Was ist Zwingerhusten?
Zwingerhusten – medizinisch als infektiöse Tracheobronchitis oder Canine Infectious Respiratory Disease (CIRD) bezeichnet – ist eine hoch ansteckende Atemwegserkrankung beim Hund. Der Name stammt daher, dass die Erkrankung besonders häufig in Umgebungen auftritt, in denen viele Hunde auf engem Raum zusammenkommen: Zwinger, Tierheime, Hundepensionen, Hundeschulen oder Hundeausstellungen.
Zwingerhusten wird nicht durch einen einzelnen Erreger ausgelöst, sondern durch eine Kombination verschiedener Viren und Bakterien:
Virale Erreger
- Canines Parainfluenzavirus (CPIV): Der häufigste virale Auslöser
- Canines Adenovirus Typ 2 (CAV-2)
- Canines Influenzavirus
- Canines Herpesvirus
- Canines respiratorisches Coronavirus
Bakterielle Erreger
- Bordetella bronchiseptica: Das wichtigste Bakterium beim Zwingerhusten
- Mycoplasma spp.
- Streptococcus equi subsp. zooepidemicus
Typischerweise beginnt die Infektion mit einem Virus, das die Schleimhäute der Atemwege schädigt und den Weg für eine bakterielle Sekundärinfektion ebnet. Erst diese Kombination führt oft zu den schweren Symptomen.
Wie stecken sich Hunde an?
Zwingerhusten ist extrem ansteckend und breitet sich durch verschiedene Wege aus:
- Tröpfcheninfektion: Der Hauptübertragungsweg. Beim Husten, Niesen oder Hecheln werden Erreger in feinen Tröpfchen ausgestoßen und von anderen Hunden eingeatmet.
- Direkter Kontakt: Nase-zu-Nase-Kontakt, gegenseitiges Beschnüffeln
- Kontaminierte Gegenstände: Gemeinsame Wassernäpfe, Spielzeuge, Transportboxen
- Kontaminierte Umgebung: Erreger können auf Oberflächen Stunden bis Tage überleben
Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3-10 Tage nach der Ansteckung. Das bedeutet, dass dein Hund bereits ansteckend sein kann, bevor er die ersten Symptome zeigt.
Besonders gefährdete Hunde
- Welpen und Junghunde (unreifes Immunsystem)
- Ältere Hunde (schwächeres Immunsystem)
- Hunde mit Vorerkrankungen der Atemwege
- Hunde in Mehrhundehaltung oder nach Aufenthalt in Hundepensionen
- Nicht oder unvollständig geimpfte Hunde
- Hunde unter Stress (z. B. nach Umzug oder Adoption)
Symptome – woran du Zwingerhusten erkennst
Das Leitsymptom: trockener, bellender Husten
Das charakteristischste Symptom ist ein trockener, harter, bellender Husten, der oft als „Würgen" oder „als hätte der Hund etwas im Hals stecken" beschrieben wird. Viele Besitzer glauben zunächst, ihr Hund hätte einen Fremdkörper verschluckt.
Typische Merkmale des Hustens
- Trocken und hackernd, ähnlich einem Gänsehupen ("Goose honk")
- Wird durch leichten Druck auf die Luftröhre ausgelöst (z. B. beim Ziehen an der Leine)
- Hustenattacken können so heftig sein, dass der Hund würgt oder weißen Schaum erbricht
- Häufig nachts schlimmer
- Kann durch Aufregung, Bewegung oder kalte Luft verstärkt werden
Leichte Verlaufsform (häufig)
- Starker, trockener Husten über 1-3 Wochen
- Hund ist ansonsten munter und aktiv
- Normaler Appetit, kein Fieber
- Eventuell leichter Nasenausfluss (klar)
Schwere Verlaufsform (seltener, aber möglich)
- Feuchter, produktiver Husten mit Auswurf
- Fieber (über 39,5 °C)
- Grüner oder gelber Nasenausfluss (Hinweis auf bakterielle Infektion)
- Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit
- Atemnot oder beschleunigte Atmung
- Lungenentzündung (Bronchopneumonie) – besonders bei Welpen und immungeschwächten Hunden
Diagnose
In den meisten Fällen stellt der Tierarzt die Diagnose anhand der typischen Symptome und der Vorgeschichte (Kontakt mit anderen Hunden, Hundepension, Hundeschule).
Klinische Untersuchung
- Trachealer Hustenreiz: Leichter Druck auf die Luftröhre löst sofort Husten aus – sehr typisch für Zwingerhusten
- Abhören der Lunge: Beurteilung der Atemgeräusche
- Fiebermessung
- Beurteilung des Allgemeinzustands
Weiterführende Diagnostik (bei schwerer Verlaufsform)
- Röntgen des Brustkorbs: Zum Ausschluss einer Lungenentzündung
- Blutuntersuchung: Entzündungswerte, Blutbild
- Erregernachweis: Abstrich oder Spülprobe aus den Atemwegen – wird selten durchgeführt, da die Behandlung bei den meisten Erregern gleich ist
- Bronchoskopie: In seltenen, chronischen Fällen
Behandlung
Leichte Verlaufsform – oft reichen unterstützende Maßnahmen
Ruhe und Schonung:
- Keine anstrengenden Spaziergänge, kein Toben
- Kurze Leinenspaziergänge zum Lösen
- Stress vermeiden
Halsleinenverbot:
- Wechsle auf ein Geschirr statt Halsband! Druck auf die Luftröhre verschlimmert den Husten erheblich.
