Was ist ein Blutohr?
Ein Blutohr – medizinisch Othämatom oder Auraalhämatom genannt – ist eine Blutansammlung zwischen dem Ohrknorpel und der Haut der Ohrmuschel. Das Ohr schwillt dabei kissenartig an und fühlt sich warm und prall an. Ein Blutohr ist nicht lebensbedrohlich, aber schmerzhaft für deinen Hund und sollte tierärztlich behandelt werden.
Wie sieht ein Blutohr aus?
- Die Innenseite der Ohrmuschel ist prall geschwollen – wie ein mit Flüssigkeit gefülltes Kissen
- Das Ohr fühlt sich warm und teigig-fest an
- Die Schwellung kann einen Teil oder die gesamte Ohrmuschel betreffen
- Das Ohr hängt schwerer und sieht asymmetrisch aus
- Der Hund hält den Kopf oft schief zur betroffenen Seite
- Bei älteren Blutohren kann die Flüssigkeit verklumpen und sich fester anfühlen
Welche Hunde sind besonders betroffen?
- Schlappohrhunde: Labrador, Golden Retriever, Basset Hound, Cocker Spaniel, Beagle
- Hunde mit chronischen Ohrenentzündungen
- Hunde mit Allergien (vermehrtes Kratzen an den Ohren)
- Grundsätzlich kann aber jeder Hund ein Blutohr entwickeln
Ursachen – warum entsteht ein Blutohr?
Ein Blutohr entsteht fast immer durch mechanische Einwirkung auf die Ohrmuschel. Durch heftiges Kratzen oder Kopfschütteln reißen kleine Blutgefäße im Ohrknorpel, und Blut sammelt sich zwischen Knorpel und Haut.
Häufigste Auslöser
Ohrenentzündung (Otitis externa):
- Der mit Abstand häufigste Auslöser! Eine Ohrenentzündung verursacht starken Juckreiz und Schmerz im Ohr. Der Hund schüttelt den Kopf und kratzt am Ohr – dabei reißen die feinen Gefäße.
- Hinter der Ohrenentzündung stehen oft Allergien, Hefepilze oder Bakterien.
Allergien:
- Umweltallergien und Futtermittelallergien lösen Juckreiz an den Ohren aus.
- Wiederkehrende Blutohren sind oft ein Zeichen für eine unbehandelte Allergie.
Fremdkörper im Ohr:
- Grannen (Pflanzensamen), die im Sommer in den Gehörgang gelangen, verursachen starken Reiz und heftiges Kopfschütteln.
Ohrmilben:
- Besonders bei Welpen und jungen Hunden – verursachen starken Juckreiz.
Trauma:
- Bisse von anderen Hunden an der Ohrmuschel
- Anstoßen an harten Gegenständen
- Heftiges Spiel
Autoimmunerkrankungen:
- In seltenen Fällen kann eine Autoimmunerkrankung die Blutgefäße im Ohrknorpel angreifen.
Der typische Ablauf
- Hund hat Ohrenproblem (Entzündung, Juckreiz, Fremdkörper)
- Hund schüttelt heftig den Kopf und/oder kratzt am Ohr
- Durch die mechanische Belastung reißen Blutgefäße im Ohrknorpel
- Blut sammelt sich zwischen Knorpel und Haut → Blutohr
Behandlung
Muss ein Blutohr behandelt werden?
Ja! Auch wenn ein Blutohr nicht lebensbedrohlich ist, solltest du zum Tierarzt gehen:
- Ohne Behandlung wird das Blut im Ohr verklumpen und vernarben. Das Ohr verformt sich dauerhaft und wird zum typischen „Blumenkohr" (wie bei Boxern oder Ringern).
- Die Grundursache (Ohrenentzündung, Allergie) muss behandelt werden, sonst kommt das Blutohr wieder.
- Ein Blutohr ist schmerzhaft – dein Hund verdient eine Behandlung.
