Was ist eine Blasenentzündung beim Hund?
Eine Blasenentzündung (Zystitis) beim Hund ist eine Entzündung der Harnblasenschleimhaut, die meist durch Bakterien verursacht wird. Sie gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Harnwege und betrifft Hündinnen deutlich öfter als Rüden. Der Grund: Die Harnröhre der Hündin ist kürzer und weiter, sodass Bakterien leichter in die Blase aufsteigen können. Eine Blasenentzündung ist schmerzhaft und beeinträchtigt das Wohlbefinden deines Hundes erheblich – die gute Nachricht ist, dass sie in den meisten Fällen gut behandelbar ist.
Symptome einer Blasenentzündung beim Hund
Typische Anzeichen
- Häufiger Harndrang: Dein Hund muss auffällig oft raus und zeigt auch drinnen Unruhe und den Drang, sich zu lösen.
- Kleine Urinmengen: Trotz des häufigen Harndrangs setzt dein Hund nur wenige Tropfen Urin ab.
- Schmerzhaftes Wasserlassen (Dysurie): Dein Hund winselt, krümmt den Rücken oder zeigt andere Schmerzzeichen beim Urinieren.
- Blut im Urin (Hämaturie): Der Urin kann rosa, rötlich oder bräunlich verfärbt sein. Manchmal sind auch einzelne Blutstropfen nach dem Urinieren sichtbar.
- Unangenehmer Uringeruch: Der Urin riecht stärker und unangenehmer als gewöhnlich.
- Trüber Urin: Statt klar kann der Urin trüb oder milchig erscheinen.
- Unsauberkeit: Stubenreine Hunde haben plötzlich "Unfälle" in der Wohnung.
- Häufiges Lecken im Genitalbereich: Dein Hund leckt sich auffällig häufig an der Vulva oder am Penis.
- Pressen beim Urinieren: Dein Hund presst sichtbar, ohne dass Urin kommt, oder es dauert auffällig lange, bis er sich löst.
Warnsignale – sofort zum Tierarzt!
- Kein Urinabsatz möglich: Wenn dein Hund trotz Harndrang keinen Urin absetzen kann, kann eine Harnröhrenverstopfung (durch Blasensteine) vorliegen – ein akuter Notfall, besonders bei Rüden!
- Fieber und Abgeschlagenheit: Zeichen einer aufsteigenden Infektion (Nierenbeckenentzündung).
- Erbrechen in Kombination mit Harnwegssymptomen: Kann auf eine Nierenerkrankung hindeuten.
- Starke Bauchschmerzen: Dein Hund lässt sich nicht am Bauch anfassen oder reagiert mit Schmerzäußerungen.
Ursachen einer Blasenentzündung
Bakterielle Infektion
Die häufigste Ursache ist eine aufsteigende bakterielle Infektion. Bakterien aus dem Darm- oder Genitalbereich gelangen über die Harnröhre in die Blase. Die häufigsten Erreger sind:
- Escherichia coli (E. coli) – verantwortlich für über 50 Prozent aller bakteriellen Blasenentzündungen
- Staphylokokken
- Streptokokken
- Proteus
- Klebsiella
Weitere Ursachen
Harnsteine (Urolithiasis): Blasensteine reizen die Schleimhaut mechanisch und begünstigen bakterielle Infektionen. Die häufigsten Steinarten beim Hund sind Struvit- und Calciumoxalatsteine.
Anatomische Besonderheiten: Hündinnen sind aufgrund der kürzeren Harnröhre prädestiniert. Auch eine zurückgesetzte Vulva (Vulvafalte) begünstigt wiederkehrende Infektionen.
Hormonelle Faktoren: Kastrierte Hündinnen haben ein erhöhtes Risiko, da der Östrogenmangel die Schleimhautbarriere in der Harnröhre schwächen kann.
Tumoren: Blasentumoren (besonders das Übergangszellkarzinom) können ähnliche Symptome wie eine Blasenentzündung verursachen und sollten bei älteren Hunden mit wiederkehrenden Harnwegsproblemen ausgeschlossen werden.
Diabetes mellitus: Hunde mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfektionen, da der Zucker im Urin ein Nährboden für Bakterien ist.
Cushing-Syndrom: Das Überangebot an Kortisol schwächt das Immunsystem und begünstigt Harnwegsinfektionen.
Immunsuppression: Medikamente wie Kortison oder eine grundsätzliche Immunschwäche erhöhen das Infektionsrisiko.
Diagnose beim Tierarzt
Urinuntersuchung
Die Urinuntersuchung ist das wichtigste diagnostische Werkzeug:
- Urin-Schnelltest (Teststreifen): Gibt erste Hinweise auf Blut, Eiweiß, Leukozyten, pH-Wert und Glukose im Urin.
- Urin-Sedimentuntersuchung: Unter dem Mikroskop werden Bakterien, weiße und rote Blutkörperchen, Kristalle und Zellen identifiziert.
- Bakteriologische Kultur und Antibiogramm: Die Urinprobe wird auf Nährmedien angelegt, um den genauen Erreger zu identifizieren und zu testen, welches Antibiotikum wirksam ist. Dies ist besonders bei wiederkehrenden Infektionen wichtig.
Wie wird die Urinprobe gewonnen?
