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Hund – Gesundheit18.2.2026

Bauchspeicheldrüsenentzündung beim Hund – Symptome und Behandlung

Was ist eine Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein kleines, aber lebenswichtiges Organ, das zwei zentrale Aufgaben hat: Sie produziert Verdauungsenzyme, die Fette, Proteine und Kohlenhydrate im Darm aufspalten, und sie stellt Insulin her, das den Blutzucker reguliert.

Bei einer Pankreatitis entzünden sich die Zellen der Bauchspeicheldrüse. Das Gefährliche: Die Verdauungsenzyme, die normalerweise erst im Darm aktiv werden, beginnen das eigene Gewebe zu verdauen. Die Bauchspeicheldrüse zerstört sich quasi selbst. Diese Selbstverdauung löst eine massive Entzündungsreaktion aus, die nicht nur das Pankreas, sondern auch umliegende Organe und den gesamten Körper betreffen kann.

Akute vs. chronische Pankreatitis

Akute Pankreatitis:

  • Plötzlicher Beginn, heftige Symptome
  • Kann mild verlaufen oder lebensbedrohlich sein
  • In schweren Fällen Organversagen möglich

Chronische Pankreatitis:

  • Wiederkehrende, oft mildere Entzündungsschübe
  • Schleichende Schädigung des Pankreasgewebes
  • Kann langfristig zu exokriner Pankreasinsuffizienz (EPI) oder Diabetes führen

Besonders betroffene Rassen

  • Zwergschnauzer (genetisch erhöhtes Risiko)
  • Yorkshire Terrier
  • Cocker Spaniel
  • Cavalier King Charles Spaniel
  • Boxer
  • Shelties
  • Übergewichtige Hunde jeder Rasse

Ursachen

In vielen Fällen (ca. 90 %) lässt sich die genaue Ursache nicht eindeutig identifizieren (idiopathische Pankreatitis). Bekannte Risikofaktoren und Auslöser sind:

Häufige Auslöser

  • Fettreiches Futter: Der klassische Auslöser! Tischreste, fettes Fleisch, Käse, Schmalz – besonders gefährlich sind einmalige fettreiche „Sünden" (Weihnachtsbraten, Grillreste)
  • Übergewicht: Erhöhter Fettstoffwechsel belastet die Bauchspeicheldrüse
  • Fettreiche Leckerlis: Schweineohr, Markknochen, ölige Snacks

Weitere Risikofaktoren

  • Medikamente: Kortison (Prednisolon), Kaliumbromid (Epilepsie-Medikament), bestimmte Antibiotika
  • Hyperlipidämie: Erhöhte Blutfettwerte (besonders bei Zwergschnauzern genetisch bedingt)
  • Hypothyreose: Schilddrüsenunterfunktion begünstigt erhöhte Blutfette
  • Diabetes mellitus: Pankreatitis und Diabetes treten oft gemeinsam auf
  • Cushing-Syndrom: Erhöhtes Kortisol fördert Entzündungen
  • Trauma: Stumpfes Bauchtrauma (Autounfall, Tritt)
  • Bauchoperationen: Reizung der Bauchspeicheldrüse während chirurgischer Eingriffe

Symptome

Die Symptome einer Pankreatitis können mild bis lebensbedrohlich sein:

Typische Symptome

  • Erbrechen: Oft das erste und deutlichste Symptom – mehrfach, auch nach Wasseraufnahme
  • Appetitlosigkeit: Hund verweigert jedes Futter
  • Bauchschmerzen: Der Hund zeigt die typische „Gebetsstellung" – Vorderkörper tief, Hinterteil oben (ähnlich einer Spielaufforderung, aber ernst und schmerzbedingt)
  • Durchfall: Oft fettig oder wässrig
  • Mattigkeit und Schwäche
  • Aufgeblähter, druckempfindlicher Bauch
  • Fieber
  • Dehydration

Schwere Verlaufsformen

In schweren Fällen kann eine Pankreatitis zu:

  • Schock und Kreislaufversagen
  • Disseminierter intravasaler Gerinnung (DIC) – schwere Blutgerinnungsstörung
  • Akutem Nierenversagen
  • Leberversagen
  • Multiorganversagen
  • Tod (Sterblichkeitsrate bei schwerer akuter Pankreatitis: 25–50 %)

Diagnose

Klinische Untersuchung

  • Bauch abtasten (schmerzhaft, angespannt)
  • Vitalparameter prüfen (Fieber, Dehydration)
  • Allgemeinzustand beurteilen

Blutuntersuchung

Spezifische Pankreas-Enzyme:

  • cPLI (Spec cPL): Der zuverlässigste Bluttest für Pankreatitis beim Hund. Sensitivität ca. 70–80 %
  • SNAP cPL: Schnelltest in der Praxis – positiv oder negativ. Bei positivem Ergebnis Bestätigung durch Spec cPL
  • Lipase und Amylase: Weniger spezifisch, können auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein

Allgemeines Blutbild:

  • Entzündungswerte, Organwerte (Leber, Niere), Elektrolyte
  • Wichtig zur Beurteilung der Schwere und möglicher Komplikationen

Bildgebung

  • Ultraschall: Zeigt Veränderungen der Bauchspeicheldrüse (Schwellung, veränderte Echostruktur, Flüssigkeitsansammlung) und beurteilt die umliegenden Organe
  • Röntgen: Weniger spezifisch, kann aber Gallenwegserkrankungen oder Fremdkörper ausschließen