Behandlung beim Tierarzt
Je nach Größe und Alter des Blutohrs gibt es verschiedene Behandlungsoptionen:
1. Punktion (Absaugen):
- Die Flüssigkeit wird mit einer Spritze und Kanüle abgesaugt
- Schnell, einfach und schmerzarm
- Nachteil: Hohe Rückfallquote (50–80 %)! Das Blutohr füllt sich oft innerhalb weniger Tage erneut
- Manchmal wird nach der Punktion ein Kortisonpräparat in die Höhle injiziert, um die Entzündung zu hemmen
2. Chirurgische Behandlung (OP):
- Goldstandard bei größeren oder wiederkehrenden Blutohren
- Das Ohr wird aufgeschnitten, das Blut und die Gerinnsel werden entfernt
- Mehrere Durchstechnähte fixieren Haut und Knorpel aneinander und verhindern, dass sich erneut Blut ansammelt
- Oft wird eine Drainage (kleiner Schlauch oder offene Stelle) gelegt, damit restliche Flüssigkeit ablaufen kann
- Heilungsdauer: ca. 2–3 Wochen
- Ergebnis: Meist gutes kosmetisches Ergebnis, deutlich geringere Rückfallrate
3. Drainage mit Tupfer oder Drain:
- Ein kleiner Silikonschlauch oder Tupfer wird im Ohr belassen, damit Flüssigkeit kontinuierlich abfließen kann
- Muss regelmäßig kontrolliert werden
- Gute Alternative zur OP bei manchen Fällen
4. Konservative Behandlung:
- Kompressionsverband am Ohr
- Entzündungshemmende Medikamente
- Kommt nur bei sehr kleinen Blutohren in Frage
- Risiko der Blumenkohr-Bildung höher
Nachsorge
- Halskrause/Trichter: Damit der Hund nicht am Ohr kratzt – mindestens 10–14 Tage
- Antibiotika und Schmerzmittel nach OP
- Ohrenentzündung gleichzeitig behandeln! Sonst kommt das Blutohr garantiert wieder
- Kontrolle beim Tierarzt nach 3–5 Tagen und zum Fädenziehen
- Kopfverband: Manchmal wird ein Verband um den Kopf gewickelt, der das Ohr fixiert
Kosten
| Behandlung | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Punktion (Absaugen) | 50–150 € |
| Chirurgische Behandlung | 200–500 € |
| Nachsorge + Medikamente | 50–150 € |
| Gesamt (OP) | ca. 300–650 € |
Vorbeugung
Die beste Vorbeugung gegen ein Blutohr ist die Behandlung der Grundursache:
- Ohrengesundheit überwachen: Regelmäßige Ohrenkontrolle und -reinigung, besonders bei Schlappohrhunden
- Ohrenentzündungen frühzeitig behandeln: Nicht warten, bis der Hund heftig schüttelt
- Allergien managen: Bei wiederkehrenden Ohrenproblemen nach einer Allergie fahnden lassen
- Fremdkörper vermeiden: Im Sommer nach Spaziergängen in hohem Gras die Ohren kontrollieren (Grannen!)
- Floh- und Milbenschutz: Konsequente Parasitenprophylaxe
- Nach dem Baden: Ohren vorsichtig trocknen – Feuchtigkeit im Gehörgang begünstigt Entzündungen
Kann ein Blutohr von allein heilen?
Theoretisch ja – der Körper resorbiert das Blut über Wochen bis Monate. Aber:
- Es dauert sehr lange (4–6 Wochen oder mehr)
- Das Ohr verformt sich in der Regel dauerhaft (Blumenkohr)
- Es ist schmerzhaft für deinen Hund
- Die Grundursache (Ohrenentzündung) bleibt unbehandelt
Daher empfehlen Tierärzte in den allermeisten Fällen eine aktive Behandlung.
Zusammenfassung
Ein Blutohr beim Hund ist eine schmerzhafte Blutansammlung in der Ohrmuschel, die fast immer durch heftiges Kopfschütteln oder Kratzen bei einer Ohrenentzündung entsteht. Die chirurgische Behandlung mit Durchstechnähten bietet die besten Ergebnisse und die geringste Rückfallrate. Mindestens genauso wichtig wie die Behandlung des Blutohrs selbst ist die Therapie der zugrunde liegenden Ursache – denn ohne Behandlung der Ohrenentzündung oder Allergie wird das Blutohr wiederkommen. Wenn du bei deinem Hund eine kissenartige Schwellung am Ohr bemerkst, geh zeitnah zum Tierarzt.