Was sind Grasmilben?
Die Herbstgrasmilbe (Neotrombicula autumnalis) – auch Grasmilbe, Herbstmilbe oder Erntemilbe genannt – ist ein winziger Parasit, der vor allem im Spätsommer und Herbst Hunde (und auch Menschen!) befällt. Genau genommen sind es nur die Larven der Grasmilbe, die an der Haut von Wirtstieren parasitieren. Die ausgewachsenen Milben leben harmlos im Boden und ernähren sich von Pflanzenteilen und kleinen Insekten. Grasmilben sind keine Seltenheit – sie kommen in ganz Mitteleuropa vor und sorgen besonders zwischen Juli und Oktober für heftigen Juckreiz bei unseren Vierbeinern.
Lebenszyklus der Grasmilbe
Zum Verständnis der Problematik ist der Lebenszyklus wichtig:
- Erwachsene Milben leben im Boden und legen Eier.
- Larven schlüpfen und klettern auf niedrige Vegetation (Grashalme, Sträucher) – maximal 20 bis 30 cm hoch.
- Die Larven warten dort auf einen Wirt (Hund, Katze, Maus, Igel, Mensch) und lassen sich beim Vorübergehen abstreifen.
- Auf dem Wirt bohren die Larven ihre Mundwerkzeuge in die Haut, geben ein speichelenzymatisches Sekret ab, das Hautzellen auflöst, und saugen den entstandenen Gewebesaft (Lymphe, aufgelöste Zellen) auf. Sie saugen kein Blut!
- Nach 2 bis 3 Tagen lassen sich die vollgesaugten Larven fallen und entwickeln sich im Boden weiter zu Nymphen und schließlich zu adulten Milben.
Wichtig: Die Larven übertragen in Deutschland keine Krankheitserreger. Das Hauptproblem ist der intensive Juckreiz durch die enzymatische Reaktion.
Wann und wo treten Grasmilben auf?
Saison
- Hauptsaison: Juli bis Oktober (daher „Herbstgrasmilbe")
- Peak: August und September
- Aktivität: Bei trockenem, warmem Wetter besonders stark. Nach Regen nimmt die Aktivität vorübergehend ab.
Typische Orte
- Wiesen und Rasenflächen (besonders sonnige Stellen)
- Parkrasen und Gärten
- Waldlichtungen und Waldränder
- Brach liegendes Grasland
- Felder (nach der Ernte)
Nicht jeder Ort ist gleichermaßen betroffen – oft gibt es regelrechte „Milbennester" auf bestimmten Rasenflächen.
Symptome
Typische Anzeichen
- Intensiver Juckreiz: Das Leitsymptom! Der Juckreiz beginnt einige Stunden nach dem Befall und kann extrem stark sein.
- Kratzen, Beißen, Lecken: Dein Hund kratzt sich heftig, kaut an den Pfoten oder leckt bestimmte Stellen übermäßig.
- Rötungen und Pusteln: An den befallenen Stellen zeigen sich kleine, rote Punkte oder Pusteln (Papeln), die an Mückenstiche erinnern.
- Krustenbildung: Durch das Kratzen und Lecken können Krusten und Hautabschürfungen entstehen.
- Haarausfall: An stark betroffenen Stellen kann das Fell ausdünnen.
Typische Befallsstellen
Die Larven bevorzugen Stellen mit dünner Haut und wenig Fell:
- Pfoten: Zwischen den Zehen und an den Ballen – die häufigste Stelle!
- Bauch und Leisten: Dünne, wenig behaarte Haut.
- Ohren: Ohrränder und Ohrinnenseite.
- Achseln: Innenbereich der Vorderbeine.
- Augenbereich: Augenlider und unmittelbare Umgebung.
- Ellbogen und Sprunggelenke: Bereiche mit geringem Bodenabstand.
Erkennung der Larven
Die Larven sind mit bloßem Auge gerade noch sichtbar – sie erscheinen als winzige, orangerote bis gelbliche Punkte (etwa 0,2 bis 0,3 mm). Bei starkem Befall kannst du zwischen den Zehen oder an den Ohrrändern kleine orangefarbene Pünktchen erkennen. Eine Lupe hilft bei der Identifikation.
Diagnose
Klinisches Bild
Die Kombination aus saisonalem Auftreten (Spätsommer/Herbst), typischen Befallsstellen und orangeroten Larven ist oft ausreichend für die Diagnose.
Beim Tierarzt
- Hautgeschabsel: Unter dem Mikroskop können die Larven identifiziert werden.
- Klebebandtest: Ein Klebestreifen auf die betroffene Stelle gedrückt und unter dem Mikroskop betrachtet.
- Ausschlussdiagnose: Andere Ursachen für Juckreiz wie Flöhe, Zecken, Futtermittelallergie oder Hautpilz müssen ausgeschlossen werden.
