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Hund – Gesundheit18.2.2026

Chihuahua – Charakter, Pflege und rassetypische Gesundheitsrisiken

Der Chihuahua – Kleiner Hund mit großer Persönlichkeit

Der Chihuahua ist die kleinste anerkannte Hunderasse der Welt und stammt ursprünglich aus Mexiko. Trotz seiner winzigen Größe von nur 15 bis 23 Zentimetern Schulterhöhe und einem Gewicht zwischen 1,5 und 3 Kilogramm besitzt dieser Hund ein enormes Selbstbewusstsein. Er ist mutig, anhänglich und überaus loyal gegenüber seiner Bezugsperson. Viele Menschen unterschätzen den Chihuahua aufgrund seiner Größe – doch wer einmal mit einem gelebt hat, weiß, dass in diesem kleinen Körper ein großer Charakter steckt.

Die Geschichte des Chihuahuas reicht weit zurück. Archäologische Funde legen nahe, dass die Vorfahren dieser Rasse bereits bei den Tolteken und Azteken im heutigen Mexiko gehalten wurden. Der Name leitet sich vom mexikanischen Bundesstaat Chihuahua ab, wo die Hunde im 19. Jahrhundert von amerikanischen Reisenden entdeckt und in die USA gebracht wurden. Seit dem späten 19. Jahrhundert werden Chihuahuas als Begleithunde gezüchtet und erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit.

Charakter und Wesen

Der Chihuahua ist alles andere als ein langweiliger Schoßhund. Er besitzt eine bemerkenswerte Intelligenz, einen starken Willen und eine ausgeprägte Persönlichkeit. Typische Charaktereigenschaften sind:

Anhänglichkeit und Treue: Chihuahuas binden sich oft sehr stark an eine einzelne Person. Sie folgen ihrer Bezugsperson auf Schritt und Tritt und können regelrecht eifersüchtig werden, wenn jemand anderes die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Diese enge Bindung macht sie zu wunderbaren Begleitern für Einzelpersonen oder Paare.

Wachsamkeit: Trotz seiner geringen Größe ist der Chihuahua ein aufmerksamer Wachhund. Er meldet zuverlässig jeden Besucher – manchmal auch jeden Vogel, jedes Geräusch und jeden vorbeilaufenden Hund. Diese Bellfreudigkeit kann ohne konsequente Erziehung zum Problem werden.

Mut und Selbstbewusstsein: Chihuahuas scheinen sich ihrer Größe nicht bewusst zu sein. Sie stellen sich problemlos großen Hunden entgegen und zeigen dabei keinerlei Angst. Dieses Verhalten kann gefährlich werden, wenn der kleine Hund einen großen Artgenossen provoziert.

Temperament: Der Chihuahua ist lebhaft, verspielt und voller Energie. Er liebt kurze, intensive Spieleinheiten und kann überraschend schnell und wendig sein. Gleichzeitig schätzt er seine Ruhezeiten und kuschelt gerne unter Decken oder auf dem Schoß.

Sensibilität: Diese Rasse ist emotional sehr feinfühlig. Chihuahuas reagieren stark auf die Stimmung ihrer Menschen und können bei Stress oder Streit in der Familie selbst ängstlich oder nervös werden.

Erziehung des Chihuahuas

Die Erziehung eines Chihuahuas wird leider häufig vernachlässigt – nach dem Motto „Der ist ja so klein, was soll der schon anrichten?". Genau diese Einstellung führt jedoch zu verhaltensauffälligen Hunden, die ständig bellen, schnappen oder andere Hunde anpöbeln.

Konsequenz ist das A und O

Ein Chihuahua braucht genauso klare Regeln und Grenzen wie jeder große Hund. Lass ihn nicht mit Verhalten durchkommen, das du bei einem Schäferhund nicht akzeptieren würdest. Wenn er auf der Couch bellen darf, aber nicht beißen, muss das von Anfang an klar kommuniziert werden.

Sozialisation

Die frühe Sozialisation ist beim Chihuahua besonders wichtig. Durch seine geringe Größe erlebt er die Welt als bedrohlicher als ein großer Hund. Gewöhne ihn behutsam an:

  • Andere Hunde verschiedener Größen
  • Fremde Menschen, auch Kinder
  • Verschiedene Umgebungen (Stadt, Wald, Einkaufszentren)
  • Geräusche (Staubsauger, Straßenlärm, Feuerwerk)
  • Autofahren und Transportboxen

Häufige Erziehungsfehler

  • Auf den Arm nehmen bei Angst: Wenn dein Chihuahua in einer Situation Angst zeigt und du ihn sofort hochnimmst, bestätigst du seine Angst. Besser: Ruhig bleiben, die Situation neutral bewerten und den Hund selbst Erfahrungen sammeln lassen.
  • Vermenschlichung: Ein Chihuahua ist ein Hund, kein Baby. Er braucht Struktur, Bewegung und geistige Auslastung – nicht nur Tragen und Kuscheln.
  • Keine Grenzen setzen: Weil er so niedlich aussieht, lassen viele Besitzer dem Chihuahua alles durchgehen. Das führt zu einem tyrannischen kleinen Hund, der die Familie dominiert.

