Hinterteil
  • Schwellung oder Rötung neben dem After
  • Blut oder Eiter am After
  • Der Hund hat Schmerzen beim Sitzen oder Stuhlgang
  • Fieber oder Mattigkeit zusammen mit Analdrüsenproblemen
  • Die Analdrüsen müssen regelmäßig ausgedrückt werden – lass die Ursache abklären

Zusammenfassung

Analdrüsenprobleme sind beim Hund häufig und äußern sich typischerweise durch Schlittenfahren, Lecken am Hinterteil und fischigen Geruch. In den meisten Fällen liegt eine Verstopfung vor, die durch manuelles Ausdrücken beim Tierarzt gelöst werden kann. Eine ballaststoffreiche Ernährung und Normalgewicht sind die beste Vorbeugung. Bei Entzündung oder Abszessbildung ist eine tierärztliche Behandlung mit Antibiotika und Schmerzmitteln nötig. Bei chronischen Problemen kann eine chirurgische Entfernung der Analdrüsen eine dauerhafte Lösung sein.