- Zystozentese: Die zuverlässigste Methode – der Tierarzt entnimmt Urin direkt aus der Blase mit einer Nadel durch die Bauchdecke. Klingt dramatisch, ist aber für den Hund kaum spürbar und liefert eine unverfälschte Probe.
- Mittelstrahlurin: Auffangen des Urins beim Gassi mit einem sauberen Gefäß. Weniger zuverlässig, da Verunreinigungen möglich sind.
Bildgebung
- Ultraschall: Zeigt die Blasenwand, mögliche Blasensteine, Tumoren und den Zustand der Nieren.
- Röntgen: Kann bestimmte Blasensteinarten sichtbar machen.
Blutuntersuchung
Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen oder Verdacht auf eine Grunderkrankung:
- Nierenwerte (Harnstoff, Kreatinin)
- Blutzucker (Diabetes-Ausschluss)
- Schilddrüsenwerte
- Cortisol (Cushing-Ausschluss)
Behandlung
Antibiotikatherapie
Bei einer bakteriellen Blasenentzündung sind Antibiotika die Standardtherapie:
- Erstinfektion: In der Regel wird ein Breitspektrum-Antibiotikum für 7-14 Tage verschrieben.
- Wiederkehrende Infektionen: Hier ist eine Urinkultur mit Antibiogramm besonders wichtig, um das richtige Antibiotikum gezielt auszuwählen. Die Behandlungsdauer kann auf 4-6 Wochen verlängert werden.
- Wichtig: Gib das Antibiotikum immer über die gesamte verschriebene Dauer, auch wenn die Symptome vorher verschwinden. Zu frühes Absetzen begünstigt Resistenzentwicklungen und Rückfälle.
Schmerztherapie
- Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAIDs): Lindern Schmerzen und Entzündung.
- Spasmolytika: Können bei krampfartigen Schmerzen eingesetzt werden.
Behandlung der Grundursache
- Blasensteine: Je nach Steinart operative Entfernung oder Auflösung durch spezielle Diätfuttermittel.
- Tumoren: Chirurgische und/oder medikamentöse Behandlung.
- Grunderkrankungen: Behandlung von Diabetes, Cushing-Syndrom oder anderen Grunderkrankungen.
Hausmittel und unterstützende Maßnahmen
Hausmittel können eine tierärztliche Behandlung nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen:
- Viel trinken: Ermutige deinen Hund, mehr zu trinken. Ungewürzte Hühnerbrühe im Wasser kann die Trinkmenge erhöhen. Mehr Flüssigkeit spült die Blase durch und verdünnt den Urin.
- Häufig rausgehen: Lass deinen Hund häufiger als gewöhnlich Wasser lassen. Langes Einhalten begünstigt die Vermehrung von Bakterien in der Blase.
- Wärme: Ein warmer Liegeplatz und eine Wärmflasche (in ein Handtuch gewickelt) auf dem Bauch können die Schmerzen lindern.
- Cranberry-Extrakt: Cranberries sollen das Anhaften von E.-coli-Bakterien an der Blasenwand erschweren. Wissenschaftlich ist die Wirkung beim Hund nicht eindeutig belegt, aber als Ergänzung schadet es nicht. Verwende spezielle Tierprodukte, keine gezuckerten Cranberrysäfte.
Vorbeugung
- Ausreichend trinken: Stelle immer frisches Wasser zur Verfügung und ermutige deinen Hund zum Trinken.
- Regelmäßig Wasser lassen: Sorge dafür, dass dein Hund mindestens alle 4-6 Stunden die Möglichkeit hat, sich zu lösen.
- Hygiene: Halte den Genitalbereich sauber und trocken. Bei langhaarigen Hündinnen kann das Kürzen der Haare im Vulvabereich helfen.
- Hochwertiges Futter: Eine ausgewogene Ernährung fördert die Gesundheit der Harnwege.
- Nasskalte Böden vermeiden: Lass deinen Hund nicht auf kalten, feuchten Böden liegen – Kälte im Unterleib kann Blasenentzündungen begünstigen.
- Grunderkrankungen behandeln: Diabetes, Cushing und andere Erkrankungen erhöhen das Risiko und sollten konsequent behandelt werden.
🚨 Wann sofort zum Tierarzt?
- Wenn dein Hund trotz Harndrang keinen Urin absetzen kann (Notfall!)
- Bei Blut im Urin
- Bei Fieber und Abgeschlagenheit
- Wenn die Symptome nach 2-3 Tagen Behandlung nicht besser werden
- Bei wiederholt auftretenden Blasenentzündungen
- Bei Welpen, alten oder chronisch kranken Hunden
- Bei Erbrechen in Kombination mit Harnwegssymptomen
Zusammenfassung
Eine Blasenentzündung beim Hund äußert sich durch häufigen Harndrang, kleine Urinmengen, schmerzhaftes Wasserlassen und manchmal Blut im Urin. Hündinnen sind deutlich häufiger betroffen als Rüden. In den meisten Fällen wird die Blasenentzündung durch aufsteigende Bakterien verursacht und lässt sich gut mit Antibiotika behandeln. Bei wiederkehrenden Infektionen sollten Grunderkrankungen und Blasensteine ausgeschlossen werden. Unterstütze die Behandlung durch viel Flüssigkeitszufuhr und häufiges Rausgehen. Vorbeugend helfen ausreichend Trinken, regelmäßiges Lösen und eine gute Hygiene.