Behandlung

Stationäre Behandlung (bei schweren Fällen)

Schwere Pankreatitis erfordert eine stationäre Behandlung in der Tierklinik:

Infusionstherapie:

  • Aggressiver Flüssigkeitsersatz zur Kreislaufstabilisierung und Organperfusion
  • Elektrolytausgleich
  • Über Tage notwendig

Schmerzmanagement:

  • Pankreatitis ist extrem schmerzhaft!
  • Opioide (Buprenorphin, Methadon) für starke Schmerzen
  • NSAID wenn möglich (nicht bei Dehydration oder Nierenproblemen)
  • Metamizol als Zusatzmedikation

Anti-Emetika (gegen Erbrechen):

  • Maropitant (Cerenia) – Goldstandard
  • Ondansetron bei schwerem Erbrechen

Frühe Ernährung:

  • Veraltete Empfehlung: Tagelang fasten → VERALTET!
  • Aktuelle Empfehlung: So früh wie möglich (innerhalb von 24–48 Stunden) mit kleinen Mengen fettarmer Schonkost beginnen
  • Frühe Ernährung schützt die Darmbarriere und verbessert die Prognose
  • Bei anhaltendem Erbrechen: Ernährung über Magensonde

Ambulante Behandlung (bei milden Fällen)

Bei milder Pankreatitis kann die Behandlung zu Hause erfolgen:

  • Schmerzmittel: Vom Tierarzt verordnet
  • Anti-Emetikum: Maropitant als Tablette oder Injektion
  • Schonkost: Fettarm, leicht verdaulich, kleine Portionen
  • Subkutane Flüssigkeit: Der Tierarzt kann dir zeigen, wie du deinem Hund Flüssigkeit unter die Haut gibst
  • Strenge Überwachung: Bei Verschlechterung sofort in die Klinik

Ernährung bei und nach Pankreatitis

Die richtige Ernährung – der Schlüssel zur Vorbeugung

Die Ernährung ist bei Pankreatitis entscheidend – sowohl während der Erkrankung als auch langfristig:

Fettarmes Futter:

  • Maximal 10 % Fett in der Trockensubstanz
  • Mageres Hühnchen, Truthahn, fettarmer Fisch, Hüttenkäse
  • Reis, Kartoffeln als Kohlenhydratquelle
  • Kein fettes Fleisch, kein Schweinefleisch, kein Käse, keine Butter

Spezielle Diäten:

  • Royal Canin Gastrointestinal Low Fat
  • Hill's i/d Low Fat
  • Purina EN (Gastroenteric)

Fütterungsregeln:

  • Kleine Portionen, 4–6× täglich – entlastet die Bauchspeicheldrüse
  • Regelmäßige Fütterungszeiten
  • KEINE Tischreste – nie, niemals, unter keinen Umständen!
  • Leckerlis kontrollieren – nur fettarme Varianten (Karotten, Gurke, Reiswaffeln)
  • Konsequenz im ganzen Haushalt – alle Familienmitglieder müssen mitziehen

Was vermeiden?

  • Fettes Fleisch (Lamm, Schwein, Ente)
  • Käse, Sahne, Butter
  • Knochen mit Mark (Markknochen)
  • Schweineohren, Ochsenziemer mit hohem Fettgehalt
  • Fettreiche Leckerlis
  • Tischreste jeder Art

Langzeitfolgen

Exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI)

Nach wiederholten Pankreatitis-Schüben kann so viel Pankreasgewebe zerstört werden, dass die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genug Verdauungsenzyme produziert:

  • Chronischer Durchfall (fettig, großvolumig, übelriechend)
  • Gewichtsverlust trotz gutem Appetit
  • Behandlung: Lebenslange Enzymersatztherapie (Pankreasenzyme zum Futter)

Diabetes mellitus

Wenn die insulinproduzierenden Zellen geschädigt werden:

  • Vermehrtes Trinken und Urinieren
  • Gewichtsverlust
  • Behandlung: Insulintherapie

Vorbeugung

  • Fettarme Ernährung – besonders bei prädisponierten Rassen
  • Keine Tischreste – der einmalige Fettschock (Weihnachtsbraten!) kann eine Pankreatitis auslösen
  • Gewichtsmanagement – Übergewicht ist ein großer Risikofaktor
  • Regelmäßige Fütterungszeiten und portionierte Mahlzeiten
  • Blutfette kontrollieren – besonders bei Zwergschnauzern regelmäßig die Triglyceride bestimmen lassen
  • Medikamente bewusst einsetzen – Kortison nur wenn medizinisch nötig

Zusammenfassung

Die Bauchspeicheldrüsenentzündung ist eine schmerzhafte und potenziell lebensbedrohliche Erkrankung beim Hund. Fettreiches Futter und Übergewicht sind die häufigsten Auslöser. Die Symptome – Erbrechen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und Durchfall – solltest du ernst nehmen und schnell tierärztlich abklären lassen. Die Behandlung umfasst Schmerzmanagement, Flüssigkeitstherapie und eine frühzeitige, fettarme Ernährung. Langfristig ist eine konsequent fettarme Diät der wichtigste Schutz vor Rückfällen. Merke dir den goldenen Grundsatz: Keine Tischreste, kein fettes Fleisch, keine fettigen Leckerlis – damit schützt du die Bauchspeicheldrüse deines Hundes.