Luftfeuchtigkeit erhöhen:
- Trockene Luft reizt die Atemwege zusätzlich
- Feuchte Tücher über die Heizung hängen
- Den Hund ins Badezimmer mitnehmen, wenn du warm duschst – der Dampf befeuchtet die Atemwege
Honig (für erwachsene Hunde):
- Ein Teelöffel Honig kann den Hustenreiz lindern
- Wirkt antibakteriell und beruhigend auf die Schleimhäute
- Nicht für Welpen unter 1 Jahr geeignet
Medikamentöse Behandlung
Hustenstiller (Antitussiva):
- Bei quälendem, trockenem Reizhusten kann der Tierarzt hustenstillende Medikamente verschreiben
- Nur bei trockenem Husten sinnvoll – bei produktivem Husten (mit Auswurf) kontraindiziert!
Antibiotika:
- Nicht bei jedem Zwingerhusten nötig!
- Werden eingesetzt bei: Fieber, grünem Nasenausfluss, Verdacht auf bakterielle Sekundärinfektion oder Lungenentzündung
- Häufig verwendet: Doxycyclin (wirkt gegen Bordetella und Mykoplasmen)
Entzündungshemmer:
- Bei starker Schwellung der Atemwege
- Kurzfristig Cortison-haltige Medikamente
Inhalation:
- Inhalation mit Kochsalzlösung (NaCl 0,9 %) befeuchtet die Atemwege und löst Schleim
- Spezielle Inhalationsmasken für Hunde sind erhältlich
Behandlung der schweren Verlaufsform
- Stationäre Aufnahme in der Tierklinik
- Intensive Antibiotikatherapie (oft intravenös)
- Infusionstherapie
- Sauerstofftherapie bei Atemnot
- Überwachung der Vitalwerte
Dauer und Verlauf
- Leichter Verlauf: 1-3 Wochen, selbstlimitierend
- Mittlerer Verlauf: 2-4 Wochen mit Behandlung
- Schwerer Verlauf: 4-6 Wochen oder länger
- Ansteckungsgefahr: Mindestens 2 Wochen nach Symptombeginn, manchmal länger
Wichtig: Der Husten kann auch nach Abklingen der eigentlichen Infektion noch wochenlang als Reizhusten bestehen bleiben, da die Schleimhäute der Atemwege noch gereizt sind.
Quarantäne und Hygiene
- Isolation: Halte deinen Hund mindestens 2-3 Wochen von anderen Hunden fern
- Keine Hundeschule, kein Hundepark, keine Hundepension
- Gemeinsame Näpfe und Spielzeuge gründlich reinigen und desinfizieren
- Hände waschen nach Kontakt mit dem kranken Hund, bevor du andere Hunde anfasst
Impfung gegen Zwingerhusten
Eine Impfung kann das Risiko und die Schwere der Erkrankung deutlich reduzieren:
Verfügbare Impfstoffe
- Injektionsimpfstoff: Gegen Parainfluenzavirus und Bordetella (oft in der Kombi-Impfung enthalten)
- Intranasaler Impfstoff: Wird in die Nase geträufelt – erzeugt eine lokale Immunität direkt an der Eintrittspforte der Erreger. Schnellerer Schutzaufbau (ca. 72 Stunden).
Wann impfen?
- Grundimmunisierung bei Welpen (als Teil der Kombi-Impfung)
- Auffrischung jährlich, besonders bei Risikopatienten
- Vor dem Aufenthalt in einer Hundepension – die meisten Pensionen verlangen eine aktuelle Zwingerhusten-Impfung
- Vor Hundeausstellungen oder Wettkämpfen
Was leistet die Impfung?
Die Impfung schützt nicht zu 100 % vor einer Ansteckung – es gibt zu viele verschiedene Erreger. Sie reduziert aber deutlich die Schwere und Dauer der Erkrankung. Geimpfte Hunde entwickeln seltener eine Lungenentzündung und erholen sich schneller.
🚨 Wann zum Tierarzt?
- Husten hält länger als 5-7 Tage an oder wird schlimmer
- Fieber (über 39,5 °C)
- Grüner oder gelber Nasenausfluss
- Hund ist apathisch und frisst nicht
- Atemnot oder beschleunigte Atmung
- Welpe oder alter Hund mit Zwingerhusten
- Du bist unsicher über die Diagnose
Zusammenfassung
Zwingerhusten ist eine häufige und in den meisten Fällen harmlose, aber lästige Atemwegserkrankung. Der typische trockene, bellende Husten klingt oft schlimmer, als er ist. Die meisten Hunde erholen sich mit Ruhe, frischer Luft und unterstützenden Maßnahmen innerhalb von 1-3 Wochen. Achte auf Warnsignale wie Fieber, Atemnot oder Appetitlosigkeit – dann ist der Tierarztbesuch wichtig. Die beste Vorbeugung ist eine regelmäßige Impfung, besonders vor dem Kontakt mit vielen anderen Hunden.