Haltung und Pflege

Platzbedarf und Bewegung

Der Chihuahua eignet sich hervorragend für die Wohnungshaltung, da er keinen großen Garten braucht. Trotzdem benötigt er tägliche Spaziergänge von insgesamt 30 bis 60 Minuten. Dabei solltest du beachten, dass seine kurzen Beine weite Strecken nur schwer bewältigen. Wanderungen über zehn Kilometer sind für einen Chihuahua nicht geeignet.

Zusätzlich zur körperlichen Bewegung braucht der Chihuahua geistige Auslastung. Intelligenzspielzeug, Suchspiele und kleine Tricks eignen sich hervorragend, um seinen cleveren Kopf zu beschäftigen.

Fellpflege

Es gibt zwei Fellvarianten beim Chihuahua:

  • Kurzhaar-Chihuahua: Pflegeleicht, wöchentliches Bürsten reicht aus. Durch das dünne Fell friert er allerdings schnell und braucht im Winter einen Hundemantel.
  • Langhaar-Chihuahua: Das seidige Fell sollte zwei- bis dreimal pro Woche gebürstet werden, um Verfilzungen zu vermeiden. Besonders hinter den Ohren und an den Beinen bilden sich leicht Knoten.

Zahnpflege

Die Zahnpflege ist beim Chihuahua besonders wichtig. Durch das kleine Kiefer stehen die Zähne oft eng beieinander, was die Bildung von Zahnstein begünstigt. Tägliches Zähneputzen mit einer speziellen Hundezahnbürste und Hundezahnpasta ist empfehlenswert. Auch Kauartikel, die für kleine Hunde geeignet sind, können zur Zahnreinigung beitragen.

Ernährung

Aufgrund seines geringen Körpergewichts hat der Chihuahua einen besonders schnellen Stoffwechsel. Er benötigt hochwertiges Futter mit einem hohen Fleischanteil. Die Futtermenge muss exakt abgestimmt sein, da selbst wenige Gramm zu viel bei einem so kleinen Hund schnell zu Übergewicht führen. Als Richtwert gilt: Ein drei Kilogramm schwerer Chihuahua braucht etwa 100 bis 150 Gramm Nassfutter pro Tag, aufgeteilt auf drei bis vier Mahlzeiten.

Besonders wichtig: Chihuahuas neigen zu Unterzuckerung (Hypoglykämie), vor allem als Welpen. Wenn dein Chihuahua plötzlich apathisch wird, zittert oder taumelt, kann das ein Zeichen für einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel sein. In diesem Fall hilft ein kleiner Klecks Honig auf das Zahnfleisch und ein sofortiger Tierarztbesuch.

Rassetypische Krankheiten und Gesundheitsrisiken

Der Chihuahua hat eine erstaunlich hohe Lebenserwartung von 12 bis 18 Jahren. Trotzdem gibt es einige rassetypische Gesundheitsprobleme, die du kennen solltest:

Patellaluxation

Die Kniescheibenluxation ist eine der häufigsten Erkrankungen bei kleinen Hunderassen. Dabei springt die Kniescheibe aus ihrer Führungsrinne heraus. Betroffene Hunde heben plötzlich ein Hinterbein an, laufen dreibeinig oder hüpfen wenige Schritte, bevor sie wieder normal gehen.

Es gibt vier Schweregrade:

  • Grad 1: Die Kniescheibe springt gelegentlich heraus, geht aber von allein zurück
  • Grad 2: Die Kniescheibe springt häufiger heraus und muss manuell zurückgeschoben werden
  • Grad 3: Die Kniescheibe ist dauerhaft luxiert, lässt sich aber noch manuell reponieren
  • Grad 4: Die Kniescheibe ist dauerhaft luxiert und lässt sich nicht mehr zurückschieben

Ab Grad 2 wird oft eine Operation empfohlen, um Folgeschäden wie Arthrose zu vermeiden. Achte auf einen Züchter, der seine Zuchthunde auf Patellaluxation untersuchen lässt.