Behandlung
Akute Behandlung der Symptome
Da die Larven nur 2 bis 3 Tage auf dem Hund bleiben und dann von selbst abfallen, richtet sich die Behandlung vor allem gegen den Juckreiz und die Hautreaktion:
- Antiparasitäre Wäsche: Baden deines Hundes mit einem milden Shampoo entfernt einen Teil der Larven mechanisch.
- Kühlen: Kühlende Kompressen auf betroffenen Stellen lindern den Juckreiz.
- Entzündungshemmende Sprays oder Cremes: Vom Tierarzt verschriebene Kortikosteroidsalben können bei starker Entzündung helfen.
- Anti-Juckreiz-Medikamente: In schweren Fällen kann der Tierarzt Apoquel (Oclacitinib), Cytopoint oder kurzzeitig Kortison verschreiben.
- Sekundärinfektionen behandeln: Wenn durch das Kratzen bakterielle Hautinfektionen entstanden sind, werden Antibiotika nötig.
Parasitenbekämpfung
Obwohl die Larven nur kurz auf dem Wirt bleiben, können antiparasitäre Mittel den Befall reduzieren:
- Fipronil-haltige Spot-on-Präparate: Können die Larven abtöten. Nicht offiziell für Grasmilben zugelassen, zeigen in der Praxis aber oft Wirkung.
- Permethrin-haltige Sprays: Können die Larven abschrecken oder abtöten (Achtung: Niemals bei Katzen anwenden!).
- Akarizide Umgebungssprays: Können in der Umgebung (Garten) eingesetzt werden.
Vorbeugung
Vermeidung von Befallsgebieten
- Bekannte Milbenstellen meiden: Wenn du weißt, dass ein bestimmtes Wiesengebiet stark betroffen ist, weiche auf andere Spazierwege aus.
- Morgendliche Spaziergänge: Die Larven sind in den Morgenstunden bei Taunässe weniger aktiv. Mittagshitze und trockene Nachmittage sind die Hauptaktivitätszeit.
- Hohes Gras meiden: Bleibe auf Wegen statt durch hohes Gras zu laufen.
Vorbeugender Schutz
- Fipronil-Spot-on: Regelmäßig während der Grasmilbensaison angewendet, kann den Befall reduzieren.
- Neemöl: Wird von manchen Hundebesitzern als natürliche Abwehr auf die Pfoten und den Bauch aufgetragen. Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt, aber es gibt positive Erfahrungsberichte.
- Kokosöl: Ähnlich wie Neemöl als natürlicher Schutz diskutiert. Kann auf die Zwischenzehenräume aufgetragen werden.
- Nach dem Spaziergang: Pfoten und Bauch mit einem feuchten Tuch abwischen, um Larven mechanisch zu entfernen, bevor sie sich festsetzen.
- Rasen kurz halten: Im eigenen Garten den Rasen regelmäßig mähen. Kurzer Rasen trocknet schneller und bietet weniger Lebensraum.
Test: Ist mein Garten betroffen?
Lege an einem warmen, trockenen Tag ein weißes Blatt Papier oder einen weißen Karton flach auf den Rasen. Warte 15 bis 30 Minuten. Wenn du winzige orangerote Punkte auf dem Papier siehst, die sich bewegen, hast du Grasmilbenlarven.
Grasmilben und andere Haustiere
Grasmilben befallen auch Katzen (besonders Freigänger), Kaninchen und andere Kleintiere. Bei Katzen zeigen sich ähnliche Symptome, vor allem Juckreiz an Kopf, Ohren und Pfoten.
Übertragung von Tier zu Tier? Nein! Grasmilbenlarven werden nicht von Hund zu Hund oder von Hund zu Mensch übertragen. Jedes Individuum muss sich eigenständig in der Natur infizieren.
Grasmilben beim Menschen
Auch Menschen können von Grasmilbenlarven befallen werden – typischerweise an Knöcheln, Gürtellinien und anderen Stellen, wo Kleidung eng anliegt. Der Juckreiz ist ähnlich intensiv wie beim Hund und hält einige Tage an.
Wann zum Tierarzt?
- Wenn der Juckreiz extrem stark ist und dein Hund sich blutig kratzt
- Wenn sich offene, nässende oder eitrige Stellen bilden (Sekundärinfektion)
- Wenn der Juckreiz auch außerhalb der Grasmilbensaison anhält (andere Ursache?)
- Wenn du dir nicht sicher bist, was den Juckreiz verursacht
Zusammenfassung
Grasmilben sind saisonale Parasiten, deren Larven im Spätsommer und Herbst intensiven Juckreiz bei Hunden verursachen. Die winzigen, orangeroten Larven befallen bevorzugt Pfoten, Bauch und Ohren. Die Behandlung richtet sich vor allem gegen den Juckreiz, da die Larven nach wenigen Tagen von selbst abfallen. Vorbeugend helfen das Meiden bekannter Befallsgebiete, Fipronil-Spot-on-Präparate und das Abwischen der Pfoten nach dem Spaziergang. Grasmilben sind lästig, aber nicht gefährlich – mit den richtigen Maßnahmen kannst du deinem Hund die Grasmilbensaison deutlich erträglicher machen.