Hydrocephalus (Wasserkopf)

Der Chihuahua hat eine natürliche Fontanelle (Molera) – eine offene Stelle am Schädel, die bei vielen Chihuahuas zeitlebens nicht vollständig verknöchert. Bei einem Hydrocephalus sammelt sich zu viel Hirnwasser im Schädel an, was zu neurologischen Symptomen führen kann:

  • Vergrößerter, gewölbter Schädel
  • Kreislaufen oder Orientierungslosigkeit
  • Krampfanfälle
  • Sehstörungen
  • Verhaltensänderungen

Ein leichter Hydrocephalus kann medikamentös behandelt werden, in schweren Fällen ist ein chirurgischer Eingriff nötig.

Trachealkollaps

Der Trachealkollaps (Luftröhrenkollaps) kommt bei kleinen Hunderassen besonders häufig vor. Die Knorpelspangen der Luftröhre werden weich und verlieren ihre Form, sodass die Luftröhre beim Einatmen zusammenfällt. Typisches Symptom ist ein anfallsartiger, hupender Husten, der oft durch Aufregung, Ziehen an der Leine oder Trinken ausgelöst wird.

Vorbeugend solltest du:

  • Ein Geschirr statt eines Halsbandes verwenden
  • Übergewicht vermeiden
  • Die Luftqualität optimieren (nicht rauchen, keine starken Duftstoffe)

Herzerkrankungen

Chihuahuas neigen zu Mitralklappeninsuffizienz und anderen Herzerkrankungen. Achte auf Symptome wie Husten (besonders nachts), schnelle Ermüdung, beschleunigte Atmung oder Ohnmachtsanfälle. Regelmäßige tierärztliche Kontrollen mit Herzultraschall sind bei älteren Chihuahuas empfehlenswert.

Augenprobleme

Die großen, hervorstehenden Augen des Chihuahuas sind empfindlich und anfällig für:

  • Hornhautverletzungen durch Grashalme oder Äste
  • Trockenes Auge (Keratoconjunctivitis sicca)
  • Bindehautentzündung
  • Linsenluxation

Kontrolliere die Augen deines Chihuahuas regelmäßig auf Rötungen, Tränenfluss oder Trübungen.

Hypoglykämie (Unterzuckerung)

Besonders Welpen und sehr kleine Chihuahuas unter zwei Kilogramm sind anfällig für Unterzuckerung. Der schnelle Stoffwechsel und die geringen Energiereserven machen regelmäßige Mahlzeiten unverzichtbar. Symptome sind:

  • Zittern und Schwäche
  • Apathie und Teilnahmslosigkeit
  • Taumeln und Koordinationsstörungen
  • In schweren Fällen: Bewusstlosigkeit und Krämpfe

Füttere deinen Chihuahua-Welpen mindestens vier- bis fünfmal täglich und habe immer Traubenzucker oder Honig griffbereit für den Notfall.

Worauf beim Züchter achten?

Bei der Wahl eines Chihuahua-Züchters solltest du besonders sorgfältig sein, denn leider gibt es viele unseriöse Vermehrer, die auf immer kleinere Hunde züchten. Sogenannte „Teacup-Chihuahuas" unter 1,5 Kilogramm sind keine eigene Rasse, sondern extreme Qualzucht, die zu massiven Gesundheitsproblemen führt.

Ein seriöser Züchter:

  • Ist einem Rassehundverein angeschlossen (VDH/FCI)
  • Lässt seine Zuchthunde auf Patellaluxation und Herzerkrankungen untersuchen
  • Züchtet keine Hunde unter 2 Kilogramm Endgewicht
  • Gibt Welpen frühestens mit 12 Wochen ab (besser 14 bis 16 Wochen)
  • Sozialisiert die Welpen umfassend
  • Beantwortet alle deine Fragen offen und ehrlich
  • Zeigt dir die Elterntiere und die Aufzuchtbedingungen

Chihuahua aus dem Tierschutz

Alternativ zum Züchter kannst du auch einem Chihuahua aus dem Tierschutz ein neues Zuhause geben. In Tierheimen und bei Rassehund-Nothilfen warten viele Chihuahuas auf ein liebevolles Zuhause. Oft sind es Hunde, die aus Überforderung abgegeben wurden, weil die Besitzer die Bedürfnisse der Rasse unterschätzt haben. Mit Geduld und konsequenter Erziehung werden auch Tierschutz-Chihuahuas zu treuen Begleitern.

Zusammenfassung

Der Chihuahua ist ein faszinierender kleiner Hund mit einem großen Herz und einer starken Persönlichkeit. Er eignet sich hervorragend für Menschen, die einen treuen, aufmerksamen und lebhaften Begleiter suchen. Trotz seiner geringen Größe braucht er konsequente Erziehung, artgerechte Beschäftigung und eine aufmerksame Gesundheitsvorsorge. Mit der richtigen Pflege und regelmäßigen tierärztlichen Kontrollen kann ein Chihuahua dich viele Jahre lang begleiten und dir unendlich viel Freude bereiten.